Herr Präsident, liebe Kol leginnen und Kollegen! In einer Studie aus dem Jahr 2007 zur körperlich-sportlichen Aktivität von Kindern und Jugendli chen in Deutschland heißt es u. a. – Zitat –:
Regelmäßige körperliche Aktivität ist einer der wichtigs ten Einflussfaktoren auf die Gesundheit und das Wohlbe finden.
So sei für Kinder und Jugendliche die körperliche Aktivität eine wesentliche Voraussetzung für ein gesundes Aufwach sen. Auch würden in zahlreichen Studien positive Zusammen hänge zwischen der körperlichen Aktivität im Kinder- und im Erwachsenenalter berichtet. Die Studie fährt fort – Zitat –:
Auch wenn mit den ersten Ergebnissen der KiGGS-Stu die nicht alle relevanten Fragen zur körperlich-sportli chen Aktivität in der heranwachsenden Generation be antwortet werden können, so zeigen sie doch ein großes Potenzial für sport- und bewegungsfördernde Maßnah men und Programme auf. Dass diese zielgruppenspezi fisch auszurichten sind, wird unter anderem durch die auf gezeigten Alters- und Geschlechtsunterschiede in der kör perlich-sportlichen Aktivität deutlich. Insbesondere bei den 14- bis 17-Jährigen lässt sich eine erhebliche Diffe renz zwischen Ist- und Sollzustand feststellen, die bei Mädchen noch stärker ausfällt als bei Jungen. Daneben weisen die gerade im Kindesalter vorhandenen Unter schiede nach Sozialstatus, Migrationshintergrund und Wohnregion auf mögliche Ansatzpunkte für eine zielgrup penorientierte Sport- und Bewegungsförderung hin.
Erreichen lässt sich eine Erhöhung der körperlich-sport lichen Aktivität von Kindern und Jugendlichen wahr scheinlich nur durch ein Bündel sich ergänzender und aufeinander abgestimmter Maßnahmen und Programme. Große Bedeutung kommt dabei settingbezogenen Ansät zen zu, die Kinder und Jugendliche z. B. in der Schule und im Verein ansprechen und zu mehr Bewegung und Sport motivieren, was auch eine entsprechende Qualifizierung von Sportlehrern und Übungsleitern voraussetzt.
Daraus folgt zum einen, dass es einen erheblichen Bedarf zur Verbesserung des Status quo gibt, und zum anderen, dass es dafür zwar keine Patentlösung gibt, der Ansatz in der Schule aber sehr wichtig ist. Hier gibt es für das Kultusministerium in der Tat einiges zu tun.
Die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der SPD-Fraktion zeigt, wie wichtig der Sport bereits der frühe
ren Landesregierung war. Sie hat gerade auf diesem Gebiet überaus viele Programme und erfolgreiche Reformen ange packt.
Während der Regierungszeit der christlich-liberalen Koaliti on haben wir Liberalen angestoßen, dass Sport künftig in der Ausbildung von Grundschullehrern eine stärkere Berücksich tigung finden soll. Wir haben erreicht, dass Sport und Bewe gung als eigenständiger Kompetenzbereich im Studium erhal ten bleiben. Uns war wichtig, dass nicht nur im Sportunter richt, sondern ergänzend auch in anderen Fächern Bewegung und gesundheitliche Fitness vermittelt werden. Außerdem ha ben wir Liberalen immer Wert darauf gelegt, dass der Sport unterricht nicht reduziert wird und auch sein Stellenwert im Lehrplan erhalten bleibt.
Wir werden genau darauf achten, dass das Kultusministerium an diesen Errungenschaften auch in Zukunft nicht rüttelt.
Jetzt lassen Sie mich noch etwas zum Themenbereich Ganz tagsschule sagen. Die Antwort der Landesregierung zeigt an vielen Stellen, dass eine Kooperationsrahmenvereinbarung zwischen dem Kultusministerium und den Trägern außerschu lischer Bildungsangebote nötiger denn je ist. Ich möchte ein mal daran erinnern, dass wir zu diesem Thema bereits am 18. April des letzten Jahres eine von uns beantragte Aktuelle Debatte hatten, in deren Verlauf vor allem von grüner Seite die Aktualität des Problems bestritten wurde. Fakt ist aber: Bis heute ist hier nichts, aber auch gar nichts passiert. Auch bei diesem Thema hat die Landesregierung geschlafen. Der neue Kultusminister erbt eine weitere Baustelle.
Die FDP/DVP bleibt bei ihrer Forderung: Bei der Ganztags schule muss endlich ein Rahmen geschaffen werden, der die Kooperation gerade auch mit den Vertretern der Sportvereine möglich macht.
