- Wirtschaftsausschuss zur Beratung überwiesen werden. Wer so beschließen will, den bitte ich um das Handzeichen. - Gegenstimmen? - Stimmenthaltungen? - Dann haben wir auch dies einstimmig beschlossen.
Ich erteile zunächst der Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur, Frau Erdsiek-Rave, das Wort.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wenn man den Bericht der Landesregierung noch einmal Revue passieren lässt, kommt man eigentlich zu einem sehr erfreulichen Resümee, nämlich dem, dass wir in Schleswig-Holstein eine sehr vielfältige Museumslandschaft haben und dass alle Angebote sehr gut nachgefragt werden. Es gibt jedenfalls keinen generellen Mangel an Besucherinnen und Besuchern. Allerdings muss man hervorheben: Besonders gut entwickelt sich die Nachfrage in den Museen, die ein neuartiges Profil haben oder die eine besonders innovative gute Museumspädagogik haben. Als Beispiele seien hier das Multimar Wattforum, die Phänomenta oder auch das Archäologisch-Ökologische Zentrum Albersdorf hervorgehoben. Bei Letztem frage ich mich, ob es wirklich so heißen muss oder ob man nicht einmal einen zündendern Namen erfinden kann. Aber dieses Museum hat - und das ist phänomenal - einen Besucheranstieg von 600 im Jahre 1997 auf fast 10.000 im Jahre 2000 zu verzeichnen. Das ist un
Neue Projekte werden also trotz knapper Mittel überall im Lande verfolgt. Ich nenne hier stellvertretend die beiden Vorhaben eines landesgeschichtlichen Museums und eines dezentralen Industriemuseums. Über Erstes sprechen wir ja demnächst an anderer Stelle. Und wir bemühen uns, die Qualität der bestehenden Einrichtungen zu verbessern.
Ich will, weil mir ja nur wenig Zeit zur Verfügung steht, in aller Kürze die Aufgabenstellungen, die sich in Zukunft für uns ergeben, stichwortartig skizzieren.
Erstens. Das Thema Vermarktung. Ich denke, wir brauchen an allen Stellen ein noch professionelleres Museumsmarketing, wie man das heute nennt, vom Museumsshop über den Internetauftritt bis zum Kulturserver. Insoweit gibt es schon sehr gute Ansätze im Lande, aber - das muss man einfach feststellen - auch noch gravierende Unterschiede im Niveau.
Der zweite Punkt betrifft die Verbindung von Kultur und Tourismus, ein Thema, das sich durch viele Debatten hier im Landtag zieht, und dies, wie ich finde, zu Recht. Denn es ist für dieses Land sehr wichtig und elementar, das Element der Kultur bei der Entwicklung des Tourismus nicht nur stets mit zu betrachten, sondern wirklich auch als integralen Bestandteil zu sehen. Ich glaube, dieses Bewusstsein ist noch längst nicht in allen Köpfen vorhanden. Wir, die wir uns der Kulturpolitik verpflichtet fühlen, sollten uns mit den Tourismuspolitikern regelrecht verbünden, um das im Lande voranzubringen.
Natürlich gibt es schon sehr viele positive Beispiele hierfür. Eines will ich mindestens nennen, nämlich das Buddenbrookhaus in Lübeck, das sich hervorragend entwickelt hat, das natürlich im Kontext der EXPO ganz besondere Angebote entwickelt hat. Hieran sieht man, wie attraktive Museen an guten Standorten Bestandteil von Tourismus sehen können. Das kann man daran wirklich betrachten. Wer von Ihnen noch nicht dort gewesen ist, sollte sich das wirklich einmal anschauen.
Natürlich gibt es bestimmte Voraussetzungen dafür, dass dies geschehen kann. Das sind die so genannten Alleinstellungsmerkmale. Das ist eben das besondere Profil, das diese Museen haben.
Der nächste Aspekt betrifft die Verknüpfung und Vernetzung. Die einzelnen Museen im Lande müssen sich besser untereinander vernetzen. Sie müssen, denke ich,
ihre Angebote auch noch besser aufeinander abstimmen. Die berühmten Synergieeffekte müssen genutzt werden. Insoweit versprechen wir uns einiges von der Diskussion des Museumsverbandes, der ja jetzt zu seiner Herbsttagung zusammenkommt. Wir gehen davon aus, dass von dort wichtige Impulse in diese Richtung kommen werden.
Der nächste Punkt betrifft die neben dem Sammeln und Bewahren zentrale und wichtige Aufgabe der Museen, das Präsentieren und, damit zusammenhängend, eine zeitgemäße Museumspädagogik. Wir müssen einfach davon ausgehen, dass sich Seh- und Besuchergewohnheiten verändert haben. Die Schaukästen und Tafeln früherer Zeiten sind eben für heutige, insbesondere junge Menschen nicht mehr attraktiv und ihr Lerneffekt kann auch bezweifelt werden. Die Entwicklung läuft in eine Richtung, wie man sie etwa bei der Phänomenta in Flensburg beobachten kann. Neudeutsch nennt man das, was da geschieht, also die Verbindung von Lernen, Unterhaltung und Freizeitgestaltung, Edutainment.
- Man nennt es so. Aber ich bekomme in jüngster Zeit so viele Briefe in Sachen Anglizismen, dass ich mich immer bemühe, sie nicht zu verwenden.
