Protocol of the Session on April 26, 2013

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von den PIRATEN)

Vielen Dank, Herr Minister Duin. – Für die CDU-Fraktion hat sich Herr Kollege Wittke zu Wort gemeldet.

(Zurufe von der SPD: Oh!)

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Als ich erfuhr, dass die Landesregierung die Beantragung einer Sondersitzung durch CDU, FDP und Piraten zum Thema „Opel“ zum Anlass genommen hat, eine Unterrichtung des Landtages am heutigen Tage zu dieser Thematik durchzuführen, hatte ich die Erwartungshaltung, Herr Kollege Duin, dass wir heute etwas Neues erfahren würden.

(Zurufe von der SPD: Wo ist die Entschuldi- gung?)

Denn wenn man dieses interessante und wichtige Instrument der Unterrichtung dieses Hohen Hauses wählt, dann muss man was zu sagen haben.

(Zuruf von der SPD: Haben Sie nicht zuge- hört? – Weitere Zurufe von der SPD: Wo ist die Entschuldigung?)

Sie hatten heute nichts zu sagen, gar nichts!

(Beifall von der CDU und der FDP)

Es wäre für das Hohe Haus beispielsweise interessant gewesen, zu erfahren, welche Gespräche Sie seit vergangenem Freitag, nachdem es in Bochum eskaliert war, geführt haben. Mit wem haben Sie gesprochen? Mit wem haben Sie welche Vereinbarungen getroffen? – Nichts davon ist vorgetragen worden.

(Zurufe – Unruhe – Glocke)

Stattdessen hat Herr Kollege Römer über KlausnerVerträge und SPD-Geschichte, Herr Schmeltzer über Mindestlohn und Leiharbeit geredet, und Kollege Priggen hat sich als Bauchredner des Landeswirtschaftsministers geriert.

(Beifall von der CDU – Zuruf von Nadja Lü- ders [SPD])

Das ist verdammt wenig. Dabei sind die Fragen, die auf dem Tisch liegen und zu beantworten sind, zwei ganz einfache.

(Widerspruch von der SPD)

Die erste Frage lautet: Was hat die Landesregierung bisher getan, um das Abziehen von Opel aus Bochum zu verhindern? – Und, Frau Kraft, da entlassen wir Sie nicht aus der Verantwortung!

(Beifall von der CDU – Lebhafte Zurufe von der SPD: Oooh!)

Denn Sie scheinen ja nur die Ministerpräsidentin für gutes Wetter zu sein. Sie sind die Ministerpräsidentin für Sonnenschein, Sie sind die Ministerpräsidentin für Landesfeste. Aber dann, wenn es ernst wird, wenn es darum geht, für dieses Land einzustehen und hart zu arbeiten, dann schlagen Sie sich in die Büsche, so wie Sie das im Fall Opel getan haben.

(Beifall von der CDU und der FDP – Lachen und Widerspruch von der SPD)

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist erstaunlich, dass noch am vergangenen Donnerstag in der Plenardebatte die Landesregierung und die Vertreter der Koalition immer wieder vorgetragen haben: Wir wollen dafür kämpfen, dass so viel Opel wie möglich in Bochum bleibt!

(Stefan Zimkeit [SPD]: Die interessiert das gar nicht! – Weitere Zurufe von der SPD)

Heute, Herr Duin, war davon nicht mehr die Rede. Sie haben längst die weiße Fahne gehisst. Sie haben aufgegeben. Sie wollen nicht für Opel in Bochum kämpfen, sondern Sie wollen nur noch mithelfen, abzuwickeln. Das ist uns zu wenig.

(Beifall von der CDU – Lebhafter Wider- spruch von der SPD)

Darum lautet die zweite Frage: Was gedenkt denn die Landesregierung jetzt zu tun? – Da ist in der Tat das, was der Koalitionsantrag hergibt, entlarvend.

(Thomas Stotko [SPD]: Wir erwarten Ihre Entschuldigung!)

