Protocol of the Session on September 26, 2014

Das ist eine Unverschämtheit!

(Ulrich Watermann [SPD]: Ein un- glaublicher Provokateur ist das! - Un- ruhe)

Herr Kollege Oesterhelweg, wenn Sie jetzt nicht ruhig sind - - - Ihre Reaktion auf den Ordnungsruf - - - Ich sehe, die Lage ist emotional etwas aufgeheizt. Ich verzichte im Moment auf einen zweiten Ordnungsruf. Reißen Sie sich aber bitte auf allen Seiten zusammen! Normalerweise hätten Sie eben einen zweiten Ordnungsruf verdient, Herr Oesterhelweg.

(Zuruf von der CDU: Watermann aber auch!)

Frau Kollegin Tiemann, Sie haben jetzt das Wort.

Herr Kollege Oetjen, dass Sie mich mit dem Innenminister vergleichen, ehrt mich. Vielen Dank dafür! - Erst einmal so weit.

(Christian Dürr [FDP]: Der fängt gleich an zu weinen!)

In Ihrer Kurzintervention - vielleicht hören Sie mir jetzt zu, Herr Oetjen - benutzten Sie die Formulierung: wie die Menschen angeliefert werden. - Das zeigt sinnbildhaft, wie Sie dazu stehen.

(Ansgar-Bernhard Focke [CDU]: Wer- den Sie doch mal konkret jetzt!)

Das Wort „anliefern“ ist nicht - - -

(Jan-Christoph Oetjen [FDP]: Das ha- be ich nicht gesagt!)

- Aber natürlich! Das würde ich einmal im Protokoll nachlesen.

Wir sind in Gesprächen, und es werden Lösungen gefunden, und zwar Lösungen für die Menschen - ohne Frage.

(Ansgar-Bernhard Focke [CDU]: Lö- sungen für die Menschen! Das ist die Aussage! Das ist zu wenig!)

Jetzt zu dieser Nachtabschiebung, sehr geehrter Herr Kollege Dammann-Tamke. - Wo sitzt er?

(Helmut Dammann-Tamke [CDU]: Hier!)

- Ah, wunderbar. Da sind Sie.

Diese Familie ist ohne Frage zu einem späten Abendtermin abgeholt worden, weil die Familie in Albanien zu einer Uhrzeit ankommen sollte und musste, zu der - - -

(Helmut Dammann-Tamke [CDU]: Genau zur gleichen Uhrzeit wie vor der Wahl! - Christian Dürr [FDP]: Das ist genau das, was wir auch immer gesagt haben! - Weitere Zurufe - Un- ruhe - Glocke des Präsidenten - Christian Dürr [FDP]: Da müssen Sie selbst grinsen! Das ist unglaublich! - Ansgar-Bernhard Focke [CDU]: Sie merken das nicht mehr!)

- Aber natürlich, aber natürlich.

(Ansgar-Bernhard Focke [CDU]: Die SPD merkt’s nicht mehr!)

Es nützt doch nichts, wenn wir die Menschen zu einer Uhrzeit in ein Land hineinbringen, zu der sie am Flughafen niemand mehr in Empfang nehmen kann. Das muss gewährleistet werden, und das war der Grund dafür.

(Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN - Zurufe von der CDU und von der FDP)

Meine Damen und Herren! Ich bitte darum, im Plenum wirklich etwas ruhiger zu sein und mit den Zwischenrufen sowie den Debatten quer über die Abgeordnetenbänke hinweg aufzuhören. Hier vorne wird geredet, nicht aber im Plenum.

Ich habe Frau Tiemann für ihre Erwiderung auf die vorangegangene Kurzintervention bewusst eine halbe Minute mehr gelassen,

(Christian Dürr [FDP]: Das hat aber nicht geholfen!)

weil sie aufgrund des Ordnungsrufes und der Zwischenrufe auch gehindert war zu reden.

(Christian Dürr [FDP]: Das war eh- renwert, hat aber nicht geholfen, Herr Präsident!)

Jetzt hat das Wort für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Abgeordnete Filiz Polat.

