Protocol of the Session on December 20, 2007

(Beifall von GRÜNEN und SPD)

Aber – das sollte den Kolleginnen und Kollegen von der CDU zu denken geben – die Methode „schlanker Fuß“ hat bei der FDP ohnehin Konjunktur.

(Beifall von der SPD)

Aber für dieses Ergebnis, für die Klatsche, die Sie sich beim Verfassungsgericht abgeholt haben, ist die gesamte Regierung verantwortlich. Die gesamte Regierung hat diese Gesetze so eingebracht. Zweieinhalb Jahre haben Sie die Kommunen ausgenommen und auf deren Kosten den Landeshaushalt geschönt. Die Folge: Unmut in der kommunalen Familie – interessiert Sie nicht –, immer höher verschuldete Städte und Gemeinden – ist Ihnen egal –, Aufruhr in der eigenen Basis vor Ort – Ihre Devise: Aussitzen.

Meine Damen und Herren, Ihnen reichen nicht der gesunde Menschenverstand und die Hochachtung

vor der kommunalen Selbstverwaltung, um die Städte und Gemeinden fair zu behandeln. Sie brauchen offensichtlich erst ein harsches Gerichtsurteil, um zu merken, dass es so nicht geht. Gut, dass dieser Schwindel aufgeflogen ist.

(Beifall von GRÜNEN und SPD)

Damit wird nun auch dem Letzten klar: Ihre bisherigen Haushalte waren keine Konsolidierung, und vom Sparwillen dieser Landesregierung kann nicht die Rede sein. All das hat das Urteil demaskiert.

Das konnte man auch in aller Klarheit in den Medien nachlesen. Die „Neue Rhein Zeitung“ schreibt:

„Dem ‚ehrlichen Kaufmann’ Linssen bescheinigen die Richter, dass das Land unter seiner Verantwortung die Kommunen über den Tisch gezogen hat.“

„Finanzminister Helmut Linssen (CDU), …, steht vor einem Scherbenhaufen“, so der „Kölner StadtAnzeiger“.

„Das ist kein Sparen, das ist Tricksen“, schreibt die „Westdeutsche Zeitung“.

Die „Neue Westfälische“ spricht davon: Der Haushaltsentwurf 2008 ist jetzt schon Makulatur.

So sah das flächendeckend in der Presselandschaft Nordrhein-Westfalens aus. – Es muss Ihnen doch auch zu denken geben, dass Herr Erwin, der wirklich kein Freund von SPD und Grünen ist, öffentlich sagt: Unter Rot-Grün ging es den Städten und Gemeinden in NordrheinWestfalen besser.

(Beifall von GRÜNEN und SPD – Rainer Schmeltzer [SPD]: Guter Mann in der Sa- che!)

Wahrhaftig eine Koalition der Ernüchterung, auch für die eigenen Leute vor Ort. Die gesamte Summe Ihrer Grausamkeiten gegenüber der kommunalen Familie können Sie in unserem ausführlichen Entschließungsantrag allein dazu nachlesen.

Herr Rüttgers, bilden Sie sich wirklich ein, Sie hätten in Sachen WestLB die Kuh vom Eis, nur weil Sie einen Überraschungseffekt erzielt haben? Das ist doch lächerlich. Die beste Lösung, die viele wollten – nicht, weil Rot-Grün sie ins Gespräch gebracht hat, sondern weil die Sparkassen, die Anteilseigner, sie wollten –, haben Sie wissentlich und mutwillig sabotiert.

(Ewald Groth [GRÜNE]: Versemmelt!)

Warum? – Weil Sie, Herr Ministerpräsident, nicht mit Herrn Oettinger können.

(Beifall von den GRÜNEN)

Herr Rüttgers, das sind innerparteiliche Hahnenkämpfe, die in der Politik keine Rolle spielen sollten.

(Rainer Schmeltzer [SPD]: Männerfreund- schaft!)

Bankenfusionen, Strukturentscheidungen von Banken und alles, was damit zu tun hat, sollten sachorientiert, seriös und souverän abgewickelt werden. Mit Ihrem Vorgehen haben Sie der WestLB massiv geschadet. Sie haben deren Kundschaft und Belegschaft verunsichert.

