Oder sind Sie, Herr Pinkwart, tatsächlich der Ansicht, dass wir es uns wirtschaftlich leisten können, auf diesen Personenkreis aus Entwicklungs- und Schwellenländern aus Afrika, Asien, Lateinamerika, aber auch aus Osteuropa und der Türkei zu verzichten? Welche Innovationspotenziale ließen Sie sich dann – lassen Sie mich flapsig sagen – durch die Lappen gehen?
Schaut man sich die Biografie von erfolgreichen Kollegiaten an, so stellen wir fest, dass sie sehr oft anschließend als Brückenbauer zwischen ihrem Heimatland und uns fungieren. Sie finden Anstellung in deutschen Botschaften in ihren
Heimatländern oder in den Botschaften ihrer Heimatländer hier in Deutschland. Sie finden Anstellung in deutschen Unternehmen, die sich in deren Heimatländern engagieren. Mit anderen Worten: Die Investition in die Kollegiaten, die Förderung der Studienkollegs, ist eine sehr nachhaltige Investition.
Es ist nicht Aufgabe des Landesrechnungshofs, eine in allen Facetten ausgewogene fachliche Nutzenanalyse zu machen, aber von einem Wissenschaftsminister hätte ich das erwartet. Ich hätte erwartet, Herr Pinkwart, dass Sie sich mit der HIS-Studie auseinandersetzen, was die Erfolgsquote der ausländischen Studenten betrifft, und sich, wenn Sie Rückschlüsse auf die Effizienz der Studienkollegs ziehen wollen, insbesondere die ergänzende Studie von Herrn Dr. Heublein angeschaut hätten. Dann könnten Sie nämlich dem Landesrechnungshof nachweisen, dass der Erfolg von Kollegiaten der Studienkollegs doppelt so hoch ist wie der der ausländischen Studenten, die bereits in ihrem Heimatland eine Hochschulzugangsberechtigung zu unseren Hochschulen erworben haben. Nicht nur, dass sie doppelt so erfolgreich sind – sie sind damit auch annähernd so gut wie deutsche Studenten.
Glücklicherweise wird diese Diskussion in dieser Form nur in Nordrhein-Westfalen geführt. Sie haben zwar ausgeführt, dass das in anderen Ländern auch der Fall sei. Das ist aber nur bedingt richtig. Auch in Berlin hat in der Tat der Landesrechnungshof eine Analyse der Studienkollegs vorgenommen, kommt jedoch zu völlig anderen Ergebnissen. Dort wird nicht etwa die Auflösung der Studienkollegs gefordert, sondern ihre Zentralisierung, was in einem Stadtstaat wie Berlin mit zwei Studienkollegs durchaus nachvollziehbar erscheint. Aber das mögen die Berliner entscheiden.
Nordrhein-Westfalen qualifiziert mit seinen sieben Studienkollegs fast zwei Drittel aller Kollegiaten in Deutschland. Ein Ausstieg Nordrhein-Westfalens hätte bundespolitische Bedeutung. Das heißt, Sie haben an der Stelle auch bundespolitische Verantwortung. Sie wenden diese bundespolitische Bedeutung jedoch gegen die Studienkollegs, indem Sie darauf verweisen, dass nur ein Teil dieser erfolgreichen Kollegiaten anschließend in Nordrhein-Westfalen studiert. Das ist richtig. Nordrhein-Westfalen kann es sich nämlich leisten, mittels seiner Zulassungsbeschränkungen nicht alle aufzunehmen, sondern die Besten auszusuchen.
festellung braucht. Richtig, sie sind ja nur halb so erfolgreich wie Kollegiaten. Und aufgrund der Neustrukturierung unserer Studiengänge in Bachelor- und Masterstudiengänge ist zu erwarten, dass sich die Abbrecherquote dieser Gruppe noch weiter erhöht; denn sprachliche und fachliche Defizite lassen sich kaum noch studienbegleitend aufarbeiten, zumal die Noten des ersten Semesters ja bereits in das Bachelorexamen einfließen.
Also lassen Sie uns gemeinsam darüber reden, wie die Studienkollegs beiden Gruppen gerecht werden können, wie wir sie noch besser mit den Hochschulen vernetzen können, ohne ihre Existenzberechtigung in Frage zu stellen. Dazu soll unser Antrag als Plattform dienen. Ich lade Sie herzlich ein, sich in unserem eigenen Interesse konstruktiv daran zu beteiligen. – Ich danke für die Aufmerksamkeit.
Vielen Dank, Frau Kollegin Gebhard. – Als nächster Redner hat für die Fraktion der CDU der Kollege Prof. Dr. Sternberg das Wort.
Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Vor ein paar Tagen konnte ich in meiner Heimatuniversität Münster die Promotionsfeier der Graduate School auf Chemistry miterleben. Von den neun Promovenden waren drei Deutsche, drei Inder, und drei kamen aus anderen Ländern. Es war außerordentlich beeindruckend, dieses sehr erfolgreiche Team zu erleben.
Wir reden hier über ausländische Studierende an unseren Universitäten und Hochschulen. Selbstverständlich haben wir ein hohes Interesse daran, ausländische Studierende und Studierwillige bei uns auszubilden. Denn eine Beschränkung unserer Ressourcen auf Landeskinder verbietet sich von selbst. Es gibt inzwischen ja einen durchaus starken weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe.
Die Akzeptanz, die Anziehungskraft und auch die Exzellenz unserer nordrhein-westfälischen Hochschulen bemisst sich nicht zuletzt daran, wie viele Menschen den Wunsch haben, zwischen Rhein und Weser zu studieren. Solche Internationalität ist keineswegs das Phänomen einer neuen liberalisierten Wissenschaft, sondern eine Selbstverständlichkeit. Schon die allerersten europäischen Universitäten waren schließlich internationale Einrichtungen im internationalen Wettbewerb der Er
Nicht nationale Enge, sondern die möglichst globale Ausrichtung ist die Richtung unserer Wissenschaftspolitik. Die Hochschulen sehen wir ganz eindeutig nicht mehr als regionale Ausbildungsstätten für einen definierten lokalen Bedarf, sondern sie müssen und werden sich dem internationalen Wettbewerb mit ihren Forschungen genauso wie mit der Qualität ihrer Lehre stellen. Das unterscheidet die neue Hochschulpolitik von der Gängelung vergangener Jahrzehnte.
Wir, die Koalition der Erneuerung, geben den Universitäten und Fachhochschulen mit dem neuen Hochschulfreiheitsgesetz die Instrumente an die Hand, sich mit wissenschaftlichen Kollegen und Instituten weltweit zu messen.
Über welche Zahlen reden wir? Von den etwa 470.000 Studierenden in Nordrhein-Westfalen sind etwa 13,3 % Ausländer, also ungefähr 65.500. Diese Zahlen müssen aber deutlich relativiert werden. Es gibt da nämlich sogenannte Bildungsinländer und Bildungsausländer. Die Bildungsinländer sind diejenigen, die in Deutschland einen Hochschulabschluss erworben haben und dann an einer deutschen Universität studieren. Das heißt, der hohe Anteil von ausländischen Studierenden in Deutschland und auch in Nordrhein-Westfalen kann uns keineswegs beruhigen; er ist relativ gering, wenn man nämlich die große Zahl der sogenannten Bildungsinländer abzieht. So weit zum Allgemeinen.
Die Absolventen der vorhin genannten Graduate School of Chemestry kamen nach dem Abschluss eines ersten Studiums in ihrem Heimatland nach Münster, und die Chemiker haben sie nach einem intensiven Auswahlprozess selbst ausgesucht. Wir müssen zwischen den Studierenden, die ein grundständiges Studium anstreben, und denen, die bereits mit einem Hochschulabschluss zu uns kommen, unterscheiden.
Wir wollen hier in Nordrhein-Westfalen auch weiterhin grundständige Studien für ausländische Studienbewerber anbieten. Nicht zuletzt im Blick auf Länder der sogenannten Dritten Welt und die osteuropäischen Staaten ist das geboten; es liegt auch in unserem außenpolitischen Interesse.
Frau Gebhard, Sie haben vorhin gesagt, dass diese Absolventen der Hochschulen als künftige Angehörige der geistigen Eliten ihrer Heimatländer auch Kontaktpersonen, Brückenbauer und
Aber auch im Blick auf die Gewinnung der besten Köpfe für unsere Hochschulen wäre es sträflich, diese Leute nicht auch aus den Ländern, in denen die Vorbereitungen für die Aufnahme des Studiums in Deutschland unzureichend sind, nicht zu uns zu holen. Eine Vergleichbarkeit der schulischen Abschlüsse ist allerdings nicht gegeben. Auch der Spracherwerb ist nicht immer zu gewährleisten, zumal angesichts des Abbaus von Goetheinstituten.
