Ich begrüße sehr, dass die Studierendenvertreter diese Sache noch einmal diskutieren, denn in der Tat muss man sich die Frage stellen, wenn es in Physik und Mathe noch freie Kapazitäten gibt, wir auf der anderen Seite eine eingeschränkte Wahlmöglichkeit haben bei den Lehrämtern, ob wir dann solche Fächer auch noch zulassen. Aber, Frau Berger, was mit Sicherheit nicht stattfinden wird, ist, dass das Land die Einrichtung solcher Studiengänge komplett bezahlt, obwohl in manchen Fächern an der Universität Greifswald keine volle Auslastung besteht, man also durch Umschichtung von Personal diese Lehramtsstudiengänge in großem Umfang auch selber finanzieren könnte, jedenfalls was den fachlichen Teil angeht.
Insofern, Frau Berger, das hören Sie ja öfter, aber hier ist es so, Sie können … Ich weiß nicht, ob Sie mal mit Frau Weber gesprochen haben, bevor Sie den Antrag gestellt haben. Ja? Haben Sie?
Jedenfalls ist es so, dass das Frau Weber mir mitgeteilt hat. Und jetzt ist es zunächst mal an der Universität, sich eine Meinung zu bilden – nicht nur bei den Studierendenvertretern, sondern vor allem im Senat und in der Hochschulleitung, ob sie das wollen oder nicht, mindestens in den Fächern für Mathe und Physik. Wenn Sie sich das vorstellen können, bin ich jederzeit bereit, in die Debatte darüber einzutreten, ob wir das gemeinsam hinbekommen – übrigens auch in Abstimmung mit der Universität Rostock. Die hat da noch ein Wörtchen mitzureden im Zentrum für Lehrerbildung. Das würde ich nicht völlig ausschließen. Aber das hat nichts zu tun mit der
langfristigen Bedarfslage am Lehrerarbeitsmarkt, sondern es hat was zu tun mit der Frage, ob man der Universität Greifswald helfen kann, diese Lehramtsstudiengänge besser auszulasten.
Nur, meine Damen und Herren, wie gesagt, dazu brauchte es nicht Ihren Antrag, um uns aufzufordern. Da sind wir seit einem Jahr bei der Arbeit und der Ball liegt bei der Universität Greifswald. Bisher habe ich keine andere Stellungnahme als die, die ich Ihnen hier mitgeteilt habe. So die Universität Greifswald sich noch mal anders entscheiden sollte und ihre Meinung verändert, bin ich der Erste, der gerne bereit ist, hierzu die Debatte wieder aufzunehmen. – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich finde, wir haben eben sehr ausführlich vom Bildungsminister gehört, warum dieser Antrag hier heute höchstwahrscheinlich keine Zustimmung finden wird.
Wir haben ja heute gesehen, dass es durchaus konstruktivere Anträge gibt. Ich glaube, gestern haben wir auch einen Änderungsantrag von Ihnen beschlossen,
Das hat nichts mit Großzügigkeit zu tun. Und wir können … Ich will jetzt aber nicht zu den vergangenen Tagesordnungspunkten zurückkommen.
(Andreas Butzki, SPD: Dann lass uns doch noch mal zu dem Thema sprechen! – Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD)
Insofern komme ich mal wieder zur Universität Greifswald zurück. Alles andere können Sie sich ja dann nachher ansehen.
Es geht also darum, die Lehrerausbildung wieder an der Universität Greifswald um die MINT-Fächer zu erweitern. Insgesamt – so haben Sie es ja in Ihrem Antrag beschrieben – geht es um zehn Vollzeitstellen, und der Minister hat, wie ich finde, eben sehr gut den aktuellen Diskussionsstand auch an der Universität Greifswald, so, wie er uns auch bekannt ist, bekanntgegeben.
Es kann ja sein, Frau Berger, da Sie noch überlegen, ob Sie das Gespräch hatten oder nicht, dass Sie einen anderen Kenntnisstand haben als unsere beiden Frak- tionen. Bisher haben wir den nicht. Wir haben auch in unserer Lehrerbedarfsprognose von 2010, die bis ins Jahr 2030 reicht, ganz genau beschrieben, dass wir perspektivisch mit 4.000 Studienplätzen in diesem Bereich rechnen. In der Zielvereinbarung des Bildungsministeriums mit der Universität Greifswald, die bis einschließlich dieses Jahr gilt, hat man sich verständigt, dass man in Greifswald 1.500 Studienplätze vorhält. Dies geschah alles auch eigenständig. Wir haben ja vom Minister eben gehört, dass die Universität Greifswald allem zugestimmt und es zum Teil sogar vorgeschlagen hat.
