Protocol of the Session on July 12, 2007

Meine Damen und Herren, Schüleraustausch und die Verwendung „echter“ Sprachmaterialien wie Fernsehen - TV2 -, Radio - dänische Nachrichten auf R.SH - und Printmedien - AVIS - ermöglichen ein authentisches, interkulturelles Lernen. Was man gelernt hat, kann man nahezu unmittelbar ausprobieren.

In der Grenzstadt Flensburg zum Beispiel leben allein 15.000 Dänen, die mit ihrer Vielzahl von dänischen Schul- und Kultureinrichtungen das Stadtund Gesellschaftsbild entscheidend mitprägen.

Doch nicht nur zum besseren gegenseitigen Verständnis deutsch-dänischer gesellschaftlicher Strukturen sind Dänisch-Kenntnisse von Bedeutung.

(Unruhe)

- Wir sind hier nicht auf dem Jahrmarkt. Es ist zu laut, Herr Fraktionsvorsitzender.

(Lothar Hay [SPD]: Ich unterhalte mich mit meinem Nachbarn Astrup auf Dänisch! - Heiterkeit)

- Das hätte ich gehört.

Auch und gerade in Flensburg spielt der wirtschaftliche Faktor eine bedeutende Rolle. Eine Arbeitslosenquote von 12,2 % in Flensburg im Gegensatz zu

5,5 % in Süddänemark spricht eine deutliche Sprache. Immer wieder wird deshalb von Unternehmerseite nördlich der Grenze auf ausreichende Dänisch-Kenntnisse als Einstellungskriterium hingewiesen. Die krass ansteigende Zahl Dänisch lernender Erwachsener im Grenzgebiet macht deutlich, dass die Menschen verstanden haben, dass mit dem Erwerb der dänischen Sprache im nördlichen Wirtschaftsraum neue Perspektiven eröffnet werden.

Allerdings muss man sagen, dass die Anzahl der Dänisch lernenden Kinder und Jugendlichen im Landesteil Schleswig hingegen nicht der wachsenden Bedeutung des grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes und der engeren Kooperation gefolgt ist.

So erlernen in den deutschen Kindergärten des Landesteils Schleswig zurzeit lediglich circa 540 Kinder die dänische Sprache, obwohl die Leitlinien zum Bildungsauftrag an Kindertagesstätten dem Erlernen der Minderheitensprachen Dänisch, Nordfriesisch und Plattdeutsch eine besondere Bedeutung zuweisen.

Ich bitte die FDP-Fraktion, ihre Fraktionssitzung in ihren Fraktionsräumen abzuhalten.

(Heiterkeit)

Meine Damen und Herren, um einen genaueren Überblick über den Stand des Dänisch-Lernens durch die Mehrheitsbevölkerung im Landesteil Schleswig zu erhalten, bitten wir die Landesregierung, einen entsprechenden Bericht bis zum Oktober 2007 vorzulegen. Auf dieser Grundlage muss dann entschieden werden, ob und wie das Erlernen der dänischen Sprache im Landesteil Schleswig weiter ausgebaut werden kann.

Ich bitte Sie, dem Änderungsantrag von CDU und SPD zuzustimmen.

(Beifall bei CDU und SPD)

Ich danke Frau Abgeordneter Herold und erteile Herrn Abgeordneten Detlef Buder für die SPDFraktion das Wort.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will es Ihnen und mir ersparen, hier erneut die zahlreichen Gründe dafür aufzuzählen, warum möglichst alle Menschen so viele Fremdsprachen

(Susanne Herold)

wie nur möglich erlernen sollten. Ich will es Ihnen und mir ebenfalls ersparen hervorzuheben, dass die Sprache des jeweiligen Nachbarlandes aus den verschiedensten ökonomischen, kulturellen und mentalen Gründen einen besonders hohen Stellenwert hat.

Meine Fraktion wird dennoch den vom SSW vorgelegten Antrag nicht unterstützen, wonach die Landesregierung kurzfristig einen Aktionsplan vorlegen soll, mit dem möglichst alle Einwohner Schleswigs zum Dänisch-Lernen verpflichtet werden sollen.

