„Wir wollen gute Entwicklungsperspektiven für die zumeist in Familienhand geführten landwirtschaftlichen Betriebe und die Innovationskraft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume in Nordrhein-Westfalen fördern. Die Landwirte entscheiden souverän selbst, welche Bewirtschaftungsform für die Zukunft ihres Betriebes die richtige ist. Diese Frage darf kein Gegenstand staatlicher Lenkung und Bevorzugung sein. Konventionellen und ökologischen Landbau behandeln wir gleichermaßen fair und bieten beiden gleichberechtigte Chancen, um unterschiedlichen Betriebskonzepten und Verbraucherinteressen gerecht zu werden.“
(Beifall von der FDP und der CDU – Norwich Rüße [GRÜNE]: Setzen Sie das einmal um, zum Beispiel bei der Berufsausbildung!)
Das, was Sie mit diesem Antrag machen, und das, was Sie hier in Ihren Reden gesagt haben – sowohl Sie als auch die SPD –, ist das komplette Gegenteil. Sie fangen wieder an, biologisch gegen konventionell auszuspielen.
Und das ist nicht richtig. Es fallen Sätze wie „Bio ist die gesündere Ernährung“. Das ist nicht richtig. Es ist nachweislich nicht der Fall, dass ein biologisch erzeugtes Nahrungsmittel gesünder ist. Es ist anders erzeugt, aber nicht zwingend gesünder. Da fangen wir nämlich schon wieder mit Ideologie an. Und das ist definitiv der falsche Weg.
Sie nutzen in Ihrem Antrag auch andere Vorurteile. So schreiben Sie über besseres Tierwohl und andere Geschichten. Das ist ebenfalls nicht richtig. Entsprechend äußern sich sogar kritische Beobachter, die sonst gerne auf dieser Seite stehen, beispielsweise foodwatch.
So hat der Geschäftsführer von foodwatch, Matthias Wolfschmidt, unlängst noch im Deutschlandfunk gesagt, er müsse als Tierarzt immer wieder feststellen, dass die ökologische Tierhaltung kein Selbstläufer ist und dass es vielen Tieren – so sein Fazit – in vielen ökologisch orientierten Betrieben mindestens genauso schlecht wie in schlecht geführten konventionellen Betrieben geht, dass aber andersherum sehr viele konventionelle Betriebe ein erstaunlich hohes Maß an Tierwohl und Tiergesundheit sicherstellen
Dass dort keine chemischen Mittel eingesetzt werden, wie Frau Watermann-Krass sagte, heißt ja nicht, dass die dort eingesetzten Mittel gesund oder nicht gefährlich für die Umwelt sind.
In der Biolandwirtschaft kommen einige natürliche Mittel zur Anwendung, die genauso gefährlich für Umwelt und Tiere sind wie chemische Mittel. Teilweise sind die chemischen Mittel besser, weil sie wesentlich zielgenauer und punktgenauer sind. Das kennen wir vor allem aus der Debatte über den Einsatz von Kupfer statt Glyphosat im Weinbergbau oder anderswo, was die Böden so stark mit Schwermetallen belastet, dass sie teilweise nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden können. Das gehört auch zur Wahrheit dazu.
Deshalb ist die einseitige Fokussierung auf die Biolandwirtschaft nicht die richtige Antwort – im Gegenteil: Eine leistungsfähige und professionelle konventionelle Landwirtschaft ist der Garant für die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen und gesunden Lebensmitteln.
Bei dem Begriff „Zielgenauigkeit von Pflanzenschutzmitteln“ bin ich wach geworden. Ich möchte Sie fragen, wie hoch die Zielgenauigkeit von Pflanzenschutzmitteln sein muss, wenn das Unternehmen Gelsenwasser AG jedes Jahr bis zu 1 Million Euro dafür ausgibt, Pflanzenschutzmittelreste aus dem Wasser herauszufiltern.
Es ist gleich, ob ein chemisch erzeugtes Gift oder ein in der Natur vorkommendes Gift verwendet wird; würde es in der gleichen Konzentration und Menge ausgebracht, fände man es ebenfalls im Wasser und
müsste es auch herauslösen. Ob es einen natürlichen oder einen chemischen Hintergrund hat, ist in diesem Moment doch völlig egal.
