Protocol of the Session on September 26, 2014

Ein schlechtes Gewissen scheinen sie schon zu haben. Denn wie sonst lässt es sich erklären, dass über die Forderungen, mit denen man in die Verhandlungen ging, über Jahre Stillschweigen gewahrt werden sollte? Erst nachdem NDR, WDR, die Süddeutsche Zeitung und andere über TISA berichteten, ist man nun um Transparenz bemüht. So gibt es eine - leider nur englische - Internetseite

der EU-Kommission. Auch das Bundeswirt

schaftsministerium hat nun eine Seite über TISA ins Netz gestellt, aber um abzuwiegeln.

Meine Damen und Herren, Liberalisierung ist gut. Sie denken, diese müsste ich als Liberaler, der jetzt am Rednerpult steht, fordern und damit alles, was verhandelt wird, gutheißen. Nein, da irren Sie.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Liberalisierung - hören Sie genau zu! - hat genau wie die Freiheit die Grenzen in sich eingebaut.

(Helge Limburg [GRÜNE]: Richtig!)

Ich kann nicht mehr Recht auf Liberalisierung und Freiheit als der andere fordern. Verhandlungen innerhalb der WTO, um dort nach Verbesserungen zu suchen, wären angebracht, statt mit TISA etwas nebenher aufzubauen und zu beschließen. Das finde ich nicht gut.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Ihr Antrag jedoch, liebe Kollegen, macht in den Forderungen keine Aussage zum „Nicht-zurück“. Ansonsten sind wir nicht so weit auseinander. Obgleich Sie es unter Spiegelstrich vier der Feststellungen deutlich kritisieren, muss ein jeder begreifen, dass gerade Daseinsvorsorge nicht ausschließlich privatwirtschaftlich organisiert werden kann.

(Helge Limburg [GRÜNE]: Richtig! - Klaus-Peter Bachmann [SPD]: Sehr gut!)

Darum muss es auch ein Zurück in die kommunale bzw. staatliche Verantwortung geben.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Helge Limburg [GRÜNE]: Richtig!)

Dieses Signal müssen wir aus diesem Parlament heraus senden. Da gibt es kein Vertun. Grundsätzlich darf es bei Verhandlungen weder Stillstandsklauseln noch Geheimhaltungsklauseln geben. Jeder Staat sollte ehrlich zu seinen Forderungen stehen.

Jetzt zu dem Antrag.

Wir haben noch weite Wege vor uns und werden noch darüber beraten müssen. Ich hoffe auf angeregte Beratungen. In Anbetracht der weit fortgeschrittenen Zeit heute Nachmittag schließe ich - heute ist ja anscheinend ein Konrad-AdenauerTag - mit einem Zitat von Konrad Adenauer, der

sagte: Alle menschlichen Organe werden einmal müde, nur die Zunge nicht. - Das hat man heute oftmals hier gehört.

Danke schön.

(Zustimmung bei der FDP - Starker, anhaltender Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Kollege. - Bevor ich Herrn Schmidt für eine Kurzintervention das Wort gebe, möchte ich die Regierungsbank zu meiner Rechten, Herr Lies, daran erinnern, dass Zwischenrufe, Kommentierungen usw. in der Geschäftsordnung nicht vorgesehen sind.

Das Wort hat nun zu einer Kurzintervention Herr Schmidt.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Lieber Herr Kollege Kortlang, ich möchte mich für diese Rede ganz herzlich bedanken, weil sie im Kontext die Würde dieses Hauses in ganz besonderer Weise hebt.

(Zuruf von der CDU: Oh!)

Ich will in dieser Debatte noch ein Zitat nennen. Ich hatte befürchtet, dass dieses Zitat hier genannt würde. Ich zitiere aus einer Pressemitteilung vom 11. September 2014. Dort wurden alle, die sich mit dem Freihandel und den aktuellen Abkommen kritisch auseinandersetzten, als jene bezeichnet, die sich an den Interessen der Menschen versündigten und auch die zivilisatorische Wirkung des freien Warenverkehrs verkennen würden. - Das hat Ihr Kollege Herr Bode gesagt.

