Die vorgeschlagene Neu- beziehungsweise Wiederinstallierung der Fächer Mathematik, Informatik, Physik, Biologie und Sozialkunde berücksichtigt dabei sowohl die vorhandenen wissenschaftlichen Felder an der Universität Greifswald als auch – ich habe es dargestellt – den prognostizierten Fächerbedarf. Mit diesem Angebot wird auch ein Wiederanstieg der Einschreibungen für die vorhandenen Fächer durch Fächerkombinationen erwartet. Durch eine zügige Umsetzung des Vorhabens würden die ersten zusätzlichen Absolventinnen und Absolventen mit dem Anstieg des Lehrkräftebedarfs zum nächsten Jahrzehntwechsel zur Verfügung stehen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Versäumnisse der Vergangenheit kosten uns jetzt und auch im nächsten Jahr 1 Million Euro, und das, obwohl wir grundsätzlich in diesem Land über die Kapazitäten verfügen, deutlich mehr angehende Lehrerinnen und Lehrer auszubilden. Diese Fehler der Vergangenheit sollten wir nicht noch einmal wiederholen, sondern jetzt handeln.
Mit diesem Antrag stellen wir uns im Übrigen ausdrücklich hinter die Forderung der studentischen Senatoren der Universität Greifswald. – Vielen Dank.
Im Ältestenrat ist vereinbart worden, eine Aussprache mit einer Dauer von bis zu 90 Minuten vorzusehen. Ich sehe und höre keinen Widerspruch, dann ist das so beschlossen. Und ich eröffne die Aussprache.
Sehr geehrte Frau Abgeordnete Berger, bitte verzeihen Sie mir, weil ich finde das schon eine ulkige Argumentation, nämlich zu sagen, wir müssen mehr Lehrer ausbilden, dann brauchen wir keine Werbekampagne, zumal
Wenn wir Lehrer innerhalb eines Jahres ausbilden könnten, dann hätten Sie recht, weil die Werbekampagne im Umfang von 1 Million Euro gilt für ein Jahr und nicht für jedes Jahr. Da bekanntermaßen Lehrer fünf bis sechs Jahre ausgebildet werden, mit dem Referendariat am Ende sieben bis acht,
Also, Frau Berger, Sie wissen doch wahrscheinlich nicht so gut wie ich, was ich im nächsten Jahr tun werde, ja?
(Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU – Ulrike Berger, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Haben Sie ja schon angekündigt.)
Aber es kann natürlich auch sein, dass Sie das doch besser wissen als ich. Das würde einige hier im Saal nicht verwundern, auch angesichts der Debatte, die wir heute miteinander geführt haben.
(Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD – Zurufe von Stefanie Drese, SPD, und Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich will folgenden Vorschlag machen: Es macht keinen Sinn, die Ausbildung von Lehrkräften gegen eine Kampagne auszuspielen und umgekehrt.
Wenn man Personal sucht, dann muss man es auf der einen Seite ausbilden, aber auf der anderen Seite auch etwas unternehmen, um das Personal bundesweit zu finden.
Und, Frau Abgeordnete Berger, ich muss entschieden Ihre Behauptung zurückweisen, wir würden verzweifelt Lehrer suchen und deswegen bräuchten wir jetzt eine Lehrerwerbekampagne. Ich möchte Ihnen noch mal in Erinnerung rufen: Diese Koalition hat ein 50-MillionenPaket beschlossen. Dadurch können wir 600 Lehrerstellen zusätzlich bereitstellen. Wir haben ausgeschrieben 650. Jetzt können Sie ausrechnen, wie viel Stellen wir hätten besetzen müssen zur Absicherung des Unterrichts, hätten wir das 50-Millionen-Paket nicht beschlossen – etwa 30 Stellen.
