Protocol of the Session on October 9, 2013

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das ist ja auch Ihr Job. – Zuruf von Vincent Kokert, CDU)

Herr Kollege Silkeit sagte in der Debatte, in der wir das Leitbild der Regierung zu dem Gesetzentwurf kritisierten, er sähe diesen Entwurf als Einladung,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Alles bleibt so, wie es ist. – Vincent Kokert, CDU: Ja.)

als Einladung zu einer politischen Diskussion. Ja, Herr Silkeit, eingeladen wurden viele, auch in die Anhörung, aber sie stießen dort auf Wände, auf taube Ohren. Denn trotz zahlreicher Beschlüsse in Kreistagen und vieler Initiativen der CDU- und SPD-Basis – wann hat

man das schon erlebt, die CDU Demmin demonstriert vor dem Justizministerium mit solchen Bannern und Plakaten

(Vincent Kokert, CDU: Na bitte.)

gegen diesen Entwurf –, trotz Initiativen aus der CDU und SPD hat sich nichts geändert.

(Vincent Kokert, CDU: Abgerechnet wird zum Schluss, Herr Holter. – Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

Ich habe heute Vormittag in der Aktuellen Stunde sehr wohl was von Basisbezogenheit von Politik gehört.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ja.)

Das habe ich bei dem Gerichtsstrukturneuordnungsgesetz nicht vernommen und auch nicht verspürt.

(Beifall vonseiten der Fraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Norbert Nieszery, SPD: Aber unsere Leute waren genauso vor Ort wie ihr, mein Lieber.)

Meine Damen und Herren von der Koalition,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ja.)

Sie versuchen ja sehr gern, den Bürgerinnen und Bürgern, das hat Frau Kuder eben noch mal deutlich gemacht, die sechs Zweigstellen als Gerichte zu verkaufen. Man würde ja alle Aufgaben, die Bürgernähe einfordern, vorhalten. Im Gesetz finde ich das zumindest nicht. Da steht nur, dass die Aufgabenverteilung per Rechtsverordnung geregelt werden soll.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ja.)

Wie Sie wissen, hat das Parlament bei Rechtsverordnungen kein Mitspracherecht. Und wenn uns die Justizministerin heute erneut versichert, die Aufgaben bleiben in ihrem Spektrum erhalten, dann packe ich das in die gleiche Schublade, in der bereits ihre Zusicherung aus 2011 sich befindet, es werde keine Gerichtsstrukturreform in Mecklenburg-Vorpommern geben.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das ist aber billige Polemik.)

Zweigstellen, meine Damen und Herren, sind und bleiben eine Beruhigungspille. Zweigstellen werden geschaffen, um sie irgendwann zu schließen.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das ist doch falsch. Das ist doch falsch. – Zuruf von Vincent Kokert, CDU)

Wie wollen Sie denn anders den Irrsinn in Ihrem Kreis, Herr Ringguth,

(Zuruf von Wolf-Dieter Ringguth, CDU)

im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte erklären?

(Vincent Kokert, CDU: Sie führen sich ja selber ad absurdum, Herr Holter.)

Dort gibt es aktuell vier Amtsgerichte: Neubrandenburg, Demmin, Waren, Neustrelitz. Nach der Reform soll es zwei Amtsgerichte geben, Neubrandenburg und Waren, und zwei Zweigstellen in Demmin und Neustrelitz.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ja, und wo ist das Problem nun?)

Alle Standorte sollen also in irgendeiner Form erhalten bleiben. Da fragen sich doch die Bürgerinnen und Bürger, was das Ganze soll. Sie erkennen lediglich, dass für Umbaumaßnahmen erst einmal ordentlich Geld verpulvert wird

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Sie wissen ganz genau, was damit erreicht wird, Sie erzählen es den Leuten bloß nicht.)

und sowohl Bedienstete als auch Rechtsuchende teilweise erheblich weiter fahren müssen. Verkaufen Sie die Menschen doch nicht für dumm!

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Nee, das tun wir nicht, das machen Sie gerade, Herr Holter.)

Worin soll denn der Sinn liegen, wenn nicht in der Schließung der Zweigstellen in absehbarer Zeit?

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das ist eine Unterstellung.)

Sie behaupten, das läge hier anders, weil die Zweigstellen im Gesetz festgeschrieben werden.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Wo steht das, dass sie geschlossen werden, Herr Holter? Wo steht das?)

Die Justizministerin sagte dazu sehr schön im Europa- und Rechtsausschuss, die Zweigstellen seien damit so sicher wie jedes Amtsgericht.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Wo steht das?)

Das hat sie heute noch mal wiederholt.

(Vincent Kokert, CDU: Na ja bitte!)

Dem kann ich allerdings zustimmen. Wir haben ja gesehen, wie schnell sich zwölf Amtsgerichte abschaffen lassen. Da brauchen wir nur Hagenow,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Oh, Herr Holter!)

Bad Doberan und Ueckermünde uns anzusehen.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das ist ja aber wirklich billigste Polemik, billigste Polemik.)

Meine Damen und Herren, nichts ist so leicht,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Entschuldigung, aber so was Billiges!)

wie ein Gesetz mit Koalitionsmehrheit zu ändern.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Was für eine billige Polemik!)

Das trifft auch gerade auf die Schließung von Zweigstellen zu. Das wissen Sie genauso gut wie ich.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Sie unterstellen! Sie unterstellen hier!)

Also, nein, nein, da bauen Sie solche potemkinschen Dörfer auf mit diesem Gesetz

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Diese Nebenstellen haben Gesetzescharakter. – Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

und gaukeln den Menschen etwas vor.