der weigert sich auch, zur Kenntnis zu nehmen, dass hier ein Potenzial vorhanden ist, um dem Fachkräftemangel wirksam entgegenzutreten.
(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Jürgen Lenders (FDP))
Herr Kollege Lenders, ich bin einmal gespannt, welches Konzept Sie vorlegen – einfach Herrn Hahn zu loben ist ein bisschen dürftig –, wie Sie sich zukünftig Zuwanderung vorstellen, um hier ein Instrument zur Bewältigung des Fachkräftemangels zu erhalten. Meine Damen und Herren, darauf sind wir sehr gespannt.
Wir sind auch sehr gespannt darauf, was Sie bei der Anerkennung von qualifizierten Abschlüssen bei Migranten tun. Hier gibt es erst einen Minischritt – da ist noch so viel zu tun.
Herr Lenders, ich fordere Sie auf, Ihren Einfluss in Berlin wirksam werden zu lassen. Da ist die Bundesrepublik gefordert, endlich etwas zu tun.
Meine Damen und Herren, wer zu Recht darauf hinweist, dass in der Zukunft die Erfahrung und die Qualifikation von älteren Arbeitnehmern eine immer größere Bedeutung gewinnen werden, der muss auch dafür sorgen, dass die notwendigen Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden. Wir brauchen eine Weiterbildungskultur speziell für ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in den Unternehmen.
Lassen Sie mich noch einen Blick auf einen Bereich der Wirtschaft richten, für den der prognostizierte Fachkräftemangel eine besondere Herausforderung sein wird. Der Mittelstand, häufig als Rückgrat der Wirtschaft bezeichnet, umfasst in Deutschland ca. 3,4 Millionen Unternehmen. In ihnen sind knapp 20 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt. Das sind 70 % aller Arbeitnehmer in umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen. Im Mittelstand werden 37 % aller steuerpflichtigen Umsätze erwirtschaftet.83 % aller Auszubildenden werden in einem mittelständischen Betrieb ausgebildet. Für diese gewaltige Anstrengung gebühren den beteiligten Unternehmen die Anerkennung und der Dank der Sozialdemokraten.
Mittelständische Unternehmen haben häufig auch eine andere Kultur im Ungang mit ihren Mitarbeitern. Sie sind es, die auch in der Krise möglichst lange an ihrem Personalstamm festhalten, während in größeren Unternehmen oft die Leiharbeit den Beschäftigungspuffer bildet.Kleine und mittlere Unternehmen leisten somit einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Schaffung von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen.
Aber das meine ich nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern als Feststellung: Es gibt in kleinen und mittleren Unternehmen keine ausgeprägte Weiterbildungs- und Fortbildungskultur.
Sie haben es alleine aufgrund ihrer Unternehmensgröße schwer, Weiterbildung zu organisieren. Sie werden es beim zu erwartenden Fachkräftemangel schwerer haben als größere Unternehmen,notwendige Fachkräfte für ihre Betriebe zu bekommen. Hier sind gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft und Politik notwendig. Das ist eine
Ich kann jetzt zum Schluss nur einige Beispiele nennen. Wir brauchen gerade in strukturschwachen Regionen ein vernetztes Aus- und Weiterbildungsangebot. Hier ist neben den Unternehmen auch die Politik gefordert. Unternehmen benötigen eine langfristige Personalentwicklung mit einem qualifizierten Weiterbildungsangebot. Lassen Sie mich zum Schluss noch sagen: Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen werden die Vorteile der betrieblichen Mitbestimmung oftmals unterschätzt.
Ich komme zum Schluss, Herr Präsident. – Betriebsräte leisten bei der Personalplanung, bei der Organisation von Weiterbildung eine wertvolle Arbeit. Diese Potenziale sind bei der Qualifizierung von älteren Arbeitnehmern nützlich. Ich bin überzeugt, dass uns dieses Thema noch lange beschäftigen wird.
