Ein zweiter Punkt gerade in den Verhandlungen mit der Versicherung ist doch, es sitzt nur der Deutsche Hebammenverband am Tisch mit der gesetzlichen Krankenkasse. Die Freiberuflichen sind raus. Und wer heute noch glaubt, dass es nur um die außerklinische Geburtshilfe geht, der irrt. Es geht um die Geburtshilfe im Allgemeinen, es geht um die Hebamme in der Klinik, im Geburtshaus, im Krankenhaus und die Freiberuflichen. Ich denke, da haben wir einfach eine Verpflichtung, nicht zuzugucken, sondern deshalb ist dieser dritte Antrag notwendig.
Und ich fahre mit der Ausstellung durchs Land. Wir waren jetzt, wie gesagt, in Ludwigslust und haben mit Hebammen gesprochen. Wenn mir eine Hebamme sagt aus der Geburtsklinik Hagenow, ja, dann muss eine freiberufliche Hebamme eben 16 Stunden arbeiten, dann haben wir auch kein Problem mehr mit den Hebammen, dann frag ich mich doch: Wo ist denn hier die Qualität? Wie messen wir Qualität? Nur am technischen Gerät, was dann dasteht, wenn es einen Kaiserschnitt gibt?
Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, kann es nicht sein. Und von daher bin ich insofern mit der Diskussion, mit der Debatte zufrieden, dass wir hier, die demokratischen Parteien, natürlich das Bewertungssystem und das Vergütungssystem anders sehen. Wir wollen, dass die interventionsarme, natürliche Geburt gestärkt wird. Und warum haben wir denn hier in Schwerin – auch mal ein gutes Beispiel, obwohl es hier sonst immer so schlecht wegkommt – eine Senkung der Kaiserschnittrate in den letzten drei Jahren von 40 auf 28 Prozent? Da sieht man doch, es geht. Aber es wird immer betriebswirtschaftlich argumentiert.
Also ich denke, das, was wir brauchen, so ist auch dieser Antrag zu verstehen, ist, einerseits auf Bundesebene den Druck zu erhöhen, und den müssen wir erhöhen. Und es hat gezeigt, auch Herr Kokert hat das bestimmt ehrlich gemeint, er hat es bestimmt auch gut gemeint, aber ob Herr Gröhe nun darauf gehört hat, weiß ich nicht.
Ich weiß, dass es das Gespräch gegeben hat, er hat das Gespräch geführt und es steht auch in der Koalitionsvereinbarung. Die Hebammen und die werdenden Eltern, die Mütter haben aber zurzeit nichts davon.
Ein zweiter Bereich ist doch, wie wird die Geburtshilfe in Zukunft aussehen. Ist es dann so, dass wir nur noch an technischen Geräten sind, oder glaubt man nicht mehr daran, dass wir gesunde Kinder gebären können? Ich denke, das ist ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel, gerade in dem Bereich der Geburtshilfe, und den finde ich persönlich sehr gefährlich.
Ich denke, wir müssen eins machen, und das erhoffe ich mir von diesem Antrag, dass wir sehr vielen Frauen die Angst davor nehmen. Geburt ist einer der schönsten Momente des Lebens und auch der Geburtsprozess gehört dazu. Und das soll natürlich die Technik unterstützen.
Wir haben doch alle erfahren, dass gerade eine Hebamme, die einem zur Seite steht, die man fragen kann, einen doch unheimlich bereichern kann, Ängste nehmen kann. Da ist Vertrauen. Das kann eine Maschine nicht und das kann auch nicht der Gynäkologe, der den Geburtsprozess mit einem Kaiserschnitt durchführt.
