Zudem möchte ich einwerfen, dass Schafe überwiegend nur in der Lammzeit im Stall gehalten werden, ansonsten artgerecht auf der Weide. Das ist eine Tierhaltungsform, die wir alle wünschen und begrüßen. Gleichzeitig können wir aber schlecht die Schäfer mit dem Schutz der Tiere alleinlassen.
Dann ist da noch die Diskussion über die Zäune. Dazu wenige Bemerkungen. Wir können doch gar nicht jede Herde meterhoch einzäunen, und schon gar nicht die Deiche der gesamten Westküste.
Immerhin erfolgten - so berichteten es die Schafhalter - 63 %, also mehr als die Hälfte aller Schafsrisse, sowieso innerhalb sogenannter wolfsicherer Einzäunungen.
Auch die Herdenschutzhunde haben ihr Manko. Sie sind nicht nur teuer in der Anschaffung und im Unterhalt, sie schützen die Herde zudem nicht nur vor Wölfen, sondern unterscheiden auch nicht zwischen Wolf, Hund und Spaziergänger. Ganz zu schweigen davon, benötigt ein Schäfer für jede Herde mindestens einen Hütehund.
Lassen Sie mich einen Gedanken noch kurz erwähnen: Vor Entnahme eines Wolfes sollten wir die Möglichkeit der Vergrämung, zum Beispiel mit Gummigeschossen, in Erwägung ziehen. Dies ist in Oberösterreich inzwischen erlaubt. Wölfe sind intelligente Tiere und lernen schnell, sowohl in die eine Richtung, wo es leichte Beute gibt, als auch in die andere Richtung, wenn etwas mit Schmerz verbunden ist.
Ich wiederhole noch einmal, was ich eingangs gesagt habe: Wir brauchen eine sachliche Diskussion und keine ideologische Schönfärberei. Nur so können wir die Enden der Diskussion zusammenführen. Keiner will den Wolf ein zweites Mal ausrotten. Bei steigender Wolfszahl in Schleswig-Holstein sehe ich allerdings die hiesige Schafhaltung in Gefahr. Dieser Gefahr gilt es frühzeitig wirksam zu begegnen. Alle angestrebten Schutzmaßnahmen müssen wirksam und vertretbar sein. SchleswigHolstein ist auf dem richtigen Weg: Lassen Sie uns diesen weitergehen!
Ich, aber auch wir alle sollten uns nicht irgendwann einmal mit der Frage konfrontiert sehen, nicht alles Mögliche zum Schutz von Mensch und Tier getan zu haben. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
„Der Wolf … stört die sichere Ordnung, das Denken in Schubladen, das geordnete Dasein, in das er einbricht.“
So äußerte sich eine Biologin in einer Tageszeitung. Ich finde, das trifft es recht gut. Kaum ein Tier spaltet die Menschen so sehr wie der Wolf. Bei dem einen löst er Angst, bei dem anderen große Freude aus. Was alle eint, ist der Respekt vor diesem wilden Tier. Dem Wolf ist das egal: Er ist wieder da, und er hat seinen Platz in der Natur. Er ist eine streng geschützte Art, und das sollten wir in unserer Diskussion und der Auseinandersetzung nicht vergessen.
Wir wussten, dass er wiederkommt. In anderen Bundesländern war er bereits da. Wir haben daher in der Großen Koalition - das ist schon lange her ein Wolfsmanagement gefordert, und es wurde auch auf den Weg gebracht. Dieses Wolfsmanagement sollte nie ein starres Instrument sein, sondern sich stetig anpassen und weiterentwickeln, und das tut es auch. Aufklärungsbroschüren, Wolfskameras, Veranstaltungen, Fachvorträge, Beratungsangebote, ein Runder Tisch und vieles mehr wurden angeschoben. Es wurden Wolfsbetreuer ausgebildet, die wirklich gute und engagierte Arbeit in SchleswigHolstein leisten. Anstatt sie öffentlich zu verunglimpfen, sollte man ihnen lieber danken. Das tue ich hiermit, auch im Namen der SPD-Fraktion.
Klar war natürlich auch, dass es Probleme geben würde. Das kann doch niemanden ernsthaft wundern. Der Wolf hat Hunger, und Risse von Weidetieren waren zu erwarten. Der Tierhalter ist nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung verantwortlich, sein Vieh vor Prädatorenübergriffen zu schützen - mit Wolf oder ohne. Das Land hat daher eine Richtlinie für die Gewährung von Zuwendungen für verschiedene Maßnahmen zur Sicherung des Bestandes vor dem Wolf erlassen. Es ist auch gut und notwendig, dass den betroffenen Tierhaltern bei Nutztierverlusten schnell geholfen wird. Das ist doch selbstverständlich. Das alles ist geregelt. Dass es im Einzelfall eventuell mal Schwierigkeiten gibt, ist nicht schön. Da muss nachgebessert werden.
Es muss das Ziel sein, Weidetierhaltung und Wolf zugleich zu ermöglichen. Daran arbeiten die Landesregierung - dass ich das sagen muss! -, Wolfsbetreuer und viele Landwirte in Schleswig-Holstein im Übrigen zum großen Teil sehr gut zusammen.
