Ja, Frau Akbayir, es wird 16 Regionalstellen geben. Die Struktur des Landes ist in Arbeitsmarktregionen aufgeteilt; das sind 16. Daran werden wir uns orientieren.
Sie fragten nach, ob die Regionalstellen im Nachtragshaushalt stehen. Das ist natürlich nicht der Fall – das konnte man beim Reinschauen auch feststellen –, sondern die Landesregierung wird aufgefordert, sie in diesem Jahr zu installieren, und dann müssen sie im Haushalt für das Jahr 2011 stehen.
Das wird schwierig genug; wir kennen die Haushaltslage, und wir wissen auch, dass das Geld nicht vermehrbar ist. Selbst wenn jetzt 1,3 Milliarden € weniger an Verschuldung da sind, steht doch nicht mehr im Haushalt. Das wissen wir sehr wohl. Man kann immer gut noch mehr fordern, aber wir wären sehr froh, wenn wir diese 16 Regionalstellen, diese 16 Kompetenzzentren Frau und Beruf, in unserem Land hinbekommen würden. Damit wären wir einen großen Schritt vorangekommen, und für die Frauen in Nordrhein-Westfalen würde endlich wieder das stattfinden, was sie seit zumindest vier Jahren vermissen. Die Welle der Empörung war ja auch groß genug.
Wir freuen uns auf die Beratung im Ausschuss und werden sehen, wie diese Kompetenzzentren vor Ort Wirkung entfalten werden. – Herzlichen Dank.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was wir hier eben an frauenpolitischen Positionen von CDU und FDP vorgetragen bekommen haben, möchte
ich mal mit einem Zitat eines großen Deutschen bewerten: „Getretener Quark wird breit, nicht stark.“
Ich glaube, dass der ehemalige Frauenminister das wesentlich besser hätte verkaufen können. Leider ist er auch dafür verantwortlich gewesen, dass genau die Regionalstellen „Frauen und Wirtschaft“ in den letzten fünf Jahren im Streichkonzert Abschied haben nehmen müssen. Dies ist ein echter Verlust gewesen; das ist vor Ort immer wieder deutlich geworden.
Deswegen sind die Nachfrage nach und der Zuspruch zu diesem Antrag auch sehr groß. Seit Beginn dieser Legislaturperiode wird danach gefragt, wann dieses Projekt aus dem Koalitionsvertrag Wirklichkeit wird. Für 2011 werden wir das umsetzen, weil die regionale zielgenaue Umsetzung, die Beratung, das Integrieren und Aufschließen für die Bedarfe von Frauen in der Wirtschaft genau die Herausforderung ist. Das werden wir auf den Weg bringen.
Ich will aber noch einmal sehr deutlich machen: Sie haben immer nur den Fokus auf das Thema „Vereinbarkeit mit Familie“ gelegt. Das ist in der Tat ein sehr wichtiger Punkt – klar –, aber es gibt genug Frauen ohne Familie, die gleichberechtigt ihren Weg in den Beruf machen wollen, auch ein entsprechendes Entgelt dafür erhalten wollen und nicht wieder herabgestuft werden wollen.
Frau Vosseler, ich finde es schon ein bisschen sehr zu kurz gesprungen zu sagen: Na ja, Ihr habt die besseren Abschlüsse, aber schaut auch mal in anderen Berufsbildern um. – Das war die Botschaft, die Sie eben hier verkündet haben. Das und was Sie sonst heute hier dargeboten haben, ist eigentlich zu wenig für Frauenpolitik.
Liebe Kollegin Kieninger, ich würde gar nicht so pessimistisch sein, weil Frau Merkel der Frauenquote eine Absage erteilt hat. Herr Seehofer hat sie ja schon gekontert. Selbst die CSU ist auf den Trichter gekommen. Vielleicht wäre es auch einmal gut für die Fraktionen von FDP und CDU, die hier im Haus sind, über eine Frauenquote nachzudenken,
Denn es ist ganz deutlich: Die überholten Positionen, die Sie hier über die Zeit darbieten, ist in der Tat alter Wein in alten Schläuchen.
