Also, und das gilt für die gesamte digitale Bildung: Erst einmal muss man die Voraussetzungen schaffen; denn was nützen die besten Schulcomputer, wenn die Geschwindigkeit nicht stimmt? – Gar nichts. Digitalisierung und digitale Bildung sind ein ganz wichtiges Thema, aber ich glaube, man sollte es auch differenziert angehen, differenzierter jedenfalls, als es die Staatsregierung in diesem farbigen Flyer zu ihrer Zukunftsstrategie "Digitale Bildung in Schule, Hochschule und Kultur" von sich gibt. Ich darf ihn nicht zeigen, aber Sie alle haben ihn bekommen. Dazu möchte ich
doch ein paar Worte verlieren. Diese Werbebroschüren der Staatsregierung kosten viel Geld. In dieser Werbebroschüre sind auf 44 Seiten 21 Bilder mit Menschen vor Computern zu sehen. Alle diese Menschen lachen, schauen fröhlich vor sich hin. Das ist die Botschaft. Die Einzigen, die nicht fröhlich lachen, sind die drei von der Staatsregierung vorne:
Kollege Eisenreich, noch am fröhlichsten, Herr Sibler und Herr Spaenle, weniger fröhlich. Aber die sitzen ja auch nicht vor dem Computer. Sie sind die Einzigen, die nicht vor einem Computer sitzen. Sie schauen in die Ferne. Die Broschüre ist im Grunde genommen wirklich ein Bildband der schönen neuen digitalen Welt. Sie ist – und das sollte man sich schon überlegen – überhaupt nicht kritisch. - Ich habe jetzt gerade über die Weihnachtszeit ein Buch gelesen, dem ich in vielen Dingen nicht zustimme. Es stammt von Martin Spitzer, "Digitale Demenz"; er beschreibt darin auch die kritischen Seiten einer digitalen Entwicklung. Das, was Sie hier zeigen, ist im Grunde genommen ein Zerrbild. Wenn Sie sich das anschauen, dann sehen Sie darin nur schöne Menschen. Davon möchte ich die Staatsregierung jetzt nicht ausnehmen.
bis auf einen, das ist der Professor. Keiner trägt eine Brille, obwohl sie ständig in den Computer schauen. Spannend ist auch, dass sich die Bilder zum Teil wiederholen. Es sind dann die gleichen. Man merkt, die Agentur hatte nur eine gewisse Auswahl an Bildern.
Ja, auch gendermäßig. Gendermäßig ist es unbedingt. Danke, dass Sie es ansprechen. Gegendert ist es; es sind darin ungefähr gleich viele Frauen wie Männer abgebildet. Das Interessante, Herr Ländner, ist nur – schauen Sie es sich einmal an –: Es sind kaum dunkelhaarige Frauen darin; es sind hauptsächlich Blondinen und Brünette darin.
Sie sollten doch gendern. Interessant ist dabei auch der Migrationshintergrund: Sie haben nur einen mit Migrationshintergrund abgebildet, und der muss außen sitzen.
Also, auch das ist sehr kritisch. Dann haben sie noch eine Dame, wahrscheinlich aus Indien, aber die ist nicht offiziell, sondern die ist auf dem Bildschirm abgebildet. Das heißt, mit der wird nur über den Bildschirm kommuniziert, also mit der Außenwelt, aber die darf nicht nach Bayern. Das Ganze, was da gezeigt wird, ist schon sehr spannend. Im Grunde genommen ist es Bayern mit Laptop, aber ohne Lederhose. Das ist es, was Sie in dieser Broschüre zeigen: keine einzige Kirche, auf keinem einzigen Bild – das ist überhaupt nicht CSU-like –, kein Volk, keine Lederhosen, sondern eine moderne digitale Welt, in der alle lächeln.
Das Ganze kommt mir vor wie der Film "Die Truman Show" mit Jim Carrey: Es ist nichts mehr wahr. Es geht darin um einen Mann in einer reinen Fernsehwelt, und er weiß als Einziger nicht, dass er nur in einer Fernsehwelt ist. – Genau davor warne ich: nämlich dass man Digitalisierung nur noch positiv sieht, nur noch in Hochglanzbroschüren. Das ist eine digitale Falle, in die Sie da tappen. Man sollte überlegen, ob man diese Bilder breit verteilt. Über den Inhalt will ich überhaupt nicht reden. Der Inhalt ist ein Wunschkonzert.
Lassen Sie mich noch ein paar Sätze zu den Anträgen sagen. Wir haben darüber sehr intensiv im Ausschuss geredet. Weil wir FREIEN WÄHLER unseren Grundsätzen immer treu bleiben, bleiben wir selbstverständlich auch bei dem, was wir im Ausschuss entschieden haben. Das heißt, mit manchem gehen wir konform. Auch wir wollen wie die GRÜNEN die Infrastruktur stärken, wir wollen sie aber bayernweit stärken. Da gibt es schon entsprechende Ansätze.