(Christian Dürr [FDP]: Grüne klat- schen jetzt für Nachtabschiebung! Ich muss versuchen, das zu verstehen! - Unruhe - Glocke des Präsidenten)

- Frau Polat hat das Wort, nicht Herr Dürr. - Bitte!

(Christian Dürr [FDP]: Ich wollte es nur verstehen! Alles neu heute Mor- gen!)

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich glaube, eines ist hier deutlich geworden: Der Antrag der CDU wurde rein für das Schaufenster geschrieben; denn der Antragsgegenstand hat sich bereits am vergangenen Freitag durch die erfolgte Einigung im Bundesrat erledigt.

(Ansgar-Bernhard Focke [CDU]: Rich- ten Sie ein Dankeschön aus!)

- Herr Focke, ich muss mich schon wundern: Auch Ihr CDU-Kollege in Hessen hat aufgrund der unterschiedlichen Positionen in der Koalition selbstver

ständlich mit einer Enthaltung im Bundesrat reagiert. Insofern müssten Sie mit Ihrer Argumentation Ihren Kollegen dieselben Vorwürfe machen, die Sie uns hier machen.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Alles ist irgendwie ein bisschen an den Haaren herbeigezogen.

Der Beschluss zur Verschärfung des Asylrechts - das ist unsere Auffassung - hilft den Kommunen sicherlich nicht und ist von daher aus unserer Sicht ein Etikettenschwindel.

In dem Zusammenhang - das haben Sie auch angesprochen - wurde deutlich, dass das, was nun bundespolitisch in dem sogenannten Kompromiss nachvollzogen wird, in Niedersachsen schon längst praktiziert wird. Die Gutscheinpraxis - der Landkreis Vechta hat ja als letzter nachgezogen - ist bekanntlich schon abgeschafft worden, und zwar gleich am zweiten Tag nach Amtsantritt. Die Residenzpflicht ist gelockert. Tun Sie mal nicht so, als ob Sie für die Erleichterungen am Arbeitsmarkt für Flüchtlinge, für die Lockerung der Residenzpflicht oder für die Abschaffung der Gutscheinpraxis sind! Das wurde Ihnen von der SPD in den Koalitionsverhandlungen mühsam abgerungen. Also spielen Sie sich hier nicht so auf!

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD - Ansgar-Bernhard Focke [CDU]: Warum sind Sie auf einmal dagegen? Das verstehe ich gar nicht!)

Frau Kollegin, bevor Sie fortsetzen: Der Kollege Dammann-Tamke möchte Ihnen eine Zwischenfrage stellen. Lassen Sie die zu?

Nein.

Das ist nicht der Fall. Dann fahren Sie fort.

Wir haben die Lebenssituation von Flüchtlingen und Asylbewerbern in Niedersachsen - ich glaube, das bestreitet niemand mehr; das habe ich vorgestern ja auch betont - innerhalb eines Jahres wesentlich verbessert trotz der restriktiven Bundes- und Europapolitik, meine Damen und Herren. Und:

Der Innenminister wird die Kostenpauschale erhöhen. Auch das begrüßen wir ausdrücklich.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Aber - und da richten wir Grünen uns natürlich auch an Sie im Bund und vor allem in Europa - es ist Ihre Pflicht, auch dort endlich Ihre Hausaufgaben zu machen.

(Ansgar-Bernhard Focke [CDU]: Das war ja klar!)

Deutschland und Europa brauchen einen grundlegenden Kurswechsel. Das traurige Flüchtlingsschicksal vor Lampedusa, das alle aufwecken sollte, ereignete sich vor gut einem Jahr. Am 3. Oktober 2013 sind mehrere hundert Flüchtlinge ums Leben gekommen. Alle haben das beklagt. Eigenartigerweise ist danach nicht viel passiert. In vielen anderen Bereichen findet, wenn sich solche tragischen Schicksale ereignen, ein Umdenken statt. In diesem Fall in Europa und Deutschland - aufgrund der restriktiven Politik von CDU und CSU - leider nicht.

(Ansgar-Bernhard Focke [CDU]: Un- glaublich!)