Damit gestaltet man keine Zukunft. Wir brauchen die Frauen in diesem Land, und wir werden dafür sorgen, dass sie in die Erwerbswelt kommen und dass es mehr Gleichberechtigung gibt.
Damit kommen wir zur Abstimmung. Der Ältestenrat empfiehlt die Überweisung des Antrags Drucksache 15/1195 – Neudruck – an den Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation – federführend –, an den Ausschuss für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Integration sowie an den Ausschuss für Wirtschaft, Mittelstand und Energie. Die abschließende Beratung und Abstimmung soll im federführenden Ausschuss in öffentlicher Sitzung erfolgen. Wer möchte dieser Überweisung folgen und ihr zustimmen? – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Damit ist die Überweisungsempfehlung einstimmig angenommen.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Volk der Erschöpften“, so überschrieb die Wochenzeitung „Der Spiegel“ kürzlich seine Titelstory über die neue deutsche Volkskrankheit Burn-out. Dies auch mit gutem Grund, denn die Deutschen leben immer länger und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erkranken immer seltener an körperlichen Beschwerden, die es früher bei körperlich schwerer Arbeit gegeben hat.
Aber dafür sind die psychischen Volksleiden auf dem Vormarsch. Nahezu jeder dritte Bundesbürger leidet innerhalb eines Jahres an einer psychischen Störung. Seit 1990 haben sich die Krankschreibungen wegen psychischer Belastungen fast verdoppelt. Rund 4 Millionen Bundesbürger leiden unter behandlungsbedürftigen Depressionen. Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen haben von 1998 bis 2009 um 76 % zugenommen, und 38 % der Frühverrentungen wurden 2009 aufgrund von seelischen Erkrankungen bewilligt.
out-Syndrom. Burn-out, auf Deutsch ausgebrannt, ist ein Gefühlszustand der Unzufriedenheit, der inneren Leere und der Erschöpfung. Ein Hauptgrund für die Zunahme dieser Burn-out-Erkrankungen ist, dass die moderne Welt Leistungen in immer kürzeren Taktfrequenzen verlangt. Die Folgen sind oft Zeit- und Verantwortungsüberforderungen, Erwartungs-, Leistungs- und Konkurrenzdruck, Angst um den Arbeitsplatz sowie fehlende Anerkennung für das Geleistete und Vereinsamung durch Arbeitsüberforderung. Diese Faktoren bilden den Nährboden für das Burn-out-Syndrom. Es kann auch entstehen, wenn das Verhältnis von Verausgabung und Anerkennung in Form von Lohn, Aufstiegschancen, Arbeitsplatzsicherheit und Wertschätzung aus der Balance gerät.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Bundesverband Deutscher Psychologen weist darauf hin, dass Frauen stärker unter Burn-out leiden als Männer, und führt dies vor allem auf die häufigen Mehrfachbelastungen durch Beruf, Familie und Pflege zurück. So zitierte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erst letzte Woche, am 28. Januar, aus einer Studie der Siemens-Betriebskrankenkasse, wonach die Ausgaben der Kasse für pflegende Angehörige um 18 % höher sind als für andere Versicherte. Besonders hoch ist die Zahl der chronischen und schwerwiegenden Krankheiten, die der Untersuchung zufolge 51 % über dem Durchschnitt liegt.
Auch wenn Männer zunehmend bereit sind, sich neben ihrer Erwerbsarbeit zusätzlich an Familienarbeit zu beteiligen, ist es jedoch unbestreitbar, dass von solchen Mehrfachbelastungen zumeist Frauen betroffen sind. Nicht zuletzt die Tatsache, dass gerade die Familienarbeit in der Öffentlichkeit immer weniger Anerkennung findet, führt dazu, dass zu den Burn-out-Patientinnen nicht nur weibliche Berufstätige, sondern auch Hausfrauen und Mütter zählen.