Das heißt, diese Kampagne, die wir gemacht haben, die ist deshalb nötig, weil wir in der glücklichen Situation sind, 600 Lehrerstellen zusätzlich besetzen zu können für mehr Qualität. Da bin ich nicht verzweifelt, da bin ich froh. Insofern gibt es also für die derzeitige Situation überhaupt keinen Planungsfehler, sondern wenn man
sich kurzfristig entscheidet, wir wollen das jetzt tun, dann hat man die Herausforderung, die Stellen zu besetzen. Wir hätten natürlich auch sagen können, nee, das machen wir ganz seriös. Wir machen keine Kampagne, wir bilden diese Lehrer erst aus und bringen das 50Millionen-Paket in acht Jahren auf den Weg. Na, die Debatte hätte ich mir spaßig vorgestellt hier im Landtag! Das wäre aber die Schlussfolgerung aus Ihrer Argumentation.
Dann möchte ich noch etwas zur Geschichte sagen, zum Teil sind Sie darauf eingegangen. Wir haben eine Hochschulreform gemacht, in der wurde entschieden, Rostock ist der Hauptstandort der Lehrerbildung und Greifswald ist der Hauptstandort der Juristenausbildung. Und Sie haben sogar selber darauf hingewiesen, es war der ausdrückliche Vorschlag der Universität Greifswald, die Lehramtsausbildung in den naturwissenschaftlichen Fächern einzustellen. Das war nicht die Idee der Landesregierung, das war die der Universität Greifswald selbst. Insbesondere die Naturwissenschaftliche Fakultät hat dies getan, so.
(Ulrike Berger, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Irgendetwas musste sie einstellen. Es gab die Maßgabe von Einsparungen.)
Was haben wir dann als Landesregierung gemacht? Wir haben genau diese Frage gestellt, Frau Berger: Wie viele Studienplätze müssen wir bereitstellen, um unseren eigenen Bedarf zu decken? Und Sie wissen, was im Gesetz steht – also in Greifswald höchstens 1.500 Studenten, in Rostock mindestens 2.500 Studenten, macht ungefähr 4.000 Studenten.
Wenn Sie jetzt davon ausgehen, dass ein Student etwa fünf Jahre lang studiert, dann haben Sie pro Jahr Kapazitäten für 800 Studierende und 800 Absolventen. Wenn Sie davon ausgehen, dass nur 70 Prozent den Abschluss schaffen, dann sind Sie bei 560 Absolventen. Was, haben Sie denn vorhin gesagt, ist der langfristige Einstellungsbedarf im Maximum? Richtig: 520. Könnte es sein, Frau Berger, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen unseren Planungen, die wir hier im Land vorhalten, und der Bedarfsanalyse? Das ist nämlich gesetzlich vorgeschrieben. Die Kapazitäten, die wir im Moment vorhalten laut Lehrerbildungsgesetz, entsprechen genau dem langfristigen Bedarf des Landes. Da gibt es kein Defizit.
Es gibt nur noch eine Frage, Frau Berger, es gibt nur noch eine Frage. Ob diese 4.000 Studienplätze sich sachgerecht, bedarfsgerecht auf die Lehrämter und auf die Fächer verteilen, das ist die einzig relevante Frage.
Im Übrigen bieten wir mehr als diese 4.000 an, weil wir in Rostock durch den Hochschulpakt noch aufgestockt haben. Wir sind also bei über 4.000 Studienplätzen für Lehramtsstudierende. Insofern ist die entscheidende Frage: Bieten wir im Moment, insbesondere in Rostock, ausreichend Studienplätze an für die Fächer, um die es Ihnen jetzt geht?
Und dann würde ich gerne zur Situation in Greifswald noch mal was sagen. Es gibt nur drei Lehramtsstudiengänge nach meiner Kenntnis, die überhaupt zulassungsbeschränkt sind: das Lehramt für Gymnasien in den
Fächern Deutsch, Englisch, Geschichte. In allen anderen Fächern – auch Kunst und Gestaltung – sind noch Plätze frei. In Rostock ist das ebenfalls so, glaube ich, mit Ausnahme des Lehramts Gymnasium/Chemie, also im Bereich der Naturwissenschaften. Das heißt, in Rostock gibt es noch freie Plätze für Physik, für Mathematik, für Biologie und Informatik. Das kann man da alles studieren.
