Protocol of the Session on September 20, 2023

Die Zweiteilung in Schutz und Nutzung des Waldes gilt in der Forstwirtschaft als überholt. Aber in diesen Kategorien wird noch immer viel zu oft gedacht. Ich möchte mich deshalb in meiner Rede mehr auf den Wald als Ganzes konzentrieren und weniger auf das Holz und die Nutzung des selbigen.

Unsere Wälder stehen unter einem enormen Nutzungsdruck und ihre Ökonomisierung schritt stetig voran. Die von Hans Carl von Carlowitz eingeführte Definition der Nachhaltigkeit war nichts anderes als ein Postulat für die ökonomische Ausbeutung des Waldes und seine Erhaltung zu genau diesem Zweck. Welche Qualität ein Wald haben muss – abgesehen vom Nutzen des Holzes –, davon war damals nicht die Rede.

Die in den letzten Jahren festgestellten Schäden sind auf Befall und Ereignisse der letzten Jahrzehnte, fast Jahrhunderte zurückzuführen. Wir hatten zwei Weltkriege, die immense Schäden im Wald angerichtet haben. Es sind Entscheidungen in der Vergangenheit getroffen worden, zum Beispiel Monokulturen – Fichten, Kiefern – in zum Teil ungeeigneten Gebieten anzubauen. Dies erweist sich aber seit geraumer Zeit als gravierender Fehler, was vor allem durch den vom Menschen gemachten Klimawandel mit Dürre, Sturm und allen anderen Auswirkungen erkennbar ist. Das macht auch den heimischen Laubbäumen zu schaffen, wie wir in den Waldzustandsberichten der Länder und des Bundes, die das belegen, lesen können.

Die Frage darf also nicht zuerst lauten: Wie nutzen wir unser Holz vermeintlich nachhaltig?, sondern: Wie können wir robuste Ökosysteme im Zusammenhang mit dem Wald erhalten und wiederherstellen? Denn dazu gehören auch der Waldboden, der Wasserhaushalt und die Artenvielfalt im Wald. Das ist schon angesprochen worden. Dies wiederum ist in einen Zusammenhang mit der Nutzung, den Bewirtschaftungsmethoden und der Infrastruktur, die in den Wäldern entstanden ist, zu bringen. Wenn wir den zweiten Schritt vor dem ersten machen und nur darüber reden, welche klimastabilen Bäume hier wachsen und unsere Holzerträge sichern, dann haben wir damit nichts gewonnen, dann können wir dem Wald weiter beim Untergehen zuschauen.

(Oh-Rufe von der AfD)

Wie auch in der Landwirtschaft ist es für den Wald und die Waldbesitzer wichtig, die sogenannten Ökosystemdienstleistungen stärker zu honorieren. Dabei brauchen wir uns nichts vormachen. Der private Waldbesitzer will, nein, er muss Einnahmen und Erträge erzielen. Hierin sind wir uns einig.

Ob der Sachsenforst bei der Holzernte in Konkurrenz zu Privaten treten muss oder sich viel stärker auf den Waldumbau und -erhalt konzentrieren sollte, darüber sollte hier bzw. auch später diskutiert werden, ebenso darüber, ob man Flächentausche für besonders schützenswerte Wälder und Waldstücke vornehmen sollte. Oder sollte der Staatswald gar aus der Holznutzung genommen werden?

Sehen Sie das bitte als offene Fragen und Diskussionsgrundlage an! Der Wald in seinen Gemeinwohlfunktionen

muss viel langfristiger gedacht werden. Die Maxime „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ muss noch viel stärker zum Tragen kommen, und zwar im Sinne einer Lenkungswirkung.

Noch viel mehr als mit Carlowitz sollten wir es mit Heinrich Cotta, dem Begründer der modernen Forstwissenschaft, halten. Er riet schon Anfang des 19. Jahrhunderts dazu, das große Ganze im Sinne eines Ökosystems im Blick zu behalten, anstatt den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen und ihn übereifrig zu monetisieren. Er war der Erste – nebenbei bemerkt –, der die Idee für die stetig populärer werdende Agroforstwirtschaft legte, und das bereits vor 200 Jahren! Manche Ideen brauchen viel Zeit, um sich durchzusetzen – Zeit, die wir heute im Angesicht der Klimakrise nicht mehr haben. Wir müssen unser Augenmerk vielmehr darauf richten, wie wir unsere Wälder vital halten, wie viel Nutzung wir ihnen zulassen und wie wir mit einer strategischen Landnutzungsplanung erreichen, dass Wälder wieder eine ganzheitliche Betrachtung bekommen.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der SPD sowie vereinzelt bei den LINKEN und den BÜNDNISGRÜNEN)

Für die SPD-Fraktion sprach Kollege Winkler. Nun hat Herr Kollege Teichmann um das Wort gebeten; bitte.

