… obwohl sie perfekt Deutsch konnte und dem Unterricht folgen konnte, einfach weil in der internationalen Stadt Bonn, der ehemaligen Hauptstadt, dem heutigen Standort der Vereinten Nationen und zahlreicher internationaler Organisationen und Unternehmen, die Quote von 20 % Nichtmuttersprachlern in einzelnen Klassen schnell überschritten gewesen wäre.
Das ist einfach nur peinlich. Mit diesem schlampig recherchierten und formulierten Antrag blamieren Sie sich heute bis auf die Knochen.
– Nein. – Ganz ehrlich, wenn man mir so etwas vorlegt und dann hier etwas anderes vorträgt und sonst was erzählt …
(Markus Wagner [AfD]: Wenn parlamentari- sche Gepflogenheiten für Sie eine Belästigung sind, dann legen Sie doch Ihr Amt nieder!)
Herr Kollege Hovenjürgen, wollten Sie eine Zwischenfrage stellen? Denn wir haben hier eine angemeldete Wortmeldung.
(Heiterkeit – Michael Hübner [SPD]: Du musst auch der Debatte folgen, nicht immer nur E- Mails lesen! Guten Morgen, Josef!)
Mit Ihrer äußerst unfairen Quote wollen Sie brutal vereinfachen, statt sich jedes zugewanderte Kind individuell anzuschauen. Heute nehmen die Pädagogen zum Beispiel in den IVK jedes einzelne Kind in den Blick und leiten den Wechsel in das reguläre Schulsystem ein, sobald Integration und Sprachstand dafür ausreichen.
Eine willkürlich politisch festgelegte Quote zum Beispiel anhand von Muttersprache, Herkunft oder Nationalität – das sind die drei Kategorien, die Sie hier nennen – widerspräche den individuellen Bildungschancen jedes Kindes und damit unseren Zielen von weltbester Bildung und Chancengerechtigkeit in NRW.
Wie schon angekündigt werden wir über die weiteren großen Schwächen des Antrags – sie wurden zum Teil schon von den anderen Kollegen aufgezeigt –, insbesondere bezüglich der PISA-Studien und der Bildungsstandards, im Schulausschuss diskutieren. – Ich glaube, ich darf hier stehen bleiben.
Sie haben mir so richtig die Leviten gelesen. Wenn das Problem an den Schulen nicht so ernst wäre, würde ich auch in das Gelächter der anderen einstimmen. Aber dafür ist das, was an den Schulen passiert, zu ernst.
Erstens. Ich habe selbst eine IK-Klasse eingeführt und auf dringende Bitten der Kollegen eine zweite eingesetzt, weil die Leistungsdifferenz so unglaublich groß war, dass sich die Kolleginnen und Kollegen nicht mehr in der Lage sahen, alle Kinder in einer Klasse zu unterrichten. Das geht nämlich von Analphabeten bis hin zu den – da haben Sie völlig recht – ganz cleveren Kindern, die super schnell lernen und super fit sind.
Zweitens. Die Kinder erhalten pro Woche zwölf Stunden DaZ-Unterricht – also Deutsch als Zweitsprache –, gehen aber schon sofort in den Regelunterricht. Das heißt, sie sitzen bereits in der zweiten oder dritten Woche im Deutsch- oder Matheunterricht. Während sie beim Matheunterricht vielleicht noch mitkommen, verstehen sie im Deutschunterricht nichts. Auch da habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
Der Antrag bezieht sich nicht darauf, alle Migranten oder alle Nichtmuttersprachler extra in der deutschen Sprache zu beschulen, sondern lediglich die, bei denen die Kollegen vor Ort feststellen: Hier sind die Defizite so groß, dass sie dem normalen Unterricht nicht folgen können.
Ich kann Ihnen sagen: Man sieht in den Gesichtern der Kinder, wie schwierig und frustrierend es für sie ist, wenn sie dem Unterricht nicht folgen können. Der von mir vorgelegte Antrag ist ein Antrag der Menschenfreundlichkeit für den Lernerfolg aller Kinder. – Vielen Dank.
