Protocol of the Session on December 9, 2005

Man war der Meinung, man sollte eine solche Anhörung dem gesamten Ausschuss nicht vorenthalten. Grundlage dieser Anhörung sind die beiden Anträge von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und von meiner Fraktion.

(Beifall bei der SPD)

Sie, meine Damen und Herren von der CDU- und der FDP-Fraktion, einschließlich des Ministers, haben seit vier Wochen überhaupt keine eigenen Vorschläge erarbeitet.

(Widerspruch bei der CDU und bei der FDP)

Das Einzige, was erfolgte - darauf ist hingewiesen worden -, war die Unterrichtung im Ausschuss. Von eigenen Forderungen war bisher nichts zu sehen.

Besonders peinlich hinsichtlich Ihrer Untätigkeit wird es, wenn man sich das Interview von Herrn Minister Ehlen, ganz aktuell gestern im Deutschlandfunk, anhört.

(Wolfgang Jüttner [SPD]: Ein echter Höhepunkt!)

Es ist vor allen Dingen deswegen peinlich - ich weiß, dass das auch CDU- und FDP-Kollegen so sehen -, weil es im ganzen Bundesgebiet ausgestrahlt worden ist und man es noch nicht einmal geheim halten kann. Dieses Interview erzeugt nicht gerade den Eindruck, wir hätten hier einen Verbraucherschutzminister, der Ideen hat, der tatkräftig handelt, einen Minister, bei dem die Verbraucher und Verbraucherinnen sicher sein können, dass er alles daran setzen wird, um zukünftig solche Skandale zu vermeiden.

Meine Damen und Herren, wenn Sie mir nicht glauben wollen, gebe ich Ihnen gern eine kleine Kostprobe dieses Interviews, damit Sie sich ein Bild davon machen können, wie Herr Minister Ehlen sein brutalstmögliches Vorgehen schildert, um mit einem solchen Fleischskandal hier in Niedersachsen klarzukommen.

Die Überschrift lautet: „Ehlen fordert Zivilcourage von Mitarbeitern der Fleischbetriebe“.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

- Ich kann Sie beruhigen. Ich gehe davon aus, dass die Überschrift nicht von Herrn Ehlen war.

Meine Damen und Herren, wir haben schon oft genug darauf hingewiesen, dass diese geforderte Zivilcourage die Mitarbeiter den Job kostet, wenn nicht gesetzliche Regelungen Schutz bieten. Ein Minister, der sich scheut, klar und deutlich für ein Informantenschutzgesetz einzutreten oder es sogar zu fordern, hat nun wirklich alles Recht verspielt, bei Mitarbeitern Zivilcourage einzufordern.

(Beifall bei der SPD)

Jetzt ein paar Originalpassagen. Ich muss noch einmal deutlich darauf hinweisen, dass ich die Passagen wirklich im Original vorlese. Wenn Sie nicht alles verstehen, macht das nichts; ich habe auch nicht alles verstanden.

(Clemens Große Macke [CDU]: Das war zu hoch!)

„Reporter: Wie grün ist denn die Politik, die Horst Seehofer zum Fleischskandal machen will?

Ehlen: Ja, ob die nun grün ist, weiß ich nicht. Aber dass wir hier natürlich aufgrund dieser Vorfälle ‚Gammelfleisch‘ haben, ist es natürlich angesagt, hier auch dann mit Mitteln vor

zugehen, die auch, ich sage mal, greifen.“

(Clemens Große Macke [CDU]: Das ist auch richtig!)

„Und da sind die Ansätze, die Herr Seehofer gemacht hat, sicherlich richtig.

Reporter: „Mit ‚grün‘ ist ja das Verbraucherinformationsgesetz gemeint. Woher kommt denn der Sinneswandel bei der Union, das jetzt einzuführen?

Ehlen: Was heißt ‚Sinneswandel‘? Es ist ja vorher ja deshalb abgelehnt worden, weil die Gefahr besteht, dass da letztendlich auch Unschuldige genannt werden könnten. Wenn wir hier sauber arbeiten, bin ich der Ansicht, dass es trotzdem möglich ist, eine Liste der schwarzen Schafe zu etablieren. Wenn denn belegt ist, dass diese Firmen, diese Unternehmen, dann auch überführt worden sind.

Reporter: Wie soll denn dieser Beleg aussehen?

