Protocol of the Session on September 16, 2020

15 Sportschulen und Talente für einen guten

Nachwuchsleistungssport in Nordrhein-Westfalen weiterentwickeln

Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP Drucksache 17/10847

Ich eröffne die Aussprache. Als erster Redner hat für die CDU-Fraktion Herr Kollege Nettekoven das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Als Sportland Nummer eins blicken wir mit Stolz auf das, was die Schülerinnen und Schüler der heute 18 NRW-Sportschulen auf nationaler und internationaler Ebene geleistet haben.

2006 hat die christlich-liberale Regierungskoalition mit der Einrichtung der Sportschulen den strukturellen Rahmen geschaffen, der es dem sportlich talentierten Nachwuchs ermöglicht, das eigene Potenzial in leistungssportlicher und schulischer Hinsicht bestmöglich zu entfalten.

Nennen möchte ich an dieser Stelle stellvertretend für die vielen erfolgreichen Absolventen der NRWSchulen den Fußballprofi und Nationalspieler Kai Havertz und die Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig.

Die NRW-Sportschulen sollen auch in Zukunft ein Erfolgsmodell bleiben. Deshalb hat die NRW-Koalition innerhalb von zwei Jahren Haushaltsmittel für die Schaffung von 36 zusätzlichen Lehrertrainerstellen bereitgestellt. Die Verbesserung der personellen Ausstattung ist eine wichtige Investition in die qualitative Weiterentwicklung der Sportschulen.

Weitere Verbesserungspotenziale, die im ersten Teil der wissenschaftlichen Evaluation der NRW-Sportschulen durch die Deutsche Sporthochschule Köln aufgeführt wurden, haben wir bereits in unserem Sportschulantrag im Oktober 2019 aufgegriffen. Als wesentliche Maßnahme wurde in der Folge ein klarer rechtlicher Rahmen geschaffen, der den NRWSportschulen erlaubt, das sportliche Talent der Schülerinnen und Schüler im Aufnahmeprozess stärker als bisher und unabhängig vom Wohnort zu berücksichtigen.

Nachdem nun auch der zweite Teil des Evaluationsberichts vorliegt, regen wir mit unserem heutigen Antrag die Umsetzung weiterer zentraler Handlungsempfehlungen der Kölner Sportwissenschaftler zur qualitativen Verbesserung der NRW-Sportschulen an.

Bei der Förderung des Nachwuchsleistungssports ist immer vom sportlichen Talent der Schülerinnen und Schüler die Rede. Diesen Begriff gilt es in Bezug auf die NRW-Sportschulen schriftlich genauer zu definieren. Auch das Profil der NRW-Sportschulen muss deutlich geschärft werden. Das gilt für die gesamte Außendarstellung der Schulen. Hier ist dafür Sorge zu tragen, dass der Sportschulstatus an allen Standorten deutlich prägnanter kommuniziert wird.

Positive Effekte versprechen sich die Experten zudem von der schriftlichen Fixierung sportlicher Leitbilder – gerade auch im Sinne einer Selbstvergewisserung von Schulleitungen und Lehrertrainern. Denn nur so können sie die NRW-Sportschulen als leistungsfähige, hochspezialisierte Schulformen für talentierte sportliche Nachwuchshoffnungen positionieren.

Aber nicht nur das: Positive Effekte verspricht auch die Akzentuierung des Ziels, die NRW-Sportschulen als attraktives Arbeitsumfeld für ehemalige Spitzensportler zu bewerben. Gelingt dies, finden künftig hoffentlich mehr ehemalige deutsche Weltklasseathleten vom Kaliber des Beachvolleyball-Olympiasiegers Jonas Reckermann den Weg an unsere NRW-Sportschulen. – Er ist in Leverkusen.

Das gleichzeitige Hinarbeiten auf die leistungssportliche Karriere und den bestmöglichen Schulabschluss erfordert von den Schülerinnen und Schülern der Sportschulen ein hohes Maß an Disziplin. Zur pädagogischen Unterstützung werden deshalb an den Sportschulen zunehmend ergänzende Sportmodule angeboten.

Die Vermittlung zusätzlicher Skills in den Bereichen „Belastungs- und Zeitmanagement“, „Ernährung“ und „Social Media“ ist eine Möglichkeit, die Anzahl stressbedingter Drop-outs zu reduzieren. Gleichzeitig befähigen sie die Schülerinnen und Schüler, ihre eigene Rolle als Leistungssportler zu reflektieren und besser mit möglichen Rückschlägen umzugehen.

