Protocol of the Session on October 6, 2010

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Lieber Kollege Klare, Sie tun hier so, als ob alles in Ordnung wäre.

(Reinhold Coenen [CDU]: Das hat er nicht getan!)

Wir haben gerade drei Schulen gesehen, an denen es eben nicht in Ordnung ist. Ich habe in unserem Antrag und auch im Ausschuss nicht umsonst aus

geführt: Ein bis zwei Beratungs- und Unterstützungskräfte bzw. Fachkräfte für 500 Schülerinnen und Schüler - das ist eine Richtzahl. Das heißt, dass wir an Brennpunkten mehr einsetzen können und an anderen Schulen weniger. Man muss einmal ein bisschen darüber nachdenken, wie so etwas gehen soll. Das ist keine feste Zahl, die an jeder Schule gleich sein muss.

Ich möchte noch auf Ihre Ausführungen zurückkommen. Sie haben eben gesagt, wir hätten überall Sozialarbeit. Wir haben doch bei diesen Schulen ganz genau gehört, dass sie gesagt haben, sie möchten gebundene Ganztagsschulen im Grundschulbereich. Die haben wir nicht. Sie haben gesagt, sie wollen Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Die sind für sie nicht erreichbar.

Da sagen Sie: Das machen wir. - Dann sagen Sie bitte dem Parlament, wie viele Schulpsychologen mehr Sie einstellen wollen. Fünf nach meiner Kenntnis. Das ist natürlich „unglaublich viel“ für ganz Niedersachsen.

Letzter Punkt: Sie sagen, wir hätten Sozialarbeiter. Haben wir Sozialarbeiterinnen- und Sozialarbeiterkonzepte für Grundschulen? Zahlt das Land Sozialarbeit an Grundschulen? - Dann erläutern Sie doch bitte einmal, wo das der Fall ist. So ist das wenig glaubwürdig.

(Beifall bei den GRÜNEN und Zu- stimmung bei der LINKEN)

Herr Kollege Klare! Auch Sie haben eine Redezeit von anderthalb Minuten.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Frau Korter, ich habe nicht gesagt, dass alles in Ordnung ist.

(Lothar Koch [CDU]: Genau so ist es!)

Ich habe sehr wohl hingeschaut. Ich schaue ganz genau hin, wenn ich Schulen besuche, wo es Probleme gibt. Die drei Schulen waren in diesem Fall nur beispielhaft.

Ich habe mich aber dagegen gewehrt, dass man eine Optimalforderung aufstellt, die 180 Millionen Euro kostet. Das machen Sie im Übrigen nicht nur hier, sondern eigentlich bei allen Themen. Sie fordern ja auch 24er-Klassen. Sie haben ganz vergessen, das in den Antrag zu schreiben. Sie fordern Klassen in der Größenordnung von 24

Schülerinnen und Schülern. Dabei kommen Sie übrigens auf eine Summe von 400 Millionen Euro, wenn Sie Lehrer dafür einstellen wollen. Sie fordern Sozialarbeit an allen Schulen. Dafür kommen Sie noch einmal auf 180 Millionen Euro. Ihre Forderungen insgesamt gehen ganz schnell zu 1 Milliarde Euro.

(Ina Korter [GRÜNE]: Nein!)

Das können wir uns in dieser Form nicht leisten.

Trotzdem werden wir die Aufgabe ernst nehmen und genau hingucken, wo Sozialarbeiter und Schulpsychologen gebraucht werden. Wenn wir jetzt anfangen, welche einzustellen - auch wenn es in diesem Haushalt nur fünf sind; es wird ja in den Haushalten kontinuierlich weiterentwickelt -, dann ist das zumindest ein Anfang, der nach den Kürzungen auch aus der Zeit von Schröder jetzt einmal mit Hoffnungen zu begleiten ist.

Sehen Sie es doch einmal positiv, und reden Sie nicht nur alles schlecht und nur alles negativ! Damit werden Sie den Kindern überhaupt nicht gerecht.

(Zustimmung von Dr. Karl-Ludwig von Danwitz [CDU])

Nun hat Herr Kollege Poppe von der SPD-Fraktion das Wort. Bitte schön!

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die erste Beratung dieses Antrages liegt gerade erst einen Monat zurück. Daran ist zu erkennen, wie ungeheuer intensiv und tiefschürfend er im Kultusausschuss erörtert worden ist.

(Jens Nacke [CDU]: Wenn es zu lan- ge dauert, ist es nicht gut!)

Einmal ohne Ironie gesprochen: Der Antrag hätte ein fundiertes Abwägen verdient, jenseits aller kritischen Anmerkungen aller Fraktionen, dass der Antrag der Fraktion der Grünen stellenweise Fragen und Bedenken herausfordert und auch nach unserer Einschätzung übers Ziel hinausschießt. Schließlich wurde er in der Zielsetzung von allen Fraktionen gutgeheißen. Das Abwägen aber kam nicht zustande. Der Antrag wurde kalt lächelnd abserviert.

