Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Nordrhein-Westfalen unterstützt Hamburgs Olympia-Bewerbung 2024“ – das ist die Überschrift dieses Antrags, und so lautet die Botschaft dieses Tagesordnungspunktes.
Lieber Holger Müller, ich finde auch, dass es wichtig ist, diese Botschaft zu senden. Ich persönlich stehe sehr hinter dieser Bewerbung, seitdem ich auf der Konferenz der sportpolitischen Sprecher der SPDLandtagsfraktionen und der Bundestagsfraktion einen Zugang zu dem Projekt gefunden habe. Es wurde uns intensiv vorgestellt.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich das einmal genauer anzusehen. Hamburg beantragt sehr nachhaltige Olympische Spiele. Es geht nicht um Gigantomanie, sondern es ist sehr genau geplant, was man hinterher mit den Einrichtungen und Stätten anfangen will. All das klingt sehr realistisch.
Es ist ganz im Sinne des IOC – da gibt es ja auch eine Veränderung, die vor allen Dingen Herr Bach transportiert, seitdem er IOC-Präsident ist –, deutlich zu sagen: Wir wollen keine gigantischen Spiele, sondern wir wollen ein Stück weit nachhaltige Spiele haben. Mein Eindruck ist, dass Hamburg genau zu dieser Anforderung passt und große Chancen haben kann, tatsächlich den Zuschlag zu bekommen.
Ich habe ebenso wie mein Vorredner die Hoffnung, dass allein durch diese Bewerbung die Sportwelt noch einmal einen Schub erhält – sowohl was die Funktionäre angeht als auch die Aktiven –, und damit auch Nordrhein-Westfalen.
Ich bin ebenso froh darüber, dass wir hier zu einem gemeinsamen Antrag der vier traditionsreichen Fraktionen im Land Nordrhein-Westfalen gekommen sind. Das ist ein klares Signal in Richtung Hamburg.
Jetzt habe ich mir als Schlusswort nicht aufgeschrieben: „Wir sind alle Hamburger“ – das wäre zum einen etwas schwierig, zum anderen auch doppeldeutig, was das Nahrungsmittel angeht –, sondern: Wir sind alle Unterstützer Hamburgs. Darüber freue ich mich sehr. – Ich bedanke mich für Ihre und eure Aufmerksamkeit. Danke schön.
Vielen Dank, Herr Kollege Bischoff. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht Frau Kollegin Paul.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach einem Sprint der CDU hin zu einem möglichen gemeinsamen Antrag ist nach zähem Ringen und einem gewissen Verhandlungsmarathon dieser vorliegende Antrag nun das Ergebnis, um einmal im sportlichen Bild zu bleiben. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Das finde ich unterstützenswert.
Der DOSB hat sich am 21. März 2015 für Hamburg als Olympiabewerber entschieden. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen will ein Signal setzen und diese Bewerbung unterstützen.
Hamburg setzt mit seinem Konzept auf kompakte Spiele, die laut dem rot-grünen Koalitionsvertrag von Hamburg transparenter, flexibler, nachhaltiger, bescheidener und kostengünstiger werden sollen. Gut so! Denn die olympische Idee ist in den letzten Jahren durchaus in Verruf geraten: die Menschenrechtslage in Ausrichterstaaten, die Umweltzerstörung, Gigantismus auf Staatskosten und dabei noch die mangelnde Bürgerbeteiligung. Oftmals wurde nicht mit den Bürgern über ein Sportfest gesprochen, das eigentlich für sie sein soll, sondern sie wurden – im Gegenteil – nicht nur nicht beteiligt, sondern oftmals auch noch vertrieben, und Kritik wurde mundtot gemacht.
Hamburg legt ein Konzept vor, das einen anderen Weg beschreiten möchte, das sich ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit verpflichtet. Daran wird sich diese Bewerbung messen lassen müssen. Aber damit kann sie auch ein Vorbild dafür sein, dass auch andere Spiele noch möglich sind, dass nicht jedes Sportgroßereignis an vielleicht eher zwielichtige Ausrichterstaaten vergeben werden muss.
