Protocol of the Session on December 7, 2022

(Beifall DIE LINKE und SPD)

Bei diesen Kundgebungen war die Sorge sprbar, sie war greifbar, dass weitere Bereiche im Krankenhaus zuknftig ausgegliedert werden k|nnten, etwa im Transport, in der Kche oder in der Verwaltung. Aber die Botschaft der versammelten Kolleginnen und Kollegen war eindeutig: Krankenhaus ist Teamarbeit. Zum Funktionieren eines Krankenhauses geh|ren alle Berufsgruppen. Deswegen darf es zuknftig kein weiteres Outsourcing am UKGM geben.

(Beifall DIE LINKE)

Es war am Klinikum mit den Händen zu greifen, wie das Gezerre um die Vereinbarung zwischen Land und Konzern die Menschen in der Region erheblich verunsichert hat. Klar, das Agieren des Konzerns, trotz erheblicher Zugeständnisse des Landes in Form von |ffentlichen Investitionsmitteln in H|he von einer halben Milliarde Euro durch die Kndigung der bestehenden Vereinbarung die Landesregierung immer weiter in die Ecke zu treiben, war v|llig inakzeptabel. Wir fanden es richtig, dass die Landesregierung hier klar geblieben ist und dem Konzern nicht noch weiter entgegengekommen ist.

Meine Damen und Herren, zur Wahrheit geh|rt doch auch: Das Land hat sich selbst erst erpressbar gemacht. Warum? Weil vor ber 16 Jahren unser Uniklinikum Gie‰en und Marburg an eine b|rsennotierte Aktiengesellschaft verkauft worden ist.

(Stephan Grger (SPD): Verscherbelt worden ist!)

Deswegen sagen wir: Diese europaweit einmalige Privatisierung durch eine CDU-gefhrte Landesregierung war, ist und bleibt ein gravierender Fehler, der endlich rckgängig gemacht geh|rt.

(Beifall DIE LINKE und SPD)

Verehrter Herr Kollege May von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, eine Fraktion, die in der Opposition Unterschriften gegen diese Privatisierung gesammelt hat und die dann, nachdem sie in die Regierung eingetreten ist, sagt, man kann daran berhaupt nichts mehr ändern, die soll hier niemandem etwas von Kurshalten und von Beständigkeit erklären.

(Lebhafter Beifall DIE LINKE und SPD)

So viel zu den GRÜNEN. ± Dann kommen wir zur Hessen-CDU. Sie wollen die Rckfhrung nicht. Das ist ja klar. Sie haben uns das Ganze eingebrockt. Die CDU in der

Region sieht das durchaus anders. Das muss der Kollege Bamberger dann mit sich selbst ausmachen.

(Dirk Bamberger (CDU): Das macht er!)

Er hat sich mehrfach fr die Rckfhrung in |ffentliche Hand ausgesprochen. Es gibt zahlreiche parteibergreifende Beschlsse von kommunalen Gremien aus Mittelhessen, getragen von Fraktionen von LINKEN, SPD, GRÜNEN und teilweise bis zur CDU.

Was ich aber auch nicht verstehe: Die Rh|n AG, diese b|rsennotierte Aktiengesellschaft, gibt ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag, wonach dem privatisierten Uniklinikum |ffentliche Investitionsmittel zustnden, und setzt das Land damit massiv und |ffentlich unter Druck. Im Übrigen hat die Landesregierung das 2006 ganz anders erzählt. Damals hat sie gesagt, der private Betreiber bräuchte keine |ffentlichen Investitionsmittel. Er wrde zuknftig keine mehr bekommen. Das war auch die Begrndung fr den minimalen Kaufpreis von nur 112 Millionen ¼, fr die man ein ganzes Uniklinikum verkauft hat.

Aber was macht das Land? Es wird so von dem Konzern erpresst, und es unternimmt nichts Vergleichbares. Im Gegenteil, mit der fortwährenden Beteuerung, man k|nne die Privatisierung nicht rckgängig machen ± der Kollege May hat es fr die GRÜNEN schon wieder gesagt ±, haben Sie sich grundlos und sinnlos in eine schwache Verhandlungsposition man|vriert. Das ist doch die Wahrheit.

(Beifall DIE LINKE und SPD ± Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Gott sei Dank waren Sie bei den Verhandlungen nicht dabei!)

Herr Schalauske, kommen Sie bitte zum Schluss?

