Protocol of the Session on January 10, 2012

des Ministeriums und der Verfassungsschutzbehörde angewiesen ist, weil man nur das kontrollieren kann, was dort berichtet wird, und dass das die Aufgabe der Verfassungsschutzbehörde sein muss. Auch das habe ich dort geschrieben.

Jetzt zitiere ich etwas aus der Sitzung des Innenausschusses an dem Tag, an dem wir seinerzeit informiert worden sind, am 17.07.2006. Da ging es um die Verstrickung des Mitarbeiters des LfV.

All das, was in den letzten drei Tagen passiert ist, ist für die Sicherheitsbehörden des Landes Hessen und insbesondere für das Landesamt für Verfassungsschutz eine Katastrophe. Diese Katastrophe ist sicherlich nicht durch die Opposition in diesem Hause ausgelöst worden. Ich hoffe, das können wir unstreitig stellen.

Dann sagt er:

Das ist für mich bisher kein Thema des Verhältnisses der Regierung zur Opposition. Es ist vielmehr ein Thema, das das Verhältnis von erster und zweiter Gewalt betrifft. Um das geht es hier.

Das war ein Zitat Ihres ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn und heutigen Ministers der Justiz dieses Bundeslandes. – Herzlichen Dank.

(Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das Wort hat Herr Innenminister Rhein.

(Wolfgang Greilich (FDP): Darf ich?)

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Herr Kollege, ich habe das nicht gesehen. Auch die Erwiderung bedarf einer klaren Wortmeldung. – Bitte schön, Herr Greilich, Sie haben das Wort.

Herr Präsident, es geht auch ganz schnell. – Ich will mich nur gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, ich würde unvollständig zitieren. Ich gebe das ausdrücklich zu Protokoll.

In dieser Festschrift „60 Jahre Landesamt für Verfassungsschutz“ steht auf Seite 66 unten und Seite 67 oben das von mir verlesene Zitat des Kollegen Frömmrich. Es ist vollständig verlesen, Wort für Wort, vom ersten bis zum letzten Wort. Nach dem Satz: „Die Vierteljahresberichte geben einen guten Überblick über die Arbeit des Verfassungsschutzes.“ kommt ein Absatz. Dann steht dort: „Alexander Bauer, MdL (CDU)“. Dann kommt die Stellungnahme von Herrn Bauer. Das ist die Tatsache. Ich habe Sie vollständig zitiert.

(Dr. Christean Wagner (Lahntal) (CDU): Aber so sind sie!)

Herr Frömmrich, wir können uns aber darauf verständigen, dass auch Sie sich konstruktiv an den Beratungen

über die Novellierung des Verfassungsschutzgesetzes beteiligen.

(Beifall bei der FDP und der CDU)

Jetzt hat Herr Innenminister Rhein das Wort. Bitte schön.

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Abg. Greilich, ich wollte mich als Gast, der ich in diesem Hause bin, nicht dazwischendrängen. Aber der Präsident hatte mich aufgerufen. Insoweit hatte ich das als Startschuss verstanden.

All das, was Frau Abg. Faeser heute vorgetragen hat, ist im Grunde nicht neu.

(Günter Rudolph (SPD): Deswegen ist es trotzdem richtig!)

Zu ihrer Ehrenrettung muss man sagen, dass sie das alles in dieser Festschrift mitgeteilt hat, aus der wir heute bereits mehrfach zitiert haben. Ich als für den Verfassungsschutz zuständiger Minister freue mich riesig, dass wir diese Festschrift heute so prominent und so häufig zitiert haben. Es ist eine tolle Festschrift, die immer wieder bereichert, wenn man hineinschaut. Deswegen freue ich mich auch, wenn wir sie heute so oft zitieren.

(Nancy Faeser (SPD): Ich kann verstehen, dass Sie sich freuen, wenn wir sie bearbeiten!)

Ich habe Verständnis dafür, wenn man geneigt ist, in schnellen Forderungen vermeintliche Sicherheit zu suchen, Frau Faeser. Trotzdem ist es nicht zielführend.