Das können Sie doch selber nicht glauben. Ich möchte aus Ihrem Antrag zitieren. Unter Punkt 3 steht:
„zur Gewährleistung eines erfolgreichen Schulunterrichts festzulegen, dass ein Höchstanteil von 20 Prozent von Nichtmuttersprachlern pro Klasse nicht überschritten wird.“
Ich weiß nicht, wer Ihnen diesen Antrag geschrieben hat oder was in Ihrer Vorbereitung schiefgelaufen ist, aber genau das beantragen Sie. Wir werden ihn an den Schulausschuss überweisen, dann aber nicht beschließen.
Die Internationalen Vorbereitungsklassen, wie ich sie in Bonn erlebt habe, stehen tatsächlich vor der Herausforderung, dass die Kinder auf unterschiedlichen Leistungsständen sind. Die Lehrer leisten aber eine tolle Arbeit, um die Kinder vorzubereiten. Es gibt begabte Kinder, die nach einer kurzen Zeit so gut Deutsch sprechen, dass sie die Regelschule besuchen können. Wir arbeiten weiter daran, dass man sich für die Kinder, die nicht so leicht lernen, mehr Zeit nehmen kann.
Gleichzeitig wollen wir ermöglichen, dass die Teilnahme am deutschen Unterricht erfolgen kann, wie es vor allem – so habe ich es gesehen – in Musik und Kunst möglich ist. Dann können sie auch auf dem Schulhof mit deutschen Schulkameraden zusammenkommen, wodurch der Spracherwerb noch einmal einfacher wird. Ich möchte hier eine Lanze für die Internationalen Vorbereitungsklassen brechen.
Wir müssen uns natürlich anschauen, wie wir einen erfolgreichen Übergang zur Regelschule schaffen können. Wir haben tolle kommunale Integrationsämter, die uns immer wieder beeindruckende Daten liefern. So sehen wir in Bonn, wie der Übergang klappt, und zwar an alle Schulen – von der Hauptschule, Realschule, Gesamtschule bis hin zum Gymnasium – und gemessen an ihren tatsächlichen Chancen.
Der Antrag, Nichtmuttersprachler pro Klasse zu begrenzen, ist menschenfeindlich, weil Sie Menschen nach einer Quote einteilen: nach Nichtmuttersprachlern, Migranten, Ausländeranteil oder was auch immer. Das wird den einzelnen Kindern nicht gerecht. Das ist nicht das, was wir uns unter Bildungs- und Integrationschancen in NRW vorstellen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin Frau Müller-Rech außerordentlich dankbar, dass Sie den Lehrerinnen und Lehrern sehr deutlich einen Dank ausgesprochen hat – das teile ich, wie auch der Kollege Ott und die Kollegin Vogt –, die in der Tat engagiert, kompetent und sehr zielorientiert mit den Kindern in ihrer Vielfalt und unter den unterschiedlichen Bedingungen arbeiten.
Sie achten sehr genau darauf, ob ein Kind schon komplett am Regelunterricht teilnehmen kann oder ob noch zusätzliche Sprachförderung notwendig ist. Sie sehen auch sehr genau, dass möglichst viel Gemeinsamkeit in der Schule zur Integration beiträgt. Das ist unser gemeinsames Ziel.
Wenn Herr Seifen und die AfD hier von einem menschenfreundlichen Antrag sprechen, dann müssen wir alle sehr wachsam sein. Ich will das einmal in Kombination mit dem letzten Beitrag von Herrn Beckamp zur Frage der Integrationsmittel vor Ort betrachten. Was hat er denn hier gesagt? – Mittel für Geduldete bitte nicht in die Kommunen, das ist überflüssig.
Es geht doch hier um Abgrenzung, um Abschottung. Genau das steckt auch in dem Antrag der AfD, das muss man sehr deutlich sagen. Dass Sie von Menschenfreundlichkeit sprechen, ist wirklich eine Zumutung.