Die Ganztagsschulen können in den nächsten Wochen ihre Projektideen einreichen und sich um ihre Teilnahme bewerben. Mit diesem Projekt ist eine erste und, wie ich finde, sehr wichtige und entwicklungsfähige Brücke geschlagen zwischen den beiden wichtigen Zukunftsressorts in unserer Stadt: Bildung und Kultur, meine Damen und Herren.
Das geplante Projekt Orchestermusiker an den Schulen ist ebenfalls ein sehr lohnenswerter Ansatz. Meine Vision geht dabei allerdings noch ein Stückchen weiter. In Berlin gibt es unter der Leitung des anerkannten Dirigenten Simon Rattle das erfolgreiche Projekt Education. Der kreative Ansatz dieses Projektes, nämlich die Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit, beziehungsweise die Interpretation von Musik, spielt für Rattle eine besonders große Rolle. Auch für Hamburg ist es
wichtig – Hamburg als Musik-Hauptstadt, als Stadt der Kirchenmusik, als Stadt der Popmusik, als Stadt der lebenden Musikszene –, ein derartiges Projekt zu initiieren. Die Ergebnisse dieser Workshops werden jeweils in der Berliner Philharmonie der Öffentlichkeit vorgestellt. Dadurch wird schon deutlich, welchen Stellenwert dieser Bereich der Kinder- und Jugendkultur in Berlin hat.
An dieser Stelle passt folgende Einladung sehr gut, liebe Kolleginnen und Kollegen der Bürgerschaft: Die Preview dieses Films über dieses Projekt "Rhythm is it!" in Hamburg hat die Kultursenatorin ausgesprochen. Es wird hierzu Anfang September ins Abaton-Kino eingeladen werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn nicht nur die Kollegen des Kulturausschusses kommen, sondern auch noch darüber hinaus Interesse besteht. Wem es möglich ist, den könnte und sollte man zu dem Besuch dieses Filmes und auch für dieses Projekt motivieren.
(Wilfried Buss SPD: Da haben wir Bürgerschafts- sitzung, Herr Kollege! – Gesine Dräger SPD: Bür- gerschaft!)
Frau Dräger, Ihr Kollege Buss hat laut genug gesagt, dass da Bürgerschaft ist, aber möglicherweise lässt sich das eine mit dem anderen trotzdem koppeln.
Wie in dem Fachkonzept ausführlich dargestellt, fördern bereits heute viele unserer Hamburger kulturellen Einrichtungen den künstlerischen Nachwuchs mit pädagogischen Maßnahmen. Zu unseren vorrangigen kulturpolitischen Aufgaben gehört es, diese Entwicklung zu unterstützen, und zwar dreierlei.
Erstens fachlich durch und mit der Behörde, zweitens ideell – dazu gehören wir alle – und drittens finanziell – damit hatte ich begonnen –, das ist die Grundlage des Ganzen. Neben den Aktivitäten und den Plänen des Senates gibt es, wie ich finde, lobenswerterweise eine Vielzahl wertvoller Projekte und private Initiativen, ohne deren Hilfe Kinder- und Jugendkultur in Hamburg in dieser Form nicht möglich wäre.
Meine Damen und Herren! Zahlreiche Hamburger Bürgerinnen und Bürger investieren bereits seit vielen Jahren in diesen Bereich Kinder- und Jugendkultur. Hierzu gehören auch neue Projekte, die Ihnen vielleicht nicht bekannt sind. Das neue Projekt Theater und Schule, TuSch, das Kindermuseum KLICK, das dieses Jahr eröffnet wurde, die neue Kinderbibliothek am Grindelberg, das gerade in einer ersten Voreröffnung eröffnete Theaterschiff für Kinder in Eimsbüttel, das Fundus Theater, das Theater für Kinder, das Puppentheater, die Aktivitäten von KinderKinder e.V., mögliche Pläne im Bereich des Schauspielhauses, die alljährlich stattfindenden Kinderkonzerte des Landesverbandes der Tonkünstler und Musiklehrer und der Jugendmusikschule. Ich könnte viele weitere Projekte nennen. Diese Liste ließe sich endlos fortführen.
Aber diese Vielfalt macht doch deutlich, dass es in der Tat eine Mischung aus Aktivitäten der Museumslandschaft, der Theaterlandschaft, der Musikszene ist, alles Bereiche, die später auch für eine lebenswerte und liebenswerte Kultur so wichtig sind in unserer Stadt. An dieser Stelle wollen wir nicht versäumen – das gehört untrennbar dazu –, auch den engagierten Initiatoren, Sponsoren und Mäzenen zu danken, mit deren Unterstützung viele dieser Projekte nur realisiert werden konnten. Ich bin deswegen felsenfest davon überzeugt, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wir unserem Ziel gemeinsam näher kommen, in unserer Stadt Kinder- und Jugendkul
tur noch interessanter zu machen als es bisher der Fall ist. Hamburg als Metropole und wachsende Stadt ist auf dem Weg, sich zu einer Modellregion für Kinder- und Jugendkultur in ganz Deutschland zu entwickeln und ich glaube, dies ist ein sehr guter und richtiger Weg.
