Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Diabetes mellitus gehört zweifelsohne zu den großen Volkskrankheiten. Liebe Frau Schneider, das können wir so festhalten. Die Zahl der Personen mit diagnostiziertem Diabetes hat sich in den letzten Jahren sowohl in Deutschland als auch weltweit massiv erhöht. So sind aktuell weltweit rund 285 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen.
Diabetes Typ 1, bei dem das Immunsystem außer Kontrolle gerät und körpereigene Immunzellen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören, entwickelt sich in der Regel bis zum jungen Erwachsenenalter. Etwa 5 bis 10 % aller Menschen, die in Deutschland an Diabetes erkrankt sind, haben Diabetes Typ 1. Untersuchungen zeigen, dass der Gipfel an neu diagnostizierten Diabetes-Typ-1-Erkrankungen im Alter von zehn bis 15 Jahren erreicht wird. Insgesamt sind zurzeit – Frau Schneider, Sie haben es gerade erwähnt – 30.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland vom Typ 1 betroffen.
In den letzten Jahren hat die Häufigkeit der Neuerkrankungen im Kinder- und Jugendalter in Deutschland zugenommen. Die genauen Ursachen für diesen Anstieg bei Typ-1-Erkrankungen sind zurzeit noch nicht abschließend geklärt. Unter Verdacht stehen Umweltfaktoren, aber auch Infektionskrankheiten.
In Deutschland leidet der überwiegende Teil der Personen mit Diabetes – das sind rund 90 % der Erkrankten – allerdings an Diabetes Typ 2, schätzungsweise immerhin 6 Millionen Menschen.
Bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes spielt vor allem eine verminderte Insulinempfindlichkeit eine Rolle, wobei es mit zunehmender Krankheitsdauer zu einem Insulinmangel kommt. Bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes spielen die genetischen Faktoren, vor allen Dingen die Lebensumstände, eine besondere Rolle. So können Übergewicht und Bewegungsmangel zu einer eingeschränkten Insulinwirkung führen. Einige von uns haben vielleicht Angehörige mit Diabetes oder ist selbst von der Krankheit betroffen.
Deutschland, und Typ-1-Diabetes ist bei uns mittlerweile die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen.
All dies zeigt, dass die Bekämpfung dieser Krankheit eine zentrale Herausforderung darstellt und auch der Umgang mit Schülerinnen und Schülern, die an dieser Krankheit leiden, ein wichtiges Thema ist.
Ich möchte aber auch hervorheben, dass Schülerinnen und Schüler mit Diabetes grundsätzlich an allen schulischen Veranstaltungen, auch an mehrtägigen Fahrten oder sportlichen Betätigungen, teilnehmen können. Ausgrenzungen, liebe Frau
Schneider, dürfen wir nicht hinnehmen. Es ist natürlich nicht vereinbar, dass jemand, der eine Diabetes-Erkrankung hat, von Schulveranstaltungen ausgeschlossen wird.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit die Kinder und Jugendlichen nicht in eine Außenseiterrolle gedrängt werden, bemühen sich die Schulen in Nordrhein-Westfalen gerade um einen möglichst norma
In diesem Zusammenhang sind der richtige Umgang mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern und die Vermittlung dieses Wissens wichtig. In dieser Hinsicht weist der vorliegende Antrag der FDP-Fraktion auf wichtige und richtige Aspekte hin. Ebenso sind bereits im Kindesalter Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen über Diabetes unverzichtbar, um insbesondere einen an Diabetes-Typ2-Erkrankten im weiteren Lebensverlauf zu vermeiden.
Bereits heute können sich Lehrerinnen und Lehrer unter anderem – Sie haben es erwähnt, Frau Schneider – im Bildungsportal des Ministeriums für Schule und Weiterbildung über das Krankheitsbild informieren und Hinweise über den Umgang mit Schülerinnen und Schülern erlangen.
Dennoch sollten wir gemeinsam im Ausschuss beraten, wie der weitere Informations- und Aufklärungsbedarf genau zu beschreiben ist – der Antrag weist hierauf in einigen Punkten hin – und inwiefern hier das Land zu einer Verbesserung beitragen kann, indem die Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sowie die Lehrerinnen und Lehrer unterstützt werden können.