Wir wollen die medienpädagogische Bildung; da stimmen wir zu. Wir wollen aber nicht Informatik als Pflichtfach. Wir wollen erstens nicht noch mehr Pflichtfächer und zweitens, wenn schon ein Fach, dann Medienpädagogik, aber nicht Informatik.
Ich sage auch ganz offen: Eine Aufhebung des Handy-Verbots sehe ich ebenso relativ kritisch; da muss man schon einmal über die Teilhabegerechtigkeit nachdenken.
Insgesamt sage ich einen Dank an die GRÜNENFraktion, dass sie das Thema aufgegriffen hat. Ich bitte die Staatsregierung, über die Auswahl der Agentur nachzudenken und über die Einfachheit der Spra
che in der Broschüre. Nicht alles, was digital ist, ist gleichzeitig gut. Sie vergessen damit im Grunde genommen einen großen Teil Ihrer Kernwählerschaft. Aber das ist Ihr Problem und nicht meines.
Die FREIEN WÄHLER halten Kurs; das heißt, sie sind sachorientiert und differenziert auch in der digitalen Bildung.
Vielen Dank, Herr Kollege Piazolo. – Der nächste Professor meldet sich zu Wort: Professor Dr. Waschler, bitte schön. Sie haben das Wort.
Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Gehring, ich kann Ihnen zustimmen, das Thema ist wichtig; wir werden es weiter verfolgen. - Kollegin Strohmayr sehe ich leider nicht mehr. Wenn sie noch dagewesen wäre, hätte ich ihr sagen können: Ich bin fast sicher, dass sie mir am Ende nach den Ausführungen zustimmt. - Herr Kollege Piazolo, bei der Wertschätzung, die ich Ihnen gegenüber habe, gestehe ich: Um ein Haar hätten Sie es geschafft, mich sprachlos zu machen.
In der gebotenen Kürze der Zeit, die mir noch bleibt – es sind drei Minuten und sieben Sekunden -, stelle ich zusammenfassend fest, dass die Zukunftsstrategie der Staatsregierung ideal passt. Die Broschüre "Digitale Bildung in Schule, Hochschule und Kultur" ist uns vorgelegt worden. Sie ist hier ein paar Mal angesprochen worden. Darin ist alles enthalten, wohin wir wollen. Die Zielorientierung ist präzise beschrieben. Ich kann nur feststellen: Die Vorredner der Oppositionsfraktionen haben es in Nuancen angesprochen, Kollege Ländner hat es auf den Punkt gebracht. Wir versuchen, unsere Stärken weiter zu stärken. Wo ein Nachholbedarf besteht – das haben wir vorher in der Diskussion durch unseren für Finanzen, Heimat und Digitalisierung zuständigen Minister erfahren –, arbeiten wir mit viel Geld und in großer Intensität weiter. Das heißt, wir lehnen uns nicht zurück, sondern wir gehen in die richtige Richtung. Ich bin davon überzeugt, dass man, wenn die Opposition keine ideologischen Scheuklappen aufhat, unseren Anträgen und Initiativen auch zustimmen wird.
In diesem Zusammenhang, Herr Kollege Gehring, kann ich es mir nicht verkneifen: Sie haben die Telekom-Studie angesprochen. Auch ich habe sie sehr intensiv gelesen; sie ist wissenschaftlich sehr schön aufbereitet und interessant gestaltet. Beim Fazit haben Sie, Herr Kollege Gehring, eines nicht erwähnt: In all den Punkten, bei denen man sagen kann, daran muss Bayern arbeiten, sind wir auf dem Weg. Kollege
Ländner hat viele Punkte angesprochen. Ein anderes Bundesland, das es einmal geschafft hat, auf gleicher Höhe mit Bayern zu sein, ist nämlich erheblich zurückgefallen. In der Telekom-Studie – "Schule digital … 2015" heißt das Werk – ist veröffentlicht, dass ein Bundesland extremen Nachholbedarf hat, und das ist in der Südschiene Baden-Württemberg. Wer ist dort an der Regierung? Wer trägt die Kernverantwortung? – Sie alle wissen es.
Ich bringe es für unsere Fraktion auf den Punkt: Das Thema ist wichtig. Wir wollen es mit aller Ernsthaftigkeit und Intensität weiter nach vorne bringen, aber in einer pädagogischen Abwägung. Wir wollen das Analoge nicht missen, das Digitale gerne stärken. Wir nehmen auch die Rückmeldungen ernst, dass viele Kinder, die gut mit Tablet und Computer umgehen können, plötzlich Probleme haben, sauber zu schreiben. Das nehmen wir sehr ernst.
