Protocol of the Session on November 15, 2001

(Beifall bei FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Auf Seite 26 des Berichts heißt es, dass innerhalb der einzelnen Kreise regionale Museumsberatungsinstanzen parallel zu den jeweiligen Denkmalämtern auf Kreisebene geschaffen werden sollten. Ich darf daran erinnern, dass nach dem Konnexitätsprinzip so etwas bedeutet, dass bei Übertragung zusätzlicher Aufgaben dann eigentlich das Land auch den finanziellen Beitrag dazu leisten müsste. Ich weiß nicht, wenn ich dies zum Abschluss noch sagen darf, Frau Präsidentin, ob wir uns nicht mit den kommunalen Gebietskörperschaften möglicherweise in einen unnötigen Konflikt begeben. Wir brauchen so etwas wie eine Informationsbörse, eine Vernetzung, eine Instanz, die Informationsaustausch, aber auch Beratung organisiert. Dies hätte das alte Museumsamt in Schleswig sein können, das nun aufgelöst worden ist. Ich kann mir auch vorstellen,

(Dr. Ekkehard Klug)

dass in Zukunft der Museumsverband selber so etwas in die Hand nimmt, aber dazu braucht er dann Unterstützung auch vonseiten des Landes. Dass wir so etwas wie eine Ideenbörse organisieren, die Informationen beispielsweise über Ausstellungen austauscht, sodass jemand, der etwas Gutes macht, dies auch anderen anbieten kann, halte ich für sehr sinnvoll und notwendig.

Alles Weitere zu diesem Thema im Ausschuss!

(Beifall)

Ich erteile der Frau Abgeordneten Birk das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Museumslandschaft in SchleswigHolstein lebt. Dies haben meine Vorrednerinnen und Vorredner deutlich gemacht und diesem Urteil kann ich mich anschließen. Sie lebt dank des Engagements vieler verschiedener Fachleute, aber eben auch dank des Engagements vieler Laien. Auch von unserer Fraktion hier einen Dank an diejenigen, die dieses Leben in sich tragen und weitergeben. Aber sie lebt auch dank der geschickten Nutzung von Stiftungskonstruktion und Synergieeffekten, die durch gemeinsame Aktionen der Museen mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival, der Kieler Woche oder ähnliche kleinere Ereignisse vor Ort erfolgt.

(Beifall bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Angesichts der knappen Kassen, die wir haben, und angesichts des großen Zustroms an Touristinnen und Touristen in unsere Museen kann ich nur sagen, dass das wirklich ein gelungener Synergieeffekt ist, den man natürlich noch steigern kann. Ich möchte nicht all die Anregungen von Herrn Klug wiederholen. Das, was Sie gesagt haben, liegt auf der Hand. Die Ministerin hat einige Neuerungen angekündigt, die in eine ähnliche Richtung gehen.

Ich möchte an dieser Stelle ganz deutlich sagen, dass die Museen nicht nur für den Tourismus gut sind, sondern eben auch für die junge und insbesondere die ältere Generation einen sehr wichtigen Identifikationsfaktor darstellen. An dieser Stelle sei mir die Bemerkung erlaubt: Wie bei allen Kultureinrichtungen werden sie mehrheitlich von Frauen besucht und mehrheitlich Frauen engagieren sich dafür; dies macht auch diese Debatte deutlich. Auch dies sollte hier einmal gewürdigt werden.

(Beifall bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die neuen Highlights der Museen - Tönning, das wieder eröffnete Buddenbrookhaus - wurde schon erwähnt. Ich möchte diese Liste nur um ein Museum erweitern, das noch nicht genannt wurde. Der Bildungsausschuss konnte sich überzeugen, wie hervorragend die Restauration im Schloss Eutin gelungen ist und wie geschickt es die dortige Museumsleiterin versteht, örtliche Sponsorinnen und Sponsoren mit einem sinnvollen und sehr lebendigen Konzept in die Finanzierung und die Nutzung des Hauses einzubeziehen.

Ich möchte auf ein paar Dinge eingehen, die noch nicht gesagt wurden. Erstens. Ein ganz wichtiges Museum ist nicht erwähnt und das ist der Landtag. In der letzten Legislaturperiode ist durch die Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht von diesem Hause eine Initiative der Aufarbeitung dieses Geschichtsteils ausgegangen, die, glaube ich, über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus beispielhaft ist. Ich hoffe, dass es in Zukunft in jeder Legislaturperiode gelingt, ein - ich betone: ein - solches bewegendes Ereignis zu schaffen; denn Museen sind nicht nur in Museen, sondern sie sind überall dort, wo sich Menschen mit der Geschichte und der Gegenwart, mit Kunst und Kultur kontrovers und lebhaft auseinander setzen. In diesem Sinne ist eben auch der Landtag eine Stätte lebendiger Auseinandersetzung,

(Dr. Ekkehard Klug [FDP]: Aber kein Muse- um!)

ein Stück weit aber auch ein Museum. Ich kann dies nicht als Makel empfinden.

Neben dem Erschließen von vielen neuen Kulturschätzen ist gerade auch die Auseinandersetzung mit unserer jüngsten Geschichte wichtig. Dass dies durch junge Leute erfolgt, ermutigt ebenso wie das vorsichtige, aber doch zunehmende Würdigen des jüdischen Lebens in unserem Lande. Auch diesem Pflänzchen sollten wir aufhelfen.

(Beifall der Abgeordneten Monika Heinold [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], Rolf Fischer [SPD] und Dr. Ekkehard Klug [FDP])

Wir Grünen möchten uns für mehr Museumspädagogik einsetzen. Neben der Vermarktung halten wir dies für ganz wichtig. Wir finden es zukunftweisend, dass eine Bürgerstiftung geplant ist, die gerade die Geschichte der Nazizeit, aber auch die jüngere Arbeitsund Industriegeschichte mit zum Gegenstand haben wird. Wir finden es richtig, einen Dialog der Kulturen gerade auch in der Museumslandschaft zu fördern. Wir halten es für sehr gut, dass das Land hier eine Initiative aus Lübeck aufgreift, der Völkerkundesammlung und dem Puppenmuseum ein gemeinsames Stiftungsdach zu geben.

(Angelika Birk)

Wir haben skeptische Anmerkungen zu der Diskussion um das Haus der Geschichte, die uns ja noch bevorsteht. Ich habe an dieser Stelle schon einmal deutlich gemacht, dass gerade dieses Thema aus meiner Sicht der Bearbeitung durch moderne, mediale Formen bedarf und dass wir angesichts der Haushaltssituation sehr vorsichtig sein sollten, wenn wir uns einer solchen Aufgabe ehrlich widmen. Diese Debatte steht uns noch ins Haus.

Vielleicht nur so viel, was das Thema Haushalt angeht: Ich finde die Anregung des Kollegen Klug, über Sperrvermerke nachzudenken, wenn uns notwendige Berichte vorenthalten werden, für unsere Fraktion durchaus bedenkenswert.

(Beifall der Abgeordneten Monika Heinold [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Jürgen Weber [SPD])

Das Wort hat Frau Abgeordnete Anke Spoorendonk.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mir fiel bei dieser Debatte der dänische Zeichner und Karikaturist Robert Storm P. ein, von dem es viele Zeichnungen mit zwei Stadtstreichern gibt. Da fragt der eine: Du, Perikles, was ist Kultur? - Der andere antwortet: Damit reibt man Möbel ein.

(Heiterkeit)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit meine ich, Museen und Museumspolitik stehen normalerweise nicht auf der Bestsellerliste der Landtagsdebatten. Wenn man unter der Überschrift „Kulturhoheit des Landes“ Bildungsthemen diskutiert, dann doch eher das Thema Unterrichtsversorgung und weniger Museumspolitik.

Der Bericht über die Entwicklung der Museumslandschaft in Schleswig-Holstein setzt drei Schwerpunkte. Er geht auf Strukturen und Konzepte, auf Besucherverhalten und auf die Frage nach den Konsequenzen der Auflösung des Museumsamtes ein. Mit dem letzten Punkt werde ich mich jetzt nicht befassen; dazu wird es im Ausschuss noch Gelegenheit geben, wobei ich doch anmerken möchte, dass es da einige Formulierungen gibt, die meiner Meinung nach so abstrakt sind, dass sie es verdienen, einmal kritisch hinterfragt zu werden. Das werde ich mir für die Ausschussberatung aufheben.

(Unruhe - Glocke der Präsidentin)

Einen Moment bitte, Frau Abgeordnete. Die Aussage der Frau Abgeordneten Spoorendonk muss nicht durch die Lautstärke in diesem Raum unterstrichen werden. Sie haben wieder das Wort!

Der SSW begrüßt die Entwicklung von Schwerpunktmuseen nach dem so genannten Leuchtturmprinzip, nicht zuletzt, weil dadurch auch das Jüdische Museum in Rendsburg einen neuen Stellenwert bekommt. Wer sich mit der Entwicklung der schleswigholsteinischen Museumslandschaft in den letzten zehn Jahren befasst hat, wird wissen, dass es immer wieder Kritik an dem bisherigen Konzept dieses Museums gegeben hat. Aus unserer Sicht ist es richtig zu sagen, dass es sich beim Jüdischen Museum nicht in erster Linie um ein Kunstmuseum, sondern um ein historisches und damit auch um ein kulturhistorisches Museum handelt.