Sport ist ein Schulfach, in dem möglicherweise gerade dieje nigen Schüler aufblühen und einen Motivationsschub erfah ren, die in anderen Bereichen weniger stark aufgestellt sind. Schulsport hat einen Durchmischungseffekt und ist deshalb ein wertvolles Mittel zur Integrationsförderung.
Wohl nicht zuletzt aus diesen Gründen bieten ca. 8 % der Grundschulen mehr als die vorgeschriebenen drei Wochen stunden Sport und Bewegung an. Zugleich ist das ein gutes Beispiel, wie die Schulen eigenständig und sinnvoll Freiräu me nutzen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die FDP/DVP warnt die Landesregierung davor, all diese wichtigen Funktionen des Sports zur Disposition zu stellen,
(Oh-Rufe – Vereinzelt Heiterkeit – Abg. Volker Schebesta CDU: Das fängt ja gut an mit den Verbän den! Die können sich auf etwas gefasst machen!)
Zunächst darf ich mich ganz herzlich bei der SPD-Fraktion dafür bedanken, dass sie das wichtige Thema „Sport an der Schule“ zum Anlass für eine Große Anfrage genommen hat.
Für die Landesregierung kann ich deutlich sagen – ich glau be, darüber gibt es keinen Streit zwischen uns; deswegen wun dert es mich, dass solche Debatten immer so klingen, als ob man da völlig konträrer Meinung sei –: Die Landesregierung bekennt sich klar zur Sportförderung. Sport und Bewegung sind ein wesentlicher Bestandteil von Erziehung und Bildung und haben daher für uns einen sehr wichtigen Stellenwert.
Bewegung gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist der natürliche Be wegungsdrang besonders stark. In unseren Kindergärten und Schulen motivieren wir Kinder, ihren Körper kennenzulernen und aktiv einzusetzen, und schaffen so bereits Grundlagen für die Gesundheitsprävention.
Wenn ich dann aber in Debatten über das Thema „Schule und Sport“ höre, was wir da alles tun könnten, dann denke ich auch – ganz ehrlich; leider sind keine Zuhörer da –
Denn es gab Zeiten, in denen Kinder sich bereits dadurch be wegten, dass sie in die Schule gelaufen oder mit dem Fahrrad zur Schule gefahren sind.
Ich will damit nur sagen: Solche Debatten können sehr theo retisch klingen, aber dann muss man sich auch schon einmal trauen, den Leuten draußen den Spiegel vorzuhalten, anstatt immer nur mit dem Finger darauf zu zeigen und zu sagen: „Die müssen jetzt aber einmal mehr tun.“ Da fängt es schon einmal beim eigenen Bewusstsein an.
Dennoch – das halten wir für ganz wichtig – ist für viele Kin der, für viele Jugendliche Sport eben keine Dimension in ih rem Leben, weil das eben nicht entsprechend unterstützt wird. Deswegen setzen wir sehr große Stücke darauf, dass wir mög lichst früh, nämlich bereits im Kindergarten, damit beginnen, den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder zu unterstützen.
Frau Kollegin Wölfle hat es vorhin bereits gesagt: Wir legen hier ganz großen Wert darauf, dass die Erzieherinnen und Er zieher in die Lage versetzt werden, den Kindern im Bereich Motorik das weiterzugeben, was dringend wichtig ist, und auch zu sehen, wo hier die Defizite sind. Ich kann hier als Bei spiel für diese Maßnahmen erwähnen, dass wir die Zahl der Motorikzentren, an denen wir die Ausbildung im Fach „Sport und Bewegungspädagogik“ anbieten, von 14 auf 20 erhöhen. Denn es ist für uns von zentraler Bedeutung, dass die Fach kräfte, die bei uns als Erzieherinnen und Erzieher und als Leh rerinnen und Lehrer arbeiten, in die Lage versetzt werden, die se Defizite zu erkennen und auch entsprechend zu handeln und dies in ihrem Unterricht abzubilden.
Darüber hinaus – auch das ist unbestritten – wirken sich sport liche Aktivitäten auch in extrem positiver Weise auf das So zialverhalten von Schülerinnen und Schülern aus.
Das heißt, in einer Gruppe Sport zu treiben, also etwas zu tun, was nicht individuell die Fähigkeiten schulen soll bzw. indi viduelle Erfolgserlebnisse bietet, ist für Kinder und Jugendli che von überragender Bedeutung. Deswegen ist dies ein Grund, weswegen wir Sport an der Schule als eine ganz wich tige Aufgabe erkennen.