Wir als CDU-Fraktion werden uns deshalb dafür einsetzen, dass es in diesem relevanten und kulturell wichtigen Bereich im Rahmen der Haushaltsberatungen 2005 und 2006 keine finanziellen Kürzungen geben wird, denn Kinder- und Jugendkultur hat für uns einen sehr hohen Stellenwert.
Meine Damen und Herren! Der Senat hat mit dieser Drucksache die richtigen Weichen in die richtige Richtung gestellt und die CDU-Bürgerschaftsfraktion unterstützt diesen Kurs ohne Wenn und Aber. Wie sieht es da mit der Opposition aus?
Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Gleich zu Anfang möchte ich betonen, dass die SPD-Fraktion ausdrücklich das Vorhaben des Senates begrüßt, die kulturelle Bildung der Kinder und Jugendlichen in Hamburg weiterhin zu fördern. Es ist schön, dass dies eine Priorität hat, aber denken Sie nicht, dass das gerade neu gewählt ist oder ganz zufällig in diesem Jahr dazu gekommen ist.
"… das vorgelegte Fachkonzept Kultur als ein Experimentier- oder Suchraum versteht, in dem Kinder und Jugendliche Handlungs- und Erfahrungsspielräume entdecken und gestalten können."
"… Wenn die Stadt neben der Förderung eines anregungsreichen kulturellen Milieus eine Kultur mit Kindern und Jugendlichen anstrebt."
Kulturelle Bildung ist ein entscheidender Faktor in der Entwicklung junger Menschen. Deswegen haben wir uns in den vergangenen Jahren, wenn man so will, Jahrzehnten, darum bemüht, dass die Stadt Kindern und Jugendlichen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, Möglichkeiten gibt, sich im Rahmen unterschiedlichster Angebote kulturelle Bildung und Kompetenz anzueignen.
So hat die Bestandsaufnahme, die Ihrem Konzept zugrunde liegt, gezeigt, wie umfangreich und vielfältig die Palette der Angebote für Kinder- und Jugendkultur in Hamburg ist und auch wie sie in den vergangenen Jahren gewachsen ist, denn neu ist das alles nicht. Im Oktober 2000, also vor vier Jahren, hat der Senat aufgrund eines Ersuchens der Bürgerschaft eine Bestandsaufnahme der Kinderkultur, Jugendkultur und Kulturpädagogik vorgelegt, die die Fülle der Aktivitäten, die ganz vielfach und überwiegend bis heute weiterbestehen, eindrucksvoll belegte.
Herr Drews, Sie haben schon eine Reihe von Beispielen genannt. Es sind viele andere mehr. Das würde den Rahmen sprengen, diese alle zu benennen. Jährlich sind
es hunderte von Theateraufführungen an Schulen, von Konzerten an Schulen. Es gibt das Schultheatertreffen, Musik- oder Vorlesewettbewerbe oder Hamburg-weite Kunstausstellungen, um nur einige Beispiele aufzuführen.
Bei all dem, meine Damen und Herren, geht es nicht in erster Priorität darum, das Angebot zu erweitern – das vielleicht an einigen ausgewählten Stellen –, sondern darum, noch sehr viel mehr Kinder und Jugendliche an die vorhandenen Kulturangebote heranzuführen. Dazu bieten sich natürlich in erster Linie die Schulen an. Dort erreichen wir alle Kinder vom Grundschulalter an. Dort können Interessen und künstlerische Neigungen frühzeitig entdeckt und gefördert werden. Natürlich müssen die Schulen – auch ganz wichtig – Schülerinnen und Schüler auf die Angebote in der Stadt hinweisen. Aus diesem Grund ist es sicher richtig, wenn die Kulturbehörde bei ihren Maßnahmen die Erhöhung der Angebotstransparenz an die erste Stelle setzt. Das Gleiche gilt natürlich auch für die verbesserte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen.
Die Hinführung zur Musik, zur Literatur, zum Theater, zur bildenden Kunst kann dann noch besser gelingen, indem Kultur für Kinder erfahrbar gemacht wird, wie zum Beispiel mit dem erfolgreichen Projekt Theater und Schule, TuSch.
Meine Damen und Herren! In Zeiten knapper öffentlicher Mittel sind Kreativität und Engagement gefragt. Es kann viel bewegt werden, wenn sich Menschen finden, die in der Lage sind, andere für Kultur zu begeistern. Beispiele dafür gibt es zum Glück immer noch sehr viele. Denn eines ist uns doch allen klar: Die vielen Projekte, zum Beispiel an den Schulen, auf die hier Bezug genommen wird, können nur deshalb so erfolgreich durchgeführt werden, weil es immer noch Lehrerinnen und Lehrer gibt, die mit großem Engagement und auch mit Leidenschaft und ohne Aufrechnung der offiziellen Stundenzahl bereit sind, Schulorchester zu leiten, Theaterstücke einzustudieren oder Kunstausstellungen von Schülerinnen und Schülern anzuregen und zu organisieren.
