Ich bin sicher, dass es ihm hierbei nicht nur um die Teilhabe am pekuniären Erfolg ging, sondern es ging ihm um eine Haltung; um die Verpflichtung gegenüber einer Gesellschaft, die einerseits den Freiraum für die Entfaltung der Persönlichkeit und die private Initiative bietet, aber andererseits Gemeinsinn, ganz besonders von den Erfolgreichen, erwartet.
Mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Helmut und Hannelore Greve ehrt die Freie und Hansestadt Hamburg zum ersten Mal ein gemeinsames Lebenswerk, denn ihr unternehmerischer Erfolg und ihr großzügiges Engagement sind unauflösbar miteinander vereint.
Sehr verehrte Frau Professor Greve, sehr verehrter Herr Professor Greve, Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde ist die höchste Auszeichnung, die die Freie und Hansestadt Hamburg vornehmen kann und sie ist eine seltene Auszeichnung.
Erstmalig sogar wird sie einem Ehepaar verliehen, einem Ehepaar, das sich gemeinsam handelnd um diese Stadt in höchstem Maße verdient gemacht hat.
Der Bürgermeister hat in seiner Rede zwei bedeutende Projekte genannt, die Herr und Frau Professor Greve durch ihre großzügigen Zuwendungen ermöglicht haben beziehungsweise ermöglichen werden.
Ein drittes für diese Stadt wichtiges Projekt sei dem hinzugefügt. Das ist der Erweiterungsbau der Musikhochschule, denn gerade an diesem wird die Verbindung von Kultur und Wissenschaft deutlich, zwei der Bereiche, die Ihnen beiden besonders am Herzen liegen.
Das sind herausragende Stiftungen für unsere Stadt, weithin sicht- und spürbar, von großer Nachhaltigkeit und Impulse in die Stadt und darüber hinaus aussendend.
Aber Ihr Mäzenatentum beschränkt sich nicht auf das Spektakuläre. Vieles geschieht im Verborgenen. Und anderes, nicht weniger Bedeutendes, wird von der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen. Als Beispiel hierfür möchte ich das Denkmal für die Geschwister Felix und Fanny Mendelssohn nennen, das durch Ihre Zuwendungen in der Nähe des Geburtshauses der beiden an der heutigen Ludwig-Ehrhard-Straße errichtet werden konnte.
Dass die Welt heute nicht nur Felix MendelssohnBartholdy, sondern auch seine Schwester Fanny HenselMendelssohn kennt, gehört, sehr verehrte Frau Professor Greve, zu Ihren Verdiensten. Sie haben in Ihrer Rede zur Einweihung dieses Denkmals zu Recht herausgehoben, dass Fanny Hensel nicht nur eine besondere Stütze für ihren Bruder, sondern selbst eine bedeutende Komponistin von eigenem Rang war.
Und dieses Verhältnis der Geschwister Mendelssohn zueinander ist in meinen Augen auch kennzeichnend für Sie. Sie sind einander Stütze und vollbringen gemeinsam wichtige Taten, aber Sie sind auch jeder für sich bedeutende Persönlichkeiten von eigenem Rang. Sie bewegen Menschen, Sie initiieren Entwicklungen, Sie packen zu und übernehmen Verantwortung. Und aufbauend auf Ihrem tief verwurzelten christlichen Glauben teilen Sie Ihren wirtschaftlichen Erfolg mit der Stadt und tun den Menschen Gutes.
Für die Verleihung der Hamburgischen Ehrenbürgerwürde gibt es, was uns eigentlich in Deutschland wundern muss, keine schriftlichen Bestimmungen. Ursprünglich wurde sie ausschließlich an Nicht-Hamburger verliehen, die sich um unsere Stadt so verdient gemacht haben, dass wir sie zu "einem der unsrigen" machen wollten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1948 wurde dann aber entschieden, dass man das Ehrenbürgerrecht auch gewähren kann, wenn die Verdienste über den Rahmen Hamburgs hinausgehen.
Sie, sehr verehrtes Ehepaar Greve, haben die Ehrenbürgerschaft nach beiden Grundsätzen verdient. Sie haben viel für Hamburg in Hamburg und viel für Hamburg in der Welt getan. Daher stimmt meine Fraktion dem Antrag des Senates zu, Ihnen die Ehrenbürgerwürde der Freien und Hansestadt Hamburg zu verleihen.
Ich möchte nicht verheimlichen, Herr und Frau Greve, und wir haben auch hierüber gesprochen, dass meine Fraktion über das Vorgehen während des Wahlkampfes durch den Bürgermeister enttäuscht waren und sind.
Es war bisher immer ein guter Brauch, dass möglichst ein Einvernehmen der Fraktionen angestrebt wurde, bevor der Senat seine Entscheidung traf. Es mag Gründe des Bürgermeisters gegeben haben, diese Tradition zu brechen, was ich nicht verstehe. Aber dieses kann und soll ausdrücklich keinen Schatten auf die Auszeichnung Ihrer Lebensleistungen für Hamburg werfen.