Zum einen erschließt es sich mir überhaupt nicht, warum Sie mit Ihrem Antrag das flächenmäßig kleine Bundesland Schleswig-Holstein in die historischen Landesteile Schleswig und Holstein aufteilen wollen. Die vielen Gründe, die dafür sprechen, Dänisch zu lernen, zu lesen und zu sprechen, sind nicht an die Präsenz der dänischen Minderheit gebunden und das potenzielle Interesse am dänischen Arbeitsmarkt erlischt nicht in dem Moment, in dem man die Eider nach Süden überschreitet. Das sage ich Ihnen insbesondere als Dithmarscher, weil sehr viele von den Arbeitskräften, die nach Dänemark wechseln, aus meiner Region kommen.

Unser Bundesland Schleswig-Holstein und nicht nur der Landesteil Schleswig ist im Rahmen der Ostsee- und der Nordseekooperation, aber auch ganz besonders bilateral der Partner Dänemarks. Wenn wir uns daher darauf einigen, dass dem Erlernen des Dänischen bei uns ein höherer Stellenwert zukommt als bei einem Thüringer oder Badener, dann kann dieses Argument nur für das gesamte Bundesland gelten.

Zum anderen reden wir immer von Autonomie der Schulen. Wir sind auch häufig mit Forderungen von Schülern und Eltern konfrontiert, das Fremdsprachenangebot an unseren weiterführenden Schulen, besonders den Gymnasien, vielfältiger zu gestalten, als wir dies im Moment mit den vorhandenen Personalressourcen und den Qualifikationen unserer Lehrkräfte tun können. Das setzt aber auch voraus, dass die Schüler und ihre Eltern im Rahmen der aktuell vorhandenen und noch zu schaffenden Fremdsprachenangebote Schwerpunkte setzen können.

Am Englischen als wichtigster Fremdsprache führt nichts vorbei. Durch welche Weltsprachen, welche europäischen Nachbarsprachen, aber auch durch welche „lesser used language“, zum Beispiel das Friesische, die sprachliche Qualifikation ergänzt werden kann, sollten wir nicht obrigkeitsstaatlich regeln. Wir haben uns daher das Ziel des SSW nicht zu eigen gemacht, den Dänisch-Unterricht in

Kindertagesstätten und Schulen obligatorisch vorzugeben.

CDU und SPD legen deshalb als Änderungsantrag einen Berichtsantrag an die Landesregierung vor. Wir bitten darin das Ministerium, uns das ihm zur Verfügung stehende Zahlenmaterial über die Entwicklung des Dänisch-Unterrichts an Kindertagesstätten, Schulen, Weiterbildungseinrichtungen und Hochschulen darzulegen. Auch wenn es sicherlich schwer quantitativ zu erfassen ist, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass Sprachkurse heute in sehr unterschiedlicher medialer Form stattfinden, von denen der gute alte Volkshochschulkurs nur eine Form ist.

Wir bitten in unserem Berichtsantrag die Landesregierung auch um eine Einschätzung der Möglichkeiten, wie die Motivation der Mehrheitsbevölkerung zum Erlernen des Dänischen stimuliert werden kann. Wenn uns die Landesregierung diesen Bericht vorgelegt hat, werden wir im Plenum und im Ausschuss darüber beraten, ob es weiterer Vorgaben bedarf, um diese Motivation zu fördern.

Ich bitte Sie daher um Zustimmung zu unserem Antrag.

Herr Kollege Matthiessen, die Dänen in Dänemark machen mit dem Erlernen der deutschen Sprache bei ihren Schülern und Erwachsenen genau dieselben Erfahrungen wie wir hier umgekehrt. Sie sehen das Problem in ähnlicher Weise wie wir.

(Beifall bei SPD und CDU)

Ich danke Herrn Abgeordneten Buder und bevor ich Herrn Abgeordneten Dr. Klug das Wort erteile, begrüße ich Mitglieder der Stammdienststelle der Bundeswehr aus Wilhelmshaven. - Herzlich willkommen!

(Beifall)

Nun erhält Herr Abgeordneter Dr. Ekkehard Klug für die FDP das Wort.

