Protocol of the Session on April 10, 2003

Damals hatte die Bundesregierung unterstellt, oder vielleicht war die wirtschaftliche Situation 2000 ja auch so,

(Ministerin Sigrid Keler: Das war auch so.)

dass die Gewerbesteuern sich entwickeln würden und das Mehr an Gewerbesteuern diese Erhöhung der Umlage möglich gemacht hätte. Heute müssen wir sehen, dass das Gegenteil der Fall ist. Wir haben weniger Gewerbesteuern auch der Kommunen bei uns im Land, die wirtschaftliche Situation ist uns bekannt und trotzdem eine erhöhte Umlage. Warum kann man über diese Situation nicht reden, weil sie wäre sofort wirksam, wenn wir gemeinsam auf bundespolitischer Ebene handeln. Fakt ist, Land und Bund müssten es am Ende bezahlen. Aber darüber zu reden, das wäre es meiner Ansicht nach doch wert.

(Zuruf von Dr. Armin Jäger, CDU)

Allerdings wurde ein entsprechender Antrag der PDS im Deutschen Bundestag im Juli 2002 auch von der CDU/CSU abgelehnt.

(Beifall Gabriele Schulz, PDS – Zuruf von Dr. Armin Jäger, CDU)

Ja, wir sind dafür, bei der Gemeindefinanzreform ganz dringend zu debattieren. Die Fraktionen von SPD und PDS haben einen entsprechenden Antrag in diesen Landtag eingebracht und ihn auch bestätigt. Dazu gehörte die Gemeindefinanzreform.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Richtig.)

Wir sagen, die Gewerbesteuer soll erhalten bleiben und modernisiert werden. Eine breitere Bemessungsgrundlage, Möglichkeiten für Großunternehmen, ihre Gewerbesteuer zu reduzieren, sollten möglichst abgeschafft oder vermieden werden.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Eben.)

Es ist doch Fakt, dass Großunternehmen, renommierte, die hier ihren Sitz haben, ihren Sitz verlagern in die Altbundesländer, um am Ende keine Gewerbesteuer zu zahlen.

(Beifall Dr. Armin Jäger, CDU: Stimmt.)

Das könnte doch wenigstens aufhören. Ein entsprechender Antrag der PDS im Deutschen Bundestag im März 2001 wurde auch von der CDU/CSU abgelehnt.

(Ilka Lochner-Borst, CDU: Was hat eigentlich die SPD gemacht?)

Herr Eichel als Finanzminister fordert bei der Gemeindefinanzreform, keine Lastenverschiebung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Sie wären ungeeignet für die grundlegende Verbesserung der kommunalen Finanzausstattung. Ich denke, dass eine aufkommensneutrale Gemeindefinanzreform nicht die Antwort auch für die Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern sein darf. Darum müssen wir kämpfen! Und ich würde darum bitten, wenn das gemeint ist, dass auch die Kolleginnen und Kollegen der CDU am Ende dazu stehen.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Ja.)

Gemeindefinanzreform könnte auch heißen, die Grundsteuer wirtschaftlich anzupassen und ökologisch zu modernisieren, die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Kommunen zu entflechten und auch das Konnexitätsprinzip auf allen Verfassungsebenen zu verankern, damit auch im Grundgesetz.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Ja.)

Ja, Herr Jäger, ein entsprechender Antrag der PDS im Deutschen Bundestag ist im Februar 2002 von CDU/CSU abgelehnt worden. Und Sie wissen, dass Sie die verfassungsgebende Mehrheit im Deutschen Bundestag haben.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Wir haben im Bundestag nicht die Mehrheit. – Zuruf von Heinz Müller, SPD)

Man könnte auch die Grundsicherung ausbauen und eine Entlastung bei Sozialhilfeausgaben fordern. Eine Zusammenführung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe auf Sozialhilfeniveau und zu Lasten der Kommunen lehnen wir jedenfalls ab.

