Protocol of the Session on January 24, 2007

Ich hätte von Ihnen schon erwartet, dass Sie die Gelegenheit der heutigen Debatte nutzen, um sich für Ihre Mehrwertsteuerlüge im Landtag Nordrhein-Westfalen zu entschuldigen.

(Beifall von FDP und CDU – Zuruf von Ralf Jäger [SPD] – Weitere Zurufe)

Weil Sie das nicht getan haben, Frau Kollegin Kraft, möchte ich Ihnen mit Genehmigung des Präsidenten gern Ihre eigenen Worte vorlesen. Frau Kollegin Kraft, hören Sie zu.

(Carina Gödecke [SPD]: Nein, das tut sie nicht!)

Das wird Ihr Gedächtnis auffrischen. Ich zitiere Frau Hannelore Kraft in der Plenarsitzung des Landtags Nordrhein-Westfalen am 6. Juli 2005:

„Eine Anhebung der Mehrwertsteuer würde angesichts der derzeit schwachen Binnennachfrage in die falsche Richtung weisen“

(Rainer Schmeltzer [SPD]: Richtig!)

„und die sich abzeichnende wirtschaftliche Erholung nachhaltig gefährden.“

(Zuruf von Manfred Kuhmichel [CDU])

„Sie wäre darum Gift für die Wirtschaft in unserem Land und damit auch für die Wirtschaft hier in Nordrhein-Westfalen. Eine Anhebung der Mehrwertsteuer“

Hören Sie gut zu, Frau Kraft! –

„wäre aber auch und insbesondere sozial ungerecht.“

(Hannelore Kraft [SPD]: Das habe ich ge- sagt!)

„Sie würde überproportional die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen belasten und ganz besonders Familien, von denen wir wissen, dass sie einen Großteil ihres Einkommens für Konsum ausgeben müssen.“

(Ralf Jäger [SPD]: Die Rolle passt zu Ihnen! – Weitere Zurufe)

So haben Sie vor der Bundestagswahl, adressiert an die Menschen in Nordrhein-Westfalen, getönt. Sie haben auch persönlich den Menschen versprochen: Wenn die SPD an der Bundesregierung bleibt, würden Sie die Mehrwertsteuererhöhung verhindern.

(Hannelore Kraft [SPD]: Wenn wir die Bun- desregierung geführt hätten!)

Und was ist dann passiert? – Die CDU hat wenigstens vor der Wahl gesagt, dass sie die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte erhöhen will.

(Zuruf von Sylvia Löhrmann [GRÜNE])

Wir als Freie Demokraten haben das immer für falsch gehalten. Die CDU hat aber vor der Wahl gesagt, was sie machen will. Sie haben gesagt: Wenn die SPD an der Bundesregierung bleibt, werden wir die Mehrwertsteuererhöhung verhindern.

(Hannelore Kraft [SPD]: Aber wir haben die Wahl nicht gewonnen! Ist das an Ihnen vor- beigegangen?)

Dann hat die SPD mit der CDU darüber verhandelt. Sie haben gesagt, Sie wollten die zwei Prozentpunkte verhindern. Dann sind drei Prozent

punkte herausgekommen, Frau Kraft. Das ist ein Betrug an den Menschen in Nordrhein-Westfalen.

(Beifall von der FDP)

Sie haben vorher gesagt, Sie würden die Mehrwertsteuererhöhung verhindern. Rausgekommen sind dann nicht 2 Prozentpunkte Erhöhung, sondern 3 Prozentpunkte. Das können Sie den Menschen in Nordrhein-Westfalen nicht erklären. Deshalb haben Sie es verschwiegen. Das ist Unehrlichkeit, das ist Lug und Betrug.

(Zuruf von Johannes Remmel [GRÜNE])

Und das hat mit dem Anspruch, den Sie hier vortragen, nichts zu tun.

(Beifall von der FDP)

Herr Dr. Papke, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Börschel?

Herr Präsident, ich möchte gerne meine Ausführungen im Zusammenhang darlegen.

Gut, bitte schön.

Das passt im Übrigen auch zu der bemerkenswerten Äußerung von Franz Müntefering, die ich in dem Zusammenhang noch einmal in Erinnerung rufen darf. Er hat vor einigen Monaten in erfrischender Ehrlichkeit mit Bezug auf die Berliner Politik gesagt – ich darf mit Erlaubnis des Präsidenten wieder zitieren –:

„Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair.“

(Heiterkeit von der FDP)

Ich finde das bemerkenswert, weil wir hier in Nordrhein-Westfalen als Koalition der Erneuerung eine ganz andere Position vertreten. Wir sagen den Menschen: Das, was wir vor der Wahl versprochen haben, das setzen wir auch in die Tat um. Wir stehen zu dem, was wir versprochen haben, was wir in der Koalitionsvereinbarung niedergelegt haben. Das machen wir auch.

(Beifall von der FDP – Zuruf von Rainer Schmeltzer [SPD])

Wir haben als Freie Demokraten zum Beispiel gesagt: Wir werden Kinder fördern, statt Steinkohle. So werden wir das auch durchsetzen.

(Rainer Schmeltzer [SPD]: Diese Landesre- gierung setzt um, was die FDP versprochen hat!)

Herr Kollege, wir sind dabei, das zu tun, ob Ihnen das gefällt oder nicht.

Meine Damen und Herren, die Menschen sind erheblich klüger als die Rednerinnen von SPD und Grünen das in einer solchen Debatte wahrhaben wollen. Und weil die Menschen sehr wohl wissen, wer die Verantwortung für die Fehlentwicklungen in der Haushaltspolitik, in der Bildungspolitik, in der Wirtschaftspolitik trägt, wer für die Situation verantwortlich ist, haben SPD und Grüne in allen Umfragen seit der Landtagswahl keine Mehrheit der Menschen in Nordrhein-Westfalen mehr hinter sich. Das ist doch die Realität.

(Beifall von der FDP – Rainer Schmeltzer [SPD]: Wie viele Prozentpunkte hat die CDU in den Umfragen verloren?)

Die Menschen haben den rot-grünen Feldversuch in Nordrhein-Westfalen und in der gesamten Republik beendet. Außer Ihnen, Frau Löhrmann, und Ihren wenigen Getreuen von den „Alt-Grünen“ will keiner mehr Rot-Grün zurück, verlassen Sie sich darauf!

(Johannes Remmel [GRÜNE]: Das sind Be- schwörungsformeln!)

Das wissen die Menschen, und sie wollen RotGrün nicht zurückhaben.

(Barbara Steffens [GRÜNE]: Das klingt draußen aber ganz anders!)

Deshalb haben wir eine eindeutige Mehrheit.

Ich fand es auch bemerkenswert, dass laut „Rheinischer Post“ nach einer aktuellen EmnidUmfrage 90 % der Menschen in NordrheinWestfalen gar nicht einmal wissen, wer an der Spitze der SPD steht, dass 55 % der Befragten gesagt haben, die SPD in Nordrhein-Westfalen stehe vor allem für Zerstrittenheit. Da kann es kaum wundern, dass mehr Menschen der Meinung waren, kein anderer als der Ministerpräsident wäre Vorsitzender der SPD.

(Zuruf von Frank Sichau [SPD])

Frau Kraft, Sie sollten sich noch einmal gut überlegen, ob Sie den Ministerpräsidenten so hart attackieren. Möglicherweise drücken Sie Ihre Umfrageergebnisse noch weiter nach unten.

(Beifall von CDU und FDP – Ralf Jäger [SPD]: Das passt aber gar nicht!)

Frau Kollegin Kraft, Sie haben die atemberaubende Frechheit,