Es gibt eine Richtlinie der Europäischen Union über Sprachvoraussetzungen für ausländische Studierwillige. Der Bundesinnenminister hat vor kurzem in einem Brief mitgeteilt, dass er diese Richtlinie in diesem Punkt nicht umsetzen wird, weil nicht in allen Ländern die Möglichkeit zum Erwerb des Deutschen bestehe und in Deutschland ja auch die Möglichkeit zum Erwerb der Sprache an Studienkollegs gegeben sei. Das heißt, die Frage nach Studienkollegs hat, wie man sieht, eine erhebliche entwicklungs- und integrationspolitische Bedeutung.
Aber, meine Damen und Herren, wir sprechen hier über einen Antrag, in dem es um unsere Studienkollegs geht, die für viele Studierende aus dem Ausland am Beginn ihres Aufenthalts hier stehen. Wenn im Antrag in der ersten Ziffer behauptet wird, die Studienkollegs ständen vor dem Aus, so ist das schlicht falsch. Die Opposition hat ja schon in der Fragestunde am 26. Oktober die entsprechenden Antworten von den Ministern Pinkwart und Sommer erhalten. Ich habe sie übrigens nicht so gelesen, wie Sie sie gelesen haben.
Frau Gebhard, es geht um eine Empfehlung des Landesrechnungshofs in seinem Jahresbericht 2006, und diese ist das Ergebnis einer Prüfung in 2005. Darin empfiehlt er, die Studienkollegs aufzuheben. Ich finde es schon außerordentlich scheinheilig, wenn Sie herkommen und jetzt eine Diskussion führen, die aufgrund eines Berichts notwendig geworden ist, der wiederum das Ergebnis eines völlig unzureichenden Arbeitsauftrags an den Landesrechnungshof war.
Denn der damalige Arbeitsauftrag des Landesrechnungshofs war so formuliert, dass all diese Dinge, die Sie gerade genannt haben, in dieser Prüfung nicht in Erwägung gezogen worden sind.
Der Landesrechnungshof berechnet die Kosten der sieben Kollegs und der 93 Personalstellen und behauptet – Zitat – „einen vergleichsweise
geringen Nutzen für die nordrhein-westfälischen Universitäten“. Solche Formulierungen darf keine Regierung unbeachtet lassen. Insofern sind die Überlegungen notwendig. Sie werden gemeinsam und in Abstimmung mit allen drei beteiligten Ministerien, mit den Häusern für Schule, für Wissenschaft und für Integration, sowie mit den Arbeitskreisen der Koalitionsfraktionen angestellt.
Der Landesrechnungshof geht davon aus, dass künftig nur noch Studienbewerber mit einem Studienabschluss oder mit einem dem deutschen Abitur vergleichbaren Abschluss zum Studium zugelassen werden. Mit einer solchen Begrenzung würde eine Fülle von Studierenden ausgeschlossen.
Wir müssen aber noch weiter differenzieren. Denn es geht nicht nur um eine Unterscheidung zwischen Studierenden mit grundständigem Studium und Studienabschluss, den sogenannten PostGraduates, sondern auch um die Frage, wie wir an unseren Hochschulen mit den ausländischen Studierenden umgehen, nämlich die Fragen nach Propädeutik, Betreuung und Begleitung. Es gibt an der Stelle einen riesigen Verbesserungs- und Innovationsbedarf. Auf der anderen Seite steht die Frage nach einem dem deutschen Abitur entsprechenden Hochschulzugang.
Meine Damen und Herren, wir werden auf allen drei Feldern zur Verbesserung der Studiensituation und des Studienerfolgs ansetzen. Die Hochschulen werden die neuen Möglichkeiten unseres Hochschulfreiheitsgesetzes nutzen und sich deutlicher für den Studienerfolg ihrer ausländischen Studierendenschaft engagieren.
Für die Vermittlung von Sprache und Allgemeinbildung und auch für die Auslese der besten Köpfe sind die Studienkollegs durchaus eingeführt. Sie können Arbeitsmethoden vermitteln, die für ein erfolgreiches Studium in Deutschland erforderlich sind. Sie leisten einen Einstieg, der auf die spezifische Situation der hier Ankommenden eingeht. Dieses Know-how werden wir nicht aufs Spiel setzen.
Dass es aber Probleme gibt, hat nicht erst der Landesrechnungshof herausgearbeitet. Die entsprechende Arbeitsgruppe der KMK hat in ihrer Studie über die Situation der Studienkollegs im Juni 2004 ebenfalls erheblichen Veränderungsbedarf festgestellt. Der unklare Rechtsstatus der Studienkollegs, ihr unklarer Zusammenhang zu Hochschulen und dem gewählten Studiengang sowie damit einhergehend die Verlängerung des Studiums können qualifizierte Bewerber auch abschrecken.
