Meine Damen und Herren, diese späte Schulformdifferenzierung ist auch sinnvoll; denn sie orientiert sich am neuen Leitbild des Lehrerberufs, das Sie sich anscheinend noch nicht richtig vergegenwärtigt haben. Wenn die Kernkompetenz des Lehrers die Fähigkeit zu gezielter Planung, Organisation und Reflexion von Lehr-Lern-Situationen sein soll, wenn angesichts der Forderung nach autonomen Schulen Strategieplanung und Qualitätsmanagement zum Qualifikationsprofil einer Lehrkraft gehören sollen, dann macht es Sinn, diese Kenntnisse schulformübergreifend zu vermitteln.
Zweitens verspielen Sie mit der Ausklammerung der Polyvalenz ein ganz entscheidendes Reformelement. Bei Ihnen, meine Damen und Herren von
CDU und FDP, verkommt nämlich der BachelorAbschluss zu nichts anderem als einem Durchgangsabschluss auf dem Weg zum Master. Damit klammern Sie in Ihrem Antrag bewusst einen ganz entscheidenden Aspekt aus, nämlich die Durchlässigkeit. Gerade die breite Verwendung des Bachelor-Abschlusses - ich nenne hier die Möglichkeit zum sofortigen Einstieg in das Berufsleben, die Aufnahme eines schulartspezifischen MasterStudiengangs und die Aufnahme eines entweder anwendungs- oder forschungsorientierten fachwissenschaftlichen Master-Studiengangs macht doch die Attraktivität der neuen Strukturen erst aus.
Gerade diese hohe Flexibilität in Kombination mit einem hohen Anteil von Praxisblöcken bereits im Bachelor-Studiengang schafft doch erst die Voraussetzungen, dass Studierende relativ risikolos ihre Eignung für den Lehrerberuf jederzeit überprüfen können, was Sie doch eigentlich auch wollen. Meine Damen und Herren, deshalb empfiehlt die OECD in ihrem Länderbericht Deutschland ausdrücklich die Aufhebung der Fragmentierung in der Lehrerausbildung. Sie verweist darauf, dass im Hinblick auf die Verwirklichung der BolognaGrundsätze der Zugang zum Lehramtsstudium flexibler gestaltet werden sollte. Wenn Lehrkräfte aufgrund ihrer Ausbildung breiter einsetzbar wären, würde auch das Schulsystem in seiner Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Gegebenheiten wesentlich flexibler.
Ich hoffe deshalb, dass es uns in den Ausschussberatungen doch noch gelingt, Ihnen ein klares Bekenntnis zum polyvalenten, schulformübergreifenden Bachelor-Studiengang abzuringen. - Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
deshalb gewählt worden, weil die Menschen in Niedersachsen die überholte Reformpädagogik und die schlechten Ergebnisse ihrer Kinder bei Tests wie TIMSS und PISA-E einfach satt hatten
und weil sie von der Orientierungsstufe enttäuscht waren und zu Recht dem Schnellschuss der Förderstufe misstraut haben. Die Menschen in Niedersachsen wollten und wollen das gegliederte Schulwesen in seiner Vielfalt.
Wenn die erweiterten Möglichkeiten der Durchlässigkeit, die wir geschaffen haben, genutzt werden, ist das ein sehr faires und gerechtes System.
die auf die speziellen Anforderungen der differenzierten Schulangebote ausgerichtet ist. Gymnasiallehrer müssen auf wissenschaftliches Arbeiten vorbereiten und auch fachlich vertieft unterrichten können. Realschullehrer müssen die Brücke zwischen intellektueller Förderung und Praxisbezug schlagen.
Dass Förderschulen, Grundschulen und Berufsschulen ihre ganz spezifischen pädagogischen Herausforderungen haben, dürfte unmittelbar einleuchten. Kurz gesagt: Lehrer müssen individuell fördern und fordern können.
Wir begrüßen daher ausdrücklich, dass es gelungen ist, sämtliche für das Lehramt ausbildenden Hochschulen in Niedersachsen grundsätzlich für eine Neuausrichtung der Lehramtsstudiengänge zu gewinnen. Ich sage nicht ohne Bedacht „grundsätzlich“. Es ist relativ einfach, etwas in ein Wahlprogramm, in ein Gesetz oder in eine Zielvereinbarung zu schreiben. Papier ist geduldig, und - wie die Russen früher sagten - der Zar ist weit. Viele Regelungen neigen dazu, im Gestrüpp der praktischen Umsetzung stecken zu bleiben oder gar in ihr Gegenteil verkehrt zu werden.