Frau Präsidentin! Es ist wieder einmal typisch: Eine hervorragende Initiative aus den Reihen der Opposition, in diesem Fall vom SSW, wird von den Regierungsfraktionen mit einem Berichtsantrag ausgebremst, der das Ganze erst einmal nach dem Motto „Papier ist geduldig“ in einer Sammlung von Daten und Fakten, die in der Tat weitgehend durch Berichte oder Kleine Anfragen bekannt sind, abbügelt. Man kann sich überlegen, ob es eher noch sinnvoll

(Detlef Buder)

wäre, einen Bericht zu der Frage anzufordern, in welchen Kindertagesstätten im Landesteil Schleswig mit den Kindern auch Dänisch gesprochen wird. Vielleicht ist es ja auch interessant zu wissen, in welchen beziehungsweise wie vielen das nicht der Fall ist. - Eigentlich geht es doch darum, die faktische Situation zu verbessern, nämlich - was der SSW mit seinem Antrag bezwecken will - einen Aktionsplan zu entwickeln, der dazu führt, dass in Kindertageseinrichtungen, in Schulen, in anderen Bereichen die Vermittlung dänischer Sprachkenntnisse vorankommt. Da ist der Schwerpunkt zu setzen. Wir stimmen dem Antrag des SSW zu.

Eine kleine Anmerkung: Ich teile die Auffassung, dass man durchaus auch im Landesteil Holstein Dänisch lernen darf. Ich finde es ausgezeichnet, dass beispielsweise das Kieler Thor-Heyerdahl-Gymnasium in der Oberstufe Dänisch als Fremdsprache anbietet

(Beifall beim SSW)

und auch eine Schulpartnerschaft mit einer Schule in Ripen unterhält. Super! Das sind Dinge, die wir auch in anderen Landesteilen, nämlich im südlichen, unterstützen können. Das ist für die Menschen im Grenzraum, nahe der deutsch-dänischen Grenze, ein besonders wichtiges Anliegen, ein besonders wichtiges Thema. Ich denke, so ist auch der Antrag des SSW zu verstehen.

(Beifall des Abgeordneten Dr. Heiner Garg [FDP])

Das steht außer Frage.

(Beifall bei FDP und SSW)

Ich danke dem Herrn Abgeordneten Dr. Klug und erteile Herrn Abgeordneten Detlef Matthiessen für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN das Wort.

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Das Erlernen der dänischen Sprache im Nordteil Schleswig-Holsteins ist ein Muss. Wir erleben im Moment eher einen Rückgang des Fremdsprachenerwerbs im deutschen Schulsystem. Wir können dankbar sein, dass wir in diesem Raum das dänische Schulsystem und dadurch doch noch eine erkleckliche Zahl von Schülern im Lande haben, die beide Sprachen fast auf muttersprachlichem Niveau beherrschen.

Wären wir in Mecklenburg-Vorpommern an der polnischen Grenze, würde ich sagen: Es ist dort, in den Regionen an der Grenze zum Nachbarland Polen, notwendig, die polnische Sprache zu erlernen. Die Dänen, Herr Kollege, sprechen Deutsch sehr viel besser als die Deutschen Dänisch. Das liegt zum Teil daran, dass Filme dort nur untertitelt laufen und die Dänen über das Fernsehen viele Lernimpulse sowohl im Englischen als auch im Deutschen erhalten. Ohnehin ist die Sprachkompetenz in kleineren Ländern größer als in größeren Ländern.

Es ist nicht immer ein Vergnügen mit der dänischen Sprache. Das Wort „Mittelmäßigkeit“ würde folgendermaßen geschrieben: „middlemuglihed“, aber ganz anders - wie Sie jetzt hören - ausgesprochen.

(Heiterkeit)

Trotzdem ist es gut, diese Sprache zu lernen. Anke Spoorendonk hat ja die Möglichkeit für Deutsche, dort Arbeit zu finden, angeführt. Die erfolgreiche Wanderung zu Arbeitsplätzen nördlich der Grenze haben wir schon verschiedentlich in diesem Haus dargestellt.

Es ist ja so, dass auf beiden Seiten der Grenze Minderheiten existieren; Sie sprechen die Sprache allerdings ohnehin. Die Menschen diesseits und jenseits der Grenze sollten die Sprache des Nachbarn kennen; das gehört zu einer guten Nachbarschaft und Kultur.

Ich teile die Ausführungen des Kollegen Dr. Klug. Wir haben hier einen sehr typischen Vorgang.