Gleichwohl ist die Entscheidung für einen Standort gewiss kein Selbstgänger. Es gibt komplizierte Fragen, die auch die Finanzierung betreffen. Ich möchte an die Beteiligten im Raum Kiel, vor allem in der Kieler Kommunalpolitik, ausdrücklich appellieren, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern mit Nachdruck weiter für ihre Konzeption, die sie der Arbeitsgruppe präsentiert haben, einzutreten, für die Realisierung weiter zu werben und entsprechende Beiträge einzuwerben.
Das Wort für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erteile ich jetzt der Frau Abgeordneten Angelika Birk.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Fraktion hat sich am letzten Dienstag ausführlich mit der Thematik beschäftigt und folgenden Beschluss gefasst: Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN begrüßt ein Landeshaus der Geschichte ich denke, wir sollten bei der Namensgebung bescheiden sein, es geht um Landesgeschichte -, das sich auf die jüngere Zeit seit etwa 1848 bezieht. Inhaltlich erwarten wir eine kritische Auseinandersetzung mit der Landesgeschichte, die sowohl die Entwicklung auf dem Land, in den Häfen und in den Städten berücksichtigt - und zwar im ganzen Land, nicht nur in einer Region - als auch revolutionäre und restaurative Tendenzen sowie die Rolle der Frauen, der Einwanderung und insbesondere auch des Nationalsozialismus exemplarisch aufarbeitet. Die im Regierungsbericht vorgestellte Skizzierung ist hierzu eine gute Diskussions
Ich bin meinen Vorrednerinnen und Vorrednern dankbar, dass durch ihre jeweilige Exemplifizierung, was sie sich vorstellen, die Beratungsgrundlage noch sehr viel breiter geworden ist. Bei Frau Erdsiek-Rave konnte ich mir das ähnlich wie bei der Skizze am Ende des Regierungsberichts schon richtig konkret vorstellen und die konzeptionellen Vorstellungen bis hin zur Einbindung von Schleswig-Holstein in die Ostseeregion, in den Ost-West-Konflikt, haben das Bild noch einmal runder gemacht.
Wir erwarten ein Museum, das als Schaufenster der Landesgeschichte für Einheimische wie für Touristen große Attraktivität besitzt.
Nun möchte ich auf den Fortgang unserer Beratungen, seit wir das letzte Mal hier gesprochen haben, noch einmal eingehen. Wir haben in unserer Fraktion einmal auch ein wenig in unserer eigenen Geschichte gekramt
und kamen gemeinsam zu dem Schluss, dass es sehr gut ist, dass nun das ganze Haus eine Idee aufgreift, die am Anfang innerhalb unserer grünen Fraktion vor allem Irene Fröhlich hochgehalten hat.
Sie hat nämlich schon in der Zeit, bevor wir uns als Fraktion gegründet hatten, aber auch danach immer wieder mit Fachleuten an diesem Thema gearbeitet, aber - wir geben das zu - der Koalitionsvertrag ist an dieser Stelle sehr von Finanzrealismus geprägt. Wir hatten uns nämlich tatsächlich - das hat Frau Schwarz richtig zitiert - darauf zurückgezogen zu sagen: Na gut, ein Haus der Geschichte kriegen wir sowieso nicht, also dann wenigstens in Gottorf eine kleine landesgeschichtliche Präsentation.
Nun ist die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes weitergegangen. Wir wissen, dass in Schloss Gottorf neue Konzeptionen Platz gegriffen haben, das, was wir ursprünglich festgehalten haben, ist nunmehr durch das neue Konzept der Landesregierung überholt.
Auch das Thema Medienfenster, das wir in der letzten Debatte als Grüne vorangestellt haben, wird nun durch das Konzept der Landesregierung auf größere Füße gestellt. Es geht auch um ein Medienfenster. Moderne Medien sind ganz bewusst hervorgehoben. Ich denke, die Dialogmöglichkeiten - auch das haben wir in unserem Beschluss festgehalten -, die durch die Medien entstehen, sollten genutzt werden. Hochschulen, Schulen, Bibliotheken, aber auch andere Orte, an
denen sich Leute zusammenfinden, sollten gute Möglichkeiten haben, durch ein solches Medienfenster mit dem Museum Kontakt aufzunehmen - wie auch umgekehrt das Medienfenster in dem Museum auf andere wichtige historische Orte in Schleswig-Holstein und auf andere Museen verweisen sollte. Das alleine aber soll es eben gerade nicht sein. Es ist ja auch an großzügige Räumlichkeiten gedacht. Die Finanzierungsmöglichkeiten hierzu sind in dem Bericht zumindest andiskutiert.