Im April 2014 wurde dann eine weitere Teilzielvereinbarung des Bildungsministers mit der Uni abgeschlossen. Hier geht es zum Beispiel um die Einrichtung eines Lehrstuhls für Sonderpädagogik. Hintergrund ist auch hier, dass bereits in der Lehrerausbildung für alle Bereiche diese Phase berücksichtigt wird und die Lehrer schon mit der Sonderpädagogik in allen Teilbereichen konfrontiert werden.
Sie haben – zumindest kann ich das aus Ihrer Begründung so entnehmen, der Minister hat das vorgerechnet –, Sie kokettieren ja so ein bisschen damit, dass wir sagen, wir nehmen das Geld für die Werbemaßnahmen, die in der Tat nur für ein Jahr oder für zwei Jahre bei uns im Haushalt bereitgestellt sind,
zumindest kann man den Eindruck gewinnen in der Begründung, dass Sie das vorhalten, dass Sie sagen, wir sparen Geld bei der Werbung und nehmen das für die Ausbildung in der Universität. Ich glaube tatsächlich – der Bildungsminister hat es ja gesagt –, da so eine Ausbildung über sieben Jahre geht, reden wir über einen ganz anderen Bereich und auch über ganz andere Summen, sodass ich Ihnen raten würde, das nicht in Verbindung zu bringen. Sie haben das, glaube ich, in Ihrer Rede selbst so dargestellt, dass man das eine mit dem anderen eigentlich nicht vergleichen kann.
Zum Schluss will ich noch sagen, dass wir uns ja auch im Bildungsausschuss – ich glaube, der Minister war es – am 03.12.2013 über die Fortschreibung des Lehrerbildungsgesetzes verständigt haben und wir in dem Punkt die Lehrerbedarfsplanung mit anpassen wollen. Das soll alles im Laufe dieses Jahres passieren. Ich glaube, diese beiden Analysen müssen wir mit abwarten, bevor wir uns hier gemeinsam mit der Universität Greifswald möglicherweise in einer neuen Zielvereinbarung auf was Neues verständigen. Zurzeit sieht auch meine Fraktion dafür keinen Bedarf und deshalb werden wir Ihren Antrag ablehnen. – Vielen Dank.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! An der Universität Greifswald wurden zahlreiche Lehramtsstudiengänge
gestrichen. Einerseits mussten die Zielvereinbarungen 2011 bis 2015 umgesetzt werden, andererseits hat man danach gestrebt, dass die lehrintensiven Fächer MINT nicht bei einem weiteren Aufbau der Forschungskapazität stören. Man hat einige Studienfächer an der Philosophischen Fakultät in Greifswald geschlossen. Dadurch ging dort seit 2010 die Zahl der Lehramtsstudentinnen und studenten stark zurück.
Ebenso ist die Situation an der Mathematisch-Natur- wissenschaftlichen Fakultät in Greifswald. Ein Professor dieser Fakultät sagte in einer Diskussion an der Universität Greifswald Anfang dieses Jahres, ich zitiere: „Die Universitäten werden an ihren Forschungsleistungen gemessen und nicht an ihren Leistungen in der Lehrerbildung.“ Ende des Zitats. Der zitierte Professor verkennt den Wert der Lehrerausbildung. Sie wird teilweise aus wissenschaftlicher Sicht zu Unrecht unterbewertet. Ohne gute Lehrerinnen und Lehrer wird es in der Zukunft keine geeigneten Absolventen der allgemeinbildenden Schulen geben, welche später als Wissenschaftler Forschungsarbeit an unseren Fachhochschulen leisten können.
