Protocol of the Session on September 18, 2014

Ich finde, um zum Anfang zurückzukommen, dass die Überschrift etwas suggeriert – wie hieß es, „Humanitäre Hilfe statt Waffen“. Diesen Punkt habe ich mit aufgenommen und ich glaube, diese Freiheit habe ich, hier in diesem Hohen Hause darüber zu reden.

Wir werden den Antrag unterstützen und ich hoffe, dass sich der Innenminister und die CDU ein Stück weit von diesem konservativen Weg im Bereich der Flüchtlingspolitik verabschieden und wir hier perspektivisch interfraktionelle Anträge auf den Weg bringen können. – Ich danke für die Aufmerksamkeit.

(Beifall vonseiten der Fraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Egbert Liskow, CDU: Das können Sie aber vergessen! – Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD)

Das Wort hat jetzt für die Fraktion der CDU der Abgeordnete Herr Silkeit.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Streckenweise habe ich das Gefühl, dass die Diskussion sowohl an der Debatte des Deutschen Bundestages als auch an den Intentionen der Bundesregierung und auch an der Realität vorbeigegangen ist.

(Ulrike Berger, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ich glaube, mit Ihren Gefühlen stimmt was nicht, Herr Silkeit.)

Ich bin schon ein bisschen überrascht, lieber Kollege AlSabty, wie Sie den Weg des Unterstützungspaketes einer übrigens schwarz-roten Bundesregierung – und „rot“ steht für SPD, liebe Kollegin Kaselitz –, wie Sie den Weg eines schwarz-roten Unterstützungspaketes skizziert haben und Ihre Feststellung letztendlich darin mündete, dass die CDU in irgendeiner Form irgendetwas blockiert hat oder wir letztendlich wieder die großen Verweigerer sind. Ich darf Sie daran erinnern, der Verweigerer im Deutschen Bundestag war DIE LINKE.

(Dr. Mignon Schwenke, DIE LINKE: Wir wollten keine Waffen liefern.)

Sie haben das komplette Unterstützungspaket verweigert, weil Ihnen die Waffen nicht gefallen haben in dem Antrag,

(Jacqueline Bernhardt, DIE LINKE: Richtig. – Zuruf von Barbara Borchardt, DIE LINKE)

übrigens gegen das Votum aller anderen demokratischen Fraktionen.

(Unruhe vonseiten der Fraktionen der CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Regine Lück, DIE LINKE: Im Gegensatz zu Ihnen sind wir nämlich nicht militant. Wir sind nicht militant.)

Langsam, langsam, langsam, langsam! Ich schränke das ein mit den GRÜNEN.

Und Sie waren an dem Tag noch so verschnupft, dass Sie sich nicht mal in der Lage sahen, dem Entschließungsantrag – und jetzt kommen Sie ins Spiel – von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der ja eigentlich in Ihre Richtung ging, Ihre Zustimmung zu geben. Da haben Sie sich auch noch enthalten. Das ist die Realität.

(Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE)

Unterm Strich haben Sie wahrscheinlich den Auftrag Ihrer Bundestagsfraktion bekommen, um dieses Thema auch im Landtag Mecklenburg-Vorpommern zu diskutieren.

(Regine Lück, DIE LINKE: Noch reden und agieren wir selbstständig. – Dr. Mignon Schwenke, DIE LINKE: Dazu brauchen wir keinen Auftrag.)

Das, was Sie beantragen, lieber Kollege Al-Sabty, das, was Sie beantragt haben und hier sehr oberflächlich dargestellt haben, ist Bestandteil des Unterstützungspaketes. Damit es auch jeder versteht: Der Bundesinnenminister hat ganz klar und deutlich erklärt, dass es zum Beispiel keine Deckelung bei der humanitären Hilfe geben wird, dass sie immer wieder dem Bedarf angepasst wird. Und gerade haben wir das Problem, dass die medizinische Versorgung laut UN nur bis November reichen wird, also auch dort wird es eine Adaption geben, genauso wie bei allen anderen Unterstützungen.

Aber das Problem der Waffenlieferung stand im Raum. Ich habe …

(Regine Lück, DIE LINKE: Das ist auch ein großes Problem. – Dr. Hikmat Al-Sabty, DIE LINKE: Wir sind auch dagegen.)

Ganz langsam!

(Zuruf von Egbert Liskow, CDU)

Es ist doch total legitim. Natürlich können Sie gegen etwas sein. Wir sind für etwas, Sie sind gegen etwas.

(Regine Lück, DIE LINKE: Kommen Sie doch runter!)

Das ist völlig normal und das gehört zu einer Demokratie, das können wir auch locker aushalten.

(Regine Lück, DIE LINKE: Kommen Sie doch runter!)

Aber es kommt selten vor, dass ich die GRÜNEN zitiere,

(Heinz Müller, SPD: Also wer hier wen heute zitiert, ist wirklich ungeheuerlich. – Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD)

aber in diesem Falle werde ich den Bundesvorsitzen- den von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Cem Özdemir, zitieren.

(Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Dann sollten Sie sich die richtigen Zitate raussuchen.)

Ja, passen Sie jetzt auf! Passen Sie auf!

(Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sonst zitiere ich Eckhardt Rehberg noch mal. – Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Er ist ja auf Gegenkurs zu den Fraktionsvorsitzenden. Aber das macht nichts, das passt gut.

(Zuruf von Silke Gajek, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Der äußerte sich zum Terror des IS in Syrien und im Irak und zu den deutschen Waffenlieferungen – befragt in einem Interview – gegenüber der Süddeutschen Zeitung, ich zitiere:

(Silke Gajek, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Jetzt kommt das. Ich weiß, was jetzt kommt.)

„In dieser Situation Waffenlieferungen pauschal abzulehnen, halte ich für falsch. Wenn das Haus brennt, nützt es wenig, wenn die Feuerwehr aus der Brandschutzordnung vorliest.“ Und genau, ich habe selten ein...

(Zuruf von Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Es gab ja noch ein treffenderes Zitat, wo Herr Kauder einen Pazifisten zitiert hat.

(Unruhe vonseiten der Fraktionen der CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Silke Gajek, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Hör auf! Hör auf! – Zuruf aus dem Plenum: Wer hat das gesagt?)

Cem Özdemir, der Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN.

(Wolf-Dieter Ringguth, CDU: Was? Cem? Cem? Cem Özdemir?)

Ja, also fantastisches Zitat, wunderbar.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, diese Aussage Özdemirs

(Egbert Liskow, CDU: War das auf dem Balkon?)

steht für mich auch für einen breiten demokratischen Konsens –

(Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Aber nicht in unserer Partei.)

ich will Ihnen das mal in Erinnerung rufen –,

(Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Aber nicht in unserer Partei.)

den die Bundesregierung am selben Tag, am 1. September, in einer Sondersitzung des Bundestages erzielte, in einer Sondersitzung. Obwohl Waffenlieferungen kein Mandat des Deutschen Bundestages erfordern,

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Ja, auf Druck! Auf Druck!)