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Kollege Frankenberger, Sie mögen sicherlich in weiten Teilen Ihres Vortrags, den Sie hier gehalten haben, nicht unrecht haben. Aber in einem Punkt haben Sie die Lebenswirklichkeit etwas ausgeblendet, und zwar in der Behauptung, dass kleine und mittlere Unternehmen Schwierigkeiten hätten, ihre Mitarbeiter in dem Weiterbildungs- und Ausbildungsbereich zu fördern bzw. zu halten. Dies ist vollkommen falsch.
Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sind heute der stabilisierende Faktor in der Ausbildung. Wenn wir die Ausbildung in unserem Lande nur auf Großunternehmen konzentrieren würden, dann wäre es schlecht bestellt um die Ausbildung.
Wenn Handwerk und mittelständische Unternehmen das nicht machen würden, dann wäre es schlecht bestellt.
Gleichermaßen ist es um die Weiterbildung und Ausbildung im beruflichen Bereich bestellt. Ein kleines oder mittleres Unternehmen kann heute am Markt überhaupt nicht bestehen, wenn es sich nicht dem Trend des Fortschritts verschreibt und gleichzeitig die Chefs, die Inhaber, die Geschäftsführer ihre Mitarbeiter anhalten – ich sage: anhalten, und ich weiß, wovon ich spreche, weil ich selbst eine Fülle von kleinen und mittleren Unternehmen als Geschäftsführer geführt habe und heute noch als Unternehmer halte –, sich weiterzubilden, sich zu ihrem eigenen Nutzen und zum Nutzen des Unternehmens fortzubilden.
Die Unternehmen hätten überhaupt keine Chance, sich am Markt zu behaupten, wenn sie dies nicht machen würden. Es ist geradezu lebenswichtig. Es ist existenziell für ein mittelständisches Unternehmen, dies zu tun und seine Mitarbeiter in jedmögliche Fortbildungsveranstaltung zu schicken, die dem Unternehmen und den Mitarbeitern nützt.
In diesem Sinne sollten Sie noch einmal darüber nachdenken, ob Sie nicht in dem Punkt Ihre Auffassung ändern. – Herzlichen Dank.
Herr Präsident! Herr Kollege Reif, ich finde, wenn wir bei diesem wichtigen Thema miteinander diskutieren, dann sollten wir einander zuhören. Ich habe die Notwendigkeit von Aus- und Fortbildung bei den kleinen und mittleren Betrieben überhaupt nicht bestritten. Ich habe gerade darauf hingewiesen, wie notwendig sie sein wird.
Ich habe ausdrücklich die große Ausbildungsleistung gerade bei diesen Unternehmen betont. Herr Kollege Reif, ich erkenne das ausdrücklich noch einmal an, weil ich weiß, was dort in den letzten Jahren geleistet worden ist.
Aber wir müssen auch zur Kenntnis nehmen: Es mag viele, gerade auch kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland geben, die ihren Mitarbeitern Fort- und Weiterbildung anraten.Aber es gibt noch viel zu viele, die nicht über Angebote informiert sind, die nicht wissen, was sie machen sollen. Denen gilt es zu helfen. Ich glaube, da ist eine Vernetzung, eine Hilfe der Kammern, eine Hilfe der Politik notwendig, damit klar gesagt wird: Weiterbildung ist etwas, wodurch ihr euren Personalstamm an qualifizierten Mitarbeitern halten könnt. – Darauf habe ich hingewiesen, Herr Kollege Reif.
Es lag mir fern – ich habe es auch so nicht gesagt –, die engagierte Arbeit in diesen Unternehmen herabzuqualifizieren. Andersherum ist es der Fall: Ich erkenne ausdrücklich an, was dort in den letzten Jahren geleistet worden ist.Aber ich glaube, dass das, was wir als das Rückgrat der Wirtschaft bezeichnen, in den nächsten Jahren unsere besondere Beachtung vonseiten der Politik benötigt. – Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD – Günter Rudolph (SPD): Einfach einmal zuhören! – Clemens Reif (CDU): Ich bin froh, dass Sie Ihre Auffassung noch einmal überdacht haben, Herr Frankenberger!)
