Protocol of the Session on April 14, 2010

(Vom Redner nicht auto- risiert) Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ganz egal, wie diese Abstimmung heute ausgeht - das Ergebnis hat Herr Rabenstein etwas arg resignativ vorausgesagt -, so sind sich dennoch alle einig, dass das Thema Lehrerbildung heute nicht erledigt ist, auch wenn dieser Gesetzentwurf, den wir unterstützen, abgelehnt wird. Es ist notwendig, sich zu überlegen, warum wir seit Jahren Kritik an der Lehrerbildung hören und warum sie von allen geäußert wird. Wir sind uns alle einig, dass die Lehrerinnen und Lehrer für den Alltag in der Schule nicht gut genug ausgebildet sind. Woran liegt das eigentlich? - Es liegt nicht an den Grundsätzen, die partei- und expertenübergreifend formuliert worden sind. Es liegt nicht an den Konzepten, die nicht auf dem Markt vorhanden wären. Es liegt nicht an den Gutachten, auch nicht an den Leitlinien der Kultusministerkonferenz. Es liegt auch nicht daran, dass das Lehrerstudium sehr stark staatlich reglementiert ist. Wir haben Lehramtsprüfungsordnungen, LPO I, LPO II, die alle paar Jahre verändert werden. Wir haben das Erste und das Zweite Staatsexamen, wir haben die Richtlinien der Kultusministerkonferenz. Es liegt nicht an diesen Punkten.

Es geht darum, wie das neue Leitbild der Lehrertätigkeit in die Hochschule implementiert wird und wie in den Hochschulen die Interessen der Lehrerbildung wahrgenommen werden. Das sind, meine ich, die zwei zentralen Punkte, auf die wir eingehen müssen und die durchaus in diesem Gesetzentwurf der SPD-Fraktion aufgegriffen worden sind.

Herr Kollege Wägemann, der Änderungsbedarf am Lehrerbildungsgesetz und an der Lehrerbildung in Bayern ist in diesem Parlament bei den Beratungen zu diesem Gesetzentwurf parteiübergreifend sehr deutlich geworden - vielleicht bei den Kollegen im Wissenschaftsausschuss stärker als im Bildungsausschuss -, aber auch in der Expertenanhörung, die die beiden Ausschüsse durchgeführt haben. Hier ist der hohe Reformbedarf des bayerischen Lehrerbildungswesens von allen Experten angesprochen worden.

Ich komme zu dem Thema Leitbild. Auch da sind sich alle einig, dass die Lehrertätigkeit in der Zukunft eine

andere ist, dass Lehrerinnen und Lehrer anders unterrichten müssen, dass sie eine andere Funktion haben werden, dass sie zu Lernbegleitern werden müssen. Ich möchte es auf den Punkt bringen: Die Realität zeigt sich darin, ob sich Lehrerinnen und Lehrer auch in ihrem Selbstverständnis als Lehrer von Fächern oder als Lehrer von Schülerinnen und Schüler verstehen, ob sie Fächer oder ob sie Schüler unterrichten.

(Beifall bei den GRÜNEN und der SPD)

In der heutigen Situation werden Lehrerinnen und Lehrer zu Leuten ausgebildet, die Fächer unterrichten und zu wenig für Schülerinnen und Schüler machen. Die Förderung der Kinder und der Schülerinnen und Schüler steht nicht im Mittelpunkt der Ausbildung, und das muss sich ändern.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Sicherlich sind die Fachwissenschaften nötig. Lehrer müssen kluge Köpfe sein - und nur ein voller Kopf ist auch ein kluger Kopf. Aber auch diese Fachwissenschaften müssen sich viel mehr an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler orientieren. Viel stärker dazu hat der Entwurf der SPD-Fraktion wichtige Punkte dargelegt - müssen die Bildungswissenschaften berücksichtigt werden, also Lernpsychologie, Entwicklungspsychologie und Pädagogik, aber natürlich auch die modernen Neurowissenschaften, damit die Lehrerinnen und Lehrer verstehen, wie unterschiedlich die Kinder lernen, welche Bedürfnisse sie haben und wie sie unterstützt werden können, damit sie selbständig lernen und ihre Persönlichkeit weiterentwickeln können.

