Für die Überarbeitung der Sprachstandsfeststellung sollten wir uns ebenfalls Anregungen aus der Wissenschaft und der Praxis holen. Ich glaube, dass wir alle eigentlich gar nicht so weit auseinander sind. Deswegen würde ich mir wünschen, dass man bei dem Thema etwas abrüstet und in einer qualitativ hochwertigen Debatte dafür sorgt, dass die Sprachstandsfeststellung weiterentwickelt wird und die Sprachförderung im Ergebnis allen Kindern zugutekommt. Ich glaube, dann haben wir alle in unserem Land einen großen Nutzen davon. – Vielen Dank.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Marcel Hafke, ich glaube, Andrea Asch hat das als Lob gemeint vorhin.
Das fällt ihr manchmal nicht ganz leicht, aber ich habe es so verstanden. Da kommt immer noch etwas Bissiges hinterher, aber das ist nicht böse gemeint.
Ich hatte mir ein paar schöne Sätze aus Delfin 4 herausgesucht. Ich hätte auch ganz viele Begriffe usw. zitieren können. „Heute trinkt das Telefon einen schlauen Tisch.“ Oder: „Wenn die Gabel schläft, springt sie in den Abend.“ Und so weiter, und so fort.
Mich hat es nicht gewundert, als vor einigen Jahren meine mittlere Tochter bzw. vor einigen Monaten mein Sohn an Delfin 4 teilnehmen mussten, dass zum Beispiel mein Sohn wirklich so gar kein Einsehen hatte, auch nur irgendeinen dieser Sätze nachzusprechen oder mit irgendeinem dieser Begrifflichkeiten irgendetwas anzufangen. Bei meinem Sohn hat es dazu geführt, dass er sich komplett verweigert hat. Er hat bei der ganzen Nummer überhaupt nicht mitgemacht, hat keinen Ton gesagt. Die Nummer war dann relativ schnell durch. Sie wissen, wie es dann letztendlich weitergeht.
Wir sind ja schon zu fortgeschrittener Zeit, deshalb fasse ich mich relativ kurz, alldieweil ich mich schon auf Edward Snowden freue. Delfin 4 ist völliger Blödsinn. Ich bin ein bisschen traurig darüber, dass wir diesen Antrag nicht schon viel früher vorgelegt bekommen haben, spätestens im September, als wir die Aussprache zur Großen Anfrage hatten, hätte dieser Antrag schon kommen können, damit das auf den Weg hätte gebracht werden können.
Frau Kollegin Scharrenbach, ich hatte ein bisschen die Hoffnung gehabt, dass es Konsens in diesem Hause wäre, dass diese Delfin-4-Nummer, also die Sprachstandserhebung, einmal vorsichtig gesagt, eben nicht ihre Wirkung zeigt. Ich bin insofern schon überrascht, dass Sie doch weitgehend daran festgehalten haben. Aber das ist Ihr gutes Recht. Ich bin gespannt, wie wir damit in der weiteren Debatte im Ausschuss umgehen werden.
Viel spannender finde ich den Teil der Sprachstandsförderung, die Frage, wie wir damit umgehen, welche Lösungen wir für die Kinder finden, die tatsächlich unsere Hilfe brauchen, die die Hilfe der Erzieherinnen und Erzieher brauchen, die wirklich fachliche Unterstützung brauchen, um sich sprachlich weiterzuentwickeln, und wie wir die Erzieherinnen und Erzieher in diesen Prozess einbinden. Das sind diejenigen, die sich ein gutes Bild über die Kinder in den Kitas verschaffen können oder die ein präzises Bild von den Kindern haben. Wir müssen auch schauen – das ist eben auch schon angesprochen worden –, wie die Tagespflege mit einbezogen werden kann.
Der SPD-Antrag greift einiges davon auf. Auch der FDP-Antrag geht in eine durchaus sinnvolle Richtung. Über die einzelnen Punkte, die unterhalb des ersten Beschlussfassungspunktes aufgeführt sind, kann man sich sicher streiten. Ob man eine Überprüfung eines neuen Verfahrens dadurch schon einengen muss, weiß ich nicht. Ich freue mich jedenfalls auf die Beratung.
Einen kleinen Hinweis kann ich mir an der Stelle in Richtung der Landesregierung und von Frau Ministerin Schäfer nicht ersparen. Wenn wir sehen wollen, was die Erzieherinnen und Erzieher damit zu tun haben, welche zusätzlichen Aufgaben auf diese zukommen, dürfen wir nicht vergessen, dass diese Fachkräfte in den Kitas schon viel zu tun haben. Wir müssen sie an anderer Stelle dann entlasten oder das Personal entsprechend aufstocken. Ich bin gespannt auf die Beratungen, auf die ich mich freue. In dem Sinne einen schönen Abend.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Jeder, der ein bisschen Sensibilität für Kinder mitbringt, kann sofort erkennen, warum Delfin 4 in der Kindertageseinrichtung nicht funktionieren kann. Der Kollege Düngel hat das am Beispiel seiner eigenen Familie beschrieben. Ich könnte auch ein solches Kind aus meiner Familie benennen. Die Lilly hat auch keinen Ton in dieser Sprachstandsfeststellung gesagt, obwohl sie ein sehr sprachfreudiges Kind ist.