Wir haben uns nun - nach einer solch ausführlichen Auseinandersetzung kann es wohl auch nicht anders sein - mit dem Standort beschäftigt. Es soll vorkommen, dass an den Haaren herbeigezogene Begründungen für die Notwendigkeit, wichtige landesweite Einrichtungen in der Landeshauptstadt und nirgendwo sonst anzusiedeln, herhalten müssen. Ich verfüge als jemand, der seit 1989 gerne in Lübeck wohnt, da so über gewisse Erfahrungen. Im Fall des von der Landesregierung vorgestellten Projektes eines Landeshauses der Geschichte aber leuchtet aus der Sache heraus unmittelbar ein, dass Kiel der richtige Standort ist. In Ergänzung zu dem, was Herr Dr. Klug ausgeführt hat, möchte ich darauf verweisen, dass diese Stadt eigentlich erst in den letzten 150 Jahren zur Landeshauptstadt geworden ist. Als Marine- und Werftstandort war sie mehr als das - in guten wie in schlechten Tagen. Die Entwicklung Schleswig-Holsteins - des modernen Schleswig-Holstein, wie wir es heute kennen - hängt ganz eng mit der Entwicklung der Stadt Kiel zusammen.
Ich sage aber auch ganz deutlich, dass wir SchleswigHolstein nicht als Anhängsel zur Kieler Stadtgeschichte verstanden wissen wollen; das wäre verkürzt.
In Schleswig und Lübeck sind Museen zu finden, die die wichtigen Rollen dieser Städte in früheren Epochen der Region des heutigen Schleswig-Holstein dokumentieren. Das sollte auch weiterhin der Fall sein.
Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass mir der Besucherrückgang der Einrichtungen in Schleswig in den letzten Jahren ein wenig Sorge macht. Wir brauchen attraktive Museumskonzepte. Das in Schleswig entstandene Problem darf aber nicht dergestalt gelöst werden, dass dort ein neues Museum geschaffen wird. Vielmehr muss jedes Museum für sich sprechen und muss für sich attraktiv sein. Ich glaube, die Stadt Kiel hat gute Plätze und hervorragende Immobilien, die für dieses Vorhaben geeignet sind. Ich erinnere neben dem schon erwähnten Warleberger Hof zum Beispiel an die Festung Friedrichsort. Durch entsprechende Verkehrskonzepte kann man auch diesen
scheinbar entlegenen Standort attraktiv machen. Vorübergehende Ereignisse dort, die durchaus ihre Besucherschaft gefunden haben, haben das gezeigt.
Damit bin ich aber auch schon bei einem weiteren Stichwort: dem lieben Geld. Es muss auf jeden Fall eine seriöse Finanzplanung her. Ein erster Bericht kann dazu nur erste Hinweise geben: Auch wenn in ihm schon einige Zahlen enthalten sind, ist das noch kein Finanzierungskonzept. Ich möchte an dieser Stelle deutlich darauf hinweisen, dass auch wir davon ausgehen, dass mehrere Finanziers gefunden werden müssen. Eine Stiftung zu gründen ist sicherlich eine gute Anregung. Aber auch eine Stiftung finanziert sich nun einmal nicht von alleine. Wir müssen daran denken, dass ein solches Konzept nicht auf Kosten - das wurde von meinen Vorrednern schon hervorgehoben anderer kleiner historisch engagierter Initiativen gehen kann.
Ich denke einmal an meine Region und an den Versuch der Gedenkstätte Ahrensbök, die wir als Bildungsausschuss ja kürzlich besucht haben. Ich sage bewusst: den Versuch einer Gedenkstätte, denn bisher gibt es ein Haus, bei dem es durch das Dach regnet, ein Grundstück, auf dem das Gras meterhoch steht, und es gibt ein paar junge Leute und eine engagierte Bürgerinitiative, die mit wenig Geld diesen Standort überhaupt zugänglich gemacht haben. Es fehlt aber an Dokumenten, an der Sicherung des Gebäudes und an vielem, was man dort zeigen will.
EU- und Bundesgeldgeber haben zunächst einmal kritisch gefragt, was Schleswig-Holstein als Land selbst bisher dafür getan hat, um die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in entsprechenden Gedenkstätten zu zeigen. An diesem Punkt blieben die Geldgeber skeptisch und haben der Initiative deshalb nicht gleich offenen Herzens und offenen Geldbeutels ihre Unterstützung angeboten.
In Lübeck haben wir, um einmal ein ganz anderes Beispiel zu nennen, ein kleines, aber sehr engagiertes Industriemuseum in der Gegend der ehemaligen Metallhütte. Auch dieses kämpft immer wieder um Gelder und zeigt dabei mehr als nur Dinge, die lediglich für Lübeck interessant sind.
Wir müssen also sehr genau auf die Finanzierung achten. Daher ist es auch passend, dass wir im Bildungsausschuss im Augenblick gerade den Museumsbericht diskutieren. Wir müssen also zu einer Gesamtlandschaft kommen, in der dieses neue Haus seinen Platz hat. Alles zusammen muss auf einer soliden
Nun noch etwas zu den Inhalten. Vorhin habe ich gesagt, dass es um das ganze Land und nicht nur um eine Region gehe. Daher sei mir nun die Kritik erlaubt, dass die Gegend nördlich des Kanals und die Westküste in den mir vorliegenden Stichworten des Regierungsberichtes für eine mögliche Präsentation aus meiner Sicht einen sehr viel größeren Raum einnehmen als beispielsweise der Südosten und das Hamburger Umland.
Ich denke, wir gehen gemeinsam davon aus - und das habe ich auch schon in meiner ersten Rede so gesagt -, dass Geschichte nicht als eine Fortentwicklung zum Guten und zum Fortschritt interpretiert werden kann, wie es vielleicht noch der alte Philosoph Hegel getan hat. Wir dürfen auch keine romantische Parteiengeschichte betreiben. Wir tun gut und richtig daran, sowohl die positiven als auch die negativen Entwicklungen, die Fort- und Rückschritte ehrlich aufzuarbeiten.
Wir dürfen weder Heimatkunde betreiben noch einen tendenziösen Entwicklungsroman vorstellen. Das gilt auch für das große Kapitel der Einwanderung, das die Schleswig-Holsteiner ja nicht nur mit Freude begrüßt haben. In Schleswig-Holstein gab es mehrere Einwanderungswellen, sowohl auf dem Lande als auch in der Stadt. Diese Einwanderungen haben natürlich ihre Spuren hinterlassen; sie sind Teil von SchleswigHolstein geworden. Es ist eine große Chance, auch dies mit seinen negativen und positiven Seiten darzustellen.
Alles in allem sind wir sehr daran interessiert, dass das Haus der Geschichte dialogorientiert wird, dass engagierte Historiker - seien es Laien, seien es Profis mitwirken können und dass ein breiter Diskussionsprozess entsteht. Wir danken all denjenigen, die dazu bereits beigetragen haben, und hoffen, dass sich das Projekt weiter so positiv fortführen lässt. Wir werden uns daran beteiligen. Wir sehen uns hierzu auch in den Haushaltsberatungen wieder. Ich hoffe, dass wir bis dahin genauer wissen, wie wir dieses Thema sowohl kurz- als auch langfristig seriös weiter bearbeiten sollen. Ich glaube, wir werden nicht auf einen Schlag all das bekommen, was wir uns wünschen. Es ist aber
Das Wort hat jetzt die Vorsitzende des SSW im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Frau Abgeordnete Anke Spoorendonk.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als wir vor gut einem Jahr das Thema „Haus der Geschichte“ erstmals im Landtag debattierten, ging es um die Idee; das war allen Redebeiträgen anzumerken. Mit dem vorliegenden Bericht nimmt das Haus nunmehr Gestalt an.
Die von Professor Wolf gebildete Arbeitsgruppe hat uns ein Konzept in die Hand gegeben, das es uns als Abgeordnete leicht macht, eine Grundsatzentscheidung zur Gründung eines „Schleswig-Holsteinischen Hauses der Geschichte“ zu treffen. Dafür danke ich allen Beteiligten im Namen des SSW.
Eines steht für uns außer Zweifel: Es muss bei dem angedachten Museum um ein richtiges und nicht nur um ein virtuelles Museum gehen. Wir wollen richtige Räume mit richtigen Exponaten, die man erleben und anschauen kann.
Ein Haus der Geschichte muss - da stimme ich der Expertenkommission zu - „im Kern eine ständige historische Ausstellung beherbergen, die anerkannten musealen Kriterien entspricht“. Weiterhin muss sich das Museum thematisch - auch da stimmen wir überein - auf Schleswig-Holsteins Weg in der Moderne beschränken. Konkret heißt es dazu in dem Bericht - ich werde jetzt nicht alles zitieren, weil die Kollegin Schwarz das schon getan hat, rufe aber noch einmal in Erinnerung -, dass es um drei ausgewählte tragende Themen gehen soll: Demokratisierung, wirtschaftliche Entwicklungen und Zusammenleben.