Ganz notwendig sind Praktika und die Verzahnung von Praktikum und Studium. Am Entwurf der SPD-Fraktion kann man kritisieren, dass das zu detailliert gemacht worden ist. Das würde auch ich sagen. Das muss man vielleicht nicht im Gesetz regeln, aber die Hochschulen müssen klare Konzepte haben, wie sie Praxis und Theorie miteinander verbinden. Dazu müssen sie verstehen, wie das zusammenhängt.

Dann kommt ein Punkt, der meines Erachtens insbesondere bei der Anhörung sehr deutlich gemacht worden ist, nämlich dass bei der Lehrertätigkeit die Lehrerpersönlichkeit eine ganz große Rolle spielt. Die Persönlichkeit eines Lehrers ist ganz entscheidend. Lernen funktioniert immer in Beziehungen. Lehrerinnen und Lehrer müssen Beziehungen zu Schülern aufbauen und sie müssen als Persönlichkeiten von den Schülern akzeptiert werden. Es gibt Menschen, die für diesen Beruf nicht geeignet sind. Aufgabe des Studiums ist es, in einer möglichst frühen Phase die geeigneten Menschen für diesen Beruf zu fördern und zu entwickeln und den anderen nahezulegen, einen ande

ren Beruf zu ergreifen. Dafür sind Praktika und intensive Beratungen am Beginn des Studiums notwendig. Dafür müssen aber entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Für uns GRÜNE ist es ganz klar, dass ein Lehramtsstudium nach dem Bachelor-und-Master-System organisiert werden muss. Herr Rabenstein hat einige Punkte dafür genannt. Die Polyvalenz ist ein Argument dafür. Aber ich erachte einen weiteren, politischen Grund für wichtig. Es geht auch um die Glaubwürdigkeit bayerischer Bildungspolitik. Wir haben erlebt, dass alle Hochschulen verpflichtet worden sind, ihre Studiengänge auf Bachelor und Master umzustellen - gegen den Widerstand der Fachgruppen. Man denke zum Beispiel an die Ingenieure. Ausgerechnet in den Studiengängen, bei denen der Staat mitentscheidet, sollen Bachelor- und Master-Studiengänge nicht kommen. Das ist nicht glaubhaft und einer guten bayerischen Bildungspolitik nicht würdig.

Ein weiteres Thema ist die Ausbildung der Lehrer für Schularten. Die SPD führt in ihrem Gesetzentwurf einen Kompromiss ein, den wir ablehnen. Wir halten die Ausbildung eines Stufenlehrers für notwendig. Die Lehrerinnen und Lehrer sollen nicht nach Schularten, sondern nach den Altersstufen der Kinder, der Schülerinnen und Schüler ausgebildet werden. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Siebenjährigen, einen Dreizehnjährigen oder einen Siebzehnjährigen unterrichte. Dies muss künftig das Prinzip der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern sein.

Natürlich sind alle Lehrämter gleichwertig. Wir müssen uns aber auch danach richten. Wir müssen gleiche Ausbildungskriterien, eine gleich lange Ausbildung und übrigens auch eine gleiche Bezahlung für alle Lehrämter schaffen. Die Grundschullehrer werden immer als die besten Lehrer in Deutschland gelobt. Das stimmt. Wenn sie jedoch die besten Lehrkräfte sind, dürfen sie nicht am schlechtesten bezahlt werden. Das ist doch absurd.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Neben dem Leitbild ist der entscheidende Punkt die Umsetzung der Lehrerbildung. Schöne Worte und schöne Gesetze nutzen nichts, wenn die Lehrerbildung an den Hochschulen nicht ernst genommen wird. Ich erinnere an eine Schilderung der Ludwig-MaximiliansUniversität, dass für 4.300 Deutsch-Studenten ein Professor für Deutsch-Didaktik vorhanden ist. Deutsch ist ein zentrales Fach. Deshalb stelle ich fest, dass diese Ausbildung nicht gut ist und nicht gut genug sein kann. Absurd ist es, dass im Rahmen der Exzellenzinitiative Professuren aus den Lehramtsstudiengängen abgezogen und in andere Fakultäten verlagert wurden. Wir

hatten zwar eine Exzellenzinitiative, aber die Exzellenz der Lehrerbildung war kein Kriterium für die Exzellenz der Hochschulen. Das ist absurd; denn die gut ausgebildeten Schülerinnen und Schüler, die dann an die Hochschulen kommen, gewährleisten erst, dass die Hochschulen eine Exzellenz erreichen können.