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! Ich bin sehr dankbar für die heutige Aktuelle Debatte „Sachsens Wälder nicht verrotten lassen – den Rohstoff Holz nachhaltig nutzen“, eingereicht von der CDU-Fraktion.

Es mag sein, liebe Kollegen, dass die Wortwahl „den Wald verrotten lassen“ etwas plakativ ist. Nichtsdestotrotz steckt viel Wahrheit in der Thematik. Ich bin Herrn von Breitenbuch für seinen Redebeitrag ausdrücklich dankbar.

Es geht nicht darum, schwarz-weiß zu malen; es geht darum, Waldwirtschaft im Einklang mit der Natur zu betreiben. Genau das wollen die Waldbesitzer! Und das müssen die Waldbesitzer! Das muss sowohl der staatliche als auch der Privatwaldbesitzer tun; denn Waldumbau – der zweifelsfrei notwendig ist; das zeigen uns die letzten Jahre ganz deutlich – kostet eine Menge Geld. Doch wie soll das Geld erwirtschaftet werden, wenn ich den Wald stilllege?

Wenn ich einerseits sehe, welchen Zuschussbedarf der Staatsbetrieb Sachsenforst in der Vergangenheit hatte – wir hatten beispielsweise 50 Millionen Euro jährlich als Zuschussbedarf beim Sachsenforst; Sie wissen das –, und andererseits wird wertvolles Holz liegen gelassen, dann stelle ich mir die Frage: Ist es nicht sinnvoll, angemessene Anteile auch in den Pflege- und Ruhezonen, in denen keine intensive Waldwirtschaft betrieben wird, trotzdem einer sinnvollen Nutzung zuzuführen?

An meinen Vorredner sei ganz klar gerichtet: Es ist nicht so, dass die Waldbesitzer Kahlschläge betreiben oder jeden

Stamm entnehmen. Wir lassen selbstverständlich viele Totholzbäume stehen, weil wir uns daran erfreuen, wenn Vogelarten in Totholzbereichen ihren Brutraum haben usw. Wir sind doch nicht weltfremd! Und wir sind nicht lebensfremd! Ich verwahre mich dagegen, die Waldbesitzer zu pauschalisieren, teilweise auch zu diskriminieren, so nach dem Motto, das seien nur

(Antonia Mertsching, DIE LINKE: Hat doch niemand gemacht!)

Ausbeuter des Waldes oder sonstiges. – Frau Mertsching, Ihrem Redebeitrag habe ich deutlich entnommen,

(Antonia Mertsching, DIE LINKE: Ich habe von Biodiversität gesprochen!)

dass Sie von Waldbewirtschaftung weder praktische noch theoretische Ahnung haben.

(Zuruf des Abg. Marco Böhme, DIE LINKE)

Durch den Einsatz von Holz in der stofflichen und energetischen Verwendung wird jährlich die Freisetzung von rund 80 Millionen Tonnen CO2 aus fossilen Brennstoffen vermieden. Eine Kaskadennutzung des Holzes, bei der die energetische Nutzung erst nach der stofflichen Nutzung erfolgt, hat dabei den größten Klimanutzen und ist bereits unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten – ich ging darauf ein – für die sächsischen Waldbesitzer tägliche Praxis.

Wenn der Wald einen Festmeter Holz produziert, entnimmt er der Luft rund eine Tonne CO2. Dabei werden 250 Kilogramm Kohlenstoff in Holz, Rinde, Zweigen, Blättern und den Wurzeln gebunden und zugleich 750 Kilogramm Sauerstoff freigesetzt. In den Holzprodukten bleibt der Kohlenstoff bekanntlich langfristig gebunden.

Ich möchte die Debatte dafür nutzen, unsere heimischen Wälder stärker als bisher zu schützen und zu nutzen. Die zunehmende Nichtbewirtschaftung und Flächenstilllegung vom Staatswald, das Sich-selbst-Überlassen des Waldes sehe ich kritisch – sowohl wirtschaftlich als auch unter dem Gesichtspunkt der Borkenkäferexplosion in Sachsen.

In meinem Wahlkreis Sächsische Schweiz bin ich mit der Thematik konfrontiert, dass Wälder stillgelegt werden und die benachbarten Waldbesitzer fragen: Was passiert dann mit dem Borkenkäfer, der weiter ausfliegt und meinen in der Nachbarschaft befindlichen Wald bedroht?

Die Nutzung des Holzes als günstiger Energieträger darf nicht länger durch grüne Ideologen verteufelt werden.

(Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE: Akademische Naturelite!)

Zudem ist dies auch eine wichtige und unverzichtbare Einnahmequelle für die sächsischen Waldbesitzer.

Ich bin klar gegen die zunehmende Bevormundung unserer Bürger und die damit verbundene Reglementierung, ob sie Holz als Brennstoff im Bestand oder im Neubau künftig noch verwenden sollen oder dürfen. Lassen Sie das die Bürger selbst entscheiden! Stärken Sie den Wirtschaftskreislauf Holz natürlich im Einklang mit der Natur!

Vielen Dank.

Damit sind wir am Ende der ersten Rederunde angekommen. Das Wort hatte gerade Herr Kollege Teichmann. Wir eröffnen jetzt die zweite Rederunde. Für die einbringende Fraktion CDU spricht erneut Herr Kollege von Breitenbuch.

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Für den Staatsbetrieb Sachsenforst sind die Bewirtschaftung der Wälder und auch die Holzgewinnung zentrale Punkte. Das ist der Betriebszweck, der vorangestellt gehört, und das hat sich verschoben.

Für die Birkhühner bei Johanngeorgenstadt werden am Erzgebirgskamm nicht nur die Moorstandorte, die Thomas Schmidt damals ausgewiesen hat, genutzt, sondern jetzt auch in die gut 20-jährigen Fichtenbestände Löcher und Landebahn für die Birkhühner geschlagen; in Kahlschlaggröße, das will ich deutlich sagen.

(Zuruf von der AfD: Ach?!)

Im Forstbezirk Eibenstock gibt es einen „Lieblingsförster“, der machen kann, was er will. Eingegriffen wird in Ausschreibungen, wenn das Ergebnis für die Personalrekrutierung nicht passt.

(Zuruf von der AfD: Das ist schlimm!)

Mikromanagement statt Konzeptionsarbeit geht von einem Abteilungsleiter Umwelt im Ministerium aus, dessen Laufbahnbefähigung wohl nicht vorhanden ist und der mit der Leitung der Umweltabteilung und des Staatsbetriebes Sachsenforst sichtbar überfordert ist und auf reine Machtdurchsetzung, wenn die Themen umgesetzt werden müssen, ausweicht. Ach ja, und wer es noch nicht weiß: Das Forstreferat mit dem Sachsenforst ist inzwischen auch bei der Umweltabteilung gelandet. Dass das letztendlich Folgen für die Leistungsfähigkeit dieses Staatsbetriebes hat, merkt man daran, dass der Staatsbetrieb die Grundsteuererklärung nicht abgegeben hat.

(Zuruf des Abg. Roberto Kuhnert, AfD – Zuruf von der AfD: Sachsensumpf!)

Wenn sich Förster in den Revieren nicht mehr mit der Holzgewinnung und den dafür nötigen Vorbereitungen mit dem Waldumbau oder Pflanzungen beschäftigen, sondern ständigem Nachfragen und Anforderungen aus dem Umweltbereich ausgesetzt sind, verlieren sie die Lust am Beruf und machen dann auch nichts mehr, weil sie es sonst falsch machen könnten.

(Beifall des Abg. Peter Wilhelm Patt, CDU, und Beifall bei der AfD)

Wer früher als Förster König in seinem Revier war, fühlt sich entsprechend herabgesetzt; ihm wird mit Versetzung gedroht. Diese Art von Menschenführung, die ich im Landtag anspreche, ist nicht das, was unbekannt sein darf; deswegen spreche ich das hier an.

(Zuruf der Abg. Antonia Mertsching, DIE LINKE – Beifall bei der CDU und der AfD)

Das Neueste ist die Umorganisation des Nationalparks in der Sächsischen Schweiz. Hier wird jetzt – die Region ist in diesem Thema ja schon sensibilisiert – der Nationalpark ausgeweitet. Auf Kosten von zwei Forstbezirken wird dort eine Verstärkung vorgenommen, und das Gebilde mächtiger und größer gemacht.

Diese Organisationsstruktur ist, glaube ich, nicht in Ordnung. Wir tun gut daran, dort noch einmal drüberzuschauen.

(Beifall des Abg. Ivo Teichmann, fraktionslos)

Deswegen haben wir demnächst auch einen Termin vor Ort.

Die Nationalparkverwaltung hat Stellenzuführungen und auch umfangreiche finanzielle Mittel bekommen. Hier muss letztendlich auch fachlich gearbeitet werden. Der Managementplan stammt aus dem Jahr 2006. Was macht diese Verwaltung dort eigentlich? – Das nächste in der dritten Runde.

(Beifall bei der CDU und der AfD)