Sie haben – und das wurde schon vom Bürgermeister und Herrn Reinert berichtet – viel für Hamburg getan. Sie haben die Flügelbauten der Universität geschaffen und Sie haben auch eine sehr großzügige Unterstützung für den Bau der Elbphilharmonie angeboten, die der Senat und auch wir alle sehr gern angenommen haben. Das
Sie haben aber viel mehr noch im Kleinen, ja oft auch im Verborgenen gewirkt; sei es in der Welt in Südamerika oder auch hier in unserer Stadt. Sie haben mit Ihrer Arbeit gezeigt, dass man auch mit kleinen Dingen ganz Großes bewegen kann.
Ich bin Ihnen daher auch sehr dankbar, dass Sie sich bereit erklärt haben, alles dafür zu tun, damit rund um den Kindergarten "Marienkäfer" in Marienthal im wahrsten Sinne des Wortes Ruhe einkehrt und eine gute sowie einvernehmliche Lösung gefunden wird.
Sehr geehrtes Ehepaar Greve, am Anfang unserer Verfassung steht, dass unsere Stadt im Geiste des Friedens eine Mittlerin zwischen allen Erdteilen und Völkern sein soll. Das ist ein hoher Anspruch. Sie haben sich diesen Anspruch zur Aufgabe gemacht und auch hier mit vielen kleinen, aber oftmals um so effektiveren Projekten viel erreicht.
In diesem Zusammenhang möchte ich ein Beispiel nennen, und zwar das "Kuh-Programm". Nun werden sich viele fragen, was das "Kuh-Programm" ist. Das Ehepaar Greve hat Kühe gekauft und hat sie Familien im ehemaligen Jugoslawien anvertraut, jedoch mit der Auflage, die Kälber der Kühe an die Nachbarn im Dorf weiterzugeben, gleichwohl, ob der Nachbar Christ ist, Muslim oder einer anderen Religion angehört.
Diese einfache Idee hat geholfen, vielen Dorfgemeinschaften in Ex-Jugoslawien Frieden und Wohlstand zurückzubringen. Das haben Sie getan, ohne die Schlagzeilen zu suchen.
Sie, liebes Ehepaar Greve, gehören zu denjenigen Bürgern unserer Stadt, denen erfolgreiches Unternehmertum zugleich Verpflichtung für die Gesellschaft bedeutet.
Sehr geehrte Frau Professor Greve, sehr geehrter Herr Professor Greve, Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Wir wollen tatsächlich heute zum ersten Mal in Hamburgs Geschichte gleich zwei Personen mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Hamburg auszeichnen.
Sie beide verkörpern eine Idee, die hier gleichfalls ausgezeichnet werden soll. Das ist die Idee des Mäzenatentums.
"Nicht einer würde sich an den Barmherzigen Samariter erinnern, wenn er nur gute Absichten gehabt hätte. Er hatte auch Geld."
Jede Zeit kannte also ihre Mäzene. Ob nun Horaz vom römischen Kaufmann Maecenas gefördert wurde oder Goethe vom Herzog von Weimar.
In Deutschland trat im 19. Jahrhundert neben das fürstliche und adlige Mäzenatentum, welches immer den Charakter des Benefiziums trug, das Mäzenatentum der Bürger ein. Es war auch eine Chance für politische Mitwirkung auf Gebieten, die bis dahin von kommunalen Verwaltungen und staatlichen Obrigkeiten kaum wahrgenommen wurden, nämlich Kultur und Wissenschaft. Dieser Anspruch auf Einflussnahme über kulturelles Handeln unterschied das bürgerliche Engagement von jeher substanziell von fürstlicher Wohltäterschaft.
Heutzutage werden die Gelder der öffentlichen Hand immer knapper, sodass Unternehmen, Stiftungen – wie beispielsweise die "Jungius-Stiftung" – oder aber wohlhabende Privatpersonen mehr und mehr diese Finanzierung von Kultur und Wissenschaft übernehmen.
Das moderne Mäzenatentum ist jedoch nicht bedingungslos. So knüpfte das Bankhaus Metzler seine erste Millionenspende für die Frankfurter Museen an die Forderung, dass die zweite Million erst fließen würde, wenn die begünstigten Institute ihrerseits einen Betrag in derselben Höhe aus neuen Quellen nach festgelegten Spielregeln und Quoten gesammelt hätten.
Vor kurzem fragte Deutschlandradio Kultur unter dem Titel "Die Macht der Mäzene", inwieweit die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland den schon bestehenden Sponsoring-Boom im Sport noch weiter anheizen und inwieweit es hier nicht weniger um großzügiges Mäzenatentum als um knallharte Wirtschaftsinteressen gehen würde.
Das Mäzenatentum – die Mäzene – bewegen sich also immer in dem Spannungsfeld zwischen der Begrenztheit finanzieller staatlicher Möglichkeiten und den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten des Marktes, also zwischen großzügiger Spende, einer Leistung ohne Gegenleistung, und der Möglichkeit persönlicher Einflussnahme über kulturelles und wirtschaftliches Handeln.