Am 2. Februar 2003 ist in Niedersachsen mehr als eine Regierung abgewählt worden. Es ist eine ganze Geisteshaltung abgewählt worden,
Trotzdem hat man den Eindruck, manche handelnden Personen - das gilt auf vielen Ebenen: in Ministerien, Hochschulen oder auch Lehrerseminaren - versuchen, das bis heute zu ignorieren und weiterzumachen wie bisher, wenn auch nolens volens unter neuen Etikettierungen. Allein dadurch, dass das Lehramtsstudium in Bachelor- und Master-Phasen neu gegliedert wird, ist inhaltlich noch gar nichts erreicht - trotz Plurimorphie, Polypotenz und Multivalenz.
(Bernd Althusmann [CDU]: Und Poly- phonie! - Heiterkeit und Beifall bei der FDP, bei der CDU und bei der SPD)
- Ja, Polyphonie auch. - Wenn man sich die neue Studienordnung für den Professionalisierungsbereich - das sind die pädagogischen Anteile - des fächerübergreifenden Bachelor-Studiengangs an der Universität Oldenburg für das Lehramt an Gymnasien anschaut - eine Hochschule, die sich ihrer progressiven Lehrerausbildung rühmt -, dann kommt man schon ins Grübeln. Legt man nämlich die Studienordnung für den Studiengang Sonderpädagogik daneben, dann sieht man, dass die Lehrveranstaltungen - neudeutsch „Module“ - exakt dieselben sind.
(Beifall bei der FDP und bei der CDU - Axel Plaue [SPD]: Jetzt wissen wir, welche Geisteshaltung Sie haben!)
Das Gleiche gilt für die Studienordnung des Lehramtes an Grund-, Haupt- und Realschulen. Mit anderen Worten: Einheitslehrer pur, alles wie gehabt.
Wir brauchen unterschiedliche Ausbildungen für unterschiedliche Schulformen und Anforderungen. Deshalb wollen wir mit diesem Antrag unsere Landesregierung ganz deutlich in ihrem Bemühen unterstützen, den einmal eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Dazu gehört, die schulformbezogenen Anforderungen an die künftige Lehrerausbildung in Zusammenarbeit mit den Hochschulen detailliert zu beschreiben und die Umsetzung sorgfältig zu überwachen. - Vielen Dank.
denn wenn wir die Redebeiträge einmal reflektieren, dann kommen wir, wenn wir ehrlich sind, doch zu dem Ergebnis, dass hier im Großen und Ganzen ein Grundkonsens vorherrscht.
Es gibt eigentlich nur einen Dissens, der soeben durch die Rede der Kollegin Heinen-Kljajić deutlich geworden ist, die in ihrer, wie ich finde, sehr an der Sache orientierten Rede
- das hat sie - ein Stück weit den Eindruck vermittelt hat, als seien Polyvalenz und Schulformbezogenheit ein unauflösbarer Widerspruch. Frau Hei
nen-Kljajić, ich meine, dass das nicht der Fall ist. Ich meine, dass wir selbstverständlich dafür Sorge tragen wollen und müssen - das ist in auch unstreitig in Deutschland -, dass es Polyvalenz gibt. Wir brauchen Polyvalenz. Polyvalenz ist im Grunde genommen, wenn Sie so wollen, neben der Internalisierung eines der Hauptargumente für die Modularisierung und den Bologna-Prozess. Wir müssen es aber im Hinblick auf den Bachelor auch schaffen, die Module so zu gestalten, dass der unterschiedlichen Klientel, mit der wir es an der Hauptschule, an der Realschule und an dem Gymnasium zu tun haben, Rechnung getragen wird. Das ist die hohe Kunst. Wir als Landesregierung haben uns vorgenommen, dieses Problem zu lösen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es uns gelingen wird, der schulformbezogenen Ausbildung bei Beibehaltung der Polyvalenz Rechnung zu tragen.
Zugegeben: Die Lehramtsausbildung ist eine ganz besondere Ausbildung. Ich gebe auch zu, dass dieses Ziel im Bereich der Lehramtsausbildung größere Probleme aufwirft, als es in anderen Ausbildungsabschnitten der Fall sein wird. Aber das darf uns nicht daran hindern, an diesem Ziel festzuhalten. Ich sage noch einmal: Wenn wir ganz ehrlich sind, gibt es bis auf diesen Punkt einen Grundkonsens.