Protocol of the Session on February 22, 2007

Dieses Problem haben wir bei einem Hochschullehrer in einer sehr komplizierten Weise; denn Hochschullehrer müssten eigentlich Menschen sein, die vollkommen und mit allen Fähigkeiten ausgestattet sind. Es gibt vier

Grundforderungen, die man an einen Hochschullehrer stellt und wonach er eigentlich berufen werden müsste, nach denen er aber nicht berufen wird:

Er muss natürlich ein guter Forscher sein; denn nur wer etwas forscht und selbst etwas wissenschaftlich erarbeitet, ist auch in der Lage, wissenschaftliche Literatur kritisch zu lesen, zu werten, auszuwerten und sich wissenschaftlich zu bilden. Das muss er sein.

Er muss auch ein guter Organisator sein. Sonst kann er seinen ganzen Laden, sein Institut, sein Arbeitsteam nicht organisieren und kann keine Drittmittel einwerben und dergleichen.

Er muss in den meisten Fächern ein guter Praktiker sein. Denken Sie hierbei nur an Ärzte, Landwirte und dergleichen. Sie müssen auch in der Praxis etwas können und die Fähigkeit zur Vermittlung der Praxis besitzen. Außerdem müssen sie gute Lehrerinnen und Lehrer sein.

Das alles zusammen findet man in der Regel nicht. Nun ist die Frage, nach welchen Gesichtspunkten ein Hochschullehrer berufen wird: fast immer - Sie haben es gerade gehört - nach den wissenschaftlichen Leistungen. An dieser Stelle gibt es Kriterien, nach denen er bewertet wird, zum Beispiel in welchen amerikanischen Zeitschriften er wie viel veröffentlicht hat usw.

Die Qualität der Lehre und die Fähigkeit zu lehren werden meist nicht ausreichend gewürdigt. Viele wissen, dass sie höheren Ruhm erreichen, wenn sie auf ihrem Gebiet weiter arbeiten und sich nicht dieser Tortur - für einige ist es eine Tortur, für andere etwas sehr Schönes -, nämlich der Lehre, ganz widmen.

Deswegen kommen wir dazu, dass dieser Zustand „Lehre“ nicht so entwickelt ist, wie er es sein sollte. Das hat natürlich auch die FDP erfahren und hat deshalb einen Antrag erarbeitet, mit der ehrlichen und ernsthaften Absicht, diesen Zustand zu verbessern und ihm etwas abzuhelfen.

Die Frage ist nur: Ist dieser Versuch tauglich? - Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass man damit das Ziel erreichen kann, die Lehre in unseren Hochschulen und Universitäten zu verbessern. Dieser Antrag hat ziemlich illusionäre Züge. Ich will dies auch gern begründen.

Wenn man diesen Preis auslobt, müssten erst einmal Kriterien vorliegen. Es bedürfte also eines Vorlaufs an den Hochschulen, eines Vorlaufs der Bewertung „Wie bewerte ich an der einzelnen Hochschule die Menschen, die dort lehren?“, damit ich überhaupt vergleichen kann.

Wenn man diesen Vorlauf nicht hat, ist das schlecht. Er müsste eigentlich längst vorhanden sein; denn in § 7 unseres Hochschulgesetzes steht:

„Die Hochschulen ergreifen die notwendigen Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der Lehre.“

Das steht schon seit Jahren darin. Die Frage ist, ob sie es tatsächlich machen, ob sie die Kriterien haben, ob sie wissen, was notwendig ist usw.

Ohne einen solchen Vorlauf, der die Vergleichbarkeit überhaupt herstellt, wird man Schwierigkeiten haben, einen solchen Preis auszuloben. Sonst würde es nämlich auf Zuruf gehen, also danach, wer einen guten Namen und wer gute Leute hat. Der würde den Preis bekommen.

Ich bezweifle außerdem, dass die 100 schlechten Hochschullehrer dadurch besser werden, dass man von den 100 guten Hochschullehrern drei aussucht und denen eine Urkunde und einen Preis gibt. Die schlechten werden dadurch gewiss nicht besser, und eigentlich wollen wir, dass alle gut sind und dass bei den schlechten nachgebessert wird und nicht die guten Hochschullehrer unter sich einen Preis ausloben.