Vor diesem Hintergrund stimmen wir natürlich der Überweisung in den Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales zu, in dem wir Gelegenheit haben werden, den Antrag genauestens zu diskutieren. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Diabetes mellitus Typ-1 ist die in Deutschland am häufigsten auftretende chronische Stoffwechselerkrankung. Studien zeigen, dass die Rate an Neuerkrankungen immer weiter ansteigt, vor allem bei Kindern unter fünf Jahren. Aktuell sind ca. 30.000 Kinder und Jugendliche – das ist schon mehrmals erwähnt worden – an Typ-1-Diabetes erkrankt.
Dieser frühkindliche Diabetes kann zahlreiche schwerwiegende Belastungen mit sich bringen. Dazu gehören vielfältige körperliche und psychosoziale Probleme sowie ein besonders hohes Risiko, diabetische Folgeerkrankungen zu entwickeln und zu erleiden.
Das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf hat kürzlich die Lebenssituation von Heranwachsenden untersucht, bei denen bereits im Vorschulalter ein
Typ-1-Diabetes festgestellt wurde. Im Rahmen der Untersuchungen konnten die Betroffenen auch ihre Lebensqualität einschätzen. Die in der Zeitschrift „Pädiatrik/Diabetes“ veröffentlichten Ergebnisse
zeigen, dass für die Patientinnen und Patienten eine gute Stoffwechseleinstellung und die Zufriedenheit mit der Therapie die auffälligsten Voraussetzungen sind, um die eigene Lebensqualität zu erhöhen. Nicht veränderbare Faktoren wie Alter, Geschlecht und familiäres Umfeld waren hingegen von untergeordneter Bedeutung für die selbst berichtete Lebensqualität.
Aus diesem Grunde muss in erster Linie auf eine ganz genaue Aufklärung und Schulung der jungen Patientinnen und Patienten sowie gerade bei ganz jungen Kindern natürlich der Eltern geachtet werden. Denn wenn das Zusammenspiel zwischen Ernährung und Insulintherapie dauerhaft gelingt, ist ein weitgehendes normales Leben möglich.
Die Kinder und Jugendlichen sind in der Schule genauso leistungsfähig wie ihre gesunden Klassenkameraden und im Umgang mit ihrer Krankheit gut geschult. Selbstverständlich bedürfen sie einer besonderen dauerhaften gesundheitlichen Kontrolle. Die behandelnden Ärzte geben hier auch Hilfestellungen und den Eltern Leitlinien an die Hand, welche Personen inwieweit informiert werden müssen.
Damit stellt sich die Frage, ob auch das gesamte schulische Umfeld einschlägiger Aufklärung und Information bedarf. Hier muss meines Erachtens der schmale Grat zwischen notwendiger Information der Betreuungspersonen und dem Bemühen, möglichst viel Normalität für das Kind zu schaffen, gefunden werden.
Es ist fraglich, ob wirklich jede Lehrerin oder jeder Lehrer generell im Umgang mit an Diabetes erkrankten Kindern geschult werden muss. Ist es nicht ausreichend, wenn gut informierte Eltern die schulischen Kontaktpersonen ihrer Kinder über den Umgang mit dem Kind und der Erkrankung aufklären und einweisen? Können nicht im Einzelfall die Handlungsoptionen des Lehrpersonals mit den Eltern abgestimmt werden?
Viele Kinder und Jugendliche benötigen stark fortgeschrittene Therapiemöglichkeiten während der Schulzeit, zum Beispiel vollautomatische Insulinpumpen. Dafür benötigen Sie gar keine intensive Betreuung oder Unterstützung, auch nicht mehr im Umgang mit ihrer Krankheit.
Andererseits ist es sicherlich hilfreich, wenn angebotene Erste-Hilfe-Kurse auch das Thema „Diabetes mellitus“ behandeln, insbesondere das Verhalten im Notfall.
Es gilt also, ganz genau hinzuschauen und abzuwägen, welches der beste Weg ist, einerseits Sicherheit für die jungen Patientinnen und Patienten zu schaffen und andererseits Einschränkungen,
Ich bitte daher um eine genaue Analyse und Diskussion im zuständigen Fachausschuss. Die CDU stimmt der Überweisung zu. – Danke schön.