Das Rahmenkonzept sieht unter anderem vor, über finanzielle Anreize Schulen dazu zu bewegen, mit Kindern und Jugendlichen zusätzlich zum Schulalltag Kulturprojekte zu entwickeln. Drei Hamburger Ganztagsschulen – Sie hatten es schon erwähnt, Herr Drews – sollen als Pilotschulen für Kinder- und Jugendkultur ausgewählt und für drei Jahre mit jeweils zusätzlichen 10 000 Euro gefördert werden. Dazu zwei Anmerkungen.
Erstens hoffe ich, dass sich solche Schulen bewerben und auch gefördert werden, die noch nicht auf eine lange Tradition musischer Förderung und kultureller Aktivitäten zurückblicken können.
Zweitens hoffe ich sehr, dass Ganztagsschulen bald mehr sind als an drei Nachmittagen angehängte Unterrichtsstunden und ich hoffe, dass kulturelle Aktivitäten in einen so veränderten Schulalltag integriert werden.
Hier muss natürlich auch die große Chance in der Kooperation mit anderen Institutionen, wie zum Beispiel der
Gerade die Förderung der heute nicht privilegierten Schülerinnen und Schüler, die Kultur, wenn Sie so wollen, nicht von Haus aus mitbringen, sollte im Kulturausschuss noch einmal erörtert werden. August Everding hat viel Kluges gesagt. Einen Satz möchte ich zitieren:
"Kultur denkt man, fühlt man nicht nur, Kultur muss man leben, besser, mit Kultur muss man aufwachsen."
Wenn wir diesen Satz ernst nehmen, müssen wir uns lösen von allzu vielen Modellversuchen, Modellprojekten, Lenkungsgruppen, was auch immer. Kulturelle Bildung muss flächendeckend und kontinuierlich alle jungen Menschen erreichen und ich hoffe, wir werden im Kulturausschuss noch Gelegenheit haben, hierüber weiter zu diskutieren. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Frau Präsidentin, meine Damen, meine Herren! Vorne weg: Es gibt keine Differenz in den Absichten und Zielen. Sehr sinnvoll ist es auch, wenn der Bürgerschaft im Vierjahresrhythmus eine Bestandsaufnahme über Kinderkultur vorgelegt wird, wie das jetzt mit der erneuten Drucksache geschieht.
Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob ein völlig neuer Geist einzieht oder eingezogen ist. Mir ist ein Beispiel untergekommen, an dem mir das fraglich geworden ist. Von Ihnen erinnern alle aus dem Kulturausschuss sicher noch, dass wir im letzten Jahr, als wir "Jugend im Parlament" mit den Jugendlichen diskutiert hatten, von den Jugendlichen den deutlichen Wunsch gehört hatten, es möchte doch jemand an den Schulen für die regelmäßige Information über das kulturelle Angebot in der Stadt verantwortlich gemacht werden. Sie, die übrigen Ausschussmitglieder, hatten mich damals beauftragt, einen Brief an den Kultussenator zu schicken. Das habe ich im September vergangenen Jahres getan und still ruhte der See. Herr Lange hatte ja auch viel zu tun: Kita, 40 Millionen Euro versenken et cetera. Da geschah also nichts.
Unter Herrn Soltau passierte auch nichts weiter. Frau Dinges-Dierig hat jetzt aber freundlicherweise geantwortet. Nur, wenn ich die Antwort lese, dann werden wir darauf verwiesen, dass es künftig die Datenbank geben werde, das "Hamburger Abendblatt" informiere, das Jugendinformationszentrum ebenso, nur über den eigentlichen Wunsch, den diese Jugendlichen hatten, nämlich an der Schule möchte ein Ansprechpartner unter den Lehrern sein, findet sich kein einziges Wort. Wenn das die Kommunikation ist zwischen den Wünschen von Jugendlichen und dem, was sich wirklich abspielt, dann weiß ich schon genau, wo das landen wird: Bei der nächsten behördenübergreifenden Projektgruppe, bei der Fachgruppe von Fachleuten, die dann soziologisch gespickte Papiere in die Welt setzen, während sich am Geist des Behördenhandelns in Wirklichkeit nicht viel ändert.
(Wolfgang Drews CDU: Aber wenn Ihnen sonst nichts eingefallen ist, ist die Welt völlig in Ord- nung!)
Dann ist die Welt aber seit 50 Jahren in Ordnung, denn Ihre Absichtsreden hätten Sie 1950 mit genau dem glei
chen Tonfall gehalten. Glauben Sie denn, es hätte jemals in der Bürgerschaft einen Abgeordneten gegeben, der sich gegen die Förderung von Kinderkultur ausgesprochen hätte?