Es gibt ganz viele Möglichkeiten, das zu machen, mit viel Aufwand, mit Geld, Zeit und Kraft. Viele Leute müssten daran arbeiten und von vielen Leuten müssten die Vorschläge gemacht werden. Mit Sicherheit hätten wir wenigstens 30 bis 40 Vorschläge in jedem Jahr. Denn welche Hochschule würde unter dem Limit von fünf Vorschlägen bleiben? Sie würden damit ja zum Ausdruck bringen, dass sie nicht so viele gute Leute haben. Sie müssen so viel vorschlagen und die Kommission müsste sie alle beurteilen und durch das Land ziehen. Das ist noch viel teurer als die 100 000 €, die am Ende als Preis verliehen werden. Das alles ist schwierig.

Wir sollten im Ausschuss darüber reden, damit die berechtigten Zweifel, die bei diesem Antrag aufkommen, ausgeräumt werden können. Wenn wir uns dann einem Vorschlag gemeinsam nähern, der geeignet ist, die Lehre an unseren Hochschulen zu verbessern, sind wir allemal dabei. - Danke schön.

(Zustimmung bei der SPD und bei der CDU)

Danke, Herr Dr. Fikentscher. - Für die Linkspartei.PDS spricht der Abgeordnete Herr Lange.

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Einheit von Forschung und Lehre ist ein unverzichtbares Markenzeichen deutscher Hochschulen. Insbesondere in Zeiten, in denen durch die flächendeckende Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen dieses Prinzip durch straffe Studienorganisation und Verschulungstendenzen in ein schwieriges Fahrwasser gerät, muss umso stärker deutlich werden, dass Lehre durch Forschung eine optimale Qualifikation der Absolventen bietet.

Während jedoch die Forschungsleistungen der Wissenschaftler an deutschen Universitäten und Hochschulen zur Anerkennung in der Scientific Community und auch bei uns im politischen Raum führen, was sich besonders durch Drittmitteleinwerbungen oder durch die Vergabe von Exzellenzmitteln bis hin zu Forschungspreisen ausdrückt, wird gute Lehrleistung oft als Beiwerk angesehen. Dabei ist das Vermitteln von wissenschaftlichen Inhalten bis hin zur innovativen Konzeption des Studiums an Hochschulen genauso wichtig.

Der Antrag der FDP-Fraktion, exzellente Hochschullehre mit einem Preis anzuerkennen, um den es sich auch zu bewerben lohnt, findet daher unsere volle Zustimmung.

(Oh! bei der CDU)

Sicherlich werden wir im Ausschuss noch Gelegenheit haben, über eine genauere Konzeption eines solchen Preises zu beraten.

Ich möchte an dieser Stelle nur kurz auf unseren Änderungsantrag eingehen. Einheit von Forschung und Lehre bedeutet auch, dass es ein Prozess von Lehrenden und Lernenden ist. Daher macht eine beidseitige Bewertung

nicht nur bei der Vorauswahl, sondern auch abschließend einen Sinn.

Dass ein solcher Vorgang sehr fruchtbar sein kann, zeigen die internen Evaluationen durch Studierende - ein Prozess, der übrigens einer dringend notwendigen Wiederbelebung bedarf. Vielleicht ist der FDP-Antrag ein Anlass, sich im Ausschuss mit der Qualitätssicherung in der Lehre als Ganzes zu beschäftigen.

An dieser Stelle danke ich Ihnen, Herr Dr. Fikentscher. Sämtliche Kriterien, die Sie genannt haben, zum Beispiel warum es schwierig ist, jemanden auszuwählen oder ein besonders gutes Lehrkonzept auszuwählen, kann ich genauso gut auf die Forschung anwenden. Ich kann diese Schwierigkeiten auch bei Forschungsprojekten erkennen. Deswegen wundere ich mich darüber, dass dort so viele Preise verliehen werden, für die es immer Kriterien gibt, nach denen sie vergeben werden, und wir uns in Bezug auf die Lehre nicht trauen, einen solchen Kriterienkatalog aufzustellen.