Sehr verehrte Damen und Herren, eine Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer in Fächern, in denen mittelfristig in unserem Land kein Bedarf besteht, ist auch aus unserer Sicht nicht sinnvoll. Zum Wintersemester haben sich nur 179 Studentinnen und Studenten an der Universität Greifswald für das Lehramt eingeschrieben. Die Kapazität aber ist für 300 Plätze vorhanden – 150 Plätze für Regionalschullehrer und die anderen 150 Plätze für Gymnasiallehrer. Der Bereich Lehramtsausbildung für Gymnasien ist viel besser ausgelastet als der Bereich für Regionalschulen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, einen Abbau von Personal hat es in der Folge an mehreren Fakultäten gegeben. Ein Beispiel dafür ist die Philosophische Fakultät. Sie verlor in fünf Jahren 98 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von insgesamt sage und schreibe 223. Es muss also gelingen, die Greifswalder Fakultäten zu stärken, ohne den Standort Rostock zu schwächen. Vor allem sollte sichergestellt werden, dass möglichst alle Fächerkombinationen in Mecklenburg-Vorpommern durch Lehramtsstudentinnen und -studenten gewählt werden können. Zwar hat sich der Minister Brodkorb am 10. Januar 2013 im Greifswalder Sankt Spiritus zum Lehrerausbildungsstandort Greifswald bekannt, weil der Standort Rostock alleine den Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern in Mecklenburg-Vorpommern nicht abdecken könnte, aber das Lehramtsstudium ist derzeit in Greifswald wenig attraktiv, weil hier die Kombinationsmöglichkeiten der Fächer fehlen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist nötig, durch Investitionen in die Ausbildung von Lehramtsstudentinnen und -studenten die Situation so zu verbessern, dass solche Lehrerwerbekampagnen in der Zukunft nicht mehr nötig sind.
Im vorliegenden Antrag ist die Rede von Änderungen der Zielvereinbarungen für die Jahre 2016 bis 2020. Dieses Anliegen hat meine Fraktion in einem Antrag, Drucksache 6/1907, im Mai vergangenen Jahres und in der Aktuellen Stunde im November 2013 thematisiert. Mit den neu zu verhandelnden Zielvereinbarungen muss sichergestellt werden, dass kein Geld in die Lehrerausbildung fließt, für die unser Land keinen Bedarf hat. Ein großer Bedarf besteht im Bereich Sonderpädagogik, damit für Inklusion an unseren Schulen tatsächlich gut ausgebilde
te Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Dieser Aspekt ist im vorliegenden Antrag nicht berücksichtigt. Außerdem sind Verträge von allen Vertragspartnern einzuhalten. Die bis 2015 geltenden Zielvereinbarungen sollten wie vereinbart erfüllt werden. Deshalb enthält sich meine Fraktion der Stimme.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte hier nicht alles wiederholen, was der Herr Minister Brodkorb ausführlich wiedergegeben hat. Aber, was ich schon von vornherein sagen kann, wir werden Ihren Antrag ablehnen,
sondern weil er inhaltlich falsch ist und Sie sich über die Finanzierung erneut keine Gedanken gemacht haben.
Auf den ersten Blick kann der Eindruck entstehen, dass der Antrag der GRÜNEN logisch ist, auf der anderen Seite wird immer wieder geschrieben, dass es in den MINTFächern einen Lehrkräftemangel gibt. – Nein, da war ich jetzt verkehrt, Entschuldigung. Auf der anderen Seite sinkt die Zahl der Lehramtsstudierenden in Greifswald,
ergo erhöht man das Angebot, um mehr Fächerkombinationen abzudecken. Diese Schlussfolgerung der GRÜNEN erscheint auf den ersten Blick verlockend. Aber die GRÜNEN verkennen, dass wir die MINT-Fächer in ausreichender Anzahl an Studienplätzen auf Lehramt an der Universität Rostock, am Zentrum für Lehrerausbildung, ausbilden. Dort ist beispielsweise das Lehramt für Gymnasium im Fach Mathematik mit 125 Prozent belegt und das Lehramt für Regionale Schulen nur zu 53 Prozent.
Natürlich gibt es diesen Unterschied. Eine der Ursachen wurde von der Regierungskoalition erkannt und wir gehen davon aus, dass die geringere Motivation Resultat der unterschiedlichen Bezahlung von Lehrkräften an Regionalen Schulen und Gymnasien ist. Dieses Problem wird ab dem Schuljahr 2014/15 behoben. Wir haben 50 Millionen Euro eingeplant, damit es eine Angleichung der Anfangsgehälter für Lehrkräfte gibt. Wir sind davon überzeugt, dass diese Angleichung sich langfristig auch positiv auf die Auslastung des Lehramtsstudiums für Regionale Schulen in den MINT-Fächern an der Universität Rostock auswirken wird.