Dazu gehören zum Beispiel die Museumsshops. Die liebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen ist ja das Einkaufen, wie der Freizeitforscher Professor Dr. Horst Opaschowski schon festgestellt hat. Dieses Bedürfnis muss auch befriedigt werden können. Museen, die mit wenig oder gar keinem Profil, ohne Schwerpunktsetzung staubtrocken ihre Exponate zeigen, ohne Museumsshop und Museumscafe, haben ein echtes Problem mit den Besucherzahlen.
Aber dennoch ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Ich möchte deshalb noch ein paar kritische Anmerkungen machen, nämlich zum Thema Schloss Gottorf beziehungsweise zum Thema Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Nach wie vor ist die Stiftung eingebunden - oder besser gesagt: angebunden - an die Landeshaushaltsordnung. Das wirkt sich korsettmäßig aus und lässt ein echtes wirtschaftliches Handeln nicht zu. Hamburg hat diese Bindung aufgehoben und fährt gut damit. Die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen ist eine Stiftung ohne echten Kapitalstock. Das Kapital besteht aus den Liegenschaften, den Gebäuden und den Beständen. So etwas bringt nun einmal keine Zinsen, keine Rendite. Berechnungen haben ergeben, dass 160 Millionen bis 170 Millionen DM - ich weiß, das ist eine utopische Zahl; gerade jetzt, wo wir vor den Haushaltsberatungen stehen; guck nicht so, lieber finanzpolitische Sprecher der CDU! - notwendig wären, damit das Land die große Last los wäre, jedes Jahr wieder einen gehörigen Landeszuschuss gewähren zu müssen.
Es gibt noch ein weiteres Problem bei der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Das ist die Besetzung des Stiftungsrates. Darauf haben wir schon damals bei der Beratung des Projektes hingewiesen. Zwei der insgesamt vier Sitze werden im Stiftungsrat vom Land besetzt. Zum einen sind Sie, Frau Ministerin, zum zweiten ist unser großer Vorsitzender des Bildungsausschusses Mitglied. Diese beiden Personen, insbesondere die Bildungsministerin, befinden sich in einem ständigen Interessenkonflikt. Als Vorsitzende des Stiftungsrates haben Sie, Frau Ministerin, die Interessen der Stiftung zu vertreten und als Ministerin - völlig klar - müssen Sie auf dem Geld sitzen. Das ist eine ungute Konstellation, die einer guten Entwicklung
Ich möchte noch eine zweite Sache kritisch anmerken, nämlich die Vernachlässigung der Kultur für Wenige. Den Grundsatz der stärkeren Besucherorientierung und Wirtschaftlichkeit tragen wir voll mit. Das können Sie auch in unserem Entschließungsantrag zum letzten Haushalt nachlesen und das wird auch dieses Jahr wieder eine Rolle spielen. Aber nicht immer darf man danach fragen, ob eine Ausstellung viele Besucher bringt. Es gibt auch sehr wertvolle Ausstellungen, die nicht besucherbegeisternd sind, die nicht gefällig oder publikumswirksam sind. Ich nenne als Beispiel die Ausstellung von Adolf Frohner, die bis zum letzten Sonntag in Schloss Gottorf zu sehen war. Es handelt sich hier um eine ernst zu nehmende, bedenkliche Antizipation des 11. September, denn in seinen Werken hat der Künstler die Grausamkeit, zu denen Menschen fähig sein können, dargestellt. Es war eine Ausstellung, die kein Publikumsmagnet war, es war jedoch eine sehr wichtige und wertvolle Ausstellung.
Ich persönlich bin besonders traurig darüber, dass das „Haus der Geschichte“ keine Rolle in dem Bericht spielt. Es wird nur einmal am Rande erwähnt, dabei ging es jedoch nur um Raumkapazitäten und Ähnliches. Ich setze viele Hoffnungen auf die Beratungen, die wir im Dezember durchführen wollen, wenn das Konzept für das „Haus der Geschichte“ vorgestellt wird. Erlauben Sie mir die Bemerkung: Das Haus gehört natürlich nach Schleswig.
Ich beantrage die Überweisung an den Bildungsausschuss. Dort werden wir uns darüber bestimmt sehr nett unterhalten.
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren. Zunächst möchte auch ich unseren Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums für diese Bestandsaufnahme aussprechen. Sie zeigt, dass die Museumslandschaft in unserem Lande viele
wichtige Häuser und auch Leuchttürme – also die ganz großen Häuser - umfasst, dass ihre Gestaltung aber noch nicht zu Ende ist.