Wir brauchen deshalb eine starke Lehrerbildung an den Hochschulen. Die bereits vorhandenen Lehrerbildungszentren, die auch im SPD-Gesetzentwurf angesprochen worden sind, reichen unseres Erachtens nicht aus. Es kann nicht funktionieren, wenn sich ein Mensch mit einer TVöD-12-Stelle gegen eine Professorenmacht durchsetzen muss. Wir brauchen Fakultäten für Lehrerbildung, wie sie zum Beispiel an der TU bestehen. Das ist ein gutes Modell. Interessant ist, dass ausgerechnet eine technische Universität die Lehrerbildung zu ihrem Steckenpferd erhoben hat, während die anderen Hochschulen dies nicht getan haben. Wir brauchen einen starken Ort für Lehrerbildung an den Hochschulen. Wir brauchen Fakultäten für Lehrerbildung. Hier gehen wir weiter, als es im Gesetzentwurf der SPD vorgesehen ist.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Gesetzentwurf wird heute sicherlich abgelehnt. Wir GRÜNEN werden ihm zustimmen. Alle Fraktionen sagen, dass sie sich weiterhin mit diesem Thema beschäftigen würden und dass jetzt Zeit erforderlich sei, um die Lehrerbildung weiterzuentwickeln. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben nicht sehr viel Zeit, um die Lehrerbildung auf neue Füße zu stellen. Wir stehen vor der Situation, dass wir in den nächsten Jahren etwa die Hälfte der Lehrerschaft in Bayern und in Deutschland auswechseln müssen. Eine große Zahl von Lehrerinnen und Lehrern wird in Pension gehen. Wir brauchen deshalb eine ausreichende Zahl von jungen Lehrerinnen und Lehrern, die gut ausgebildet sein müssen. Deshalb brauchen wir jetzt eine Reform der Lehrerbildung und unterstützen diesen Gesetzentwurf der SPD.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Jetzt darf ich Frau Renate Will für die FDP-Fraktion ans Pult bitten.

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Dr. Fahn, wir sind Mitglieder einer Partei. Was ich äußere, entspricht teilweise unserer Programmatik. Klar ist, dass wir in einer Koalition nicht alles eins zu eins umsetzen können. Ich verteidige das, was in unserem Parteiprogramm steht. Herr Kollege Dr. Fahn, Sie haben Ausschnitte zitiert und behauptet, die FDP hätte von den Freien Wählern abgeschrieben. Das haben wir nicht getan. Das wollte ich klarstellen. Dieser

Punkt steht bereits seit dem Jahr 2003 in unserem Parteiprogramm.

Das wichtigste bildungspolitische Ziel ist für uns ein gerechteres Bildungssystem, das eine deutlich höhere Chancengleichheit und Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schularten ermöglicht. Die Umsetzung dieses Ziels bedingt auch eine Neuausrichtung des Lehrerberufs. Herr Kollege Dr. Rabenstein, natürlich ist eine zeitgemäße Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer der Schlüssel zu dieser zukunftsorientierten Bildungspolitik. Hier sehen wir Liberalen grundsätzlichen Handlungsbedarf. Das Lehramtsstudium muss den Anforderungen einer sich dynamisch verändernden Gesellschaft mit einer heterogenen Schülerschaft gerecht werden.

Lehrer sind heute nicht mehr nur als Vermittler von Fachwissen gefordert, sondern oft auch als Erzieher und nicht selten sogar als Vermittler zwischen Elternhaus und Schule, zum Beispiel wenn ein Kind oder ein Jugendlicher in einer familiären oder persönlichen Krisensituation steckt. Erst kürzlich berichtete mir ein erfahrener Seminarleiter, dass er am ersten Tag seines Einsatzes die Referendare gefragt habe, was sie denn an der Uni studiert hätten. Sie hätten jeweils "DeutschEnglisch", "Mathe-Physik" oder "Englisch-Geschichte" geantwortet. Der Seminarleiter hat darauf erwidert, dass alle einem Missverständnis aufgesessen seien; denn eigentlich hätten sie doch ein Lehramt studiert.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, an diesem Beispiel sehen Sie, worum es geht. Das Verständnis vom Lehrerberuf muss sich ändern. An den Universitäten geht es um das Studium eines Lehramtes und nicht primär um eine Fachwissenschaft.