Ehlen: Ja, wir müssen gut recherchieren. Wir müssen gut arbeiten.“

(Beifall bei der CDU und bei der FDP - Clemens Große Macke [CDU]: Ja, auch das ist doch richtig! Schön, dass Sie das zitieren!)

„Das kann man sicherlich nicht so aus dem Handgelenk schütteln.“

(Helmut Dammann-Tamke [CDU]: Wenn man das machen würde, wäre es ja wieder grüne Politik!)

„Wir müssen hier natürlich dann auch sehen, dass wir die Straftaten, die da gemacht werden - es sind Straftaten -, dass die dann auch belegbar sind und dass man dann auch auf diese schwarze Liste kommt.“

(Clemens Große Macke [CDU]: Das ist doch richtig! Und nicht vorher, wie von Ihnen gefordert!)

„Reporter: Verstehe ich Sie richtig, Herr Ehlen, dass also die schwarzen Schafe in der Branche schon vorher bekannt gewesen sind?

Ehlen: Also, es sind sehr, sehr viele oder einige von diesen Besagten, die sind schon in Insolvenz und haben wohl auch irgendwo die Finanznot im Nacken. Sonst kann ich mir das nicht vorstellen. Aber das ist unentschuldbar. Auch wenn man das Fleisch verschenken würde, auch dann muss es in Ordnung sein. Und das können wir uns einfach nicht leisten, dass diese schwarzen Schafe uns den Ruf und das Geschäft so mies machen.“

(Beifall bei der CDU und bei der FDP - Clemens Große Macke [CDU]: Guter Minister! Gute Aussage! Das ist rich- tig! Können wir alles unterschreiben!)

„Reporter: Wenn die schon in der Insolvenz sind, was bringt es dann noch, den Namen zu nennen?

Ehlen: Ja, das ist so. Das haben Sie ja eben gut gesagt. Aber die müssen trotzdem raus, raus aus der ganzen Kette. Das können wir uns nicht leisten, mit diesen schwarzen Schafen auch nur noch ein Stück mit weiter zu gehen.“

(Starker, anhaltender Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Meine Damen und Herren, das Interview geht noch um einiges weiter. Da es Ihnen ja so viel Spaß macht, sollten Sie es im Internet abrufen; dann können Sie den ganzen Text nachlesen. Es ist auch sehr interessant, wie man die Kontrollen in den Kühlhäusern durchführt.

Ich kann verstehen, dass man über den Text schmunzeln muss,

(Clemens Große Macke [CDU]: Über solche Sachen schmunzelt man nicht!)

aber der Handel mit verdorbenem Fleisch hat mittlerweile ein so großes Ausmaß angenommen,

(Clemens Große Macke [CDU]: Dass wir eine Anhörung machen!)

dass uns allen bei solchen Aussagen, auch bei solchen Aussagen des Ministers, das Lachen im Halse stecken bleiben und in Wut umschlagen sollte.

(Beifall bei der SPD - Zuruf von der CDU: Das ist doch ein ernstes The- ma!)

Dazu passt auch die Meldung von gestern, die auch durch die Medien gegangen ist: Das Göttinger Veterinäramt hat drei Tonnen verdächtige Geflügelprodukte sichergestellt. Dem äußeren Anschein nach handelt es sich um verdorbene Ware. - Es geht also weiter.

Meine Damen und Herren, ich muss die Notwendigkeit unseres Antrages nicht näher erläutern; die Aktualität spricht für sich. Und auch das ZehnPunkte-Programm von Herrn Seehofer beinhaltet ja zum Teil unsere Fragen, zumindest in Variationen.

(Friedhelm Biestmann [CDU]: Glaubt man nicht, dass er es bei Ihnen abge- schrieben hat!)

- Herr Biestmann, ich kann nichts dazu. Wir waren auch schneller als Herr Seehofer.

(Beifall bei der SPD - Friedhelm Biestmann [CDU]: Der hat das bei Ih- nen abgeschrieben?)

Die Vorschläge des Ministers erstrecken sich lediglich auf mehr Zivilcourage der Mitarbeiter. Verbraucher sollen keine Billigprodukte kaufen und auf Qualität achten. - Das ist ja in Ordnung, wenn man dabei nicht irgendwo das dumme Gefühl haben müsste, dass es fast wie eine Schuldzuweisung an die Verbraucher klingt.

(Zuruf von Helmut Dammann-Tamke [CDU])

Als einziges fachliches Zugeständnis wurde unsere Forderung nach einer Meldepflicht aufgenommen.