Protocol of the Session on November 24, 2017

Nächster Punkt. Es ist von großer Bedeutung, dass wir darüber reden: Wenn wir so tun, als würden die Schulen mit

den Unternehmen keinen Austausch pflegen, dann ist das wieder ein Zerrbild. Es gibt die obligatorischen Schulpraktika an den Gymnasien. Meine Tochter hatte erst vor einem halben Jahr in der gymnasialen Oberstufe ein Praktikum, von dem sie sehr profitiert hat. Sie hat dabei einen guten Einblick in die Arbeitswelt gewonnen.

Es ist uns wichtig, dass an den Gymnasien der Austausch mit den Unternehmen stattfindet. Es gibt nämlich nicht nur den direkten Weg an die Universität, sondern es kann nach dem Abitur auch eine Ausbildung gemacht werden. Über die Berufsberatung und die Studienberatung wird sehr wohl sehr ordentliche Arbeit geleistet. Es gibt unterschiedliche Wege in einem durchlässigen hessischen Schulsystem. Darüber sind wir sehr froh.

(Beifall bei der CDU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Kollegin Faulhaber, zur Erwiderung.

Herr Schwarz, ich will Ihnen erst einmal antworten. Ich habe mein Berufsleben im berufsorientierten Unterricht und in Zusammenarbeit mit Berufsschulen verbracht, das war einer meiner Schwerpunkte. Ich kann Ihnen sagen: Das funktioniert sehr wohl, auch wenn es mit Ihrer starren Vorgabe von der Stundentafel nicht funktioniert. Man muss Arbeitslehre in die Stundentafel implementieren, das ist ganz klar.

(Armin Schwarz (CDU): Was fällt dann weg?)

Man muss auch Überlegungen anstellen, wie man das anordnet. Erst einmal ist klar: Ich bin nicht für eine starre Stundentafel. Ich bin für fächerübergreifenden Unterricht, den kann man am besten in der Ganztagsschule und in der Gesamtschule machen.

(Beifall bei der LINKEN)

Dort kann man das verbinden mit Sprache, Mathe, PoWi, und was Ihnen sonst noch einfällt. Das ist natürlich in so einem Gymnasium, von dem Sie wahrscheinlich mehr Ahnung haben als ich, mit so einer starren Stundentafel – wir handeln jetzt in 45 Minuten irgendein Thema ab – nicht zu machen.

Theoretisch ist Arbeitslehre auch nicht zu machen. Das ist eine sehr praxisbezogene und mit Theorie verbundene Interaktion.

(Beifall bei der LINKEN – Armin Schwarz (CDU): Das war keine Antwort auf meine Frage!)

Vielen Dank. – Als Nächster spricht Kollege May für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor Eingang in meine Ausführungen möchte ich zunächst der Kollegin Dr. Sommer, die die Initiative einge

bracht hat, von dieser Stelle aus noch einmal herzlich zum Geburtstag gratulieren. Alles Gute.

(Beifall)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Debatte über Große Anfragen dient dazu, sich einem Bereich zu nähern und ihn etwas genauer anzuschauen. Ich will anerkennen, dass die SPD-Fraktion sehr viele Detailfragen zur Ausbildung, zum Studium und zur Fortbildung der Arbeitslehrelehrerinnen und -lehrer aufgeworfen hat. Dabei wurde sehr ins Detail gegangen.

Trotzdem muss man an dieser Stelle daran erinnern, dass wir diese Debatte in den wesentlichen Punkten schon einmal geführt haben. Wir haben – Prof. Ronellenfitsch zieht immer Vergleiche aus dem Funk und Fernsehen – eine Wiederholung. Wie das dann bei Wiederholungen so ist, sind sie nicht mehr ganz so interessant wie beim ersten Anschauen. Die wesentlichen Fragen, die heute die Debatte zur Arbeitslehre bestimmen, sind vor gar nicht so langer Zeit schon einmal hier besprochen worden. Das war am 18. Mai 2016. Damals ging es um Berufsorientierung und Arbeitslehre. Der Redner der SPD war damals Herr Degen und nicht Frau Dr. Sommer. Die beiden zentralen Fragen, über die wir heute reden, sind damals schon ausgetauscht worden.

