Protocol of the Session on June 14, 2007

Das war mir klar. Ich hatte gedacht, Kollege Börschel hätte schon gereicht. Aber kein Problem.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte gern ein paar Dinge aufgreifen und mit einigen Legenden aufräumen, die die Kollegen in den Raum gestellt haben. Da will ich anfangen – das bietet sich immer an, das mache ich besonders gern – mit den Ausführungen des Kollegen Klein. Kollege Klein hat von dem erfolgreichsten Finanzminister aller Zeiten gesprochen.

(Volkmar Klein [CDU]: Seit Jahrzehnten! – Zuruf von Martin Börschel [SPD])

Seit Jahrzehnten, egal, das können wir nachlesen.

Herr Kollege Klein, ich habe den Eindruck, Sie bekommen einiges nicht mit. Denn für Ihren Finanzminister läuft das im Moment alles gar nicht so besonders gut. Kollege Börschel hat darauf hingewiesen.

Lassen Sie mich einmal schauen, was heute so in der Presselandschaft zu lesen ist. Ich danke dem Kollegen Sagel ausdrücklich dafür, dass er schon einmal angefangen hat, hier zu zitieren.

(Zuruf von Dr. Robert Orth [FDP])

Ich lasse nicht zu, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass gesagt wird, die „taz“ stehe bestimmten politischen Gruppierungen nahe, und das sei alles nicht so wichtig.

Schauen Sie einmal in die Zeitungslandschaft. Schauen Sie in die „Westfalenpost“, schauen Sie in den „Kölner Stadt-Anzeiger“, schauen Sie in die „Westfälische Rundschau“: „Etat profitiert von Konjunktur“, „Falsches Bild“. „Das Bild vom ‚eisernen Helmut’ hat wenig mit der Realität zu tun“. Oder schauen Sie in den Artikel der „Westfalenpost“: „Zweifel am Sparkurs. Mit dem Landeshaushalt 2008 weckt Helmut Linssen erste Zweifel an der harten Sanierung“.

(Beifall von der SPD)

Meine Damen und Herren, hier wird deutlich, dass die Maske vom „eisernen Kaufmann“ in der gesamten Presselandschaft Nordrhein-Westfalens nachhaltig gefallen ist.

(Beifall von der SPD)

Deshalb, Herr Finanzminister, ist es verdammt dumm gelaufen für Sie.

Ich möchte gerne noch ein paar andere Punkte ansprechen. Stichwort: Pensionsfonds. Herr Finanzminister, ich lasse nicht zu, dass Sie auf unseriöse Weise hier die SPD-Fraktion oder in dem Fall auch die Grünen in eine Ecke schieben, in die sie nicht hineingehören. Wir haben diesen Pensionsfonds gewollt, und wir haben das Bedienen des Pensionsfonds sehr bewusst – übrigens wie viele andere Bundesländer, um nicht zu sagen alle anderen Bundesländer – von 1999 an ausgesetzt, ganz gezielt.

Ich frage Sie jetzt, warum Sie den Nachtragshaushalt 2005, den Haushalt 2006, den Nachtragshaushalt 2006, den Haushaltsplanentwurf 2007 passieren lassen, ohne den Pensionsfonds zu bedienen, obwohl Sie deutlich mehr Steuereinnahmen hatten.

(Beifall von der SPD – Martin Börschel [SPD]: Ja!)

Deshalb betone ich das, was Kollege Börschel gerade gesagt hat: Hier geht es darum, eine kräftige Nachzahlung, die fällig geworden wäre, im Vorwahlkampf zu verhindern.

Deshalb hören Sie auf, uns anzuhängen, wir wollten keinen Pensionsfonds. Sie können es in unserer Pressemeldung nachlesen. Natürlich wollen wir den, aber wir sagen: So, wie Sie es jetzt machen, ist das Bedienen des Pensionsfonds ein Abweichen von Ihrem klaren Kurs.

(Beifall von der SPD)

Dazu ist es immer schön, alte Unterlagen abzuheften. Kollege Klein, das könnten Sie machen. Gucken Sie mal in die Information Ihres weltbesten Finanzministers: Pressekonferenz 30. Oktober.

(Zuruf von Volkmar Klein [CDU])

Stichwort: Klarer Kurs. Der Finanzminister schreibt dort: Die Landesregierung

„wird deshalb sowohl die Steuermehreinnahmen als auch die Minderausgaben beim Länderfinanzausgleich“

jetzt kommt das entscheidende Wort –

„vollständig zur Reduzierung der Nettoneuverschuldung einsetzen.“

(Martin Börschel [SPD]: So ist es!)

So gesagt auf der Pressekonferenz am 30. Oktober 2006. Ich hefte alles ab, was der Finanzminister herausgibt.

(Minister Dr. Helmut Linssen: Beim Nach- trag!)

Sie brauchen jetzt nicht auszuweichen. Dazu werde ich Ihnen gleich noch etwas sagen.

(Minister Dr. Helmut Linssen: Ich habe es gesagt, Frau Walsken! Da haben Sie nicht zugehört!)

Information des Finanzministers, Pressekonferenz 18. Januar dieses Jahres. Hören Sie auf zu tricksen, indem Sie sagen: nur für die Nachträge.

(Martin Börschel [SPD]: Richtig!)

Dort sagen Sie wörtlich:

„Der Verdienst der gesamten Landesregierung ist es aber, dass sie die zusätzlichen Einnahmen konsequent zur Senkung der Nettoneuverschuldung eingesetzt hat.“

Jetzt kommt es – gucken wir dazu noch einmal in die Presse von heute –:

„Weder die Koalitionsfraktionen noch die Ressortkollegen“

die wie immer wenig vertreten sind –

„haben Begehrlichkeiten und Wünschen nachgegeben. Sie haben den eingeschlagenen Weg mit Nachdruck unterstützt“

(Zuruf von Dr. Jens Petersen [CDU])

„und mitgetragen und damit“

jetzt kommt es –

„zum positiven Abschluss einen maßgeblichen Beitrag geleistet.“

(Dr. Jens Petersen [CDU]: Was soll das?)

Meine Damen und Herren: Kurs schlingert, Kurs verlassen. Deshalb werfe ich Ihnen vor, Herr Finanzminister: Sie sind unseriös an dieser Stelle. Sie sind unseriös und versuchen, den Eindruck des Gegenteils zu beweisen.

(Beifall von der SPD)

Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Klein?

Liebend gern.

Das hört sich gut an. – Bitte, Herr Kollege Klein.

Frau Kollegin Walsken, Sie wollen aber doch nicht allen Ernstes abstreiten, dass auch die Pensionszusage zu der Staatsverschuldung gehört?

Herr Kollege, ich glaube nicht, dass ich einen solchen Satz hier geprägt habe.

(Minister Dr. Helmut Linssen: Doch!)