Protocol of the Session on February 22, 2007

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das ist Erbsenzählerei. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, wieder klar zu machen, wo die Schwerpunkte sind, und diejenigen, die gut sind, zu belohnen; denn wir als Liberale sind der Meinung, dass man mit Belohnung viel mehr erreichen kann als mit ewiger Erbsenzählerei an der falschen Stelle.

(Beifall bei der FDP)

Dann diskutieren wir vielleicht auch nicht mehr über die Frage des Residenzprinzips. Dieses Thema kommt an unseren Hochschulen immer wieder auf, da der eine oder andere jüngst Berufene seine Heimat noch in anderen Bundesländern sieht. Dann wird man feststellen, dass die Professores, die sich bei uns den Studierenden widmen, deutlich mehr im Lichte der Öffentlichkeit stehen als diejenigen, die zu Hause ihre Gutachten schreiben.

Ich glaube, diesbezüglich kann man in unserem Lande noch einiges tun. Da kann man wirklich Beispiele herausstellen, die von hohem Engagement zeugen. Ich betone ausdrücklich, dass es diese gibt. Wer sich in unsere

Universitäten begibt, der stellt fest, dass es einzelne Fachbereiche gibt, in denen deutlich mehr Promotionen stattfinden. Das ist letztlich auch eine Folge der weiterführenden Betreuung der Studierenden.

Wir stellen fest, dass es sehr gute Beispiele gibt. Aber niemand spricht davon, weil wir bei der gegenwärtigen Exzellenzinitiative in Deutschland nur auf die Forschung schauen. Dabei ist natürlich auch immer die Beurteilung der bestehenden Netzwerke eine deutlichere als die Beurteilung von Tendenzen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte Sie bitten, unserem Antrag zuzustimmen, weil wir damit ein Signal in unsere Hochschulen geben. Wenn Sie den Betrag dieses Preises anschauen, stellen Sie fest, dass er mit Blick auf den Landeshaushalt gering, für die einzelne Hochschule aber ein großer Preis ist. Für unsere Hochschulen sollte uns eigentlich kein Preis zu hoch sein. - Ich danke Ihnen.

(Beifall bei der FDP)

Es gibt eine Nachfrage des Abgeordneten Herrn Rothe. Bitte sehr, Herr Rothe.

Herr Kollege Kley, ich habe während Ihrer Rede vor meinem geistigen Auge vorbeiziehen lassen, welch begnadete Dozenten ich selbst schon in meinem Leben erlebt habe. Könnten Sie sich vorstellen, den ersten Preis für exzellente Hochschullehre an Herrn Professor Paqué zu verleihen?

(Heiterkeit)

Sehr geehrter Herr Kollege Rothe, Sie haben sicherlich unseren Antrag durchgelesen. Darin steht, dass die einzelnen Fachbereiche Empfehlungen geben, die in einem dafür vorgesehenen Gremium beurteilt werden, sodass es nicht dem Abgeordneten, dem Politiker geziemt, diesen Preis zu vergeben, sondern dies den Fachleuten überlassen bleiben soll. Wenn aus dem Fachbereich von Herrn Professor Paqué die Empfehlung kommt, hoffe ich natürlich für ihn, dass dieser Preis einmal an ihn verliehen werden kann.

Ich meinte seine Leistungen hier in diesem Hörsaal, Herr Kley.

(Heiterkeit)

Nun denn, ich glaube, wir stellen eine besondere Gruppe der Studierenden dar. Ihre Äußerung lässt mich hoffen, dass der eine oder andere hier zuhört und etwas lernt.

(Heiterkeit und Beifall bei der FDP)

Für die Landesregierung hat Kultusminister Herr Professor Olbertz um das Wort gebeten.

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn ich dazu legitimiert wäre, würde ich den Antrag auf exzellente Landtagsreden ausweiten. Mir ist es fast peinlich, jetzt mit Manuskript zu reden, dafür aber geordnet.

(Heiterkeit und Zustimmung bei allen Fraktionen)

Exzellenz in der universitären Forschung muss tatsächlich mit exzellenter Lehre einhergehen. Das ist richtig, weil nur so die auf Humboldt zurückgehende Einheit von Forschung und Lehre an der Universität, namentlich an der deutschen, zu verwirklichen ist.

Ein weiterer Grund liegt in der Notwendigkeit der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Es ist ganz klar, dass auch der nur durch Engagement in der Lehre herangebildet werden kann. Ich denke, darüber ist gar kein wirklicher Dissens möglich, zumal in Deutschland noch immer zu viele Studierende ihr Studium vorzeitig abbrechen oder die Regelstudienzeit nicht einhalten.

Andererseits ist ein solches Einvernehmen wiederum fast verdächtig; denn mit schnellen Lösungen oder publikumswirksamen Aktionen ist hier wenig getan.