Jetzt ist die Frage, welchen Sinn macht es denn, mehr Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, als man braucht, obwohl die bestehenden nicht mal ausgelastet sind. Die Frage muss man erst mal beantworten. Insofern, Frau Berger, würde ich Sie bitten, die Debatte auf den Punkt zu konzentrieren, der in der Tat spannend ist, und das ist nicht die Frage des Bedarfes für die Schulen. Den kann man mit Rostock abdecken in den Naturwissenschaften.
Im Übrigen darf ich Sie informieren, wir betreiben eine 1 Million Euro schwere Werbekampagne nicht nur für Lehrer, sondern auch für die Studierenden der Zukunft in den MINT-Fächern. Es gibt zusätzlich in dieser Legislaturperiode 1 Million Euro für Werbekampagnen, damit Schüler aus diesem Lande MINT-Fächer studieren, weil es eben eine Unterauslastung gibt.
Die entscheidende Frage ist also eine andere und die lautet: Wie gehen wir damit um, dass es in Greifswald im Moment die Situation gibt, dass von 600 Fachfällen, die man pro Jahr aufnehmen könnte, nur 350 belegt sind? Da sagen Sie, das könnte auch daran liegen, dass wir eine mangelnde Attraktivität haben in der Fächerkombination. Das ist aber eine ganz andere Frage. Da geht es um die Frage: Wie viele Studenten möchte man haben und wie gut sollen die Fächer ausgelastet sein? Das hat mit der Schule dann am Ende nicht mehr viel zu tun.
Deswegen, Frau Berger – das stelle ich nicht in Abrede –, deswegen habe ich ja gesagt, ich weiß nicht, ob Sie zuhören.
Und wissen Sie, was ich vor ungefähr einem Jahr gemacht habe? Ich gebe zu Protokoll: „vor ungefähr einem Jahr“. Aufgrund dieser Daten habe ich das Gespräch geführt mit der neuen Rektorin der Universität Greifswald. Ich habe ihr gesagt, ich mache mir Sorgen um die Auslastung der Lehramtsstudiengänge, die es im Moment in Greifswald gibt, und habe gefragt: Wollen wir nicht mal darüber nachdenken, in einzelnen Fächern auch das Lehramtsstudium in den Naturwissenschaften wieder zuzulassen? Es bieten sich beispielsweise an Mathematik und Physik, weil diese Fächer unterausgelastet sind in Greifswald im wissenschaftlichen Bereich. Da hat die Rektorin die Frage entgegengenommen, ist zurück in die Universität Greifswald gefahren und ein paar Monate später hat sie mich darüber unterrichtet, dass seitens der Naturwissenschaftlichen Fakultät im Moment – das ist ein paar Monate her – keinerlei Interesse besteht, diese Lehramtsstudiengänge wieder aufzunehmen. Das ist im Moment die Haltung der zuständigen Fakultät, so, wie mich Frau Weber unterrichtet hat.
Ich begrüße sehr, dass die Studierendenvertreter diese Sache noch einmal diskutieren, denn in der Tat muss man sich die Frage stellen, wenn es in Physik und Mathe noch freie Kapazitäten gibt, wir auf der anderen Seite eine eingeschränkte Wahlmöglichkeit haben bei den Lehrämtern, ob wir dann solche Fächer auch noch zulassen. Aber, Frau Berger, was mit Sicherheit nicht stattfinden wird, ist, dass das Land die Einrichtung solcher Studiengänge komplett bezahlt, obwohl in manchen Fächern an der Universität Greifswald keine volle Auslastung besteht, man also durch Umschichtung von Personal diese Lehramtsstudiengänge in großem Umfang auch selber finanzieren könnte, jedenfalls was den fachlichen Teil angeht.