Protocol of the Session on November 14, 2014

(Beifall bei der CDU)

Herr Kollege Harms, der Kollege Lange wĂŒrde Sie gern etwas fragen. Wollen Sie antworten?

Ja.

Herr Kollege Lange.

Herr Harms, ich möchte fĂŒr Sie kurz zusammenfassen, was der Minister gesagt hat. Er hat nĂ€mlich gesagt, dass wir diese Verhandlungen schon fĂŒhren. Dazu braucht es also Ihres Antrages nicht. So viel dazu.

Wenn Sie meinen, dass das, was der Minister macht, richtig ist und dass es den Hochschulen dadurch besser geht und dass es fĂŒr sie aufwĂ€rts geht, dann braucht es Ihren Antrag dazu nicht mehr. Das ist das eine.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Ihre Aussage zu der Rede von Frau PĂ€hle war sehr interessant. Sie haben gesagt, dass die Details, die sie genannt hat - diese kann ich durchaus teilen; sie stehen auch in unserem Antrag -, nicht die gemeinsame Position der Koalition seien. An welchen Details machen Sie das fest? Welche von Frau PĂ€hle im Zusammenhang mit den Zielvereinbarungen genannten Details entsprechen nicht Ihrer Auffassung?

Die Klugen wissen es schon.

(Herr Scheurell, CDU, lacht)

Die Gebildeten, Herr Lange, können es in unserem Antrag nachlesen. Man formuliert einen solchen Antrag so kurz, dass das Wesentliche darin erwĂ€hnt wird. Einige der von meiner Kollegin genannten Punkte, die von eins bis fĂŒnf etwa, finden Sie in diesem gemeinsamen Antrag nicht.

(Herr Lange, DIE LINKE: Ja!)

Ich hoffe, ich habe Ihre Frage in der notwendigen KĂŒrze verstĂ€ndlich beantwortet.

(Beifall bei der CDU - Herr Lange, DIE LINKE: Nein!)

Wir fahren mit dem Redebeitrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fort. Es spricht Frau Professor Dalbert. Bitte schön. Sie weiß auch, wie eine Hochschule von innen aussieht.

Wir erleben im Moment eine merkwĂŒrdige Debatte. - Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will es einmal so sagen: Wenn die regierungstragenden Fraktionen meinen, sie mĂŒssten ihren Minister zum Jagen tragen zum Wohle der Hochschulen im Lande, dann wollen wir nicht abseits stehen und werden gern Ihrem Antrag zustimmen.

(Heiterkeit bei der CDU)

Das ist aber nicht die Debatte, die wir im Moment fĂŒhren. Ich meine, das ist klar. Die Hochschulen haben HochschulentwicklungsplĂ€ne gemacht. Diese mĂŒssen die Grundlage fĂŒr die Zielvereinbarungen sein und diese sind zĂŒgig voranzubringen. Daher kann man nicht dagegen sein.

Das ist aber nicht die Debatte. Der erste Punkt ist - das muss klar gesagt werden; das hat auch mein Vorredner gesagt -: Diese HochschulentwicklungsplÀne sind alles andere als freiwillig entstanden; sie sind vielmehr unter einem Spardiktat entstanden.

Ich gebe einmal die Äußerung der Kollegin Bull wieder, die sie zu einem anderen Tagesordnungspunkt gemacht hat: Nun haben wir diese HochschulentwicklungsplĂ€ne. Wir respektieren die

Hochschulautonomie. Wir machen realistische Politik und sagen, diese PlĂ€ne mĂŒssen jetzt die Grundlage fĂŒr die Zielvereinbarungen sein.

(Zustimmung von Herrn Scheurell, CDU)

So weit gehe ich mit.

NatĂŒrlich mĂŒssen auch die LandtagsbeschlĂŒsse Grundlage der Zielvereinbarungen sein. Es gibt zwei LandtagsbeschlĂŒsse, die relevant sind. Den einen habe ich in der Einbringungsrede von Frau Dr. PĂ€hle gehört, nĂ€mlich den Beschluss des Landtages vom November 2012. Darin haben wir

formuliert: In die Zielvereinbarungen mĂŒssen bezĂŒglich der Gleichstellung Quoten nach dem Kaskadenmodell aufgenommen werden. Diesen haben Sie genannt.

