Würden Sie mir recht geben, dass es für die konventionellen Betriebe, die auf Ökomilch umstellen wollen, eine Chance wäre, wenn wir über öffentliche Einrichtungen eine entsprechende Nachfrage nach dieser Milch erzeugen und damit die Nachfrage erhöhen würden?
Ich halte das für den falschen Weg. Ich glaube, dass das eine einseitige Bevorzugung ist, die wir nicht wollen, und dass die Umstellung dadurch nicht in dieser Geschwindigkeit erfolgen würde. Sie wissen, wie lang die Wartezeiten sind. In der Übergangszeit produzieren wir auf jeden Fall die ägyptische Biokartoffel. Und das will ich nicht.
Trotzdem – das muss ich auch sagen, bevor Sie der Auffassung sind, wir würden uns nicht darum kümmern – hat die NRW-Koalition im Jahr 2019 das Programm „NRW kocht mit Bio“ aufgelegt. Wir gehen an die Kantinen, insbesondere die landeseignen Kantinen, heran und sensibilisieren über dieses Programm für die Möglichkeiten, auch mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln zu kochen. Wir sind dabei.
Nur, wir wollen das nicht zwingend vorschreiben, sondern wir setzen auf den mündigen Verbraucher, der letztlich, wie immer, mit seinem Verhalten die Bewirtschaftungsweise bestimmt. Die Nachfrage nach konventionellen Lebensmitteln ist erfreulicherweise immer noch sehr hoch. Statt auf Umerziehung setzen wir auf Information und spielen, anders als die Grünen, die Bewirtschaftungsformen nicht gegeneinander aus.
Ganz am Ende muss man auch sagen, dass die Biolandwirtschaft gar nicht mehr so viel Förderung braucht, weil die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Nordrhein-Westfalen konstant steigt – Jahr für Jahr. Sogar die Zahl der Betriebe nimmt Jahr für Jahr zu. Dieser Umstand ist aufgrund der aktuellen Situation der Restlandwirtschaft durchaus beachtlich und zu begrüßen, zeigt aber, dass man dort eine Nische gefunden hat, die auch so funktioniert.
Der Markt wird immer größer. Der Gesamtumsatz mit Ökolebensmitteln steigt konstant an. 2012 waren wir noch bei unter 7 Milliarden Euro. Im Jahr 2018 lagen wir bei knapp 11 Milliarden Euro. Das zeigt: Bio ist definitiv nicht in der Defensive,
sondern inzwischen ein starker Player am Markt, der auch ohne staatliche Umerziehung sicherlich gut funktionieren kann. – Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wirtschaft war bekanntlich noch nie die Kernkompetenz der Grünen. Immer wieder wollen Sie in den Markt eingreifen und ihn nach Ihren Wünschen umgestalten. Doch dabei scheitert es schon am Grundverständnis für das Prinzip von Angebot und Nachfrage.
Was passieren kann, wenn man auf sogenanntes Bio setzt, dabei aber den Markt stur ignoriert, sieht man an der B.M.G.-Pleite. Die Berliner Milcheinfuhrgesellschaft hat im März des letzten Jahres Insolvenz angemeldet. Viele Milchviehhalter mussten sich dadurch eine neue Molkerei suchen.
Besonders hart traf das die Ökomilchviehhalter. Für ihre Ökomilch konnte ihnen keine Molkerei den vollen Biopreis zahlen. Sie mussten unter Wert verkaufen. Noch heute befindet sich in manchen Discountermilchverpackungen frühere Biomilch.
Die Biobauern fühlen sich zu Recht getäuscht. Ihnen wurden hohe Erlöse versprochen, wenn sie auf Bio machen. Doch die Realität hat die grünen Tagträumereien beendet. Mitunter leben vorbildliche Betriebe jetzt nur noch von ihrer Substanz. Schuld an der Misere sind Sie.
Sie wollen den Ökolandbau um jeden Preis. Zahlen soll ihn der Steuerzahler oder der traditionelle Landwirt. So wird im Antrag moniert, dass immer noch zu wenige Betriebe auf Bio umgestellt hätten. Die Nachfrage könne gar nicht ausreichend gedeckt werden, heißt es.
Dann argumentieren die Grüninnen auch noch, wenn erst einmal mehr produziert werde, werde auch mehr gekauft. Dummes Zeug! Niemand macht an der Fleischtheke seine Kaufentscheidung von der Menge der ausgelegten Bioware abhängig.
Die Grüninnen aber haben sich schon mal überlegt, wie sie den Absatz künstlich steigern können: wie immer bei ihnen über Schuldkult und moralische Erpressung. In öffentliche Kampagnen verpackt, sollen die Verbraucher zum Kauf von Ökoprodukten getrieben werden. In den Augen der Grüninnen muss der Deutsche eben belehrt und bevormundet werden.