In einem Punkt hat Kollege Ländner völlig recht: Es geht hier um das Wohl der Kinder und der Jugendlichen. Wir müssen eine gesamtpädagogische Abwägung vornehmen. Die haben wir im Freistaat Bayern deutlich besser vorgenommen als das im digital von mir hoch geschätzte Südkorea oder in Singapur; denn diese Art der Bildung wollen wir nicht. Wir wollen die beste Bildung für unsere Schülerinnen und Schüler, und zwar nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Zukunft.
Vielen Dank, Herr Kollege Waschler. – Für die Staatsregierung möchte sich Herr Staatssekretär Eisenreich äußern. Bitte sehr.
Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Ich bin froh, dass sich das Haus mit diesem wirklich wichtigen Thema beschäftigt. Wir haben das im letzten Jahr auch getan. Ich habe die Arbeitsgruppe im Ministerium leiten dürfen. Das Ergebnis dieser Arbeit ist im Sommer des letzten Jahres ein Ministerratsbeschluss gewesen. Weil uns wichtig war, das, was wir erarbeitet und beschlossen haben, allen zugänglich zu machen, damit eine gute Diskussionsgrundlage besteht, haben wir entschieden, dies in einer Broschüre zusammenzufassen. Die Ausführungen dazu waren wirklich sehr unterhaltsam, sehr verehrter Herr Kollege Professor Piazolo. Ich hätte mir aber schon gewünscht, dass man auch zum Inhalt etwas sagt.
Nur zu den Bildern etwas zu sagen, ist ein bisschen wenig. - Wenn man die Broschüre liest und nicht nur wie bei der "Bild"-Zeitung von Bild zu Bild springt,
sieht man eine Dreiteilung. Uns war es wichtig, im ersten Teil unser Leitbild darzulegen. Es geht schließlich um Bildung. Der zweite Teil ist eine Bestandsaufnahme, und der dritte Teil ist unser Konzept und unsere Strategie.
Wir sind bei diesem großen Thema selbstverständlich erst am Anfang. Wir werden uns mit dem Thema noch lange und sehr intensiv beschäftigen müssen. Ich freue mich auf die Debatte im Haus. Die Schule muss auf die Lebenswelt von morgen vorbereiten, die sich im Zuge der Digitalisierung grundlegend verändert. Die Digitalisierung ist ein Megatrend, der alle Menschen betrifft und auch alle Lebensbereiche durchdringen wird. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Digitalisierung wird die Welt neu ordnen. Bayern kann dabei viel gewinnen; aber nachdem Bayern schon viel hat, kann Bayern auch viel verlieren. Die Digitalisierung birgt daher ebenso Chancen wie Risiken. Wir müssen insofern mutig sein, aber auch besonnen.
Wichtig ist – das war auch ein Teil der Arbeit, mit der wir uns im letzten Jahr beschäftigt haben –, dass die Digitalisierung unser Menschenbild sowie unser Bildungsverständnis nicht verändern darf. Die Digitalisierung darf die Ziele, die Bildungsziele, die in unserer Verfassung niedergelegt sind, nicht verändern; sie müssen die gleichen bleiben. Nicht die Technik, sondern der Mensch muss weiterhin im Mittelpunkt stehen. Das ist übrigens eine der größten Gefahren, die von diesem Megatrend für die Bevölkerung ausgeht. Es geht dabei um die Frage, in welchem Maße sich der Mensch in seiner freien Entfaltung gegen die Technik und die dahinter stehenden Unternehmen behaupten kann. Das ist und bleibt noch ein ganz spannender Bereich. Unsere Ziele jedoch sind und bleiben dieselben, so wie sie in der Verfassung stehen. Der Mensch als souveräne, freie, verantwortungsvolle Person steht im Mittelpunkt. Er soll seine Fähigkeiten und seine innere Berufung entfalten können.
Was bedeuten Digitalisierung und digitale Bildung für die Schule? - Zunächst einmal ist die Feststellung zu treffen: Die Schule wird sich verändern, sie wird sich weiterentwickeln müssen. Das wird sowohl die Inhalte betreffen als auch die Arbeitsweisen und die Methoden. Das heißt: Digitalisierung, digitale Bildung sind sowohl Gegenstand von Bildung als auch Werkzeug und Methode im Bildungsprozess.
