Protocol of the Session on December 15, 2011

Wir sind also gut beraten, dieses Thema im Agrarausschuss in aller Sachlichkeit und vor allem mit Fachleuten zu beraten. Dort können wir auch sachbezogen prüfen, ob das Land in seiner Eigenschaft als Hausherr die vorgeschlagenen Einschränkungen in den Großschutzgebieten vor einer generellen bundeseinheitlichen Lösung treffen soll.

(Vincent Kokert, CDU: Auf keinen Fall.)

Auch wenn der Antrag, meine Damen und Herren, nicht ganz unseren Vorstellungen entspricht, beantrage ich die Überweisung in den Agrarausschuss zur weiteren Beratung. – Vielen Dank.

(Beifall vonseiten der Fraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Danke.

Das Wort hat jetzt Frau Dr. Ursula Karlowski von der …

Ach nee, Entschuldigung, das ist Herr Lenz von der CDU. Den bitte ich jetzt nach vorne.

(Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: In der Kürze liegt die Würze.)

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich möchte auf die ganzen fachlichen Aspekte gar nicht mehr groß eingehen. Ich glaube, dass unser Minister Backhaus ausführlich über die letzten Beratungen zur bleifreien Munition ausgeführt hat, dass Frau Drese etwas dazu gesagt hat, Professor Tack hat seine Meinung dazu gesagt. Es ist von allen gesagt worden, dass, wenn alle Parameter bei bleifreier Munition stimmen, die Jäger auch bereit sind, diese bleifreie Munition einzusetzen – alle Parameter.

(Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Viele tun es heute schon.)

Ja, ist ja schön. Wo denn?

(Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Aber es sind doch noch nicht mal alle Fragen geklärt. Und wissen Sie, liebe Kollegen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, diesen Antrag zu dieser Jahreszeit, das hat der Minister schon gesagt, hier so emotional und populistisch auf die Tagesordnung des Landtages zu setzen …

(Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Oh, oh, oh! – Zuruf von Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Doch, das werde ich Ihnen gleich beweisen.

Wissen Sie, dass Sie sagen, dass für unser Wild aus ökologisch sehr guten Wäldern hier die Gefahr besteht, dass es durch Blei vergiftet sein soll, das macht natürlich keinen guten Eindruck auch außerhalb unseres Landes. Dann wundere ich mich zum Beispiel nicht über mein Körpergewicht, weil ich bestimmt so um die 90 Portionen Wild im Jahr esse,

(Peter Ritter, DIE LINKE: He!)

aus unseren Wäldern.

(Zurufe von Vincent Kokert, CDU, und Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ja, aber da geht es auch erst, und das hat Herr Professor Tack gesagt, ab einer bestimmten Menge von Wild.

(Unruhe vonseiten der Fraktion der SPD)

Aber mit dieser Verallgemeinerung, die Sie da wieder in die Welt setzen, machen Sie den Leuten Angst vor der Wildschweinkeule zu Weihnachten.

(Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Das sind offizielle Empfehlungen, die habe ich mir nicht ausgedacht. Die sind offiziell in die Welt gesetzt worden!)

Bei mir gibt es übrigens eine.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und auf der Regierungsbank – Vincent Kokert, CDU: Sehr gut. – Egbert Liskow, CDU: Ooi! – Peter Ritter, DIE LINKE: Wann können wir denn vorbeikommen?)

Und einen zweiten Punkt möchte ich Ihnen dazu noch sagen: Was die Seeadler betrifft, ich habe das Glück, fast täglich einen Seeadler zu sehen, der unweit von mir brütet.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ich auch.)

Mittlerweile ist die Population in unserem Land so groß, dass sich Schleswig-Holstein freut, weil die Seeadler bei uns keinen Platz mehr haben.

(Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Die Populationsgröße erlaubt nicht, dass sie quälerisch sterben.)

Ja. Quälerisch sterben?

(Zuruf von Vincent Kokert, CDU)

Wissen Sie, Frau Dr. Karlowski, der Seeadler muss eine Magensäure haben, die stärker ist als eine 50-prozentige Salzsäure. Nun frage ich mich: Warum werden in Bayern keine Steinadler gefunden? Ist die Magensäure des Steinadlers geringer als die des Seeadlers bei uns?

(Unruhe vonseiten der Fraktion der SPD – Zurufe von Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Bitte keine Zwiegespräche.

Das sind doch solche populistischen Sachen, wo Sie der Bevölkerung wieder weismachen wollen, und gerade der Bevölkerung der Städte, dass wir keine richtige Population an Seeadlern mehr haben. Wenn Sie das Leuten erzählen, die auf dem Land groß geworden sind, die wissen, was in der Natur passiert, die schütteln da nur den Kopf.

(Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Also das Forschungsergebnis habe ich mir nicht ausgedacht. – Zuruf von Johannes Saalfeld, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Nein, es kommt immer darauf an, aus welcher Sicht ich diese Forschungsergebnisse lese. Wissen Sie, Frau Dr. Karlowski, ich bin einer, der glaubt nicht einem Bericht, er guckt sich meistens mehrere an. Sagen Sie mir einen Fall, wo nachgewiesen ist, dass durch den Verzehr von Wildbret in den letzten 100 Jahren ein Mensch gestorben ist.

(Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Es geht in meinem Antrag um die Seeadler.)

Ja, ich sage, das ist auch ein Punkt.

(Vincent Kokert, CDU: Es geht um die Piepmätze und nicht um die Menschen. Das ist ‘ne ganz tolle Auffassung! – Zuruf von Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Was nehmen die Seeadler denn zusätzlich noch zu sich? Da müssen Sie aber aufpassen, dass sie keinen bleivergifteten Fisch fressen, dass sie gerade in der Winterzeit nicht am See jagen, wo Blei drin ist. Das gehört alles dazu.

(Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Ich habe die Ergebnisse offizieller Studien zitiert.)

Nicht alles den Jägern zuschreiben!

(Zuruf von Vincent Kokert, CDU)

Verallgemeinern Sie das auf alle und nicht hier speziell auf die Jäger.

Ich persönlich bin eigentlich erschrocken, in welcher Art und Weise Sie hier unsere Jäger wieder in ein Licht rücken, wo sie ganz einfach nicht hingehören.

(Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Wo steht denn das? – Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Da war kein böses Wort gegen die Jäger in der ganzen Rede dabei.)

Doch, so ein bisschen.

(Vincent Kokert, CDU: Na, so ein bisschen versteckt schon. – Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: In deiner Fantasie.)

Die Jagd übrigens, Frau Dr. Karlowski, ist aktiver Naturschutz, aktiver Naturschutz.

(Beifall vonseiten der Fraktion der CDU – Egbert Liskow, CDU: Genau.)