Ich denke, und da sind wir uns auch einig, bei der Geburtsvorsorge, der Geburtsnachsorge, der Stillversorgung, der Geburt müssen wir vielleicht in Modellprojekten, in Modellregionen fragen, geht das auch aus einer Hand, kann man möglicherweise Gemeinschaftspraxen mit Hebamme und Gynäkologe auf den Weg bringen. Es wird zurzeit immer von den MVZ gesprochen. Wir haben sehr viele Gespräche auch mit der Kinderheilkunde ge
führt. Können weitergeführt nicht mehr Geburtshäuser in Mecklenburg-Vorpommern auf den Weg gebracht werden? Wir haben nur vier und die sind nur im östlichen Bereich. Warum haben wir im Westen Mecklenburgs oder in Westmecklenburg kein Geburtshaus? Warum gibt es nicht hebammengeführte Kreißsäle?
Also es gibt ganz viele Punkte. Einerseits sind wir darauf angewiesen, von der Bundesebene endlich Ergebnisse zu sehen. Und es geht eben nicht nur darum, den Haftpflichtfonds für die Hebammen endlich auf den Weg zu bringen, sondern in dem Diskurs ist auch diskutiert worden: Gibt es einen Haftpflichtfonds für die Gesundheitsberufe, weil nämlich die Risiken in den unterschiedlichen Segmenten der medizinischen Versorgung sehr unterschiedlich sind? Was ist mit einem staatlichen Haftungsfonds? Das sind Fragen, da muss die Politik noch nachbessern. Ich denke, dass da sehr viel im Argen liegt.
Noch mal ein Punkt zu den Verhandlungen des Spitzenverbandes gerade jetzt mit dem DHV. Es ist gesagt worden, die Schlichtungsstelle hat den Auftrag, das zu schlichten. Also die Frauen zahlen ab heute 6.274 Euro, aber die GKV legt zugrunde, dass eine Hebamme 70.000 Euro im Jahr verdient. Da frage ich mich: Wen haben die denn gefragt? Es kann nicht sein, dass wir eine derartige Teilung haben. Wer noch in Städten wohnt, eine relativ gute Versorgung hat, aber im ländlichen Bereich vielleicht seine Kinder perspektivisch im Rettungswagen zur Welt bringt – ich möchte hier kein Szenario aufbauen, aber wir haben im Land Mecklenburg-Vorpommern Bereiche, wo wir unheimlich viel zu tun haben.
Wir sind dabei und ich freue mich, dass wir heute den Antrag auf den Weg gebracht haben. Ich wünsche mir, dass eben auch die Mütter mit an dem Tisch sitzen und die Väter, sodass wir hier eine dezentrale Geburtshilfe im Land auf den Weg bringen. – Ich danke für die Aufmerksamkeit.
Herr Koplin, ich denke, wenn Sie sich im Nachhinein noch mal das Protokoll durchlesen, werden Sie feststellen, dass Sie, wie Sie vorhin sagten, alle Punkte, die Herr Barlen vorgetragen hat, unterstrichen haben, aber nicht jeden Punkt ausführlich verstanden haben.
Und dass Herr Köster natürlich überhaupt nicht zuhört, was hier geredet wird, sondern irgendetwas sagt, das ist ja auch nichts Neues.
(Julian Barlen, SPD: Der muss sich erst mal um die NPD-interne Fortpflanzungsrate kümmern. Die ist nämlich parteiintern gering.)
Frau Gajek, ich korrigiere Sie ja nicht gern, aber in zwei Punkten möchte ich es doch tun, und zwar, Sie haben vorhin gesagt, eine Geburt kann ohne Hebamme nicht stattfinden. Natürlich kann sie das. Rein gesetzlich darf ein Arzt nicht entbinden, ohne dass die Hebamme dabei ist, sondern die Hebamme ist eben die wichtige Person, der fachliche Beistand in diesem Zusammenhang.
Sie haben auch darauf hingewiesen, dass im ländlichen Raum Probleme da sind allein wegen der Länge der Wege zu Geburtsstationen, und sprachen da von 80 Kilometern.