Hierzu einige Anmerkungen: Die Menschen in unserem Land entdecken ihre Geschichte und ihre Umwelt neu. Allein seit 1997 sind 15 qualifizierte Museen neu gegründet worden, die sich mit Geschichte, aber auch mit der Natur befassen.
Gleichzeitig befindet sich seit der Umwandlung der Gottorfer Museen keines mehr in unmittelbarer staatlicher Verwaltung. Die Mehrzahl unserer Museen fußt auf einem massiven ehrenamtlichen Engagement. Die Verwurzelung der Museumsarbeit in der Bevölkerung ist die tragende Säule unserer reichhaltigen und vielfältigen Museumslandschaft. Hierfür gilt es den Ehrenamtlern einmal herzlich Dank zu sagen.
Gleichzeitig aber zeigt ein genaueres Studium der Zahlen und Fakten des Berichtes, dass auf Dauer nur die Museen überleben können und weiterhin Menschen als Besucher, freiwillige oder qualifizierte Mitarbeiter oder Sponsoren an sich binden können, wenn sie auf dem modernsten Stand sind. Dabei spielen zeitgemäße Darstellungsmethoden - mit Rücksicht auf den Kollegen Greve wollte ich ursprünglich Events sagen - und viele andere Dinge eine große Rolle, unter anderem die persönliche Ansprache, der Abbau von Hemmschwellen.
Hier besteht in vielen Häusern des Landes durchaus noch Anpassungsbedarf. Land und Kommunen gaben 1998 für nicht wissenschaftliche Museen und Ausstellungen 10,50 DM pro Einwohner aus. Damit stehen wir an vorletzter Stelle im Bund. Ich wage zu bezweifeln, dass gerade auch die Leuchttürme unter den Museen ohne staatliche Hilfe auf Dauer bestehen können, aber selbstverständlich müssen die Häuser selbst neue Wege beschreiten, um zu wirtschaftlichen Ergebnissen zu kommen, und sie tun dies ja bereits auch. Im Übrigen haben auch nur so Sponsoren ein Interesse daran, sich finanziell zu engagieren. Sie wollen natürlich ihren Namen nur mit Erfolgen in Verbindung bringen. Ich denke, unsere Museen sind dabei auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel angelangt.
Der Bericht macht indessen auch deutlich, was in unserer Museumslandschaft noch fehlt. Unter anderen möchte hier zwei Punkte erwähnen:
Es fehlt erstens an der Darstellung der Zeitgeschichte - das hat Frau Kollegin Schwarz richtig gesagt. Die Geschichte des Landes seit 1864 ist nicht im Museem vertreten. Dabei ist diese Geschichte besonders interessant, aber natürlich auch in Teilen sehr widersprüchlich. Ich nenne nur Preußen, der deutschdänische Gegensatz, die Nazidiktatur und die Zeit nach dem Krieg. Unzähligen Veröffentlichungen zu diesen Themen steht keine Sammlung und keine geschlossene Darstellung gegenüber.
Vielleicht wachen Sie jetzt noch einmal auf! Unser Land war und ist hoffentlich wieder Schnittpunkt europäischer Kulturströmungen. Da ist wieder die Lage zwischen Skandinavien und Mitteleuropa zu nennen. Der Jahrhunderte alte deutsch-dänische Kulturaustausch - den es auch gegeben hat - wird nirgendwo geschlossen gezeigt und dargestellt, obwohl sich die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg anbietet. Unsere gemeinsame Geschichte besteht nicht nur liebe Anke - aus kriegerischen Auseinandersetzungen.
Es gab Architekten, Bildhauer, Maler, beispielsweise im Goldenen Zeitalter, die aus Schleswig-Holstein gekommen sind. Aber auch die kulturellen Strömungen aus den Niederlanden, die ganz erheblich waren, haben ihre Darstellung noch nicht gefunden.
Diese Defizite werden sich nicht aus dem leeren Füllhorn der Landeskasse beheben lassen. Die Bevölkerung und auch die Sponsoren können hier ein weites Betätigungsfeld finden.
Alles in allem: Unsere Museen sind ein Schatz unseres Landes, der aber noch nicht in allen seinen Teilen gehoben ist. Aber wir sind dabei, ihn zu heben und ihn zusammen mit den Menschen im Land aufzupolieren und ihn uns und unseren Gästen zu zeigen, denn die touristische Bedeutung ist nicht unerheblich. Es gehen nämlich mehr Menschen in unsere Museen, als unser Land Einwohner hat.