(Beifall von GRÜNEN und SPD)

Eitelkeit statt Wirtschaftskompetenz – das ist hier festzustellen.

Doch zurück zu den Verfassungswidrigkeiten der Landesregierung: Für Herrn Wolf hat das Landesverfassungsgericht etwas dokumentiert, und es wird nicht das letzte Verfassungsgerichtsurteil sein, das dem Innenminister und damit der gesamten Regierung eine Klatsche verpasst. Es hat sich schon überdeutlich angekündigt: Mit Ihrer auch noch unerträglich schlampig gemachten Regelung zur Onlinedurchsuchung werden Sie in Karlsruhe scheitern. Noch nie haben sich die Verfassungsrichter so über ein Gesetz und seine seltsame Auslegung einer Landesregierung mokiert.

(Beifall von GRÜNEN und SPD)

Nicht mal handwerklich waren Sie in der Lage, ein Gesetz zu formulieren.

(Rainer Schmeltzer [SPD]: Diese Landesre- gierung ist eine ABM für Gerichte!)

Dass die FDP einmal Bürgerrechtspartei war und in NRW große Liberale diese Tradition aufrechterhalten haben, das war gestern.

(Gisela Walsken [SPD]: Das ist lange vorbei! – Zuruf von der SPD: Vorgestern!)

Da muss Gerhard Baum schon seine eigenen Parteifreunde verklagen, um das in Erinnerung zu rufen.

(Johannes Remmel [GRÜNE]: Es lebe Herr Baum! – Zuruf von Dr. Gerhard Papke [FDP])

Ich weiß, Herr Papke, dass Ihnen das weh tut und Sie auch aus diesem Grunde die Veranstaltung des Präsidiums massiv bekämpft haben. Herr

Baum verfolgt Sie in Ihren Träumen, und Sie wollen ihn leibhaftig nicht mehr sehen.

(Dr. Gerhard Papke [FDP]: Ich träume nicht von Herrn Baum!)

Wahrhaftig eine Koalition der Ernüchterung, auch für eingefleischte Liberale.

(Beifall von den GRÜNEN)

Nehmen wir die Kinder- und Jugendpolitik! Sie sind mit dem Versprechen angetreten, eine kinderfreundlichere Politik zu machen. Was bringen Sie zustande? Das KiBiz: weniger Bildung, weniger Qualität, höhere Elternbeiträge.

(Minister Armin Laschet: Mehr Geld!)

Genau, mehr Geld, das die Eltern bezahlen müssen. Da haben Sie recht, Herr Laschet.

(Beifall von GRÜNEN und SPD)

Auch in diesen Tagen überschlagen sich die Meldungen über steigende Elternbeiträge:

(Minister Armin Laschet: Stimmt doch gar nicht!)

in unseren Zeitungen, an anderen Stellen. Aufgrund des Systems der Buchungszeiten sind alle in Sorge, dass sich die Eltern umentscheiden und die Kommunen oder die Eltern das durch höhere Elternbeiträge ausgleichen müssen. Trotz Senkung der Trägeranteile bei den Kirchen werden immer mehr Kindergärten geschlossen. Das ist doch wohl wirklich keine schöne Bescherung, die Sie mit Ihrem KiBiz angerichtet haben.

Ein Weiteres will ich in Erinnerung rufen: 700.000 Menschen haben in zwei Volksinitiativen und den KiBiz-Protesten mit ihrer Unterschrift gegen die kinderfeindliche Politik der Landesregierung protestiert. 700.000 Menschen, die Herrn Papke egal sind. Wahrhaftig die Koalition der Ernüchterung!

(Beifall von der SPD)

Das gleiche Bild bietet die Schulpolitik. Viele tausend neue Lehrerstellen wollten Sie schaffen. Und? Angesichts Ihrer Versuche, Ihre Ergebnisse schönzurechnen, haben Sie offensichtlich selbst den Überblick verloren.

(Beifall von GRÜNEN und SPD)

Ich habe genau nachgeguckt, folgende neun Zahlen sind seit dem Regierungsantritt mindestens von der Landesregierung lanciert worden: 3.000, 3.230,

(Zuruf: Das wurden dann immer mehr!)