Von einer solchen Haltung gegenüber dem Sport und Sportgroßveranstaltungen können sich möglicherweise auch die Sportweltverbände etwas abschauen. Schwarze Kassen, Korruption, Vetternwirtschaft usw. – das sind nur einige Beispiele – haben den Sport in eine tiefe Krise geführt. Wenn man die aktuellen Meldungen zum Krisenmanagement des DFB liest, dann gewinnt man den Eindruck, dass an einem ernsthaften Bemühen, dieses Vertrauen wiederherzustellen, eher kein Interesse besteht.
Die Hamburger Bewerbung stellt sich am 29. November 2015 einem Referendum der Bürgerinnen und Bürger, die dann letztlich über die endgültige Bewerbung entscheiden sollen. Die gescheiterten Bewerbungen von München und anderen europäischen Städten zeigen, dass das natürlich mit einem gewissen demokratischen Risiko verbunden ist. Denn die sportpolitische Arroganz der Weltverbän
de hat die olympische Idee offensichtlich in vielen demokratischen Gesellschaften ein Stück weit desavouiert.
Die Konsequenz für die Sportpolitik sollte deswegen nicht heißen, weiter den Schulterschluss mit Despoten zu suchen, sondern wirklich mehr Transparenz und mehr Bürgerbeteiligung in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen zu stellen. Nur dann kann der Sport wirklich das einlösen, was er immer so vollmundig verkündet, nämlich für alle Menschen da zu sein und auch ein verbindendes Element darzustellen.
Eine mögliche Bewerbung Hamburgs – das machen wir mit diesem gemeinsamen Antrag deutlich – kann sich der Unterstützung des Sportlandes Nordrhein-Westfalen sicher sein. Aber das letzte Wort haben am 29. November 2015 die Bürgerinnen und Bürger Hamburgs – und das ist auch richtig so. Ich meine, im Sinne des olympischen Gedankens sollten die Sportgroßverbände durchaus mehr Demokratie wagen. – Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich persönlich bin auch sehr froh, dass wir es noch geschafft haben, einen gemeinsamen Antrag auf den Weg zu bringen.
Es ist schön, diesen gemeinsamen Antrag zu stellen; denn wir alle wissen, dass die Olympischen Spiele ebenso wie die Paralympischen Spiele das Sportereignis schlechthin auf dieser Welt sind. Olympia hat überall eine ganz besondere Strahlkraft. Wenn ich so durch die Reihen blicke, sehe ich hier im Hause auch einige Sportler sitzen. Ich denke, jeder wird irgendwann schon den Traum gehabt haben, im Laufe seiner Karriere einmal an Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen.
Olympia zeichnet sich nicht nur durch den sportlichen Wettbewerb aus – das ist mir wichtig; auch Herr Müller hat es angesprochen –, sondern vor allen Dingen auch durch den friedenstiftenden Charakter. Diese friedenstiftende Idee, die olympische Idee, stand auch bei der Wiederbelebung der Olympischen Spiele 1896 durch Pierre de Coubertin in einem ganz besonderen Fokus. Die Jugend der Welt, so sagte er, sollte sich bei sportlichen Wettkämpfen messen und gerade nicht auf den Schlachtfeldern.
Dieses verbindende und damit auch demokratische Element der Olympischen Spiele nimmt die Hamburger Bewerbung ganz hervorragend auf. Die Bürgerbeteiligung war wirklich vorbildlich; das alles werden Sie nachvollzogen haben. Die Bürgerinnen und Bürger wurden sehr frühzeitig und intensiv eingebunden.
Nachdem Sportgroßveranstaltungen in der letzten Zeit – vorsichtig formuliert – mit nicht immer mit ganz lupenreinen Demokratien in Verbindung gebracht worden sind, stellt die Hamburger Bewerbung ein ganz wichtiges Signal dar. Auch demokratische Rechtsstaaten können heute noch solche Großveranstaltungen erfolgreich durchführen; London 2012 war hierfür ein ganz tolles Vorbild.
Dass Hamburg in der Lage ist, städtebauliche Projekte dieser Größenordnung zu stemmen und sich als Stadt immer wieder neu zu erfinden, haben die Hanseaten in der Vergangenheit mehrfach bewiesen. Aus dem Kehrwieder und dem Wandrahm wurde die Speicherstadt, aus der Speicherstadt dann die HafenCity. Gleichzeitig wandelte sich das Bild des Hafens und damit auch der Stadt ständig.