Aber im Grunde genommen kündigt sich eine Geburt sehr viele Stunden, bevor das Ereignis da ist, an. Also dieses Argument zieht vielleicht gar nicht mehr so groß,
Und ich kann auch nicht bestätigen, dass die Geburt das schönste Erlebnis ist. Die Geburt selber ist äußerst schmerzhaft mitunter und auch für das Baby kein schönes Erlebnis, sondern ein prägendes Erlebnis, ein wirklich prägendes Erlebnis.
Als ich mich mit unserem Antrag auseinandergesetzt habe, wusste ich, dass viele Dinge hier vor mir schon gesagt werden, und deswegen habe ich mich mal mit einer anderen Seite der Medaille, will ich mal sagen, beschäftigt. Ich bin da auf sehr interessante Ausführungen von Ina May Gaskin, einer amerikanischen Hebamme, gekommen. Das soll die berühmteste Hebamme der Welt sein. Sie hat viele Abhandlungen geschrieben und sie hat sogar im Jahr 2011 einen Alternativen Nobelpreis erhalten für ihre Arbeit im Bereich der Geburtshilfe. Von ihr stammt das folgende Zitat: „Eine Gesellschaft, die ihren Müttern und dem Vorgang der Geburt einen geringen Wert beimisst, wird unter einer Reihe schlechter Folgen leiden.“
„Gute Anfänge machen einen positiven Unterschied in der Welt, und deshalb ist es aller Mühe wert, wenn wir Müttern und Säuglingen die bestmögliche Fürsorge in
Wenn ich Herrn Schubert vorhin zugehört habe, als er davon sprach, dass die Kassen bei den Verhandlungen das Pferd hier von hinten aufzäumen wollen und die Hebammen verpflichten, einen Arzt hinzuziehen, wo andersrum das Gesetz ist, ist das schon ein starkes Stück.
Sehr geehrte Damen und Herren, Sie haben heute sicherlich im „Medienspiegel“ alle die fette Schlagzeile gelesen: „Geburten mit unbeschränkter Haftung“. Da ist von einer jungen Frau die Rede, die ihr zweites Kind erwartet und dieses zweite Kind gern in einem Geburtshaus oder auch in häuslicher Umgebung bekommen möchte, weil sie beim ersten Kind so schlechte Erfahrungen in der Klinik gemacht hatte, weil sie gleich medikamentös ruhiggestellt wurde, was weiß ich. Und da habe ich gedacht, das sind eigentlich Erfahrungen, von denen ich glaubte, dass sie längst hinter uns lägen, die ich in den 80er-Jahren gemacht habe, wo ich zu demselben Ergebnis gekommen bin und gesagt habe, wenn ich jetzt noch ein viertes Kind bekommen würde, dann käme nur noch eine Hausgeburt für mich infrage, weil ich nämlich genau von diesem System nicht überzeugt war, absolut nicht überzeugt war.
Wenn ich dann lese, dass die Interventionsraten heutzutage bei über 90 Prozent liegen in den Kliniken,
dann frage ich mich: Wie kann das angehen? Wo ist denn da die Normalität geblieben? Das kann ja wohl alles nicht wahr sein! Und wenn ich dann weiterlese, dass bei einer Kaiserschnittentbindung bei 40 Prozent oder dicht dran in Kliniken die Hebammen, die das begleiten, überhaupt noch nie Geburten begleitet haben, die ohne Intervention stattfinden, da fragt man sich auch: Wo bleibt da die Qualität, wo bleibt da die Qualität?
Also es gibt in diesem Zusammenhang viel zu tun. Ich glaube, wir müssten an der Stelle eher zurückkurbeln, als so weiterzumachen.
Übrigens hat die gute Frau – wie heißt sie noch mal, Gaskin – die Müttersterblichkeit untersucht. In Amerika habe sie nicht die Erfahrung gemacht, sondern da haben die Untersuchungen ergeben, dass die Müttersterblichkeit in den letzten Jahren wieder steigt. Parallelen hat sie auch in Europa, und zwar in Deutschland, dazu gefunden. In Deutschland ist in den letzten Jahren die Müttersterblichkeit gestiegen. 2011 lag sie bei fünf Frauen pro 10.000 Geburten,