Es gibt aber einen viel einfacheren Grund für die Einigkeit, nämlich den Daseinszweck der Hochschulen. Sie sollen zum einen Erkenntnis und Wissen mehren und sie sollen es zum anderen vermitteln. Deshalb meint exzellente Lehre nicht nur gute Vermittlung selbst, sondern auch die wissenschaftliche Reflexion darüber.

Die Idee eines Lehrpreises ist nicht neu. Das macht nichts, wenn wir uns darüber verständigen, dass Originalität weniger durch Erstmaligkeit als durch Richtigkeit gekennzeichnet ist. Allerdings muss man auch über Gründe nachdenken, die gegebenenfalls gegen die Vergabe eines solchen Lehrpreises sprechen können. So wäre darauf zu verweisen, dass es nicht unbedingt preiswürdig sein muss, wenn ein Professor das tut, was seine Berufsbezeichnung besagt,

(Zustimmung bei der Linkspartei.PDS und von Herrn Tögel, SPD)

nämlich „profiteri“, also „bekennen“. Dazu allerdings gehört auch ganz klar das zu Bekennende, weshalb an den Universitäten zugleich die Forschung im Mittelpunkt der Arbeit steht und auch niemand Anstoß daran nimmt, dass exzellente Forschungsleistungen prämiert werden.

Ernster ist für mich ein anderer Einwand. Dass es für Forschungsleistungen viele Preise gibt, für hervorragende Lehre hingegen nicht, liegt ja nicht daran, dass alle Professoren ausnahmslos so gut lehrten, dass es da gar keiner besonderen Aufmerksamkeit mehr bedürfte. Es wird eher daran liegen, dass das Ansehen eines Hochschullehrers mehr von seinen Forschungsleistungen als von seiner Fähigkeit abhängig gemacht wird, engagiert und erfolgreich seinen Lehrleistungen nachzukommen.

Was in sich selber logisch und folgerichtig ist, das teile sich auch von alleine mit, heißt es gelegentlich, bedürfe also keiner besonderen Lehrgestalt oder gar didaktischen Aufbereitung. „Es trägt Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vor“, hat schon Goethe seinen Faust sagen lassen. George Bernard Shaw hat es etwas weniger literarisch gemacht mit dem schönen Satz: „Wer kann, der macht; wer nicht kann, lehrt.“

(Heiterkeit)

Umgekehrt natürlich ist Lehrtalent ein fraglicher Vorzug, wenn es ohne wissenschaftliche Grundlagen gelebt wird. Es gibt Hochschullehrer - natürlich die große Ausnahme! -, die sich den Ruf eines Entertainers erworben haben und dabei durchaus nicht unbeliebt sind.

Mir jedenfalls ist in einem anderen Bundesland gleichwohl schon begegnet, dass wirklich gute Hochschullehrer einen solchen Preis ablehnten - zum einen weil sie sich nicht für ein elementares Selbstverständnis ihres Berufsbildes auszeichnen lassen wollten - dafür habe ich durchaus Verständnis - und zum anderen weil sie sich dem Verdacht ausgesetzt sahen, womöglich nicht mehr als gute Forscher zu gelten.

Das ist allerdings ein sehr kritisches Symptom, in der Tat. Das ist nicht nur eine Mentalitätsfrage; denn wer die deutsche Universitätsidee verinnerlicht hat, weiß natürlich, dass sich gute Lehre ohne gute Forschung gar nicht denken lässt, ebenso wenig wie an einer Universität Forschung nur um der Vermehrung von Wissen willen betrieben wird. Es hat immer auch einen Bildungszweck: Selbstaufklärung und Mündigkeit des Menschen.

Um nicht missverstanden zu werden: Das alles spricht gar nicht gegen die Auslobung eines Lehrpreises, aber gegen übertriebene Erwartungen.

Interessant wird es, wenn wir auch die Lehre als Gegenstand der Forschung und der Entwicklung betrachten und mit solch einem Preis nicht nur einfach gute Lehrveranstaltungen würdigen würden, sondern auch deren Entwicklung bzw. Konzipierung, ihre didaktische Qualität und Originalität und vor allem Initiativen rund um die Lehrkultur einer Hochschule.

(Zuruf von der FDP)

- Ich halte ja nicht dagegen, ich vertiefe doch nur und mache den Kollegen Kley richtig stark.

(Zustimmung von Herrn Kley, FDP)

Also Lehrkultur: Denken wir an Studia generalia, um das alte Problem der Spannung zwischen Spezialisierung und Universalisierung aufzulösen, denken wir an die Entwicklung von Studieneingangsphasen, die wir bitter nötig haben, an Tutorien, an didaktische Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte und schließlich an alle Fragen des Qualitätsmanagements in der Lehre einschließlich Evaluationen.