Mit einer nun möglichen Ausrichtung der Olympischen Spiele in Hamburg würde das Erscheinungsbild noch einmal positiv in „Olympic City“ erneuert und verändert werden. Hamburg will also der Welt zeigen, dass ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit möglich ist und hoffentlich im Bewerbungsprozess noch einmal den klaren Unterschied machen wird. Dabei sollten wir in NordrheinWestfalen den Hamburgern ein tolles Votum mit auf den Weg geben und sie bestärken, meine Damen und Herren.
Olympische Spiele in Hamburg wären aber nicht nur eine Chance für die Stadt selbst – das ist bereits angesprochen worden –, sondern vor allen Dingen auch für das Sportland Nordrhein-Westfalen. Olympia im eigenen Land kann neue Impulse geben und den Sport in unserem Land weiter nach vorn bringen. Olympia bietet unseren Athletinnen und Athleten eine besondere Chance, sich und unser Sportland NRW der Welt erfolgreich, sympathisch und weltoffen zu präsentieren.
Diese herausragenden Chancen und Möglichkeiten, die sich für den Sport in NRW ergeben können, sollten und müssen wir dringend nutzen. Dazu gehören natürlich Investitionen in unsere Sportinfrastruktur oder – was mir besonders am Herzen liegt – die Förderung dualer Karrieren. Auch dazu wollen wir uns hier und heute bekennen. Senden wir bitte ein starkes und wichtiges Signal aus NRW nach Hamburg! – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer! Ein Antrag von CDU, SPD, FDP und den Grünen mit dem Titel „Nordrhein-Westfalen unterstützt Hamburgs Olympiabewerbung 2024“.
„Anknüpfend an den großen Erfolg der Fußballweltmeisterschaft 2006 bietet sich für Deutschland … die einzigartige Gelegenheit, die globale Aufmerksamkeit innerhalb kurzer Zeit erneut auf sich zu lenken...“
Ja, irgendwie schon. Wenn jetzt damit gemeint ist, dass Themen wie Korruption und Bestechung dadurch seit Wochen in den internationalen und nationalen Medien thematisiert werden, dann ist das aus meiner Sicht durchaus ein Erfolg. Dann brauchen wir gar nicht so scheinheilig auf zwielichtige Ausrichterstaaten zu zeigen, Frau Paul, um Sie aufzugreifen, da können wir durchaus in unser eigenes Land schauen.
Die Situation in Hamburg ist aber unabhängig davon nicht so eindeutig, wie es uns der Antrag hier weismachen will. Die Finanzierung wurde immer wieder umgeworfen, in einigen Punkten ist sie strittig, und man darf durchaus darauf mit Misstrauen reagieren. Auch die Folgen für Hamburg im Bereich Umwelt, Verkehr, Städtebau sowie die sozialen Auswirkungen auf der Elbinsel werden unter anderem von namhaften Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus Hamburg kritisiert. Dazu haben sie einen offenen Brief verfasst, der eine beeindruckende Anzahl an Unterzeichnerinnen aufweist.
Aber mal ehrlich: Haben wir hier in NRW die Möglichkeit, uns ein ausgeglichenes Bild davon zu machen, was gerade in Hamburg los ist? Ich denke, nein. Ich sehe bei dieser Initiative ein viel größeres Problem. Erst in der Zukunft, also am 29. November, werden die Bürgerinnen und Bürger in Hamburg selbst darüber entscheiden, ob sie eine Bewerbung wollen oder nicht. Zu diesem Zweck wird es ein Referendum am ersten Advent geben.
Wenn sich der Landtag NRW an dieser Stelle jetzt schon dafür ausspricht, die Olympiabewerbung zu unterstützen, dann überschreiten wir alle unsere Kompetenzen. Das steht uns einfach nicht zu. Das können wir nicht machen.
Dass ein solcher Antrag von der CDU, der FDP und vielleicht auch der SPD kommt, das überrascht mich nicht. Aber dass sich ausgerechnet die Grünen so vor den Karren spannen lassen, das überrascht mich.
Für uns ist die Sache klar. Wir werden diesen Antrag zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich ablehnen.