Es gibt viele Schafhalter und Landwirte, die uns erzählen, dass sie damit gut zurechtkommen und kein Problem haben. Aber wie so oft in unserem Land hört man natürlich die laute Minderheit mehr als die schweigende Mehrheit. Sie haben doch Experten in der Landesregierung, die Sie dazu gut befragen können. Ich blicke mal nach rechts: Da ganz hinten auf der Bank sitzt einer von denen, der sehr viel Ahnung in dem Bereich hat. Es schadet gar nichts, da mal nachzufragen.
Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen: Gute Dinge hört man vielleicht nicht so gern. Schlechte Dinge sind natürlich gegenüber der Öffentlichkeit interessanter. Nichtsdestotrotz - wir geben es ja zu und es ist auch kein Geheimnis -: Wir sollten darüber diskutieren.
Diese Fragen habe ich bei Ihnen vermisst: Gibt es noch Möglichkeiten zur Verbesserung der Schutzmaßnahmen? Sollte man über weitere und andere Einzäunungsarten nachdenken? - Das tun nämlich andere auch ohne Sie bereits.
Wie bekommen wir andere Lösungen an der Küste, wo die Maßnahmen natürlich schwieriger sind, hin? - Das wurde eben angesprochen.
Lässt sich noch etwas an der Höhe der Entschädigungen machen, und muss das schneller laufen? Auch das ist eine Frage.
Sollten wir die Aufklärungsarbeit noch intensivieren? - Höre ich manche hier so reden, ist das dringend notwendig.
Müssen wir Modelle zum besseren Schutz ausprobieren? Könnte sich die Landesregierung ein neues Modell überlegen? Gibt es noch Ideen vom Runden Tisch? Können wir auch mal die guten Beispiele darstellen? Wie und wo läuft es denn richtig gut? Das sind die Fragen, die wir auch stellen sollten.
Da geht es nur um Entnahme, Obergrenze, Schutzjagd und Jagdrecht - coole Begriffe. Ich bin sicher: Sie haben diese Thematik überhaupt nicht verstanden. Zudem enthält dieser Antrag etliche Fehler und ist überhaupt gar nicht reif, hier vorgelegt zu werden.
Der Antrag der Regierungskoalition beinhaltet nur Punkte, die ohnehin schon klar sind. Ich gehe davon aus, dass er wohl eher als Gegenantrag zu verstehen ist - um das einmal nett zu formulieren.
Die Punkte, die dort genannt sind, werden sowieso schon geregelt - und zwar alle. Da ist nichts Neues. Wenn mich jemand danach fragte, könnte ich jetzt auch noch erklären, warum der AfD-Antrag denn so fehlerhaft ist und was an diesem Antrag nicht stimmt.
Ich muss leider darauf hinweisen: Dafür reicht die Zeit nicht mehr, Frau Abgeordnete. Sie müssen bitte einmal auf die Uhr schauen.
Gut, dann würde ich sonst - wenn Sie erlauben - nur noch einen Satz sagen und noch einen Dreiminutenbeitrag machen.
Nein, um Gottes willen, Herr Präsident. - Die SPDFraktion wünscht sich wieder mehr Sachlichkeit, wobei ich ausdrücklich sagen muss, lieber Hauke Göttsch: Ich fand deinen Beitrag nicht erstaunlich gut, aber ich fand ihn gut - sagen wir es mal so.
Wir beantragen daher eine Anhörung im Umweltund Agrarausschuss zum Thema Wolf, und ich bitte auch die Regierungskoalition zuzustimmen. Ich denke, wir sollen uns einen Tag Zeit nehmen, die Themen zu vertiefen. - Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vorab finde ich persönlich den Gedanken, dazu noch einmal im Umwelt- und Agrarausschuss eine umfassende Beschäftigung und Anhörung vorzunehmen, sehr gut. Von daher kann ich mir vorstellen, dass das den Gefallen der Jamaika-Koalitionspartner findet.
Wir haben in der Tat in den letzten Jahren über das Wolfsmanagement schon eine ganze Menge gelernt. Und wir haben vor allem auch gelernt, dass nichts so ist, wie es einmal war, beziehungsweise dass nichts so bleibt, wie es einmal war. Sandra Redmann hat gerade darauf hingewiesen, dass wir hier schon sehr früh ein Wolfsmanagement begonnen haben. Ich war auf der ersten Veranstaltung vor der ersten Wolfssichtung dabei. Da ist man noch davon ausgegangen: Hier wird das nichts. Die Verhältnisse, die Räumlichkeiten sind so, dass der Wolf sich hier nicht ansiedeln wird, geschweige denn, dass einer mal über eine Straße läuft und totgefahren wird.
Wir sehen heute, dass wir uns damals getäuscht haben. Und das zeigt auch, dass dieses Management nicht starr sein kann, sondern sich ständig fortentwickeln und sich den aktuellen Gegebenheiten anpassen muss. So, wie es Frau Redmann schon gesagt hat, müssen wir uns jeweils auf die neuen Situationen einlassen. Wir müssen uns auch darüber austauschen, welche neuen Möglichkeiten es gibt.