Frau Kollegin Will, erlauben Sie eine Zwischenfrage?

Nein. Am Schluss gerne.

Deshalb muss sich der Lehrerberuf pädagogisch und didaktisch neu ausrichten. Darüber sind wir uns alle einig. Wir brauchen für unsere Kinder bestmöglich ausgebildete Lehrer, die den hohen Anforderungen dieses Berufs dauerhaft gewachsen, pädagogisch geeignet und hoch motiviert sind. Besonders die erziehungswissenschaftlichen und didaktischen Studienanteile müssen im Rahmen der universitären Ausbildung stärker gewichtet werden. Hierzu bietet der Modularisierungsprozess an den Hochschulen optimale Voraussetzungen.

Flankieren müssen wir die rein theoretische Ausbildung an den Hochschulen durch eine Professionalisierung der Praktika in der ersten Phase der Lehrerbildung. Kürzlich hat mir ein Junglehrer gesagt, dass er erstmals

während seines Referendariats ein Stundenschema für eine Deutsch-Stunde entwerfen musste. Während seines zehnsemestrigen Studiums an einer bayerischen Universität hatte der junge Mann dies kein einziges Mal getan. Das zeigt, dass noch einiges im Argen liegt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD, trotzdem wird der von Ihnen eingereichte Gesetzentwurf zur Änderung des Bayerischen Lehrerbildungsgesetzes den Anforderungen an eine zeitgemäße Lehrerbildung nicht gerecht. Meine Fraktion kann aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht zustimmen. Der wohl schwerwiegendste handwerkliche Fehler ist die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes auf ein Jahr. Sogar Studienpraktika wollen Sie im Umfang von bis zu sechs Monaten auf den Vorbereitungsdienst anrechnen lassen. Vom Referendariat bliebe nicht mehr als ein Gerippe übrig, wenn wir Ihre Vorstellungen realisieren würden.

Gleichzeitig wollen Sie den theoretischen Anteil des Studiums verlängern. Statt sieben Semestern Regelstudienzeit für die Lehrämter an Grund-, Haupt- und Realschulen bzw. neun Semestern Regelstudienzeit für die Lehrämter an Gymnasien wollen Sie die Lehramtsstudenten für zehn Semester an die Uni schicken. Das macht überhaupt keinen Sinn. Sie beklagen die Theorielastigkeit des Lehramtsstudiums, gleichzeitig wollen Sie aber die theoretische Ausbildung verlängern.

Sie beklagen mangelnde praktische Erfahrung. Gleichzeitig wollen Sie die praktische Ausbildung stutzen. Später - da bin ich mir fast sicher - beklagen Sie dann den Praxisschock der jungen Lehrerinnen und Lehrer. Das passt nicht zusammen. Dieser Ansatz funktioniert nicht, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen; denn genau das Gegenteil ist richtig. Wir brauchen keine verkopften Lehrer. Wir brauchen Lehrer, die ihre Schüler begeistern und mitreißen können; wir brauchen Lehrer, welche die Neugier auf Neues im Kind wecken; wir brauchen Lehrer, die jungen Menschen die Lust am Lernen vermitteln. Ich möchte hier Albert Einstein zitieren, der einmal gesagt hat: "Es ist die wichtigste Kunst des Lehrers, die Freude am Schaffen und Erkennen zu erwecken." Dieser Satz hat uneingeschränkte Gültigkeit. Das ist die Messlatte für einen guten Lehrer.

Wir Liberale setzen auf eine bessere Verknüpfung von Theorie und Praxis, den beiden Kernelementen der Lehrerausbildung. Bereits während der Praktika muss künftig die bestmögliche fachliche und didaktische Begleitung durch Universität und Praktikumsschule gesichert sein. Nur dann können Planung und Durchführung des Unterrichts richtig gelernt und professionell eingeübt werden. Die neue School of Education der Technischen Universität München verfolgt genau die

sen Ansatz, den Ansatz einer besseren Verzahnung von Theorie und Praxis.

Ich appelliere an Sie: Lassen Sie uns die Ergebnisse der School of Education abwarten, anstatt jetzt mit heißer Nadel eine Reform zu stricken, die den Praxistest nicht bestehen wird.