(Beifall der Abgeordneten Rolf Fischer [SPD] und Konrad Nabel [SPD])

Aus dem Bericht geht weiter hervor, dass die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für eine derartige Umgestaltung erst noch geschaffen werden müssen, zum Beispiel über die Nachschiebeliste. Hoffentlich ist dies inzwischen passiert.

In den letzten Jahren haben sich die Besucherzahlen der schleswig-holsteinischen Museen zunehmend erhöht. Dazu ist schon einiges gesagt worden. Das gilt erfreulicherweise auch für die Landesmuseen auf Schloss Gottorf. Die Besucherzahlen des Wikingermuseums in Haithabu liegen seit Jahren stabil bei circa 150.000 Besuchern pro Jahr. Das sollte man hier vielleicht einmal anmerken.

Wichtiger aber als Zahlenspielereien ist es aus unserer Sicht, sich mit Entwicklungen im Verhalten der Besucher zu befassen. Hierzu stellt der Bericht klar, dass der Trend eindeutig in Richtung mehr Touristen, mehr Gruppen, mehr Schulklassen und mehr Familien geht. Um diesem Trend gerecht zu werden, müssen Museen heute neue Wege beschreiten. Das ist so, daran ist auch nichts Verwerfliches. Trotz aller Überlegungen in Richtung Wirtschaftlichkeit und touristischer Nutzung darf aber nicht vergessen werden, dass Museen unser kollektives Gedächtnis als Gesellschaft darstellen.

(Beifall der Abgeordneten Silke Hinrichsen [SSW], Dr. Ulf von Hielmcrone [SPD] und Caroline Schwarz [CDU])

(Anke Spoorendonk)

Herausgegeben vom Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtags - Ausschussdienst und Stenographischer Dienst

Diese Forderung umzusetzen, sollte immer das vorrangige Ziel einer Museumspolitik sein.

Der Bericht greift nicht die hier im Haus geführte Debatte über ein Haus der Geschichte auf. Das ist auch nicht seine Aufgabe. Diese Debatte wird noch zu führen sein. Dennoch gehört sie dazu, wenn es um die Perspektiven für den Ausbau der Museumslandschaft geht. Konkret wird hervorgehoben, dass eine Reihe von Themenkomplexen unterrepräsentiert ist. Dazu gehört die Landesgeschichte mit den speziellen Aspekten der Zeitgeschichte, des 20. Jahrhunderts, der Geschichte der Industrie und des Alltages.

Da der SSW schon immer ein Museum für Zeitgeschichte gefordert hat, möchte ich vor dem Hintergrund der noch zu führenden Debatte um ein Haus der Geschichte jetzt nur anführen, dass die Zeit aus unserer Sicht mehr als reif ist für ein Landesmuseum für Zeitgeschichte. Es muss ja nicht wie in Bonn mit 160 Millionen DM angeschoben werden, es kann ja klein und bescheiden anfangen und trotzdem ein modernes, aktives und vielleicht auch wachsendes Haus werden. Es kann ja auch so sein, dass die Ideen, die in der Diskussion um ein Haus der Geschichte angeklungen sind, aufgegriffen werden. Themen gibt es genug: NS-Zeit, Grenzland, Minderheiten, Friesen, Dänen, aber auch Eingewanderte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, politische Geschichte des Landes und Bedeutung für Reich und Republik.

Um es mit Professor Uwe Danker vom Institut für Zeit- und Regionalgeschichte zu sagen:

„Alles das, was den Grund unserer Gegenwart ausmacht, ist auch ausstellbar und vorzeigenswert. Es könnte für die zahlreichen touristischen Gäste ebenso spannend und Gewinn bringend sein wie für die in unserem eigenen Interesse wichtige Erinnerungsarbeit im Land und speziell in den Schulen des Landes.“

Wen noch mehr Gründe interessieren, der sei auf Umdruck 15/1615 verwiesen, in dem die Stadt Schleswig in einem umfangreichen Katalog deutlich macht, warum Schleswig der richtige Ort für ein künftiges Haus der Geschichte ist. Dieser Meinung kann ich mich anschließen.

(Beifall bei der CDU)

Das war für mich eine wichtige Botschaft der heutigen Debatte.

(Beifall bei SSW, SPD und CDU)

Weitere Wortmeldungen sehe ich nicht. Ich schließe die Beratung. Es ist beantragt worden, den Bericht der Landesregierung dem Bildungsausschuss - ich schlage vor, zur abschließenden Beratung - zu überweisen. Wer so beschließen will, den bitte ich um das Handzeichen. - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Dies ist einstimmig so beschlossen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Die Sitzung ist geschlossen.

Schluss: 18:08 Uhr