Aus diesen Gründen sprechen wir uns für eine Änderung der Rahmenvorgaben aus, um so den Schulen die Durchführung und Finanzierung dieser wichtigen flankierenden Bildungsangebote in Zukunft erheblich zu erleichtern.

Ebenso gilt es sicherzustellen, die Chancen der Digitalisierung entschlossen zu nutzen. Dazu müssen Optimierungspotenziale zur Vereinfachung schulischer Abläufe identifiziert und die möglichst effiziente Nutzung digitaler Ressourcen realisiert werden.

Ich bin mir sicher, dass mit diesen Maßnahmen unser Kurs der stetigen qualitativen Verbesserung der Sportschulen, den wir in unserem Koalitionsvertrag vereinbart haben und für den mein Vorgänger Holger Müller auch in Oppositionszeiten immer vehement eingetreten ist, erfolgreich fortgesetzt wird.

(Beifall von der CDU und der FDP)

Aktuell gibt es an unserem Sportschulen eine Reihe junger Talente, die bereits mit ersten Erfolgen auf sich aufmerksam gemacht haben. Wir werden bei ihrer weiteren Entwicklung von den heute angestoßenen Verbesserungen profitieren. Deswegen bitte ich um Ihre Zustimmung. – Vielen herzlichen Dank.

(Beifall von der CDU und der FDP)

Vielen Dank, Herr Kollege Nettekoven. – Für die FDP-Fraktion spricht Herr Kollege Terhaag.

Das Projekt der Sportschulen ist gescheitert. – Das, sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kollegen, ist die verkündete Meinung der SPD-Abgeordneten Kraft am 18. August dieses Jahres im Sportausschuss nach Vorstellung des Abschlussberichts zur Evaluation der NRW-Sportschulen, die ich mit Ihrer Erlaubnis, Frau Präsidentin, zitiere.

Dieser Meinung wurde übrigens von den Abgeordneten der SPD-Fraktion im Ausschuss nicht widersprochen. Insofern bin ich gespannt auf den nachfolgenden Beitrag des Kollegen Weiß.

Die FDP-CDU-Koalition steht jedoch hinter dem Gedanken, dass eine gute Verzahnung von Schule und Leistungssport für unsere Nachwuchsathletinnen und -athleten unumgänglich ist. Wir sind der Meinung, dass die 2006 eingeführten Sportschulen in NRW erfolgreich arbeiten.

Der Gedanke bei der Gründung 2006 war, die leistungssportliche Infrastruktur mit Sportschulen auszubauen, um dem Zurückfallen im Medaillenspiegel zu begegnen.

An unseren NRW-Sportschulen unterstützen wir alle Schülerinnen und Schüler in ihren sportlichen Höchstbegabungen und in ihrem Streben nach größtmöglichem sportlichen Erfolg bei gleichzeitigem Erreichen des individuell bestmöglichen Schulabschlusses. Auf dem Weg zur nationalen und internationalen Spitze sind die NRW-Sportschulen ein wichtiger Anker für die Schülerinnen und Schüler in ihrer sportlichen Entwicklung.

(Beifall von der FDP und Rüdiger Scholz [CDU])

Unsere Sportschulen bieten den Schülerinnen und Schülern eine intensive allgemeinmotorische Grundlagenausbildung und eine Förderung in Schwerpunktsportarten.

Um dieses Vorhaben zu überprüfen, wurden die Sportschulen in einer zweistufigen Evaluation wissenschaftlich begleitet.

Aufgrund der ersten Evaluation haben wir bereits Verbesserungen auf den Weg gebracht. So haben wir zum Beispiel die Eignungskriterien für Schülerin

nen und Schüler geändert und damit die Talentauswahl verbessert. Unsere Sportschulen sollen Kooperationen mit Hochschulen eingehen, um frühzeitig einen beruflichen Weg in Verbindung mit dem Leistungssport aufzuzeigen. Auch die bessere Vernetzung vor Ort mit Vereinen und Sportbünden wurde mit unserem Antrag im letzten Jahr auf den Weg gebracht.