(Zuruf des Abg. Günter Rudolph (SPD))

Einmal mehr gilt hierbei: Genauigkeit vor Schnelligkeit.

(Zuruf: Das sagt der Richtige! – Weitere Zurufe)

Einmal mehr gilt, dass wohlüberlegte Forderungen vor politischen Schnellschüssen gehen und dass Aktionismus – –

(Unruhe)

Meine Damen und Herren. – Herr Kollege Rudolph, ich sage jetzt nichts. Danke schön.

Manchmal muss man nichts mehr sagen, wenn sich der Kollege Rudolph geäußert hat. – Insbesondere Aktionismus ist hier fehl am Platz. Da stimme ich dem Abg. Frömmrich ausdrücklich zu.

(Günter Rudolph (SPD): Jetzt wird es aber ganz albern!)

Sie sind so aufgeregt, Herr Kollege Rudolph. Ich weiß gar nicht, warum.

(Beifall bei der CDU und der FDP – Günter Ru- dolph (SPD): Ich bin ganz entspannt!)

Wenn das Entspannung ist, sollten wir einmal das Thema „Entspannung“ miteinander besprechen. Aber das machen wir ein andermal.

(Zuruf von der FDP – Gegenruf des Abg. Günter Rudolph (SPD): Die FDP darf alles, solange sie noch dabei ist!)

Die Regierung hat unendlich viel Redezeit, deswegen ist mir das recht. – Ich will dem Abg. Frömmrich ausdrücklich zustimmen, wenn er sagt, dass es sinnvoll ist – auch in der Frage, wie wir hiermit umgehen –, zunächst einmal die Erkenntnisse abzuwarten – –

(Die Saalbeleuchtung fällt aus. – Heiterkeit und Beifall)

Meine Damen und Herren, ich bitte um Entschuldigung. Noch haben wir eine gute Akustik. Hauptsache, wir hören uns noch.

Sie müssen mich nicht sehen, Sie müssen mich nur hören.

(Anhaltende Unruhe – Glockenzeichen des Präsi- denten)

Es ist schon sehr sinnvoll, zunächst einmal die Erkenntnisse in dem Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwaltes abzuwarten, der sich des Bundeskriminalamtes bedient. Das gilt am Ende auch für die Frage der Strukturen. Das gilt natürlich auch für die Frage der anzuwendenden Methoden. Das gilt für die Polizei und den Verfassungsschutz. Und es gilt natürlich auch für das rechtliche Instrumentarium. Insoweit ist man ganz klug beraten, wenn man erst einmal den Befund erhebt und dann über die Therapie redet, sofern es überhaupt einer Therapie bedarf; denn wir reden immer so darüber, als hätte der Verfassungsschutz oder wer auch immer versagt. Warten wir doch erst einmal ab, ob der Verfassungsschutz überhaupt versagt hat.

(Beifall bei der CDU und der FDP – Zuruf von der LINKEN)

Ich bin schon ein bisschen besorgt, wenn Herr Schaus sagt, Demokratie und Geheimdienste würden nicht zusammengehören;

(Demonstrativer Beifall bei der LINKEN)

denn der Verfassungsschutz ist die Conditio sine qua non für einen freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat.

(Beifall bei der CDU und der FDP)

Er ist aber nicht nur das, sondern er ist auch die nicht hinwegdenkbare Voraussetzung für eine wehrhafte Demokratie – ohne Verfassungsschutz, ohne Polizei keine wehrhafte Demokratie.

(Beifall bei der CDU und der FDP – Willi van Ooyen (DIE LINKE): Was halten Sie eigentlich von der Verfassung, Herr Minister? – Fortgesetzte Zurufe)

Herr Minister, einen Augenblick bitte. – Ich wäre dafür, dass wir jetzt alle gemeinsam etwas ruhiger werden, damit

ich nicht andauernd die eine oder andere Seite ermahnen muss. – Herr Minister, Sie allein haben das Wort.