Obwohl das jetzt eine Wiederholung ist, will ich Ihnen versichern, auch für meine Fraktion ist die Arbeitslehre eine ganz wichtige Einrichtung. Wir sind uns bewusst, dass das Fach Arbeitslehre sehr wichtig ist und einen sehr wichtigen Beitrag zur Vermittlung von Handlungswissen, genauso wie die generelle Kenntnis der Abläufe in der Arbeitswelt, zur Verfügung stellt. Es ist sehr wichtig für die Jugendlichen, dass sie Möglichkeiten zur Berufsorientierung bekommen.

Schon im Mai 2016 haben wir die Frage diskutiert: Wenn wir Berufsorientierung an den Haupt- und Realschulen und an den Gesamtschulen im Fach Arbeitslehre haben, müsste das dann nicht auch an den Gymnasien eingerichtet werden? Damals haben wir gemeinsam festgestellt, auch beim Bildungsgipfel – vom Kollegen Degen wurde damals festgestellt, dass das ein Ergebnis des Bildungsgipfels war –, dass wir die Berufs- und Studienorientierung an den Gymnasien einführen wollen. Ja, aber als Ankerfach soll das Fach Politik und Wirtschaft genutzt werden.

Das haben wir damals festgestellt und haben uns darüber ausgetauscht, wie das konzeptionell zu verankern ist. Das ist in der Großen Anfrage noch einmal intensiv dargestellt worden. Sie können es in der Vorlage noch einmal nachlesen, dass das konzeptionell und mit Ressourcen breit unterfüttert ist. Von daher nutzt es nichts, immer wieder die gleiche Debatte über Anfragen aufzurufen, ob die Berufsorientierung an den Gymnasien jetzt so oder anders sein soll.

Wenn Sie da etwas ändern wollen, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD, dann stellen Sie doch einmal einen Antrag. Aber ich glaube, über die Diskussion von Großen Anfragen werden wir an dieser Stelle nicht zusammenkommen.

Es ist auch so, dass schon die Frage gestellt wurde, ob es nicht insgesamt wieder ein Fach Arbeitslehre am Gymnasium braucht. Es ist in der Großen Anfrage auch darauf hingewiesen worden: Ja, es ist so, dass wir von 1993 bis 2000 das Fach Arbeitslehre zwischenzeitlich einmal an den

Gymnasien hatten. Mittlerweile ist die Stundentafel weiterentwickelt worden, und wir haben das Thema Berufsorientierung, wie eben schon erörtert, jetzt bei Politik und Wirtschaft untergebracht.

Wenn man jetzt sagt, es soll ein eigenständiges Fach Arbeitslehre geben, dann muss man aber auch sagen: Entweder nimmt man bei einem anderen Fach Stunden weg, oder man sagt, dass diese Stunden obendrauf kommen müssen.

Auch an dieser Stelle richte ich den Appell an die SPD: Wenn Sie der Überzeugung sind, dass man das so machen sollte, dann stellen Sie einen Antrag. Dann können wir uns darüber unterhalten. Wir können, so glaube ich, auch in der geneigten Öffentlichkeit darüber debattieren: Soll es zusätzlich zu dem, was wir an Gymnasien jetzt an Stunden haben, Stunden für Arbeitslehre geben, ja oder nein? – Ich glaube, das wäre dann eine bessere Debatte. Dann müssen wir nicht hier die Verästelung des Studiums debattieren. Denn darum geht es ja im Kern. Von daher der nett gemeinte Hinweis: Wenn Sie da etwas ändern wollen, stellen Sie einen Antrag.

