Protocol of the Session on December 18, 2008

Wo wollen wir denn eigentlich die Prioritäten in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sehen? Bei der Bekämpfung der Altersarmut gibt es meiner Meinung nach zwei Wege: Erstens, Menschen in Arbeit zu bringen, sodass sie selbst in die Rentenversicherung einzahlen und private Vorsorge treffen,

(Udo Pastörs, NPD: Privat bei den Banken, in Derivate oder so.)

oder zweitens, Arbeitslosigkeit weiterhin zu finanzieren und damit Langzeitarbeitslosigkeit zu fördern und die Wiedereingliederung zu erschweren.

Ich sage Ihnen – das ist auch schon ganz klar zum Ausdruck gekommen –, Sie wollen weiterhin Arbeitslosigkeit finanzieren und damit die öffentlichen Kassen als Verteilungsinstitut benutzen,

(Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

Geld, welches Sie im öffentlichen Verteilungssektor weiterhin mit vollen Händen ausgeben wollen,

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

Geld, welches Arbeitnehmer und Arbeitgeber bereitstellen und das ihnen dann zur Eigenvorsorge fehlt. Wir wollen mehr Arbeit und nicht mehr Arbeitslosigkeit.

Allerdings darf uns natürlich das Schicksal von Langzeitarbeitslosen nicht egal sein. Die Lösung einer Grundsicherung im Alter ist ein Anfang. Über die Höhe und die Verteilung der Lasten auf die Schultern von Kommunen, Steuerzahlern und Bund muss man sprechen. Arbeitsmarkt- und rentenpolitisches Versagen des Bundes darf aber auch nicht zulasten der Senioren und Kommunen allein gehen.

Liebe LINKE, ich denke, wenn wir heute wieder Ihren Antrag sehen,

(Heiterkeit bei Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE – Torsten Koplin, DIE LINKE: Liebe LINKE! – Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

dann kommen in den nächsten drei Sitzungen die nächsten drei Anträge. Das können wir hier nicht beschließen, und Sie machen, glaube ich, auch eine falsche Erwartungshaltung.

(Torsten Koplin, DIE LINKE: Nein, die machen andere! – Peter Ritter, DIE LINKE: Ja, richtig.)

Sie haben ja im Bundesrat auch ein paar Leute sitzen, dann müssen die das ausbaden.

Herr Abgeordneter Grabow...

Wir lehnen das ab.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktion der FDP – Udo Pastörs, NPD: Gut. – Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE)

Es hat jetzt das Wort der Abgeordnete Herr Heydorn von der Fraktion der SPD.

(Vincent Kokert, CDU: Das soziale Gewissen der SPD spricht jetzt. – Udo Pastörs, NPD: Oh, diesmal ohne Gesetzbuch!)

Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordnete!

Herr Kokert, also eine Gewissensfrage ist das hier nicht. Ich möchte an die Ausführungen unserer Sozialministerin erinnern. Das Thema Rente ist ein sehr kom plexes Thema, es ist sehr vielschichtig und wir sollten alle sehr ernsthaft damit umgehen. Ich kann an dieser Stelle sagen, dass ich auch sehr stark dafür bin, dass wir zu einer einheitlichen Anwendung des Rentenrechts Ost/ West kommen.

(Torsten Koplin, DIE LINKE: Das ist doch gut.)

Das ist überhaupt gar keine Frage.

(Torsten Koplin, DIE LINKE: Da kommen wir ja schon mal zusammen.)

Aber ich glaube, dass der Weg dahin eine sehr steinige Angelegenheit ist.

(Torsten Koplin, DIE LINKE: Ohne Zweifel.)

Herr Koplin, ich gucke Sie an. Was meinen Sie denn, wie viele Steuergelder gehen im Augenblick in das Rentenversicherungssystem rein, also außer den Beiträgen? Wie viele gehen rein?

(Torsten Koplin, DIE LINKE: 5 Milliarden! 5 Milliarden!)

Das ist nicht wahr.

(Torsten Koplin, DIE LINKE: 4 Milliarden.)

80 Milliarden Steuern zahlt die Bundesregierung jedes Jahr zur Finanzierung des Rentensystems. 80 Milliarden Euro! Das ist ein Mehrfaches von dem, was wir hier im Landeshaushalt haben.

(Zuruf von Vincent Kokert, CDU)

Und ich finde, diese Dimension muss man sich immer vergegenwärtigen, wenn man dieses Thema weiter diskutieren will.

(Egbert Liskow, CDU: Das Elffache! – Udo Pastörs, NPD: Was stecken Sie in die bankrotte Bankwelt?)

So, und wenn man sich den Antrag anguckt, dann finde ich den insgesamt ein bisschen dünn, denn Antworten,

(Vincent Kokert, CDU: Das ist ja auch nur eine Seite. – Udo Pastörs, NPD: Na!)

Antworten auf die aufgeworfenen Fragen werden mit diesem Antrag nicht gegeben.

(Vincent Kokert, CDU: Das kann man wohl sagen.)

Sie haben kein Konzept.

(Torsten Koplin, DIE LINKE: Na klar!)

Und auch Frau Müller hat hier alles andere vorgetragen, nur keine konzeptionellen Lösungen.

(Torsten Koplin, DIE LINKE: Na klar!)

Sie hat darauf hingewiesen, dass dieses Thema immer wieder von Ihnen aufgegriffen wird,

(Torsten Koplin, DIE LINKE: Solidarische Rentenversicherung.)

aber sie hat nicht darauf aufmerksam gemacht, wie das Thema denn gelöst werden soll. Und wenn man sich die Vorschläge ansieht, die Sie machen,

(Peter Ritter, DIE LINKE: Ich denke, wir haben keine!)

dann steht unter Punkt a …

(Peter Ritter, DIE LINKE: Ich denke, wir haben keine Vorschläge!)

Nein, das sind nur Sätze, natürlich, es sind im Grunde genommen nur pauschale Sätze.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Ja, was denn nun?)

Vorschläge sind es nicht, Herr Richter – Herr Ritter.