Ich hoffe, dass wir im Ausschuss die Gelegenheit haben werden, darüber zu diskutieren. Ich gehe davon aus, dass es dringend notwendig ist, gute Lehrleistungen endlich einmal durch einen Preis anzuerkennen.

(Zustimmung bei der Linkspartei.PDS und bei der SPD)

Danke sehr, Herr Lange. - Für die CDU-Fraktion spricht der Abgeordnete Herr Tullner.

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Nach so honorigen Beiträgen wie denen des Ministers und von Herrn Dr. Fikentscher und auch der positiven Stellungnahme von Herrn Lange von der PDS ist jetzt die Luft raus, sodass ich mich nicht bemühe, thematisch noch einen neuen Aspekt in diese übersichtliche Materie einzubringen.

(Herr Gürth, CDU: Schade!)

Ich will mir aber trotzdem erlauben, noch drei Sätze zu sagen, wirklich nur drei Sätze. Dieses Idealbild von Humboldt, nämlich die Einheit von Forschung und Lehre, welches wir vor uns hertragen, ist ein Idealbild. Wir müssen uns immer vergegenwärtigen, dass es in der Praxis durchaus Nuancen gibt.

Ich erinnere mich an Zustände, bei denen Prüfungen im Taxi zum Bahnhof abgehalten worden sind, weil der Professor schnell nach Hause musste. Ich kenne auch Professoren, die seit 20 Jahren dieselben Vorlesungen halten, ohne dass der Begriff Innovation dabei irgendeine Rolle spielen würde.

Daher sollten wir den Antrag - in dem Sinne, wie Herr Lange es formuliert hat - zum Anlass nehmen, einmal etwas grundsätzlicher über die Qualität im Lehrbereich und deren Sicherung nachzudenken, zumal wir, wenn wir selbstkritisch sind, uns alle dabei ertappen, dass wir im Moment wirklich die Forschung in den Fokus der Entwicklung nehmen und die Lehre durchaus - ich denke, auch politisch - etwas vernachlässigen.

Angesichts dessen bin ich dankbar für den Antrag, will aber das Finanzargument noch ein bisschen einflechten. Wir sollten auch darüber nachdenken, wie viel Geld wir

letztlich zur Verfügung stellen wollen, sofern wir zu der Auffassung gelangen sollten, dass dieser Preis initiiert werden sollte. Ich denke, im Ausschuss können wir länger und intensiver darüber reden. Darauf freue ich mich schon. - Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU)

Danke, Herr Tullner. Sie waren akustisch schlecht zu verstehen. Daher frage ich Sie: Haben Sie auch eine Überweisung an den Finanzausschuss beantragt?

(Herr Tullner, CDU: Keine Überweisung an den Finanzausschuss!)

- Keine Überweisung. - Herr Kley, Sie haben die Möglichkeit zu erwidern. - Herr Kley möchte nicht erwidern.

Dann treten wir jetzt in das Abstimmungsverfahren zu den Drs. 5/520 und 5/543 ein. Ich denke, eine Überwei

sung an den Bildungsausschuss ist unstrittig. Oder gibt es dagegen Protest? - Das ist nicht der Fall. Wer also dem Vorschlag zustimmt, dass der Antrag und der Änderungsantrag in den genannten Drucksachen an den Bildungsausschuss überwiesen werden, den bitte ich um das Kartenzeichen. - Das ist das gesamte Haus. Damit sind der Antrag und der Änderungsantrag in den Ausschuss überwiesen worden und der Tagesordnungspunkt 16 ist erledigt.

Wir sind damit am Ende der 16. Sitzung des Landtages. Wir werden morgen um 9 Uhr über den gemeinsamen Antrag zur Föderalismusreform diskutieren und danach die Tagesordnung in der festgelegten Reihenfolge abarbeiten.

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass heute um 20 Uhr eine parlamentarische Begegnung im Raum B0 05 stattfindet. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend und schließe die Sitzung.

Schluss der Sitzung: 18.37 Uhr.