Meine Damen und Herren, der Schlusssatz meiner Rede bei der ersten Beratung lautete: „… bei aller Skepsis hoffe ich auf gute Beratungen im Kultus

ausschuss.“ Ich gestehe freimütig: Ich habe mich geirrt. Diese Hoffnung hat getrogen.

Zur Erinnerung: In diesem Antrag geht es darum, die verschiedenen Vorstöße

(Ein Abgeordneter der CDU-Fraktion gähnt)

- machen Sie es nur nicht lächerlich! - zur Schulpsychologie und Schulsozialarbeit zu verknüpfen und daraus ein gemeinsames Konzept zu entwickeln. Der dahinter stehende Gedanke ist doch einleuchtend. In unseren Schulen wirken schon jetzt und werden in Zukunft noch viel mehr Menschen aus verschiedenen Professionen zum Wohl der Kinder und Jugendlichen zusammenwirken. Das gehört zu guter Schule. Das ist eine Schulqualitätsfrage. Das ist übrigens gemeinsamer Stand aller seriösen Schulentwicklungsprojekte.

Wie wichtig das ist, ist gerade an dem Beispiel der Grundschule in Hannover-Linden deutlich gemacht worden, auch in einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 30. September: 250 Kinder, davon 131 sozial auffällig, 82 mit Erfahrung mit häuslicher Gewalt, 87 % mit ausländischen Wurzeln, eine Schulsozialpädagogin.

In dem gleichen Artikel finde ich ein Zitat mit folgender Forderung:

„Wir können sicherlich nicht jede Schule im Land mit Schulsozialpädagogen ausstatten, aber in sozialen Brennpunkten müssen wir schnell handeln und möglicherweise auch mal zwei Kräfte einstellen.“

(Beifall bei der SPD)

Sehr richtig, gesprochen vom bildungspolitischen Lautsprecher der CDU-Fraktion, Karl-Heinz Klare.

(Karl-Heinz Klare [CDU]: Das habe ich hier wiederholt!)

Der gleiche Herr Klare - ich spreche Sie direkt an - sagte bei der ersten Beratung dieses Antrags:

„Ich möchte Ihnen zunächst ausdrücklich unsere Unterstützung zusagen.“

(Olaf Lies [SPD]: Mensch, das ist doch einmal ein Ergebnis!)

„Natürlich ist es so: Starke Kinder lernen besser. Das ist auch für uns ein schulpolitischer Grundsatz, dem wir

uns, seitdem wir Schulpolitik machen, immer verpflichtet gefühlt haben. Das sage ich für unsere Fraktion und für die der FDP gleich mit.“

(Olaf Lies [SPD]: Toll! Und verges- sen!)

Einverstanden! - Der gleiche Kollege und die FDP gleich mit, wie er zu formulieren beliebte, waren aber in den Ausschussberatungen nicht um Konsens oder auch nur um Schritte dorthin bemüht. Das Ausschussprotokoll dazu ist ungefähr eine Seite lang. Keine Rede von der möglichen Erprobung von multiprofessionellen Teams, keine Rede von Versuchen und ihrer Auswertung, stattdessen genau das, was zu befürchten war: Der Antrag wurde von der Ausschussmehrheit rundheraus abgelehnt.

Meine Damen und Herren von CDU und FDP, lieber Kollege Klare, das können Sie so machen. So sind die Mehrheiten.

Übrigens: „Ausweitung von Schulpsychologie“ heißt im Haushaltsplan 2011 tatsächlich plus fünf Stellen landesweit. Auch das können Sie so machen. Aber dann sollten Sie nie mehr so einfach daherreden, es werde alles dafür getan, dass Kinder stark sind und stark bleiben.

(Beifall bei der SPD und Zustimmung bei der LINKEN)

Danke schön. - Für die Fraktion DIE LINKE hat Frau Kollegin Reichwaldt das Wort.

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Antrag, über den wir heute zu beschließen haben, fordert pädagogisch-psychologische Beratungsteams an unseren Schulen, und das flächendeckend in Niedersachsen.

Die Beratungs- und Unterstützungssituation an unseren Schulen hat uns ja schon mehrfach beschäftigt. Wer wirklich der Meinung ist - wie Sie hier auf der rechten Seite des Hauses -, in dem Bereich wird genug getan, mehr ist nicht möglich und es reicht, der muss schon mit fest geschlossenen Augen durch die niedersächsische Schullandschaft laufen.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich komme auf die einzelnen Teilbereiche kurz zu sprechen. Das Thema Sozialpädagogik hat uns vor ca. einem Monat beschäftigt. Es gibt zu wenige. Es gibt sie nicht an allen Schulen. Sie arbeiten unter tariflich nicht abgesicherten Bedingungen. Ich denke, da steht das Land in der Verantwortung. Es kommt seinen Verpflichtungen nicht nach.

Auch Schulpsychologen sollen in den multiprofessionellen Teams tätig sein. Ein Schulpsychologe, eine Schulpsychologin auf 26 000 Schülerinnen und Schüler, das ist und bleibt ein Skandal und wird dem tatsächlichen Bedarf überhaupt nicht gerecht.