Der nächste Punkt betrifft die Trägerschaften beziehungsweise neue Formen der Trägerschaften. Dies treiben wir mit unseren Möglichkeiten mit Nachdruck voran. Namentlich gilt dies natürlich für solche Trägerschaften, die die wirtschaftliche Eigenständigkeit befördern. Wir realisieren dies derzeit beispielhaft mit der Gründung einer privaten Stiftung für das Schlossmuseum Ahrensburg zum Beginn des nächsten Jahres und für das Projekt „Neues Textilmuseum in Neumünster“. Letztes ist, finde ich, ein sehr unterstützenwertes Projekt, das an die alten Traditionen dieser Stadt anknüpft.
Zum Schluss, Herr Präsident, muss ich natürlich noch einen Satz zum Kern der Museumslandschaft, zur Stiftung Gottorf, machen, wo neben baulichen Veränderungen und Renovierungsmaßnahmen ein wirklich gewaltiger Schub an touristischen Attraktivitäten bevorsteht, wenn das nahezu komplett mit privaten Mitteln finanzierte Projekt Fürstengarten und Globushaus realisiert wird.
Manche Veränderung kann man natürlich auch durch die Veränderung der Organisation erreichen. Das betrifft die Integration des Kerns des Museumsamtes in das Ministerium. Ich glaube, dass dies zur konzeptionellen Weiterentwicklung erheblich beitragen wird.
Ich spare mir, Ihnen zum Schluss noch einige Empfehlungen für Museumsbesuche in Schleswig-Holstein zu geben. Zwei muss ich dennoch nennen. Wer noch nicht im Multimar Wattforum war, der hat wirklich etwas versäumt.
Bitte schauen Sie sich auch die neue Nydamhalle auf Gottorf an. Auch dieses Projekt ist sehenswert. Insbesondere Gottorf ist immer einen ganzen Sonntag wert.
Ich glaube, dass dieser Bericht eine gute Grundlage für weitere Beratungen bietet und ich würde mich sehr über die Unterstützung neuer Projekte im Lande freuen.
Herr Präsident! Ich hoffe, dass der Zeitpunkt des Aufrufs dieses Tagesordnungspunktes und die geringe Präsenz nicht zeigen, welchen Stellenwert dies hohe Haus der Kultur im Lande beimisst.
Ich hoffe das sehr. - Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal möchte ich den Kolleginnen und Kollegen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW herzlich dafür danken, dass Sie einer Verlegung des Tagesordnungspunktes in die jetzige Tagung zugestimmt haben. Das letzte Mal hätte ich nicht dabei sein können. Darüber wäre ich sehr traurig gewesen. Herzlichen Dank.
Ich danke dem Bildungsministerium und insbesondere der Kulturabteilung herzlich für den vorgelegten Bericht. Herr Dr. Opitz, bitte geben Sie diesen Dank an Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter.
Der Bericht ist interessant aufgebaut, klar gegliedert und enthält viele qualifizierte und zukunftweisende Überlegungen. Er lässt auch deutlich erkennen, dass sich Schleswig-Holstein - sagen wir einmal - den Üblichkeiten im bundesweiten und auch im internationalen Denken anschließen will.
Neue Begriffe tauchen auf, die ich in diesem Zusammenhang noch nie gehört habe, so zum Beispiel „Akkreditierung“. Das bedeutet eine förmliche Anerkennung von Museen nach verbindlichen Kriterien. Kulturwirtschaftliche Orientierung spielt eine große Rolle, ebenso - Frau Ministerin Sie haben es gesagt die enge Verbindung und Wechselwirkung mit und zum Tourismus in unserem Lande. Es ist die Rede von „Leuchttürmen“ - in anderem Zusammenhang haben wir heute davon schon gehört -, womit beispielhafte Museumstypen treffend bezeichnet werden, die repräsentativ Schwerpunkte setzen und andere gleichartige Sammlungen und Museen unterstützen und ergänzen. Sie, Frau Ministerin, haben von Vernetzung gesprochen.
Neue Trägerschaften werden angesprochen, insbesondere Stiftungen in unterschiedlichen Formen, und neue Arten der Finanzierung wie zum Beispiel das Fundmatching, das ein erhebliches Potenzial an privatem Engagement freisetzen kann.
Besonders erwähnt werden - Sie haben es gesagt - das große Erfordernis der Museumspädagogik, die Notwendigkeit einer guten Öffentlichkeitsarbeit sowie die steigende Bedeutung von Multimedia, wobei - das darf man nicht vergessen - die Präsentation der realen, der authentischen Objekte nach wie vor das Wichtigste für die Besucher ist, die allerdings durch den Einsatz von modernen Medien hervorragend ergänzt werden kann.
Ganz besonders interessant waren für mich die Feststellungen im Bericht darüber, was die Menschen in Museen zieht, welche Museen attraktiv sind und woran es liegt, dass manche Museen echte Probleme mit den Besucherzahlen haben. Durch, wie es im Bericht steht, eine geschickte Kombination von Edutainment und Infotainment - alles neue Worte, aber das passt ja nicht zu den Briefen, die Sie jetzt dauernd bekommen; also müssen wir uns etwas Neues überlegen; aber es trifft die Sache - werden Besucher angesprochen und angezogen.
„Die inhaltliche Mischung von Bildung, Unterhaltung, Erlebnis und Neugier muss stimmen, aber die Qualität des Angebotes und die