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn wir uns über das Thema Fachkräftemangel bzw. Offensive gegen Fachkräftemangel unterhalten, ist es notwendig, dass wir uns zunächst einmal über die Ausgangsbasis verständigen.Da ist festzustellen,dass es ohne Zweifel einen Fachkräftemangel gibt. Es ist abzusehen – ich füge hinzu: zu befürchten –, dass sich der Fachkräftemangel wegen des demografischen Wandels weiter verstärken wird.
Aus den Untersuchungen der Industrie- und Handelskammern wissen wir,dass bis zum Jahr 2015 nicht jährlich, sondern im Durchschnitt 147.000 Fachkräfte fehlen werden. Aus den Untersuchungen wissen wir aber auch, dass es in den einzelnen Jahren sehr starke Schwankungen gibt, dass es in den einzelnen Berufsgruppen große Schwankungen gibt. Das gilt auch für die einzelnen Wirtschaftszweige und insbesondere für die einzelnen Regionen in Hessen, wo es zum Teil drastische Unterschiede gibt.
Stark betroffen – auch das gehört zur Ausgangsbasis; der Kollege Bocklet hat es angesprochen – sind unternehmensnahe Dienstleistungen, wo jährlich etwa 46.000 Fachkräfte fehlen, Unternehmen insbesondere der Elektrotechnik und des Maschinenbaus, wo bis 2015 jährlich etwa 8.500 Ingenieure fehlen, und der MINT-Bereich – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik –, wo zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgegangen wird, dass bis zum Jahr 2014 der Bedarf um etwa 100.000 Fachkräfte unterschritten wird.
Nun müssen wir uns, wenn wir uns auf diese Ausgangsbasis verständigen können, überlegen, welche Möglichkeiten und Maßnahmen es gibt, was wir als Politik tun können, um diesem Trend entgegenzuwirken.
Im Antrag der GRÜNEN sind Zielgruppen benannt, und es wird auf Fachkräftepotenzial hingewiesen, das stärker genutzt werden kann. In der Folge kommen Sie dazu, ein Maßnahmebündel zu fordern, um der prognostizierten Entwicklung entgegenzusteuern. Sie haben ausdrücklich anerkannt,dass die Landesregierung das eine oder das andere unternommen hat. Sie haben aber auch gesagt, sie solle vom Sofa herunterkommen. Die Koalition und die Landesregierung haben die skizzierte Entwicklung erkannt und Maßnahmen ergriffen, um diesem Problem entgegenzuwirken.
Zu einer Analyse der Ausgangsbasis gehört für meine Begriffe auch, dass wir uns einige Dinge ansehen, um daraus Folgerungen und Rückschlüsse zu ziehen. Deswegen will ich einige Maßnahmen ansprechen.Als Erstes will ich den Hessischen Pakt für Ausbildung 2010 bis 2012 nennen,
der eine Folgevereinbarung des Pakts von 2008 bis 2010 ist. Sehen Sie es mir bitte nach, dass ich angesichts der Redezeit nicht auf Einzelheiten eingehe, sondern pauschal auf diesen Pakt verweise.Wir haben uns an anderer Stelle bereits darüber unterhalten.
Frau Kollegin Wissler, wenn Sie sich mit den Zahlen und den Berichten, die dazu vorgelegt werden, beschäftigen würden, dann wüssten Sie, dass es zumindest kein Fehlschlag ist, um es vorsichtig zu formulieren, sondern im Gegenteil, es ist ein wirksames Instrument.
Der zweite Punkt, den ich ansprechen will, ist das sogenannte Übergangssystem. Darüber wird sehr viel diskutiert.Wir müssen uns als Erstes einmal darüber verständigen, was das eigentlich ist. Entstanden ist dieses System in den Siebziger- und Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts, als nicht genügend Ausbildungsstellen im dualen System zur Verfügung gestanden haben. Es wurde überlegt, wie Jugendliche ausbildungsreif gemacht werden können, wie die Integration in die Berufs- und Arbeitswelt ermöglicht werden kann und wie vollschulische Bildungsgänge implementiert werden können, um nachzuarbeiten. Das war der Ausgangspunkt.