Ja, ich muss zum Schluss kommen. ± Die Streiks und Aktionen der letzten Wochen zeigen, dass der Druck aus der Gesellschaft gewirkt hat. Ich kann nur hoffen, dass die Vereinbarung mit dem Verzicht auf betriebsbedingte Kndigungen und der Übernahme von Auszubildenden auch eingehalten wird, dass das auch so kommt. Ich mache mir gro‰e Sorgen um die Hintertr, die bei der Ausgliederung offen gelassen wird.

Herr Schalauske, bitte letzter Satz.

Letzter Satz. ± Ich kann nicht verstehen, warum man einem Konzern 500 Millionen ¼ in Aussicht stellt, ohne den Einfluss des Landes auch nur um 1 % zu erh|hen. Das ist ein Fehler.

(Beifall DIE LINKE)

Danke, Herr Schalauske. ± Fr die Landesregierung spricht nun Staatsministerin Dorn.

Angela Dorn, Ministerin fr Wissenschaft und Kunst:

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir sind vorgestern einen entscheidenden Schritt fr ein zukunftsfähiges Universitätsklinikum Gie‰en und Marburg vorangekommen.

(Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Das habe ich schon einmal geh|rt!)

Hinter uns liegen zwei Jahre intensiver, ich m|chte sagen, teilweise harter Verhandlungen. Jetzt sind wir zuversichtlich, dass wir alle zentralen Punkte geklärt haben, um bis Ende Januar eine vertragliche Vereinbarung schlie‰en zu k|nnen. Das ist ein enorm wichtiges Signal insbesondere fr die Beschäftigten des Uniklinikums Gie‰en und Marburg vor Weihnachten.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wir haben von Anfang an als Land in diesen Verhandlungen ganz klare Ziele verfolgt. Wir hatten gemeinsam ganz klare Leitplanken. Es ging uns um die bestm|gliche Gesundheitsversorgung der Patientinnen und Patienten. Es ging uns um gute Bedingungen und um Sicherheit fr die Beschäftigten, um starke Forschung und Lehre an einem zukunftsfähigen Universitätsklinikum. Kurz, es ging uns um das Gemeinwohl. Genau das waren unsere Leitlinien seit Beginn, bis zum vorgestrigen Tag, und das werden sie auch bleiben.

Dafr war es wesentlich ± dafr bedanke ich mich beim Parlament ±, dass der Letter of Intent fr uns die ganz klare Verhandlungsgrundlage war und geblieben ist. Das war in den letzten Wochen und Monaten eine wichtige Untersttzung seitens des Parlaments.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ich m|chte auch ganz klar sagen: Es geht hier nicht um einen Dorn-Deal, auch wenn ich mich dabei pers|nlich eingesetzt habe. Es ging und es geht uns als Landesregierung und mir pers|nlich darum, wie wir das Beste fr die Universitätsmedizin in Mittelhessen erreichen k|nnen, wie wir zu einem guten Ergebnis kommen, das die Gemeinwohlaspekte aller im Blick behält. Es geht am Ende um Investitionsmittel seitens des Landes in erheblicher H|he. Im Gegenzug geht es um Sicherheiten fr die Beschäftigten, um Garantien, um die Zukunftsfähigkeit des Standortes und darum, dass nun auch das UKGM verbindlich Investitionsmittel bereitstellen und diese auch wie das Land steigern wird. Das ist ein ganz wichtiges Ergebnis. Ich bedanke mich auch fr die Zusprache an diesem Punkt.

Ganz besonders wichtig ist auch ± da bin ich auch froh, dass sich mittlerweile ber die Zeit ein Erkenntnisgewinn deutlich gemacht hat ±: Fr den Fall, dass die erwirtschafteten Eigenmittel des UKGM fr die vereinbarten Summen nicht ausreichen sollten, wird Rh|n dem Uniklinikum Eigenmittel zuschie‰en bzw. bereitstellen, und zwar als echte Eigenmittel, nicht als Darlehen. Allein dieser Punkt ist eine ganz ma‰gebliche Veränderung gegenber dem Zeitpunkt vorher.

(Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Rolf Kahnt (fraktionslos) ± Zuruf Jan Schalauske (DIE LINKE))

Wir reden im Ergebnis fr die nächsten zehn Jahre von mehr als 800 Millionen ¼, die fr die notwendigen Investitionen zur Verfgung gestellt werden. Wichtig ist auch, dass wir in der schwierigen Frage eine Einigung erreichen

konnten, was die Bercksichtigung der Wertsteigerung dieser Investitionsmittel angeht; denn es war uns immer wichtig, dass wir fr den Fall eines Rckkaufs nicht doppelt zahlen drfen oder gar die Braut hbsch machen ± um es ganz einfach zu sagen.