(Filiz Polat [GRÜNE]: Was? Sünde! Das geht ja gar nicht!)

Ich finde es wirklich großartig, dass Sie es jetzt geschafft haben, an der Stelle für die FDP eine so gute, klare und wirklich liberale Position zu beziehen. Dafür ganz herzlichen Dank!

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Die verbleibenden 30 Sekunden möchte ich noch zu einem Hinweis nutzen, weil mein Zuruf im Beifall für die erste Rede des Herrn Kollegen Schünemann untergegangen ist. Herr Schünemann, Sie müssen, wenn Sie Antworten auf Anfragen beim

Deutschen Bundestag zitieren, die ganze Wahrheit berichten.

Herr Schmidt, Sie hatten sich zu einer Kurzintervention auf die Ausführungen des Kollegen Kortlang, nicht auf Herrn Schünemann, zu Wort gemeldet.

(Thomas Schremmer [GRÜNE]: Das hatten wir vorhin auch schon!)

Gut, dann sage ich es im Allgemeinen. - In der Debatte - das hat Herr Kortlang nicht sagen können - ist auch zum Ausdruck gekommen,

(Mechthild Ross-Luttmann [CDU]: Das geht so nicht!)

dass angeblich öffentliche Dienstleistungen nicht definiert seien und beim Deutschen Bundestag ausgeschlossen seien. Das ist nicht der Fall. Das steht auch in der Antwort. Das müssen Sie richtigstellen.

(Glocke der Präsidentin)

Herr Schmidt, Sie kommen jetzt zum Schluss!

Schönen Dank.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Dirk Toepffer [CDU]: Ganz schlechter Verlierer! - Jens Nacke [CDU]: Anfänger!)

Für die Landesregierung hat nun das Wort Herr Wirtschaftsminister Lies. Bitte!

(Unruhe bei der FDP)

- Moment! Herr Kortlang, möchte die FDP antworten?

(Jörg Bode [FDP]: Ja!)

- Herr Bode möchte! Bitte, Herr Bode!

(Filiz Polat [GRÜNE]: Oh, jetzt gibt es Ärger!)

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lieber Herr Schmidt, Sie können sich noch so anstrengen! Sie werden es nicht schaffen, ein Blatt zwischen Horst Kortlang und mich zu quetschen. Wir stehen Seite an Seite, Schulter an Schulter mit unseren Überzeugungen,

(Lachen und Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Klaus-Peter Bachmann [SPD]: Bravo! Dann komm auch zu uns!)

und natürlich auch bei diesem Punkt. Denn es ist doch klar: Wir haben uns, sowohl Horst Kortlang als auch ich, in der Pressemitteilung dagegen ausgesprochen, dass Sie jetzt schon seit Monaten mit Ihren Grünen-Freunden versuchen, den Menschen Sand in die Augen zu streuen und Dinge in den Raum zu stellen, die gar nicht mehr Gegenstand der Verhandlungen sind, sondern die längst schon erledigt sind - genau so, wie es auch Uwe Schünemann dargestellt hat. Da stehen wir geschlossen bei den Menschen mit der Vernunft, die für Wirtschaft, für Wachstum und für Freihandel sind - bei Berücksichtigung aller Standards, die wir in Deutschland haben, haben müssen und auch weiter behalten werden, meine sehr geehrten Damen und Herren.

(Miriam Staudte [GRÜNE]: Das ist kein Blatt, das ist eine Betonmauer zwischen Ihnen!)

Das können Sie nicht mit solchen Auftritten hier kaputtmachen.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU - Klaus-Peter Bachmann [SPD]: Wen meinen Sie denn?)

Herr Schmidt, es ist sehr peinlich für Sie - deshalb kann ich auch verstehen, dass Sie sich so winden -, dass Sie hier in Niedersachsen einen Antrag als großen Erfolg nach vorne stellen wollten. Leider haben Sie es Sigmar Gabriel, Ihrem Vorsitzenden, nicht gesagt. Er haut Sie am Wochenende so in die Pfanne. Das tut mir für Sie auch persönlich ein bisschen leid.