Warum ist das so? Die Erzieherinnen und Erzieher sind den Kindern in ihrer Umgebung sehr vertraut, aber die Lehrerinnen und Lehrer, die diese Tests in den Schulen durchführen, nicht. Damit ist diese Testsituation stark konstruiert. Die Kinder fremdeln, sind angespannt, sie verweigern sich.
Viele Kinder fühlen sich in diesem Verfahren auch unter Druck gesetzt. Die Eltern empfinden es häufig als ihr Versagen, dass ihr Kind in die Sprachförderung muss. Das heißt, es werden wieder die Defizite festgestellt und gemessen.
Frau Ministerin Schäfer, Entschuldigung, dass ich Sie unterbreche. Frau Kollegin Scharrenbach würde Ihnen gerne eine Zwischenfrage stellen.
Auch in der Wissenschaft ist dieses Testverfahren für die Kindertageseinrichtungen grundlegend infrage gestellt. Ein weiterer Kritikpunkt, den ich auch noch benennen will, besteht darin, dass die Träger und die Einrichtungen völlig allein gelassen werden mit der Aufgabe, geeignete Konzepte für eine Sprachförderung daraus zu entwickeln. Oft führen die Einrichtungen die Sprachförderung der Delfin-4Kinder in zusätzlichen und von der Lebenswelt der Kinder völlig losgelösten additiven Maßnahmen durch.
Mehr als 50 Programme haben wir in der Sprachförderung in Nordrhein-Westfalen. Frau Scharrenbach, Sie haben das selbst vor kurzem in dem schon zitierten Artikel in der „Welt am Sonntag“ vom 1. September 2013 gesagt – ich zitiere –: Das ist zu viel. Das ist unübersichtlich. Wir brauchen landesweit einen einheitlichen Standard bei der Sprachförderung.
Im Übrigen möchte ich Ihnen an dieser Stelle noch einmal deutlich machen, weil Sie nach der Evaluation fragten: Wir haben in Nordrhein-Westfalen fünf Regionalkonferenzen durchgeführt. Wir haben mit allen Praktikern gesprochen, die diese Delfin-4Tests in ihren Kindertageseinrichtungen erleben und begleiten. Sprechen Sie mit den Praktikern, dann
Im Übrigen gibt es auch viele Wissenschaftler, die gesagt haben, dass ein in dieser Form durchgeführter Test nicht sehr förderlich ist. Deswegen hat sich auch der Bund darauf schon in diesem BISSVerfahren konzentriert. Also in dem Verfahren, das der Bund aufgelegt hat, ist die Kritik auch schon angelegt.
Wir müssen in NRW die Sprachförderung neu denken. Deswegen begrüße ich auch den Antrag von SPD und Grünen ausdrücklich. Er macht noch einmal auf ein paar grundlegende Erkenntnisse aufmerksam und beschreibt den Weg.
Wir müssen weg von einem testzentrierten System. Es kommt nicht auf den Test an, es kommt auf die Sprachförderung an.
Zum Zweiten – das unterscheidet uns auch noch einmal im Denken – finden wir, dass die Sprachförderung früher beginnen muss. Delfin 4 testet Vierjährige. Man muss aber doch, sobald ein Kind in eine Kita kommt, anfangen zu überprüfen, wie es sich mit der Sprachentwicklung verhält, und darauf reagieren. Das sollten die pädagogischen Fachkräfte tun können, indem sie die Kinder begleiten. Außerdem gehören Beobachtung und Förderung in eine Hand. Das ist ein ganz wichtiges Kriterium.
Noch einmal zur Absicherung, auch hinsichtlich der Fragen, die gestellt worden sind: Es soll an der im Schulgesetz verankerten Individualverpflichtung
festgehalten werden. Das ist sehr wichtig, damit alle Kinder erfasst werden, auch die, die nicht in die Kita gehen.
Eins ist von Herrn Düngel angesprochen worden. Erzieherinnen und Erzieher, die sich in den Kitas mit der Förderung auseinandersetzen wollen, brauchen Unterstützung, brauchen Qualifizierung. Deswegen müssen wir dafür zusätzliche Mittel und Ressourcen bereitstellen. Das alles werden wir bei der nächsten Stufe der KiBiz-Reform gemeinsam verabreden können. Das kann auch genauso vorbereitet werden.
Außerdem ist wichtig, dass diese gemeinsamen Aktivitäten mit Trägern und der Wissenschaft in Kooperation gemacht, entwickelt und von allen begleitet werden. Wenn es in diesem ganzen Kontext einen Schnellschuss gegeben hat, dann war das die seinerzeitige Einführung von Delfin 4.