Vielen Dank, Herr Kollege Burkert. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erteile ich Herrn Kollegen Ünal das Wort.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes oder auch mit anderen chronischen Erkrankungen und in diesem Zusammenhang insbesondere die Medikamentengabe in Kindertagesstätten und in den Schulen ist ein wichtiges Thema, das wir im Ausschuss ausführlich diskutieren müssen.
Denn sofern die Schülerinnen und Schüler noch minderjährig sind und ein Medikament in der Schulzeit oder in den Pausen nehmen, aber selbst nicht in der Lage sind, diese Medikamente zu geben, ist sicherlich auch die Unterstützung seitens der Schule, der Lehrerinnen und Lehrer und der pädagogischen Fachkräfte geboten.
In der Beantwortung der Kleinen Anfrage zu diesem Thema vom Juni letzten Jahres hat die Landesregierung bereits ausführlich Stellung bezogen. Dabei ist schon deutlich geworden, dass im alltäglichen Praxisbereich jetzt häufig individuelle Lösungen bei der Begleitung und Betreuung der Kinder mit Diabetes von pädagogischen Fachkräften im Einvernehmen mit den Eltern und mit den behandelnden Ärzten gefunden werden.
„Das Versorgungsproblem wird daher bei den Eltern abgeladen, die dann auf sich alleine gestellt sind.“
Die Maßnahmen des Schulministeriums, die in dieser Antwort detailliert dargestellt sind, und auch die Maßnahmen der beiden Landschaftsverbände und der unteren Gesundheitsbehörden widerlegen diese Aussage.
In diesem Zusammenhang muss man auch einmal einen Dank aussprechen an die Lehrerinnen und Lehrer sowie die pädagogischen Fachkräfte, die diese Aufgabe tatsächlich übernehmen, obwohl sie arbeitsrechtlich dazu nicht verpflichtet sind. Die Lehrkräfte an den Schulen und die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas bemühen sich in der Regel, soweit sie von der Erkrankung erfahren, um einen möglichen normalen Umgang mit den Kindern mit Diabetes.
Kinder und Jugendliche mit Diabetes sind grundsätzlich in jeder Hinsicht körperlich, geistig, emotional und sozial voll leistungsfähig. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Kinder und Jugendliche mit Diabetes genauso an allen Veranstaltungen und auch Fahrten teilnehmen können wie alle anderen auch. Die Schaffung und Förderung von Akzeptanz und Inklusion in Schul- und Kita-Alltag ist hier ein wichtiges Ziel.
Hier ist sicher auch eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Kindern und deren Eltern sowie den behandelnden Ärzten und Ärztinnen, den Lehrkräften und den pädagogischen Fachkräften besonders wichtig.
Die beiden Landschaftsverbände haben ihrerseits zum Thema „Medikamentengabe“ und zur Betreuung von chronisch-kranken Kindern – dabei sind nicht nur Diabetes, auch andere chronische Erkrankungen mit erfasst – für die Tageseinrichtungen eine umfassende Orientierungshilfe für die Praxis herausgegeben.
Laut Ausführungen der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung ist das zivilrechtliche Haftungsrisiko bei der Verabreichung von Medikamenten durch das Lehrpersonal weitestgehend minimiert worden. Hier ist auch deutlich niedergelegt, wie eine Medikamentenvergabe in der Schule und im Kindergarten geregelt ist. Die Beteiligten haben danach nicht nur eine Rechtssicherheit, sondern insbesondere auch eine Unfallschutzversicherung.
In diesem Zusammenhang ist mit der Forderung nach einer Aufklärung unter anderem auch auf den gesetzlichen Auftrag der öffentlichen Gesundheitsdienste hinzuweisen. Diese Gesundheitsdienste nehmen für die Tageseinrichtungen für Kinder und für die Schulen betriebsmedizinische Aufgaben wahr. Tageseinrichtungen und Schulen können sowohl auf die Kinder- und Jugendgesundheitsdienste sowie die Ansprechpartner bei den Diabeteszentren zurückgreifen als auch die Beratungsmöglichkeiten der Schulaufsichtsbehörden in Anspruch nehmen.
Trotzdem werden wir natürlich der Überweisung des Antrags in den Fachausschuss zustimmen, um hier die Situation zu analysieren und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.