(Beifall bei der CDU)

Natürlich ist es auch so, dass die Arbeitslehre professionell ist. Wir sind sehr dafür, dass Arbeitslehre auch als Studienfach erhalten bleibt. Es ist gut, dass man das als eigenständige Studiengänge in Gießen und Kassel verankert hat. Es ist gesagt worden: Na ja, da ist das Angebot nicht ausreichend. – In meiner Antwort auf die Große Anfrage steht, dass es da zuletzt eine gewisse Unterauslastung gab, weil wir ja gerade im Zuge des Hochschulpakts 2020 da Kapazitäten aufgebaut haben. Von daher scheint mir das nicht so richtig zutreffend zu sein.

Dann gibt es noch die Fragestellung zum Thema fachfremder Unterricht. Das ist zu Recht aufgerufen worden. Denn das erscheint natürlich erst einmal seltsam. Natürlich erscheint das erst einmal irritierend, wenn man sieht, dass so viele Stunden im Fach Arbeitslehre fachfremd unterrichtet werden. Aber auch da gibt die Landesregierung Auskunft darüber, warum man sich dafür entscheidet und warum wir so viele Arbeitslehrelehrer haben, die dann gar nicht so viel Arbeitslehre unterrichten, wie doch eigentlich der Bedarf da wäre.

Ich finde, da ist es eigentlich sehr gut einsehbar, dass man sagt: Wegen des Klassenlehrerprinzips, und weil der Klassenlehrer eine besondere Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern hat, macht er auch Arbeitslehre. Denn da geht es auch darum, die Schülerinnen und Schüler beim Berufspraktikum zu begleiten. – Von daher finde ich das nachvollziehbar. Trotzdem bedeutet das nicht, dass diejenigen, die Arbeitslehre unterrichten, keine Berechtigung hätten. Das ist nicht der Fall. Denn da findet natürlich ein enger fachlicher Austausch statt. Von daher finde ich das keine besonders tragfähige Kritik, die Sie da anbringen.

An dieser Stelle ist ja auch Kollegin Faulhaber darauf eingegangen: Sie hätte lieber keine Stundentafeln, und dass man mehr fachübergreifend unterrichtet. Ich habe ein Schulpraktikum in Kassel an der Reformschule gemacht. Dort gibt es im Wesentlichen Projektunterricht. Natürlich ist es so, dass dann die Lehrerinnen und Lehrer sehr viele Projekte betreuen müssen, für die sie fachlich kein Studium haben und wo man dann eben den fachlichen Austausch mit anderen Lehrern machen muss. Das funktioniert hervorragend.

Von daher glaube ich, dass wir auch bei dem Fach Arbeitslehre unseren Lehrerinnen und Lehrern zutrauen sollten, dass sie das in Zusammenarbeit mit denjenigen, die eine grundständige Ausbildung bekommen haben, ordentlich machen. Ich finde, das Argument der besonderen Beziehung des Klassenlehrers zu seinen Schülern ist ein gutes Argument. Von daher stellt sich da auch die Frage: Wollen Sie daran etwas ändern? Das ist die Frage. Wollen Sie etwas daran ändern? – Dann müssen Sie auch an dieser Stelle einen Antrag schreiben und sagen: Wir wollen nicht mehr, dass Arbeitslehre vom Klassenlehrer unterrichtet wird. – Dann können wir darüber beraten. Aber so zu tun, als ob das jetzt ein mutwillig erzeugter Mangel wäre, finde ich angesichts der umfangreichen Verantwortung nicht angemessen.

Ich komme zum Schluss. Auch für uns hat das Fach Arbeitslehre weiterhin eine sehr große Bedeutung. Wir sind sehr dafür, dass unsere Ausbildung an den Universitäten beibehalten wird. Wir haben dort eine leichte Steigerung der Kapazität vorgenommen. Das ist gut so. Aber wenn wir über grundständige Veränderungen im Bereich Arbeitslehre tatsächlich debattieren wollen und wenn Sie das Anliegen haben, dass wir dort zusätzlich Stunden in der Stundentafel für das Gymnasium verankern wollen, wenn Sie das Anliegen haben, dass das nicht mehr fachfremd, also vom Klassenleiter, unterrichtet wird, dann sollten Sie an dieser Stelle einen Antrag stellen. Denn ich glaube, nach zwei Großen Anfragen ist der Informationsbedarf hinreichend gedeckt. Von daher freue ich mich auf die weiteren Debatten. – Vielen Dank.

(Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der CDU)

Vielen Dank. – Nächster Redner ist Kollege Greilich für die FDP-Fraktion.

Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Lieber Herr Kollege May, ich habe leider zu spät angefangen, eine Strichliste zu machen. Aber es war schon bemerkenswert – ich bin bei fünf Strichen gelandet, aber das waren sicher nicht alle –, wie oft Sie die SPD aufgefordert haben, Anträge zu stellen. Offensichtlich ist das die neue Masche.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Wir haben das bei anderen Beiträgen in den letzten Tagen auch schon gehört: Opposition, ihr müsst hier die Arbeit machen, wir können es nicht.

(Beifall bei der FDP und der SPD – Heiterkeit bei der SPD)

Das nehmen wir zur Kenntnis, aber das ist nicht unbedingt das, was man erwartet.

Zurück zu der Großen Anfrage. Die Antwort der Landesregierung zeigt, dass sich zwei zentrale Themen aus der Anfrage ergeben. So stehen einerseits die Situation des Faches Arbeitslehre und die im Zusammenhang damit benötigten Lehrkräfte im Mittelpunkt. Andererseits steht die Frage nach einer optimalen Berufs- und Studienorientierung im

Mittelpunkt. Beide Fragen sind absolut nicht neu. Aber sie haben auch nichts an Aktualität eingebüßt.

Bezogen auf das Fach Arbeitslehre werden detailliert die Ausbildungsinhalte und die Organisation dargestellt. Die beiden beteiligten hessischen Hochschulen, die Universität in Kassel und die Justus-Liebig-Universität in Gießen, haben ihre Konzepte vorgelegt, die die Verbindung von theoretischem Wissen mit praktischen Erfahrungen herstellen sollen. Das ist gerade mit Blick auf die Zielrichtung des Faches natürlich unerlässlich und wird auch von uns ausdrücklich unterstützt.

Bezüglich des Bedarfs an Ausbildungskapazitäten und Studierendenzahlen äußert sich die Landesregierung ziemlich zurückhaltend. Es heißt dort:

Der Bedarf an Arbeitslehrelehrkräften in den Schulen ist grundsätzlich abdeckbar. Notwendige Studierendenzahlen zu prognostizieren, kann nur spekulativ sein, auch bezüglich der Fluktuation an den Hochschulen innerhalb der Fachbereiche.

Daran ist nichts Falsches. Das ist sicherlich zutreffend.

Damit in direktem Zusammenhang steht die Aussage der Landesregierung in der Vorbemerkung, wo es heißt:

Statistisch gesehen stehen genügend in Arbeitslehre ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung. Sie unterrichten … vielfach mit höheren Anteilen in ihren Zweitfächern.

Begründet wird diese Entwicklung auch damit, dass die Berufsorientierung auch fachfremd in Abstimmung mit den Fachbereichen unterrichtet wird.

Herr Minister, ich würde mir wünschen, dass an dieser Stelle etwas zielgerichteter mit Blick auf absehbare Bedarfe in der Lehrerversorgung – wir haben das in anderem Zusammenhang bei Mangelfächern auch gehabt – geworben und beraten würde in die Richtung, was denn zur Vermeidung eines oft zitierten Schweinezyklus zu welchem Zeitpunkt wohl sinnvoll und ratsam bei der Wahl von Studiengängen und Ausbildungsgängen sei.

In der Frage 19 haben Sie noch einmal explizit einige der zentralen Themen wie demografischen Wandel, Arbeit 4.0, Digitalisierung und Entgrenzung von Arbeit aufgegriffen. Aber auch hier duckt sich die Landesregierung in weitem Umfang weg und verweist darauf, dass – ich zitiere – „die vorgenannten Aspekte … allerdings stärker dem Fach Politik und Wirtschaft zuzurechnen“ seien.