Frau Scharrenbach, ich weiß nicht, ob Sie damals die Anhörung schon haben begleiten können. Frau Prof. Fried, die diesen Test entwickelt hat, war in der Anhörung selber sehr, sehr unglücklich, wie die damalige schwarz-gelbe Landesregierung ein noch nicht ausreichendes und abgeschlossenes Testverfahren sofort in die Fläche des Landes gebracht hat. Das hat sie selber in der Anhörung gesagt. Ich war dabei, ich habe es gehört. Sie hatte eine ganz ande
re Vorstellung, wie man mit Delfin 4 umgehen sollte. Insofern war das damals gut gedacht – das will ich gar nicht in Abrede stellen –, aber schlicht und einfach schlecht gemacht. Wir sind jetzt auf dem Weg, es gemeinsam weiter zu entwickeln.
Es wäre schön, wenn sich die CDU auch diesen Vorstellungen von SPD, Grüne und auch der FDP anschließen könnte. Da ist der Weg aufgezeigt, den wir als Landesregierung gerne begleiten wollen. – Herzlichen Dank.
Vielen Dank, Frau Ministerin. Frau Ministerin, Sie wollten eigentlich Frau Kollegin Scharrenbach die Gelegenheit für eine Zwischenfrage geben. Ich würde annehmen, dass es jetzt keine Zwischenfrage, sondern eine Art Kurzintervention ist. – Bitte schön.
Vielen Dank, Frau Ministerin. Es betrifft die Einführung von Delfin 4. Uns erschüttert es, wie Sie insgesamt mit diesen Sprachstandsfeststellungsverfahren umgehen. Es ist wissenschaftlich von einer anerkannten Sprachwissenschaftlerin entwickelt worden. Wie man so über dieses Verfahren und auch über die Person, die dahinter steht, sprechen kann, erschüttert uns schon sehr.
Sie sagten gerade: Als wir Delfin 4 eingeführt haben, gab es in der Tat große Kritik von Erziehern und Grundschullehrern an diesem Verfahren. Wir sind jetzt im siebten Jahr und es haben der überwiegende Teil der Einrichtungen Verfahren der Zusammenarbeit gefunden, und es hat sich ein gemeinsames Verständnis entwickelt, und zwar viel mehr als wir durch zahlreiche Projekte zum Übergang von der Kita in die Grundschule erreicht haben. Warum wollen Sie das aufgeben? Das erschließt sich uns nicht wirklich.
Wir sind für die Kinder unter drei Jahren nach intensiver Diskussion zu der Auffassung gekommen, kein zusätzliches Verfahren haben zu wollen, da die Erzieher für diese Kinder Entwicklungsförderer sind. Die sollen am Kind sein und nicht die Zeit mit zusätzlichen Dokumentationen und Verwaltungen vertun. – Deshalb sind wir der Auffassung, dass wir als Landtag Nordrhein-Westfalen in der Tat mehr Fragen zur Beantwortung haben als die, die in diesem Antrag aufgeworfen werden.
Frau Scharrenbach, es ist Ihr gutes Recht, hier noch mehr Fragen aufzuwerfen, als die, die in diesem Antrag aufgeführt sind. Ich weise allerdings ausdrücklich zurück, dass ich Frau Prof. Fried kritisiert habe. Ich habe nur beschrieben, wie sie sich selber in einer Anhörung darüber geäußert hat, wie unglücklich sie mit der
Implementation dieses Delfins-4-Verfahrens in den Kindertageseinrichtungen ist. Ich war persönlich dabei und habe sie gehört, und es ist von vielen bestätigt worden.
Anders als Sie finde ich, dass man tatsächlich erwarten kann, auch in den Einrichtungen, die Kinder unter drei Jahren haben, dass man auf jeden Fall beobachten muss und aus der Beobachtung heraus eine Förderung entwickeln muss.
Und das von dem Tag an, an dem die Kinder in die Tageseinrichtung kommen. Es ist eine Bildungseinrichtung. Wir werden auch die Erzieherinnen und Erzieher entsprechend qualifizieren. Wir brauchen keinen punktuellen Test. Das ist nicht das Problem. Wir brauchen eine kontinuierliche Förderung, die auf einer guten Beobachtungsgrundlage fußt. Das ist das, was wir erreichen müssen.
Vielen Dank, Frau Ministerin. – Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor und das bleibt offensichtlich auch so. Damit schließe ich die Beratung.
Wir kommen zur Abstimmung. Der Ältestenrat empfiehlt die Überweisung des Antrags Drucksache 16/4426 einschließlich des Entschließungsantrags Drucksache 16/4499 an den Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend – federführend –, an den Ausschuss für Schule und Weiterbildung sowie an den Integrationsausschuss. Die abschließende Beratung und Abstimmung sollen im federführenden Ausschuss in öffentlicher Sitzung erfolgen. Ist jemand dagegen? – Enthaltungen? – Beides ist nicht der Fall. Dann haben wir so entschieden.