Protocol of the Session on November 29, 2018

(Beifall von der CDU)

Da hat es wenig verwundert, dass auch die AfD dem SPD-Gesetzentwurf vorbehaltlos zustimmte.

(Zuruf von Britta Altenkamp [SPD])

Mehr noch: In einem echten Populismuswettstreit wurde dann noch eine Schippe draufgepackt.

(Michael Hübner [SPD]: Das war nur eine Überweisung, Herr Kollege! Das geht noch in die Anhörung, aber ist egal! Es ging nicht um die Abstimmung des Gesetzentwurfs, aber egal!)

Erschließungsbeiträge sollen am besten auch gleich mit abgeschafft werden.

Aus der Opposition heraus dicke Backen zu machen, ist das Recht der Opposition,

(Zuruf von der SPD: Das machen doch eure eigenen Abgeordneten!)

denn zum Glück müssen Worten keine Taten folgen.

(Michael Hübner [SPD]: Aha! Deshalb haben wir einen Gesetzentwurf vorgelegt! Sie kön- nen auch zustimmen!)

Wenn das alles so einfach wäre, frage ich mich wirklich: Warum hat Rot-Grün bis 2017 nicht selbst gehandelt? – Ich sage Ihnen, warum:

(Vereinzelt Beifall von der CDU – Michael Hübner [SPD]: Begeisterung!)

Weil das Problem nicht einfach zu lösen ist.

(Michael Hübner [SPD]: Aha!)

Wenn es einfach wäre, könnte es nämlich jeder. Sie, liebe Kollegen von der SPD, haben es sich in der Vergangenheit nicht zugetraut. Sie haben es sich leicht gemacht und nichts getan.

(Zuruf von der SPD)

Wir gehen das Problem jetzt aktiv an. Denken wir die Lösung des Problems einmal vom Ende her: Was würde passieren, wenn die Straßenausbaubeiträge komplett vom Land übernommen würden?

(Michael Hübner [SPD]: Was passiert denn dann?)

Die betroffenen Bürger bzw. Anlieger würden sich freuen. Die Anlieger, die in den letzten Jahren bereits Beiträge bezahlen mussten, dafür vielleicht sogar einen Kredit aufgenommen haben, würden sich eher weniger freuen.

Zuletzt haben Anlieger in NRW im Schnitt 120 Millionen Euro pro Jahr an Ausbaubeiträgen bezahlt. Gehen wir einmal davon aus, das Land würde eben diese 120 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um anstelle der Anlieger die Ausbaubeiträge zu bezahlen.

Das Geld würde nicht reichen – unabhängig davon, ob die Kommunen das Geld projektbezogen auf Antrag oder nach einem noch festzulegenden Schlüssel pauschal bekämen. Das Geld würde nicht reichen.

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage von Herrn Hübner?

Keine Zwischenfrage. – Bitte schön.

Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU) : Der

Städte- und Gemeindebund geht von einem Betrag im hohen dreistelligen Millionen Bereich aus, der jedes Jahr auf das Land zukäme, weil kommunale Straßen dann früher grundsaniert würden, weil kommunale Straßen dann höherwertig ausgebaut würden

(Michael Hübner [SPD]: Wenn das Land be- zahlt, werden die Straßen höherwertig ausge- baut?!)

und weil dann auch mehr kommunale Straßen ausgebaut würden.

Zur Wahrheit gehört auch, dass jeder Euro Steuergeld, der in Straßenausbaubeiträge fließt, woanders nicht mehr ausgegeben wird und zum Beispiel in der Kitafinanzierung fehlen könnte.

(Michael Hübner [SPD]: Weiß Herr Wüst das?! – Weitere Zurufe von der SPD)

Die komplette Abschaffung der Straßenausbaubeiträge kann also nicht die Lösung sein.

Wir möchten darum am System der Straßenausbaubeiträge mit allen Rechten und Pflichten für den Bürger festhalten, es aber weiterentwickeln. Zahlreiche Presseberichte, Initiativen und Zuschriften von Bürgerinnen und Bürgern machen deutlich, dass an der gängigen Praxis etwas geändert werden muss.

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage von Herrn Kollegen Dahm?

(Bernhard Hoppe-Biermeyer [CDU] winkt ab.)

Keine Zwischenfrage, okay.

Wir brauchen eine intelligente Lösung. Wir wollen verantwortungsbewusst an das Thema herangehen und berücksichtigen dabei die Interessen der Anlieger genauso wie die der Allgemeinheit und die der Kommunen.

Ganz wichtig ist eine frühzeitige Bürgerbeteiligung. Alle geplanten Maßnahmen sind im Dialog mit den Anliegern zu entwickeln.

(Michael Hübner [SPD]: Das war in der Ver- gangenheit auch so!)

Transparenz bei Planung, Kosten und Zahlungsfälligkeiten sollen für mehr Akzeptanz sorgen.

(Michael Hübner [SPD]: Das war auch in den letzten sieben Jahren so!)

Der Zinssatz bei Ratenzahlung und Stundung soll sich am Basiszinssatz der Bundesbank orientieren. Eventuelle Landesförderung soll in Zukunft auf die gesamte Baumaßnahme und nicht mehr nur auf den kommunalen Anteil angerechnet werden.

(Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Was heißt das denn?)

Schließlich enthält der vorliegende Antrag zwei Prüfaufträge. Zu prüfen ist, inwieweit eine Regelung für

Härtefälle geschaffen werden kann und ob die Kommunen in Zukunft selbst über die Erhebung von Straßenausbaubeiträgen entscheiden können.

(Michael Hübner [SPD]: Das ist ja ganz groß- artig!)

Mit der Modernisierung des § 8 des Kommunalabgabegesetzes stellen wir die Balance zwischen den Interessen der Anliegerinnen und Anlieger auf der einen Seite und den der Kommunen auf der anderen Seite wieder her. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall von der CDU und der FDP- Zuruf von Christian Dahm [SPD]: Das spaltet das Land!)

Vielen Dank, Herr Hoppe-Biermeyer. – Jetzt spricht für die FDPFraktion Herr Höne.

Vielen Dank, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Es ist Anspruch der NRW-Koalition, dass wir bei den Straßenausbaubeiträgen mit einer Modernisierung und Reform dafür Sorge tragen wollen, dass die finanzielle Überforderung von Anwohnern durch diese Beiträge zukünftig verhindert wird.

Es ist zugleich unser Anspruch, dass wir die haushaltspolitischen Realitäten sowohl im Land als auch bei den Kommunen dabei nicht aus dem Auge verlieren.

Auf Grundlage dieser zwei Prämissen haben wir hier vor 14 Tagen – der Kollege Hoppe-Biermeyer hat es gerade auch erwähnt – schon einmal über dieses Thema gesprochen und am vorliegenden Gesetzentwurf der SPD Kritik geübt.