(Beifall bei einzelnen Abgeordneten der PDS)

Ja, es bestände auch die Möglichkeit, dass man steuerrechtliche Änderungen zur Verbesserung der Einnahmesituation der Kommunen auf den Weg bringt. Die Blockadehaltung der CDU im Bundestag und im Bundesrat gibt das leider nicht her.

(Wolfgang Riemann, CDU: Wer regiert im Bundestag?)

Man könnte auch direkt Investitionszuweisungen in der Bundesregierung überprüfen, anstatt Kredite nur auszureichen. Ein entsprechender Antrag zur kommunalen Investitionspauschale wurde im Januar 2001 von CDU/CSU im Deutschen Bundestag abgelehnt.

(Zuruf von Wolfgang Riemann, CDU)

Wir könnten über die Sozialversicherungssysteme reden und so weiter und so fort.

Jetzt vielleicht zur Landesebene. Ich hatte es vorhin gesagt, es waren diese Landesregierung und die sie tragen

den Fraktionen, die dafür gesorgt haben, dass es erstmals eine Vereinbarung zwischen der kommunalen Ebene und dem Land gibt über die Mittelzuweisungen.

(Gabriele Schulz, PDS: Das sind Fakten.)

Jahrelang, jahrelang, von 1992 bis 1998 – und ich erwähne hier mal den Solidarpakt I –, haben Sie den Haushalt gestaltet, indem Sie sich auf Kosten der Kommunen saniert haben. Darüber haben Sie heute kein Wort gesagt.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und einzelnen Abgeordneten der PDS – Dr. Armin Jäger, CDU: Das ist absolut nicht wahr! Das ist nicht wahr!)

Und ich gebe es zu, ich hätte Ihren Antrag gern geändert im Punkt 1.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Ja.)

Ich hätte gern hineingeschrieben, die Mindestausstattung wollen wir unbedingt behalten,

(Beifall Gabriele Schulz, PDS: Richtig.)

denn angesichts der gesamtfinanziellen Situation des Landes würde der Gleichmäßigkeitsgrundsatz bedeuten, dass wir auch im nächsten Jahr eventuell weniger Mittel zur Verfügung stellen.

(Zuruf von Eckhardt Rehberg, CDU)

Wir wollen das nicht! Entschuldigung!

(Dr. Armin Jäger, CDU: Eine Verbundquote hätten wir gern.)

Die Sachsen haben uns den Gleichmäßigkeitsgrundsatz vorgemacht.

(Zuruf von Eckhardt Rehberg, CDU)

Auf der einen Seite sagen Sie, von Sachsen lernen, heißt siegen lernen.

(Beifall bei einzelnen Abgeordneten der SPD und Gabriele Schulz, PDS – Heiterkeit bei Dr. Margret Seemann, SPD)

Und was ist nun mit diesem Ansatz?

(Vizepräsident Andreas Bluhm übernimmt den Vorsitz.)

Wir haben die Kommunen nicht beteiligt an den Steuermindereinnahmen, ich will es noch einmal sagen.

(Zuruf von Eckhardt Rehberg, CDU)

Die neue Regierung in Sachsen-Anhalt, CDU-/FDPgeführt, nimmt den Kommunen über den Haushalt 2003 96,3 Millionen Euro über das Finanzausgleichsgesetz und 250 Millionen Euro über die allgemeinen Zuweisungen weg. Das ist Realität von CDU-Politik in einem Landeshaushalt, zum Glück nicht in Mecklenburg-Vorpommern!

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und einzelnen Abgeordneten der PDS – Rainer Prachtl, CDU: Die Redezeit muss doch längst um sein! Haben wir einen Präsidenten oben oder was ist hier? Kann hier jeder machen, wie er will? – Heiterkeit bei Eckhardt Rehberg, CDU)

Aber ich sage auch, wir könnten prüfen, Herr Müller, wenn denn das Land auch aus der Flutopferhilfe etwas zurückbekommt, ob es nicht doch möglich ist, dieses vielleicht zukünftig für die Investitionspauschale im Land einzusetzen.