Das Müttergenesungswerk weist seit Jahren darauf hin, dass Mütter so zahlreichen Belastungen ausgesetzt sind, dass viele von ihnen am Burn-outSyndrom erkranken. Bereits 2007 wies eine Studie des Instituts für empirische Soziologie nach, dass rund 20 % der Mütter in Deutschland kurbedürftig sind. Symptome einer Burn-out-Erkrankung zeigen dieser Studie zufolge knapp 80 % der Patientinnen des Müttergenesungswerks.
Ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wollen eine echte Wahlfreiheit, die jeder Frau und Mutter die Entscheidung für ihr eigenes Lebensmodell ermöglicht. Dazu müssen wir nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessern, dazu müssen wir auch gesundheitliche Aspekte stärker in den Blick nehmen, und dazu müssen wir die Gesundheit von Frauen in der Erwerbs- und Familienpolitik verbessern.
Wir fordern daher die Landesregierung in unserem Antrag dazu auf, sich für die Herstellung gerechterer
Erwerbsbedingungen einzusetzen erstens durch die Fortführung des von der Vorgängerregierung forcierten Ausbaus der Kinderbetreuung, zweitens durch den Einsatz für die konsequente Umsetzung des Teilzeit- und des Gleichstellungsgesetzes, drittens durch den Einsatz für gleichen Lohn für gleiche Arbeit für beide Geschlechter und viertens durch die Förderung der Berufschancen beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit.
Daher fordern wir die Landesregierung des Weiteren auf, eine Anerkennungskultur für die von Frauen geleistete Familienarbeit zu fördern, sich für den Ausbau und die Vernetzung der Anbieter von Burnout-Präventionskursen und Anti-Stress-Coaching mit lokalen Beratungsstellen, Sozialdiensten, Familienzentren und Schulen einzusetzen und sich für eine solide Planungssicherheit und Koordinierung der Beratungs- und Vermittlungsstellen einzusetzen.
Es ist Aufgabe der Politik, geeignete und gerechtere Rahmenbedingungen für die Erwerbs- und die Familienarbeit von Frauen und Männern zu schaffen. Es ist Aufgabe der Politik, insbesondere Frauen und Mütter, aber auch Männer mit Mehrfachbelastungen zu unterstützen und damit der Volkskrankheit Burnout entgegenzuwirken.
Wenn wir uns alle einig sind, bitte ich um Überweisung des Antrags an den Frauenausschuss und freue mich auf spannende Diskussionen. – Danke.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen von der CDU, ich gestehe offen und ehrlich: Als ich den Antragstitel gesehen habe, habe ich zunächst einen Schreck bekommen. Da las ich: Burn-out. Insbesondere Frauen sind von ihm betroffen, weil sie mehrfach belastet sind. – Ich habe einen Schreck bekommen, weil ich gedacht habe: Die einfachste Lösung, die dieser Titel suggeriert, ist, Frauen von Mehrfachbelastungen zu befreien, denn dann haben sie auch kein Burn-out.
Das kann ja nicht das sein, was wir wollen. Ich denke, Frau Milz, das ist auch nicht das, was Sie wollen.
Bei der weiteren Studie des Antrags habe ich dann festgestellt: Nicht alles, was Sie da schreiben, ist schlecht. Es sind auch einige gute Ansätze in dem Antrag enthalten. Auch in Ihrem Vortrag erklärten Sie ja deutlich das Burn-out-Syndrom. Ich habe übrigens in meiner vorbereiteten Rede genau die gleichen Passagen stehen.
Ich glaube hingegen, dass Burn-out, wie Sie das eben auch deutlich beschrieben haben, kein Syndrom ist, von dem nur Frauen betroffen sind. Ich glaube, dass Burn-out, wie Sie das eben zitierten, eine Volksepidemie ist und dass Frauen ebenso wie Männer und inzwischen leider auch Kinder und Jugendliche von diesem Syndrom betroffen sind.
Dass man eventuell ein besonderes Augenmerk auf Frauen legen muss, das gestehe ich uns allen zu. Deshalb sollte dieser Antrag auch beraten werden.
Sie haben deutlich darauf aufmerksam gemacht, welche Belastungen unser Gesundheitssystem durch den enormen Anstieg der Zahl psychischer Erkrankungen und hier auch insbesondere des Burn-out-Syndroms hat.