Wir können im Übrigen auch nicht die Abschaffung des Staatsexamens als der zentralen Zugangsvoraussetzung für die Lehramtsberufe mittragen. Das Staatsexamen mit einer einheitlichen Aufgabenstellung in ganz Bayern stellt sicher, dass die Abschlüsse aller bayerischen Universitäten tatsächlich vergleichbar sind. Auch dies ist ein Betrag zu mehr Chancengerechtigkeit. Unabhängig davon kann jeder Lehramtsstudent, wenn er dies wünscht, bereits jetzt einen Masterabschluss erwerben. Durch die in der LPO I erfolgte Modularisierung wurden an den Hochschulen dafür die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen. Erfreulich ist das Eichstätter Modell. Diese Universität bietet mit dem Studiengang "Lehramt Plus" die Verknüpfung von Staatsexamen und Bachelor bzw. Master an. Wir müssen weitere Universitäten dafür gewinnen, diesen Weg auch zu beschreiten.

Meine Damen und Herren, wir brauchen für die Lehrerbildung ein Gesamtkonzept in allen Phasen. Dieses Konzept muss den Erfordernissen der sich ändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht werden. Zu überdenken ist beispielsweise die Tatsache, dass Lehrerinnen und Lehrer nur rein schulartbezogen eingesetzt werden. Die Erfahrungen lehren, dass in der Schulpraxis größere Flexibilität notwendig ist. Ein erster Anfang ist die Lotsenregelung im Rahmen der Gelenkklassen. Grundschullehrkräfte werden dabei an Realschulen und Gymnasien eingesetzt, um den Übergang für die Kinder leichter zu machen. Für die in der Sekundarstufe I eingesetzten Lehrer sehen wir mittelfristig Handlungsbedarf. Dies gilt auch im Hinblick auf die neue bayerische Mittelschule, die spezielle Anforderungen an den Lehrerberuf stellt.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich zähle auf Ihr Verständnis dafür, dass wir aus den vorgetragenen Gründen Ihren Gesetzentwurf nicht mittragen können.

(Beifall bei der FDP und Abgeordneten der CSU)

Danke, Frau Kollegin. Für die Freien Wähler bitte ich Herrn Piazolo ans Rednerpult, bitte.

Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich hatte zuerst überlegt, meine Wortmeldung zurückzuziehen, aber nach dem, was ich

jetzt von der Regierungskoalition gehört habe, möchte ich einige Bemerkungen machen.

Frau Will, Sie haben uns soeben in zehn Minuten erzählt, was fehlt. Sie haben uns aber nicht gesagt, was Sie als FDP konkret tun wollen.

(Beifall bei den Freien Wählern und Abgeordneten der SPD)

Ich begrüße, dass Herr Rabenstein und die SPD ein konkretes Konzept, einen konkreten Gesetzentwurf vorgelegt haben. Auch wir haben ein Konzept vorgelegt, und auch Kollege Gehring hat in seiner Rede gesagt, was ihm vorschwebt.

Es gibt eine ganze Reihe von Fragen. Wir hatten eine Anhörung; wir haben verschiedene Modelle; wir haben Literatur bis zum Abwinken. Die Probleme sind bekannt, und es gibt Fragen, die zu klären sind. Die erste Frage lautet: Wollen Sie einen Bachelor- und Masterabschluss für Lehrer? Diese Frage ist nicht schwer zu beantworten. Die zweite Frage lautet: Wollen Sie die Lehrer schulartübergreifend ausbilden, oder wollen Sie das nicht? Die dritte Frage lautet: Wollen Sie an beiden Staatsexamina festhalten oder nur an einem Staatsexamen? Die vierte Frage: Wollen Sie eine gleiche Bezahlung aller Lehrer, zumindest im Grundsatz?

Auf diese vier Fragen hätte ich gerne eine Antwort sowohl von der CSU als auch von der FDP. Vielleicht können Sie uns diese Fragen jetzt noch beantworten. Es wäre schön, wenn wir uns bei diesen Fragen nach Möglichkeit parteiübergreifend bzw. fraktionsübergreifend einigen könnten.

Für mich ist auch eine wichtige Frage die Weiterbildung von Lehrern. Diese Frage wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen.