Protocol of the Session on June 23, 2006

(David McAllister [CDU]: Gewonnen! - Wolfgang Jüttner [SPD]: Eine Stern- stunde des Parlaments, Herr Klare! - Gegenruf von Karl-Heinz Klare [CDU]: Danke! - Weitere Zurufe von Wolf- gang Jüttner [SPD])

- Herr Jüttner, ich kann warten.

Wir kommen jetzt zur Ausschussüberweisung. Mit diesem Antrag soll sich der Kultusausschuss beschäftigen. Gibt es dazu Gegenstimmen? - Nein. Dann ist das so beschlossen.

Wir kommen zu

Tagesordnungspunkt 40: Besprechung: Situation und Perspektiven der beruflichen Bildung in Niedersachsen - Große Anfrage der Fraktion der SPD - Drs. 15/2652 - Antwort der Landesregierung - Drs. 15/2855

Jetzt bin ich etwas verdattert, weil die Wortmeldung der SPD noch nicht vorliegt.

(Jacques Voigtländer [SPD] meldet sich zu Wort - Zurufe: Das muss doch auch nicht!)

- Schon klar. Es handelt sich um die Besprechung einer Großen Anfrage. Also hat Herr Busemann das Wort.

(Jacques Voigtländer [SPD]: Was ist jetzt los? - Wolfgang Jüttner [SPD]: Nein, der Antragsteller! Erst wir, dann ihr! - Weitere Zurufe)

Ich hatte Ihnen eben das Wort erteilt, Herr Busemann.

(Widerspruch von der SPD)

- Ihr wollt ja nicht.

(Zurufe von der SPD: Doch!)

- Dann müssen Sie sich zu Wort melden.

(Jacques Voigtländer [SPD] meldet sich erneut zu Wort - Karl-Heinz Klare [CDU]: Du warst gebannt von meiner Rede! Gib es zu!)

- Herr Voigtländer möchte zuerst sprechen, dann kommt der Herr Minister.

(Widerspruch bei der CDU)

- Nein, erst kommt Herr Voigtländer.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Große Anfrage der SPD-Fraktion zur Situation und zu den Perspektiven der beruflichen Bildung hat dem Kultusministerium und vielen anderen, die damit beschäftigt waren, viel Arbeit gemacht. Über den rundblick erfahren wir heute: Über tausend Stunden sind offensichtlich nötig gewesen, um dieses Zahlenwerk zusammenzustellen.

(Karl-Heinz Klare [CDU]: Vielen Dank an das Kultusministerium!)

Ich glaube, es ist notwendig. Ich bedanke mich namens meiner Fraktion beim Kultusminister und bei allen, die daran gearbeitet haben, recht herzlich.

(Beifall bei der SPD und Zustimmung bei der CDU)

Auch wenn die Darstellung des Materials an der einen oder anderen Stelle Ungereimtheiten enthält, auf die ich noch eingehen werde und die noch nachgebessert werden müssen, ist etwas entstanden, was man als umfassendstes Datenmaterial zu diesem Bereich bezeichnen kann.

Wenn Frau Anne Zick heute im rundblick fragt - ich weiß nicht, in wessen Namen; vielleicht auch im Namen der Landesregierung -, warum wir so „detailverliebt“ gefragt haben, dann kann ich antworten: Das hat einen ganz eindeutigen Grund; wir wollen wissen, was in jedem Landkreis, was in jeder Stadt, was in den einzelnen Gemeinden nötig und möglich ist, um die Situation vor Ort zu verbessern. Wenn man das nicht weiß, wenn die Analyse nicht klar ist, dann kann man auch nicht die geeigneten Maßnahmen ergreifen. Ich freue mich jedenfalls für Sie alle und vor allen Dingen für meine Fraktion, dass uns dieses Material jetzt zur Verfügung steht und wir darauf aufbauen können.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Eine grundsätzliche Frage lautet: Was ist die Zielsetzung einer Großen Anfrage, und was erreicht man mit ihr? - Meine Damen und Herren, wir wollen, dass sich die Situation für junge Menschen in Niedersachsen verbessert. Wir wollen, dass tausende von jungen Menschen, die in den Schulen sitzen, die Chance auf einen Ausbildungsplatz be

kommen, vor allen Dingen aber die Chance bekommen, einen Berufsabschluss zu erwerben; denn daran mangelt es in hohem Maße.

Sie versuchen, Antworten auf unsere 62 Fragen zu finden. Dafür benötigen Sie 47 Seiten; dazu gibt es eine - nicht mehrere - CD. Verwahren Sie sie gut! Sie hilft Ihnen bei Ihrer Arbeit weiter. Auf dieser CD finden sie 6 000 Seiten Anhang. Niemand soll sagen, dass die Landesregierung Anfragen der Opposition nachlässig beantworte!

Wer aber geglaubt hat, auf diesen 6 047 Seiten würden neue Erkenntnisse zur beruflichen Bildung vorgestellt, wird zunächst enttäuscht. Von 62 Fragen werden gerade einmal 35 vollständig beantwortet, 20 nur teilweise und sieben überhaupt nicht.

(David McAllister [CDU]: Wollen Sie 12 000 Seiten? - Zuruf von Ursula Körtner [CDU])

Auch wir können rechnen: Das sind 56,5 % aller Fragen, die wir gestellt haben.

(Karl-Heinz Klare [CDU]: Wie viele Seiten haben Sie gelesen? - David McAllister [CDU]: Wie viele Seiten sollen es denn sein?)

- Herr McAllister, geht es Ihnen nicht gut? Kann ich Ihnen helfen? Soll ich einen Arzt verständigen?

(Beifall bei der SPD - David McAllister [CDU]: Nein! Aber Sie könnten vom Rednerpult weggehen!)

Herr Voigtländer, dafür bekommen Sie einen Ordnungsruf.

Lassen Sie mich ein Beispiel für die Qualität Ihrer Antworten herauspicken: Auf unsere Frage nach der Anzahl der Ausbildungsabbrüche erhalten wir auf 85 Seiten umfassende Tabellen und erfahren dort u. a., dass letztes Jahr im Landkreis Celle ein Bauzeichner oder eine Bauzeichnerin die Ausbildung abgebrochen hat. Die Gesamtzahl der Ausbildungsabbrüche in Niedersachsen, der prozentuale Anteil von Abbrüchen in allen begonnenen Ausbildungen sowie etwaige Veränderungen seit dem Jahre 2000, nach denen wir gefragt hatten, werden uns jedoch vorenthalten. Damit erweckt die

Landesregierung den Eindruck, Statistik nicht als aufschluss- und hilfreiche Disziplin der Mathematik zu verwenden, sondern als ein Instrument der Verschleierung und der Oppositionsschikane.

Alles in allem: viel Material, viele Wiederholungen, viele Zahlen. - Wir alle sind dazu aufgefordert - gucken Sie ruhig einmal hinein -, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Zwei Themenbereiche werden von Ihnen, Herr Minister - dies will ich an dieser Stelle ausdrücklich sagen -, besonders hervorgehoben und gelobt: die Projekte „Regionale Kompetenzzentren“ und „Region des Lernens“. Dies ist unschwer nachvollziehen; denn gerade dies sind die wichtigen Projekte, die von der SPD-Landesregierung auf den Weg gebracht worden sind

(Zustimmung bei der SPD)

und die Sie - das muss man Ihnen lassen - mit Engagement weiterführen. Erlauben Sie mir einen Hinweis auf das Projekt „Region des Lernens“: Die Kollegen in den berufsbildenden Schulen warten bis heute darauf, dass die Stellen vor Ort ankommen. Da besteht noch Nachbesserungsbedarf.

(Beifall bei der SPD)

Was aber tun Sie darüber hinaus? Wie ist die Ausbildungsplatzsituation für junge Menschen in Niedersachsen? Wie hat sich die Ausbildungsquote entwickelt? Welche Chancen hat man mit welchen Abschlüssen auf dem Ausbildungsmarkt? Vor allem: Welche Chancen haben die Hauptschüler und Hauptschülerinnen mit ihrem Abschluss in Niedersachsen? Wie beurteilt die Landesregierung die Ausbildungsplatzperspektive junger Frauen? Wie schätzt sie die Situation ausländischer Jugendlicher in der beruflichen Bildung ein? - Danach haben wir gefragt.

Während tausende von Jugendlichen in Niedersachsen derzeit verzweifelt nach Ausbildungsplätzen suchen, Bewerbung um Bewerbung schreiben und eine Absage nach der anderen bekommen, scheint die Landesregierung andere Prioritäten zu setzen. Das halbe Kabinett ist bei der WM oder zu Gast bei Freunden. Da bleibt für die Frage der Ausbildungsplätze und die Sorgen der Jugendlichen selbstverständlich wenig Zeit.

(Beifall bei der SPD - Widerspruch bei der CDU - Ulf Thiele [CDU]: Ach, Herr Voigtländer! - David McAllister [CDU]: Ist das ein Niveau!)

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDUFraktion, wenn das Ihre Antwort auf tausende von fehlenden Ausbildungsplätzen ist, dann tun Sie mir Leid.

(Beifall bei der SPD - David McAllister [CDU]: Die SPD-Fraktion schafft es, ihr Niveau nochmals abzusenken! Grottenschlecht!)

Über die Situation von ausländischen Jugendlichen und über die Perspektiven junger Frauen erfahren wir in Ihrer Antwort nichts. Darüber wissen Sie offensichtlich nichts. Ich wiederhole es: Die Frage nach der Situation von ausländischen Jugendlichen und jungen Frauen wird quasi nicht beantwortet.

Lassen Sie mich nun näher auf die Ausbildungsplatzsituation in Niedersachsen eingehen. Die Zahl der Ausbildungsplätze geht dramatisch zurück. Nach Angaben der Landesregierung sind im Zeitraum von 1990 bis 1995 allein 41 000 Ausbildungsplätze verloren gegangen.

(Ulf Thiele [CDU]: Das war zu Ihrer Regierungszeit! - Dr. Harald Noack [CDU]: Wer hat denn damals regiert?)

Die Lehrstellenlücke wird damit immer größer; denn die Zahl der Jugendlichen, die in das berufsbildende System drängen, steigt weiter an. Bis zum Jahre 2010 wird mit einer weiteren Zunahme von 15 000 Schülerinnen und Schülern gerechnet. Müssen eigentlich alle Schülerinnen und Schüler in die Warteschleifen der berufsbildenden Schulen, ohne dass sie dort bislang berufliche Abschlüsse erwerben können?