Ihnen zufolge gibt es nur zwei Meinungen: die grüne und die falsche. Der Verbraucher sei nicht fähig, eine richtige Entscheidung im Sinne der Ökolobby zu treffen. Deswegen wollen sie auch eine Mindestquote für pseudoökologisch produzierte Lebensmittel in öffentlichen Kantinen und Mensen – Konsumsteigerung durch grüne Zwangsbeglückung.
Dabei hat die Ökolandwirtschaft ihre ganz eigenen Probleme. Die grünen Moralapostel predigen die Landwirtschaft ohne Gift. Doch auch Biobauern müssen ihre Felder mit Pestiziden spritzen – im Kampf gegen den Apfelschorf, im Kampf gegen den Falschen Mehltau, im Kampf gegen die Kraut- und Knollenfäule.
Es war übrigens die Kartoffelfäule, welche die schwerste Hungerkatastrophe in der jüngeren Geschichte auslöste. Über 1 Million Iren starben zwischen 1845 und 1849 in der großen Hungersnot.
Fakt ist: Ohne den Einsatz von Pestiziden könnte die Weltbevölkerung nicht mehr ernährt werden. Landwirtschaft ohne Pestizide bedeutet Massensterben. Doch gerade die Ökopestizide sind schädlicher für die Umwelt. Sie sind weniger spezifisch und weniger effektiv. Deswegen muss für die gleiche Wirkung das Vielfache eines konventionellen Pestizides aufgebracht werden. So einfach ist das.
Jetzt halten Sie sich fest: Es zeigt sich, dass gerade das bei den Grüninnen so verhasste Glyphosat tatsächlich umweltfreundlicher ist als alle Ökopestizide zusammen.
Das Wichtigste – auch für die Grüninnen zum Mitschreiben –: Glyphosat wird durch Bodenbakterien biologisch abgebaut; Kupferverbindungen, die bei Bioprodukten erlaubt sind, dagegen nicht.
Doch, das stimmt. Kupferverbindungen werden nicht abgebaut. Kupfer verbleibt als Metall im Boden und reichert sich durch Regenabwaschungen immer weiter an. Laut der Sauer-Studie von 2016 führen 100 mg Kupfer bei Regenwürmern zu Fluchtverhalten und verringern die Reproduktionsleistung dieser Tiere.
Weil die Grüninnen mit Ökopestiziden die angeblich bedrohten Wildbienen retten wollen, müssen nun immer mehr Regenwürmer für diese Bienen dran glauben. Das bestätigen auch das Bundesinstitut für Risikobewertung sowie das Umweltbundesamt.
In einem Interview vom 29. Oktober 2015 im Deutschlandfunk erklärt Herr Dr. Bernd Hommel vom Julius-Kühn-Institut:
„Würde Kupfer das erste Mal als Pflanzenschutzmittel auf der Tagesordnung stehen, würde es niemals eine Zulassung bekommen.“
Noch ein Beispiel für die vielen Kehrseiten Ihrer Ökoideologie: Vor drei Jahren vermehrte sich der Falsche Mehltau explosionsartig auf deutschen Weingütern. Der Pilz war mit den Ökopestiziden nicht in den Griff zu bekommen. Deshalb griffen die Biowinzer in ihrer Not auf Kaliumphosphonat zurück, ein ehemaliges Pflanzenstärkungsmittel.
Kaliumphosphonat ist seit 2013 aber nicht mehr für den Ökoanbau zugelassen, weil es nach neuer Gesetzeslage unnatürlichen Ursprungs sei. Doch nur so ließ sich die gesamte Ernte der Biowinzer noch retten. Die Winzer verloren dafür das Biosiegel. Es wäre also ein Irrtum, zu glauben, die Landwirtschaft funktioniere ganz ohne Pestizide.
Als im letzten Jahr die anhaltende Trockenheit zu einer Verknappung von Bioraufutter geführt hatte, mussten die Biotierhalter auf konventionelles Raufutter zurückgreifen. Hätten sie dies nicht getan, Herr Rüße, hätte ihre Bionutztiere der Hungerstod ereilt –
Ausnahmsweise erlaubte NRW den Biotierhaltern, ihre Produkte weiterhin mit dem Biosiegel zu verkaufen. Das ist eben die Willkür des ökologischen Obrigkeitsstaates: Nicht immer ist das sogenannte Bio im Zweifelsfall dann auch Bio.
Meine Damen und Herren, je stärker der Ökolandbau zunimmt, desto mehr Missernten, Hungersnöte und Tierelend wird es geben.
Dieser Antrag ist fanatischer Pseudoökowahnsinn: Öko als Leitbild, Öko in den Förderprogrammen, Öko auf landeseigenen Flächen, Öko im Marketing, Öko in der Kantine, Öko in der Ausbildung, Öko in der Forschung.
Sie wollen die ökologische Indoktrination der Deutschen auf die Spitze treiben. Im Interesse unseres Landes kann ich nur hoffen, dass die Ökosozialisten nicht an die Regierung kommen. – Schönen Dank.
Vielen Dank, Herr Dr. Blex. – Jetzt hat für die Landesregierung die zuständige Ministerin Frau Heinen-Esser das Wort.