Protocol of the Session on May 23, 2012

(Sylvia Bretschneider, SPD: Das ist schön formuliert.)

Ein landesrechtliches Verbot von Minaretten verstößt gegen unsere Landesverfassung,

(Udo Pastörs, NPD: Das können wir ändern.)

gegen das Grundgesetz und gegen höherrangiges Bundesrecht. Damit ist Ihr Antrag per se schon rechtswidrig.

(Stefan Köster, NPD: Baurecht ist Landesrecht.)

Sie haben die Kernelemente unserer Verfassung, die Grundrechte, scheinbar nicht einmal ansatzweise verstanden

(Stefan Köster, NPD: Sie kennen sie doch gar nicht.)

oder wollen dies auch gar nicht.

(Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

Auch die sogenannte Ewigkeitsklausel des Grundgesetzes, die eine Änderung der Grundrechte in ihrem Wesensgehalt verbietet, scheint Ihnen völlig unbekannt.

Meine Damen und Herren, der religionsneutrale Staat darf nicht den Inhalt der Religion definieren, weder der christlichen noch der islamischen Religion.

Meine Herren von der NPD, Ihre angeblichen Belege, die in Minaretten Speerspitzen, Bajonette und Ähnliches erblicken, sind völlig irrelevant, und selbstverständlich ist Ihre Auswahl tendenziös und selektiv, aber etwas anderes hatten wir von Ihnen auch wirklich nicht erwartet.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU – Stefan Köster, NPD: Natürlich.)

Juristisch müssen beim Minarettbau schon heute die Bauvorschriften und die Rücksichtnahme auf das jeweilige Ortsbild mit der Religionsfreiheit in Einklang gebracht werden.

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

Und wenn eines Tages in Rostock eine Moschee gebaut wird, hat es vorher ein rechtsstaatliches Genehmigungsverfahren gegeben, in dem die unterschiedlichen Belange der Beteiligten abgewogen wurden,

(Udo Pastörs, NPD: Alles wird gut.)

und ich bin sicher, dass man sich auf einen vernünftigen und für alle akzeptablen Kompromiss verständigen wird.

Die Religionsfreiheit, meine Damen und Herren, ist für unsere Gesellschaft ein hohes Gut, für das Jahrhunderte gestritten wurde. Wir Demokraten bekennen uns zu einer pluralistischen Gesellschaft,

(Udo Pastörs, NPD: Multikulti.)

in der Angehörige anderer Völker und anderer Religionen ihren Platz in unserer Mitte haben.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ja, meine Damen und Herren, der Islam gehört mittlerweile zum modernen und weltoffenen Deutschland. Wir können es, wenn wir Integration ernst nehmen, nicht zulassen, dass Muslime ihren Glauben in Hinterhöfen und Kellergebäuden ausüben müssen. Es ist empirisch bewiesen, dass die sichtbare Präsenz,

(Udo Pastörs, NPD: Aber die Raucher müssen in Raucherzimmer!)

die sichtbare Präsenz von islamischen Gebetshäusern von den Muslimen als Zeichen der Anerkennung und der Repräsentanz im öffentlichen Raum wahrgenommen wird.

(Michael Andrejewski, NPD: Und der Übermacht.)

Damit verstärken wir die Integration in unsere Gesellschaft. Integration,

(allgemeine Unruhe)

Integration verlangt nicht nur von den Einwanderern viel, sondern fordert auch von unserer Gesellschaft Anstrengung und Toleranz. Dabei wird die Toleranz, meine Damen und Herren, niemals so weit gehen,

(Udo Pastörs, NPD: Aha!)

dass zum Beispiel Ausschreitungen, wie die der Salafisten, oder andere religiös motivierte Straftaten geduldet werden. Wir Demokraten lehnen jede Form von religiösem Fanatismus eindeutig ab und erwarten ein klares, unmissverständliches Bekenntnis

(Michael Andrejewski, NPD: Da können Sie lange warten.)

der hier lebenden Muslime zu den Grundlagen unseres Rechtsstaates.

(Stefan Köster, NPD: Alles Träumer. – Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

Die verwerflichen Handlungen Einzelner oder kleinerer Gruppen als Anlass zu nehmen, eine irrationale Angst vor dem gesamten Islam zu schüren, ist ein verlogener, ein gefährlicher Weg, der bewusst spaltet, der explizit ausgrenzen soll.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das erkennen wir als zutiefst menschenverachtend.

(Stefan Köster, NPD: Jetzt kommen die bösen, bösen Deutschen wieder.)

Meine Damen und Herren,

(Heinz Müller, SPD: Nein, die doofen Nazis! – Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU)

der Islam ist nicht gleich Islam.

(Udo Pastörs, NPD: Der schlaue Senator.)

Es gibt viele Strömungen, sowohl gemäßigte

(Peter Ritter, DIE LINKE: Sehr gut, Herr Müller!)

als auch leider radikale Ansichten, wobei insbesondere der NPD die Radikalität ja nicht fremd sein dürfte. Auch in unserer Demokratie gibt es Extremisten, die aber eindeutig eine kleine Minderheit repräsentieren.

(Dr. Margret Seemann, SPD: Und hoffentlich auch bleiben.)

Deshalb aber wird doch niemand wirklich ernsthaft behaupten, alle Deutschen seien Nazis.

Meine Damen und Herren, es ist ein schweres Unrecht, zu versuchen, eine ganze Glaubensgemeinschaft aus unserer Gesellschaft auszugrenzen, sie zum Sündenbock zu stempeln oder sie zum Schüren massiver Ängste zu missbrauchen.

(Michael Andrejewski, NPD: Die haben ihre eigene Gesellschaft.)

Nicht Minarette müssen verboten werden, sondern die Partei, die stets und ständig zur Spaltung unserer Gesellschaft und zur Abschaffung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aufruft.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Unruhe vonseiten der Fraktion der NPD)