Die zweite Evaluation hat uns nun weiteres Potenzial zur Verbesserung vorgestellt. Auch diese Handlungsempfehlungen nehmen wir in unserem heute vorliegenden Antrag auf, um die Qualität unserer Sportschulen weiter zu verbessern.

So wollen wir den Status der NRW-Sportschulen in den jeweiligen Schulprogrammen verankert wissen, denn hierdurch erhalten die handelnden Akteure eine Erwartungssicherheit.

Wir werden die Sportschulen auch befähigen, ihr Sportprofil durch ergänzende Angebote wie zum Beispiel Workshops mit der NADA oder schulinterne Curricula stärker herauszuheben.

Ferner benötigen wir ein klares mehrdimensionales Talentverständnis, aus dem dann eine Talentauswahl und eine Talentförderung hervorgehen können.

Des Weiteren machen wir uns dafür stark, dass die Digitalisierungspotenziale in den Sportschulen anwenderfreundlich ausgeschöpft werden.

All dies führt dazu, dass unsere Talente an den Sportschulen des Landes NRW noch besser gefördert werden. Genau dies, so hoffe ich, möchten auch die anderen Fraktionen, und darum bitte ich um breite Zustimmung für unseren Antrag. – Vielen Dank.

(Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU)

Vielen Dank, Herr Kollege Terhaag. – Für die SPD-Fraktion spricht Herr Kollege Weiß.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen, verehrte Kollegen! Nordrhein-Westfalen ist Sportland Nummer eins. Im Breitensport, aber auch im Leistungssport kann kaum ein anderes Bundesland eine so hervorragende Sportinfrastruktur vorweisen; darauf können wir stolz sein.

Gleichzeitig ist uns das aber auch Ansporn. Wir wollen NRW als Sportland weiterentwickeln, damit bei uns auch in Zukunft Sport so hervorragend gefördert wird.

Vor allem im Leistungssport gehören dazu die vielen exzellenten Trainerinnen und Trainer, die Vereine und natürlich auch die Ausbildungs- und Fördermöglichkeiten in den Schulen. Wichtig ist dabei, dass eine

optimale leistungssportliche Entwicklung nicht auf Kosten einer optimalen schulischen Bildung geht; natürlich gilt das auch umgekehrt.

Um diese beiden Elemente bestmöglich miteinander zu verbinden, hat das Land NRW vor 16 Jahren die ersten Sportschulen eingerichtet. Hier sollen junge Leistungssportlerinnen und Leistungssportler bestmögliche Rahmenbedingungen vorfinden, um neben einer guten Schulbildung auch ein anspruchsvolles Trainingsprogramm absolvieren zu können.

Seit ihrer Einrichtung wurden Sportschulen immer weiter verbessert. Vor allem zwischen 2010 und 2017 hat das Land gemeinsam mit dem Landessportbund, den Olympiastützpunkten und der Sportstiftung die Förderung von Leistungssport in NRW auf ein neues Niveau gehoben.

In der rot-grünen Regierungszeit wurden damals unter anderem der Beirat NRW-Sportschulen eingerichtet, die Leitlinien zur Verbesserung des Sportunterrichts geschärft, das Verbundsystem Schule und Leistungssport verbessert und die systematische wissenschaftliche Programmevaluation der NRWSportschulen durch die Sporthochschule Köln in Auftrag gegeben.

(Vereinzelt Beifall von der SPD)

Die beiden daraus hervorgegangenen Evaluationsberichte zu den 18 Sportschulen, auf denen sich der hier vorliegende Antrag gründet, zeigen, dass es zwar an der einen oder anderen Stelle noch Bedarf an Feinjustierungen gibt, die Sportschulen in NRW insgesamt aber eine echte Erfolgsgeschichte geworden sind. Darauf können wir stolz sein.

Ich freue mich deshalb, dass CDU und FDP sich nun bemühen, mithilfe der beiden Evaluationsberichte der Sporthochschule Köln die empfohlene Feinjustierung vorzunehmen, um Sportschulen noch fester zu verankern. Einmal mehr sehen wir, dass das Rad, wenn die Vorgängerregierung hervorragende Arbeit geleistet hat, im Anschluss nicht neu erfunden werden muss.

Inhaltlich will ich bezüglich der Weiterentwicklung der Sportschulen auf zwei Punkte eingehen, die unserer Meinung nach das besondere Potenzial verdeutlichen, das in Sportschulen steckt.