Mehrere Hochschulen unterbreiten übrigens zudem Angebote für Senioren oder gründen mit großem Erfolg Kinderuniversitäten. Man mag schmunzeln, aber dies sind legitime und wichtige gesellschaftliche Verpflichtungen für alle, die im Kontext von Wissenschaft tätig sind, nämlich das System zu öffnen, Zugang zu organisieren und gerade junge Leute auch anzusprechen. Ich habe vor solchen Dingen großen Respekt.

Stets ist eines ausschlaggebend: Nur wenn die akademische Lehre selbst das Kriterium der Wissenschaftlichkeit sowohl in ihren Konzepten als auch in den Vollzugsformen erfüllt, nur dann kann sie in komplementärer Weise die Forschung inspirieren und einen reibungslosen, erfolgreichen Studienverlauf gewährleisten. Insofern ist - so paradox es klingen mag - erfolgreiche Lehre auch aus Gründen der Forschung wichtig.

Ich begrüße daher die Initiativen zum Beispiel des Wissenschaftsrates zur Schaffung bzw. Förderung besonderer Lehrprofessuren, die allerdings, wie gesagt, mehr beinhalten müssen als gute und engagierte Lehre. Die

Lehrprofessuren könnten eben dann eine sinnvolle Ergänzung und Bereicherung des akademischen Personalkörpers sein, wenn sie sich auch der wissenschaftlich begründeten Entwicklung von Lehrkonzepten widmen, die Lehrevaluation voranbringen, zum Beispiel durch Kriterien- und Methodenentwicklung, und Initiativen zur Lehrreform ins Leben rufen.

Hätte übrigens die Qualität der Lehre überall die Aufmerksamkeit, die ihr zukommt, dann wären verschiedene Regelungen in unserem Hochschulgesetz gar nicht nötig gewesen; denn immerhin ist mit der letzten Novellierung nach § 7 den Studierenden vor dem Ende jedes Semesters - ich zitiere wörtlich - „zu ermöglichen, die Qualität der Lehrveranstaltungen anonym zu bewerten,“ wobei die erhaltenen Daten „als Grundlage für die Selbstevaluation oder externe Evaluationen herangezogen werden“ sollen.

Auch mit der Einführung der W-Besoldung können hervorragende Lehrleistungen zusätzlich vergütet werden. Im Übrigen sind sie auch in den Zielvereinbarungen verankert, indem dort die Aufforderung zur Verbesserung der Lehre vereinbart ist. Das betrifft zum einen Schwerpunktsetzungen und Weiterentwicklungen der Studiengangsstrukturen, zum anderen den zügigen Qualitätsnachweis durch Akkreditierung.

Es gibt also gute Gründe, auf diesem Weg fortzuschreiten, entsprechende Initiativen und Aktivitäten besonders zu würdigen und beispielhaft hervorzuheben. Das scheint mir durchaus sinnvoll zu sein, jedenfalls unter den beschriebenen Voraussetzungen. Deswegen ist Kriterienentwicklung für einen solchen Lehrpreis das eigentliche Kerngeschäft. Bevor wir die nicht haben, sollten wir nicht zu schnell sein.

Ich bin gern bereit, mit Ihnen im Ausschuss die Möglichkeiten und die Grenzen eines solchen Lehrpreises aufgeschlossen zu erörtern. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der CDU und bei der SPD)

Danke sehr, Herr Minister. - Für die SPD-Fraktion spricht der Abgeordnete Herr Dr. Fikentscher.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wer hätte in seinem Leben nicht gern gute Lehrerinnen und Lehrer, gute Lehrmeister, gute Dozenten und Professoren - wenn er studiert hat - gehabt? Diese hätten wir alle gern gehabt, aber wir hatten sie nicht immer. Es wird vermutlich auch so ähnlich bleiben.

Die Fähigkeit, etwas mitzuteilen, ist nicht allen so gegeben, wie es wünschenswert wäre. Bei einem Hochschullehrer zeigt sich die Qualität nicht daran, was er weiß - danach fragt man gar nicht -, und auch nicht daran, was er in der Lage wäre zu lehren - auch das ist nicht wichtig -; vielmehr ist allein die Frage wichtig, was er mitteilt, was er denjenigen, die vor ihm sitzen oder die mit ihm zusammen tätig sind, mitgibt, damit sie sich in dieser Zeit bilden können, und dass er sie auch ausbildet. Nicht das eigentliche Wissen ist dabei entscheidend.

Dieses Problem haben wir bei einem Hochschullehrer in einer sehr komplizierten Weise; denn Hochschullehrer müssten eigentlich Menschen sein, die vollkommen und mit allen Fähigkeiten ausgestattet sind. Es gibt vier