In Nordrhein-Westfalen nehmen nach der Kollegzeit viele Absolventen der Studienkollegs kein Studium in unserem Land auf, weil der Besuch nicht mit der Zusage eines Studienplatzes verbunden ist. Das ist ein großes Problem. Das weist schon auf die Schwierigkeit einer mangelnden Einbindung der Studienkollegs in die Hochschulen hin.
Für einen optimierten Mitteleinsatz haben die Studienkollegs übrigens selbst, aber auch die Hochschulen eine ganze Reihe von Vorschlägen gemacht. In dem Maße, wie die Hochschulen künftig selber ihre Studentinnen und Studenten auswählen, werden die Zusammenarbeit und die Anbindung der Kollegs an die Universitäten zu verbessern sein. Studienkollegs können zu einem wichtigen Teil des Qualitätsmanagements an Hochschulen werden.
Das neue Hochschulgesetz bietet neue Möglichkeiten für Studienkollegs, als Bestandteil einer fachbezogenen Propädeutik, die diejenigen auswählt, die anschließend von der Hochschule so zu betreuen sind, dass sie einen Abschluss in Deutschland erwerben können und den auch erreichen.
Auch in anderen Beziehungen ist die gegenwärtige Situation keineswegs schon optimiert. Die Ressourcen könnten deutlich zielgerichteter eingesetzt werden. Solchem Reformbedarf entsprechende Vorschläge kommen übrigens auch von den Kollegs selber, die sich dort sehr deutlich eingebracht haben. Wenn die Möglichkeiten ausgeschöpft werden, können ausländische Studierende bei ihrer Integration in das Studium in Nordrhein-Westfalen deutlich besser unterstützt und gefördert werden. Es gibt Veränderungsbedarf. Frau Gebhard, dieser Veränderungsbedarf wird nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in fast allen Ländern diskutiert. Die Studienkollegs sind nicht völlig undiskutiert.
Wir werden Verbesserungen erarbeiten und das in Ruhe tun. Wir werden uns nicht von Ihnen jagen lassen. Zu Hektik und Alarmismus besteht überhaupt kein Anlass.
Der Reformbedarf ist jedoch offensichtlich. Aber wir werden weder voreilig Einrichtungen schließen noch alles so weiterlaufen lassen, als wäre alles bestens, als hätte sich die Hochschullandschaft nicht auch in Nordrhein-Westfalen seit Errichtung der Kollegs vor 40 Jahren erheblich verändert.
Ich glaube, dass Ihr Antrag ins Leere läuft. Denn die drei Ministerien und die entsprechenden Arbeitskreise der Koalitionsfraktionen werden in Zusammenarbeit mit den Hochschulen und den Stu
dienkollegs selbst sowie dem DAAD, den kirchlichen Austauschdiensten, den Hochschulgemeinden, den Studienstiftungen mit ihren Stipendiaten und somit nicht zuletzt mit den Betroffenen selbst und anderen Institutionen, die sich um ausländische Studierende kümmern, zu neuen Lösungen der Fortentwicklung der Aufgaben der Studienkollegs kommen.
Die Ziele sind die Stärkung der internationalen Ausrichtung und die Gewinnung der besten Köpfe für unsere Hochschulen sowie ihre optimale Begleitung, um Nordrhein-Westfalen nach einer langen Zeit der Provinzialisierung nicht zuletzt durch solche hochqualifizierten ausländischen Studierenden wieder zu einem der ersten Wissenschaftsstandorte in Europa zu machen. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Herr Professor Sternberg. – Als nächster Redner hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Kollege Groth das Wort.
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Gebhard von der SPD-Fraktion, es überrascht und erfreut mich natürlich immer wieder, welche erfrischenden Wirkungen Ihr Oppositionsdasein offensichtlich auf Sie und Ihre Fraktion hat. Sie waren in den letzten fünf Jahren noch nicht Mitglied des Landtags. Aber ich kann Ihnen trotzdem sagen: Es ist schon sehr erfrischend, Ihren Antrag zu lesen.
Alles, was Sie in Ihrem Antrag schreiben, ist richtig: Studienkollegs haben eine wichtige Funktion. – Das ist eine Auffassung, die in diesem Hause allenthalben geteilt wird. Studienkollegs können zur Effizienz des Studiums beitragen. – Richtig. Und: Studienkollegs müssen weiterentwickelt werden. – Auch das ist richtig.
Es wäre halt nur zu wünschen gewesen, dass Sie diese Erkenntnisse und diese Initiative schon in der letzten Legislaturperiode gehabt hätten. Das trifft jetzt nicht Sie persönlich, aber zumindest Ihre Fraktion,