Da heißt es:

„Der Landtag fordert die Unternehmensführung von Opel auf:

dazu beizutragen, indem sie klare und verlässliche Aussagen zur Zukunft des Warenverteilzentrums und zu einer möglichen Komponentenfertigung ab 2014 macht...“

(Zurufe von der SPD: Ja!)

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen von SPD und Bündnisgrünen, dazu hat Opel gesprochen. Was jetzt notwendig ist, ist, dass die Landesregierung endlich in die Puschen kommt und von Opel einfordert, dass Opel weiterhin für Bochum Verantwortung übernimmt!

(Beifall von der CDU – Lebhafte Zurufe von der SPD)

Wir werden uns auf jeden Fall nicht damit abfinden, dass Opel am Ende des Tages verbrannte Erde in Bochum hinterlässt. Wir werden auch keine Schützenhilfe dazu leisten, dass nur noch viel Geld aus den Grundstücken generiert wird, was Opel offenbar jetzt vorhat, und Ihnen ansonsten egal ist, was aus den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, was aus den Opelanern in dieser Stadt wird.

(Lebhafte Zurufe von der SPD: Unver- schämt! – Weiterer Zuruf von der SPD: Das haben Sie nötig!)

Wir wollen weiterhin dafür kämpfen, dass so viel Opel wie möglich in Bochum bleibt.

(Beifall von der CDU – Zuruf von der SPD: Schämen Sie sich!)

Meine Damen und Herren, lieber Kollege Paul, da sage niemand, da habe die Politik keine Mittel in der Hand.

(Stefan Zimkeit [SPD]: Erbärmlicher Dema- goge!)

Jawohl, sie hat Mittel in der Hand. Denn Opel hat zwei zentrale Anliegen. Opel will zum einen, dass so schnell wie möglich Ruhe einkehrt. Denn natürlich ist klar, dass eine Marke unter ständigen Debatten, unter ständigen Diskussionen leidet.

(Hans-Willi Körfges [SPD]: Da sind Sie der Richtige!)

Dazu könnte beitragen, wenn man alles im versteckten Kämmerlein macht, wenn man alles nur hinter den Kulissen macht

(Hans-Willi Körfges [SPD]: Brandstifter!)

wenn man nicht ständig und immer wieder einfordert, dass Opel weiterhin Verantwortung übernehmen muss. Das ist, finde ich, unser Job als Politik. Es darf nicht Ruhe einkehren. Man könnte auch sagen: Es darf keine Friedhofsruhe bei Opel einkehren. Sondern, ganz im Gegenteil: Wir müssen weiterhin am Ball bleiben, und wir müssen das Thema immer wieder auf die Tagesordnung setzen, damit Opel der Verantwortung über den Tag hinaus in Bochum gerecht wird.

(Zuruf von der SPD)

Wenn die Landesregierung sie schon nicht wahrnimmt, dann zumindest dieses Parlament!

(Beifall von der CDU – Karl Schultheis [SPD]: Ihre Beiträge werden nicht in Dezibel gemes- sen!)

Und zweitens, ein noch viel schärferes Schwert: 170 Hektar Fläche mitten im Herzen des Ruhrgebiets und damit mitten im Herzen von NordrheinWestfalen sind natürlich von landesplanerischer Bedeutung.

(Zuruf von der SPD: Hört, hört!)

Wir haben eine Landesregierung, die diese Karte nicht spielt, eine Landesregierung und eine Stadtverwaltung, die nicht sagen, wir werden uns nicht zum Erfüllungsgehilfen für die Pläne von Opel machen lassen, einfach nur Geld aus diesen Flächen zu ziehen,

(Lachen von Hans-Willi Körfges [SPD])

sondern wir werden Bedingungen nennen. Und die Bedingung sollte nicht lauten, nur in einer Gesellschaft mitwirken zu dürfen, sondern die Bedingung muss lauten: Ihr müsst Arbeitsplätze in Bochum halten!

Das vorzutragen, ist unsere Aufgabe. Dazu fordere ich die Landesregierung an dieser Stelle auf. Sie haben das Instrumentarium. Es liegt auf dem Tisch. Nun wenden Sie es auch an, Herr Duin!