(Beifall bei SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN, vereinzelt bei der CDU und Beifall des Abgeordneten Dr. Ekkehard Klug [FDP])
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Bedeutung der Museen für unser Land ist sehr hoch zu veranschlagen. Über 2,4 Millionen Besucher laut einer Statistik, die nur ausgewählte Museen erfasst, sind in diesem Bericht für das Jahr 2000 genannt. Übrigens gibt es für diesen ausgewählten Bereich einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 12,5 %. Das sind Steigerungsraten, über die wir, wenn wir sie denn in anderen Bereichen hätten, glücklich und stolz wären. Wir wissen, dass diese Museen als Faktor übrigens für andere Bereiche, den Fremdenverkehr, den Tourismus, in unserem Land eine ungeheure Bedeutung haben. Viele unserer Besucher, viele unserer Feriengäste zählen zu den Museumsbesuchern.
Vielfach sind Museen in der Region so etwas wie allgemeine Kulturzentren, weil dort eben auch kulturelle Veranstaltungen unterschiedlichster Art neben dem „normalen“ Museumsangebot stattfinden. Auch deshalb kommt es nicht so sehr darauf an, über die Öffentlichkeitsarbeit kontinuierlich von Jahr zu Jahr immer noch eine weitere Steigerung zu erreichen. Auch der Bericht weist darauf hin, dass das permanente quantitative Wachstum sicherlich irgendwann einmal eine Obergrenze erreicht. Aktivitäten oder Angebote wie die Zeitungsbeilage „Erlebnis Museum“ im schleswig-holsteinischen Zeitungsverlag, aber auch die Internetpräsenz der Museen soll dazu beitragen, diese hohe Niveau und damit die Bedeutung der Museen in diesem Land als Kulturangebot, aber auch als Faktor im Bereich der Attraktivität SchleswigHolsteins für auswärtige Besucher zu halten und weiterzuentwickeln.
Der Bericht führt aus, dass seit 1997 - dies ist das Jahr des letzten vorgelegten umfangreichen Museumsberichts der Landesregierung - immerhin 15 neue qualifizierte Museen hingekommen sind. Die Ministerin hat einige herausragende Beispiele schon genannt. Ich habe genauso wie Sie das Multimar Wattforum auf meinem Zettel stehen. Mit über 200.000 Besuchern im letzten Jahr ist es ein großartiger Erfolg.
Das Archäologisch-Ökologische Zentrum in Albersdorf und auch den Museumshof Lensahn möchte ich aus der Liste von 15 Punkten erwähnen.
Letzterer hat mir bei meinen dortigen Besuchen mit dem breiten Angebot sowohl im Bereich der Geschichte, Volkskunde, Landwirtschaft, aber auch Naturschutz sehr gut gefallen. Es gibt sicherlich viele ebenfalls sehr beachtliche und eigentlich nennenswerte
Positiv möchte ich registrieren, dass nach dem Vorbild der französischen „Classes du Patrimoine“ mit dem Projekt zum Kulturerbe in Schleswig-Holstein eine Anregung aus unserer Partnerprovinz Pays de la Loire in Frankreich aufgenommen worden ist. Es ist eine sehr interessante französische Initiative, die dort im Schulunterricht eine wichtige Rolle spielt. Dies habe ich mir bei einem Besuch in unserer Nachbarregion einmal vor Ort angesehen. Hier kann man von Partnern wirklich auch lernen.
Lassen Sie mich ganz kurz zu Kritikpunkten kommen. Wir schätzen die Arbeit der Stiftung SchleswigHolsteinische Landesmuseen und wir würdigen auch die positiven Akzente, die dort sichtbar sind. Gleichwohl hat es die Stiftung seit der Verabschiedung des Stiftungsgesetzes nicht fertig gebracht, den eigentlich jährlich vor den Haushaltsberatungen vorzulegenden Tätigkeitsbericht abzuliefern. Dies bleibt ein herber Kritikpunkt.
Es bleibt jedenfalls im Bereich der Überlegungen meiner Fraktion, bis zum Abschluss der Haushaltsberatungen, wenn denn nichts anderes hilft, gegebenenfalls mit einem Sperrvermerk bei Teilen der Landesmittel zu versuchen, die Stiftungsleitung zumindest etwas auf Trab zu bringen. Ich meine, das Parlament darf so etwas nicht durchgehen lassen. So wichtig und anerkennenswert die Arbeit dort auch ist, es gibt eine gesetzliche Verpflichtung der Stiftung zu dieser Berichterstattung uns gegenüber. Ich glaube, diese sollten wir sehr nachdrücklich einfordern.