Wir haben aber auch einen Beschluss vom Juli 2013. Darin sagen wir: Keine aktive Reduzierung der Studierendenzahlen und der StudienplÀtze. Auch das bitte ich in die Zielvereinbarungen aufzunehmen. Auch das ist ein klarer Wille des Landtages von Sachsen-Anhalt.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Dann haben wir gehört - das kann ich fĂŒr meine Fraktion nur bestĂ€tigen -, dass wir ĂŒberhaupt noch nichts von der Landesregierung gehört haben, was ihre strategischen Ziele bei den Zielvereinbarungen sind, also was sie sich qualitativ vorstellen. Oder mit meinen Worten - ich habe es an dieser Stelle schon mehrfach gesagt -: Die Landesregierung hat bis heute nicht das Landesinteresse definiert.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Sie hat ĂŒberhaupt nicht gesagt, was sie will, außer finanzielle Mittel kĂŒrzen. Das wissen wir. Aber darĂŒber, was sie qualitativ will, was die qualitativ strategischen Ziele sind, erfahren wir ĂŒberhaupt nichts.

(Zuruf von Herrn Lange, DIE LINKE)

Das ist der Punkt, ĂŒber den wir uns im Ausschuss verstĂ€ndigen mĂŒssen: Was ist gut fĂŒr das Land? Was muss qualitativ in eine Zielvereinbarung?

Dazu muss ich der CDU und der SPD sagen - ich will es einmal vorsichtig ausdrĂŒcken -: Es ist schon ein bisschen putzig, dass Sie heute einen Antrag einbringen und sagen, der Minister soll mal hinne machen.

Dann wird als ein zentraler Punkt die Lehrerausbildung genannt. Ich stimme zu, das ist ein zentraler Punkt. Dabei geht es um die Frage: Wie mĂŒssen Lehrer auf die VerĂ€nderungen im Schulsystem vorbereitet werden?

Sie wissen es selbst, im MĂ€rz 2012 habe ich an dieser Stelle einen Antrag mit dem Ziel eingebracht, dass wir uns die erste Phase der Lehramtsausbildung an den Hochschulen, an der UniversitĂ€t anschauen. Die Beschlussempfehlung haben Sie bis heute im Ausschuss regelmĂ€ĂŸig vertagt. Dabei sind CDU und SPD der Hemmschuh, wenn es darum geht, das Landesinteresse zu definieren.

Dann haben Sie andere Punkte genannt, was das Landesinteresse betrifft. Das kann ich nachvollziehen. Sowohl ich als auch meine Fraktion können Ihre Meinung teilen. Aber ich denke, diesbezĂŒglich fehlen wichtige Punkte.

Einen Punkt hat Herr Lange genannt. Wenn wir ohne ein Studienkolleg in Halle internationalisieren wollen, dann ist das die Quadratur des Kreises.

Dann nehmen Sie als regierungstragende Fraktionen bitte das Wort „Internationalisierung der Hochschulen“ nicht mehr in den Mund.

(Zustimmung bei den GRÜNEN - Herr Lan- ge, DIE LINKE: Dann lassen Sie es weg!)

Dann gibt es bestimmte inhaltliche Punkte, die fĂŒr mich auch zum Landesinteresse gehören. Das ist neben der Lehramtsausbildung - wenn Sie sich den wiederkehrenden Bericht des Landespsychiatrieausschusses ansehen - die Frage der Ausbildung von Psychotherapeuten, medizinischen und psychologischen Psychotherapeuten, weil wir diesbezĂŒglich einen Mangel im Land haben.

Der Wissenschaftsrat sagt, wir dĂŒrfen die Zahl der MedizinstudienplĂ€tze nicht reduzieren, weil wir sonst einen FachĂ€rztemangel bekommen.

Wir sind inzwischen ein Medienstandort von internationaler Reputation. Dann gehört aus der Sicht von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auch die Ausbildung in den Medienwissenschaften zum Landesinteresse.

Wir sind ein Bergbaufolgeland. Daher gehören auch die StudiengÀnge, die damit zu tun haben, Geologie und Geografie, aus unserer Sicht zum Landesinteresse.

(Zustimmung von den GRÜNEN und bei der LINKEN)

Wir haben ein Informatik-Cluster Mitteldeutschland. Also gehört die Informatik dazu. Die Chemie gehört in einem Chemiedreieck dazu.

Das sind doch die Punkte, ĂŒber die wir uns im Ausschuss verstĂ€ndigen mĂŒssen. Das ist Landesinteresse. Es geht um die Frage: Wie passen die HochschulentwicklungsplĂ€ne und die Zielvereinbarungen zu diesem Landesinteresse? - Herzlichen Dank.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Vielen Dank, Frau Kollegin Dalbert. - Jetzt spricht fĂŒr die SPD-Fraktion noch einmal Frau Dr. PĂ€hle. Bitte schön.

Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Ich finde es sehr schön, dass so ein relativ dröge anmutender Antrag zu solchen hitzigen Debatten fĂŒhrt.

(Herr Lange, DIE LINKE: Oh, dröger Antrag! - Unruhe)

Der Teufel steckt im Detail. Der Landtag ist immer wieder fĂŒr Überraschungen gut. Es lohnt sich also, hier immer zuzuhören und zuzuschauen.