Es zeigt aber trotzdem, dass wir besser und noch zielgenauer werden müssen; da sind wir uns alle einig. Deswegen fördert diese Landesregierung auch die Digitalisierung in der Landwirtschaft. „Digital Farming“ ist ein eigener Studiengang in OWL.
Wenn wir in die ganz große Klimadebatte einsteigen, die jetzt läuft, darf man nicht vergessen, dass Bio nicht zwingend besser ist.
Zweitens. Wenn wir derzeit überall lernen und lesen, dass einige Regionen der Welt in Zukunft für die Landwirtschaft ausfallen und 2 Milliarden Menschen dort keine Nahrung mehr anbauen können, kommt unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit und der Welternährung einer konventionellen Landwirtschaft mit einem höheren Ertrag eine wichtige Bedeutung zu.
(Norwich Rüße [GRÜNE]: Wenn wir ein Drittel der Ernte wegwerfen, ist diese Frage ziemlich unerheblich!)
(Norwich Rüße [GRÜNE]: Das hat eine ganze Menge damit zu tun! Dazu könnten wir einmal eine Anhörung machen!)
Der Antrag suggeriert zudem – das ist noch wichtiger –, dass die Situation des Ökolandbaus in NRW besonders schlecht sei und man auch von der Bundesebene nichts zu erwarten habe. Das stimmt nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Wir fördern auch ökologische Landwirtschaft, und zwar da, wo sie Sinn macht. Deswegen existieren zahlreiche Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten im Bereich „Biolandwirtschaft für Landwirte“. Stellvertretend ist die Fachschule für ökologischen Landbau Kleve zu nennen. Das gibt es bereits; es ist also nicht so, als ob das Thema negiert würde.
Die von Ihnen geforderte Aufnahme des ökologischen Landbaus in die Rahmenpläne der Berufsschulen ist teilweise schon erledigt. Das ist gelaufen und wird in der beruflichen Bildung verstärkt zentriert. Es gibt Datenbanken, aus denen sich angehende Azubis ökologisch wirtschaftende Betriebe heraussuchen können, wenn sie daran Interesse haben. Wir haben an Universitäten und Fachhochschulen zahlreiche Studiengänge zum ökologischen Landbau.
Wir haben vielfältigste Beratungsmöglichkeiten auf Landes- und auf Bundesebene, die alle miteinander vernetzt sind und maßgeschneiderte Informationen zur Umstellung von Betrieben anbieten. Stellvertretend ist das BZL, das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, zu nennen, das einen eigenen Agrarbildungsserver unterhält. Auch da findet man einiges.
Der Antrag spricht als Nächstes das durchaus wichtige Thema „Außer-Haus-Verpflegung“ an. Sie haben in diesem Zusammenhang die Kantinen erwähnt. Jetzt wollen Sie überwiegend ökologische Lebensmittel in die Kantinen bringen. Damit würde eine einseitige Förderung erfolgen. Das ist aber nicht richtig. Wir haben uns alle darauf verständigt, dass wir heimische und regionale Produkte fördern, aber keinen Unterschied zwischen beiden Wirtschaftsformen machen.
Diese Forderung ist insofern beachtlich, als Sie in Ihrem Antrag vorher schreiben, dass es angeblich viel zu wenige ökologische Lebensmittel am Markt gibt. Die Einführung einer verpflichtenden Quote führt aber am Ende wieder dazu, dass es nicht die regionalen und nachhaltigen Lebensmittel sind, sondern die berühmte Biokartoffel aus Ägypten, die dort mit extremem Wasseraufwand angebaut wird, um hier ein gutes Gefühl zu erzeugen. Das ist genau das Gegenteil von ökologisch sinnvoller Praxis.
Vielen Dank. – Herr Kollege, ich möchte Ihnen eine weitere Frage stellen. Die Ökomolkereien lehnen zurzeit die Aufnahme weiterer Betriebe weitestgehend ab und nehmen nur peu à peu noch Betriebe hinzu. Es gibt Wartelisten
Würden Sie mir recht geben, dass es für die konventionellen Betriebe, die auf Ökomilch umstellen wollen, eine Chance wäre, wenn wir über öffentliche Einrichtungen eine entsprechende Nachfrage nach dieser Milch erzeugen und damit die Nachfrage erhöhen würden?