An dieser Stelle ± da nehme ich die Fraktion der LINKEN aus ± hätte ich mir in den letzten Monaten von den einen oder anderen Oppositionsabgeordneten gewnscht, dass man diesen Punkt auch einmal benennt; denn, immer nur zu sagen, die Landesregierung solle sich jetzt endlich einigen, aber nicht zu sehen, dass wir an einem ganz wesentlichen Punkt einen |ffentlichen Streit fhren, das zeigt, wie wesentlich es war, dass wir am Letter of Intent festgehalten haben, und dass es eben nicht fr alle so galt.

(Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Rolf Kahnt (fraktionslos))

Ich m|chte an diesem Rednerpult einen ganz besonderen, einen ganz ausdrcklichen Dank ausrichten, nämlich an Finanzminister Michael Boddenberg, mit dem wir von Beginn an eng abgestimmt gearbeitet und in den letzten Wochen sehr intensiv verhandelt haben. Ich kann sagen: Ich finde, unser Ergebnis, das wir in diesen letzten Wochen erreicht haben, kann sich sehen lassen.

(Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Rolf Kahnt (fraktionslos))

An dieser Stelle m|chte ich auch mit einem Mythos aufräumen: Es gab fr die Landesseite in der Frage ÄGemeinwohl³ nie ein Tabu in diesen Verhandlungen. Weil das Prinzip das Gemeinwohl war, und wie wir es erreichen, gab es dieses Tabu nicht. Gerade deshalb m|chte ich es hier noch einmal sagen ± ich habe es auch gestern im Ausschuss sehr klar formuliert ±: Anders, als es manche sich wnschen oder behaupten, gab und gibt es kein Interesse von Rh|n oder Asklepios, das UKGM zu verkaufen. Das wurde uns gegenber in diesen Verhandlungen sehr klar zum Ausdruck gebracht.

Frau Dorn, ich weise auf die Redezeit hin.

Angela Dorn, Ministerin fr Wissenschaft und Kunst:

Danke, ich achte auf die Redezeit. ± Die realistische L|sung lag also in der Verhandlung um eine Anschlussvereinbarung.

(Jan Schalauske (DIE LINKE): Oder in der Vergesellschaftung!)

± Sehr geehrter Kollege Schalauske, wenn Sie die Vergesellschaftung als realistische Alternative betrachten, einen jahrelangen Rechtsstreit auf einer rechtlich v|llig unsicheren Grundlage: Wir wollen Sicherheit fr die Beschäftigten. Wir wollen einen zukunftsfähigen Standort und keinen Streit auf dem Rcken der Beschäftigten.

(Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Rolf Kahnt (fraktionslos) ± Zuruf Jan Schalauske (DIE LINKE))

Es gab in den letzten Wochen und Monaten verschiedene Versuche, die Koalition an dieser Stelle auseinanderzudividieren. Das ist vermeintlich einfach, man kommt von verschiedenen Grundhaltungen. Ich kann sagen, dass die

se Rechnung nicht aufgegangen ist. Wir haben eine sehr gute L|sung erreicht. Beide Verhandlungspartner sehen einen Verhandlungsdurchbruch ± ich sage bewusst: beide Verhandlungspartner. Beide sehen eine tragfähige Operationalisierung des Letter of Intent, die wir jetzt erreicht und entsprechend fixiert haben. Jetzt gehen wir daran, einen Vertrag auf dieser Grundlage nicht nur zu erstellen, sondern zu aktualisieren ± es liegt ja ein Entwurf des Landes vor ±; es geht um eine Aktualisierung in den letzten Punkten. Bis dahin gelten die Sicherheiten, die bisher das Zukunftspapier gegeben hat. Wir wollen bestm|glich Ende Januar abschlie‰en.

Insofern kann ich sagen: Ich spre die Erleichterung vor Ort. Der Kollege Bartelt hat gerade noch einmal Herrn Prof. Seeger zitiert, dann brauche ich es an dieser Stelle nicht zu wiederholen. Sie sehen an solchen Äu‰erungen, dass die Menschen vor Ort erleichtert sind; und auch wir sind optimistisch, dass wir bei diesem Thema ganz anders ins neue Jahr gehen k|nnen. Dafr bedanke ich mich, dass wir das in diesen schwierigen letzten Wochen miteinander gut geschafft haben. Ich wei‰, wie strapazi|s diese letzten Monate gerade fr die Beschäftigten waren, und ich freue mich wirklich von Herzen, dass wir endlich ein Signal der Erleichterung bieten k|nnen. ± Herzlichen Dank.

(Anhaltender Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Rolf Kahnt (fraktionslos))