Punkt eins: Digitalisierung als Gegenstand von Bildung. Wir alle wissen: Die Informationsflut nimmt zu, das Wissen nimmt zu; es ist weltweit immer leichter verfügbar. Die Innovationszyklen werden immer kürzer. Das bedeutet: Die Digitalisierung verändert die Welt, und die Schule muss die Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten, sich in dieser digitalisierten Welt zurechtzufinden. Wir sind daher – das ist unsere Einschätzung, so haben wir es auch hineingeschrieben – der Überzeugung, dass der Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien neben dem Lesen, Rechnen und Schreiben eine vierte Kulturtechnik werden wird. Die jungen Menschen müssen dabei nicht nur neue Kompetenzen erwerben, sondern bestimmte Kompetenzen werden in Zukunft noch viel wichtiger sein. Wenn die Informationen und das Wissen immer mehr zunehmen, dann muss die Kompetenz, richtig auszuwählen, kritisch zu hinterfragen und richtig zu bewerten, noch besser geschult werden. Natürlich muss auch die Fähigkeit, sich auf Neuerungen einzustellen, Teil des Gegenstandes von Bildung an Schulen sein.
Punkt zwei: Digitalisierung als Methode. Die digitalen Werkzeuge und Medien bieten große Chancen, um Inhalte besser zu veranschaulichen und den Lernprozess zu individualisieren. Unser großes Ziel, Chancengerechtigkeit und individuelle Förderung, kann durch digitale Werkzeuge und digitale Medien noch besser unterstützt werden – zum Beispiel im Bereich der Inklusion, bei der Beschulung von Flüchtlingen wie auch in der Begabtenförderung. Hier können wir ganz sicher profitieren, wenn wir digitale Werkzeuge und Medien einsetzen. Die Schule wird sich dadurch verändern – auch der Unterricht, auch die Rolle des Lehrers –, dass über die Klassenzimmer hinaus vernetzte Interaktionsräume geschaffen werden; das heißt, die Arbeit in Gruppen, die Arbeit in Interaktionsräumen wird zunehmen. Das bedeutet, auch Lehrer müssen sich in ihrem Verständnis, wie sie Unterricht halten, entsprechend weiterentwickeln.
Da gibt es aber eine wichtige Einschränkung: Die digitalen Medien und die digitalen Werkzeuge sind kein Selbstzweck. Wir brauchen sie dort, wo sie einen didaktisch-pädagogischen Mehrwert schaffen. Das heißt, sie ersetzen die jetzigen Methoden nicht, sondern sie erweitern den Werkzeugkasten der Lehrerinnen und Lehrer. Einige Studien zeigen, dass schon erstaunlich viele Lehrkräfte in Bayern digitale Medien nutzen: 70 % mindestens einmal in der Woche, 50 % davon sogar täglich. Auch anderen Studien zufolge sind wir, was die Ausgangssituation betrifft, vergleichsweise auf einem guten Stand.
Ich will die Aufgabe gar nicht kleinreden. Wir stehen erst am Anfang, und die Herausforderungen an uns
sind enorm. Deswegen haben wir uns intensiv mit der Sache beschäftigt und entsprechende Strategien vorgelegt. Wen dieses Thema wirklich interessiert, dem empfehle ich, die Broschüre sorgfältig zu lesen und nicht nur die Bilder anzuschauen. Da steht alles im Detail drin.
Zum Antrag I: Infrastruktur ausbauen, Support stärken. Diese Maßnahmen sind wichtig. Eine Voraussetzung dafür, dass digitale Bildung an den Schulen funktioniert, ist, dass die Ausstattung gut ist. An vielen Schulen haben wir schon eine ordentliche Ausstattung. Natürlich müssen wir uns um alle Schulen kümmern, insbesondere um die, bei denen das Ganze noch nicht so richtig funktioniert. - Wir brauchen eine funktionsfähige, sichere Ausstattung, damit die Lehrer, die diese Medien einsetzen wollen, dies auch können, und diejenigen, die das bisher nicht wollten, keine Ausrede mehr haben. Zuständig sind dafür die Kommunen als Sachaufwandsträger. An dieser Zuständigkeit wird sich auch nichts ändern. Wir unterstützen die Kommunen, indem wir zur IT-Ausstattung von Schulen ein sogenanntes Votum machen. Außerdem wollen wir auf die Kommunen zugehen, um ein Aktionsbündnis auf den Weg zu bringen.
Ich komme zu den Anträgen II und IV. Medienpädagogische Ausbildungsinhalte sind bereits jetzt integrale Bestandteile der Lehrerausbildung für alle Schularten. Es besteht die Möglichkeit, das Lehramtsstudium mit einer pädagogischen Qualifikation im Bereich Medienpädagogik zu erweitern. In Bayern gibt es schon eine ganze Reihe von Lehrkräften mit dieser Zusatzqualifikation als medienpädagogisch-informationstechnische Berater, die ein bundesweit wirklich einmaliges Netzwerk bilden und die die Lehrkräfte in der Region sowie die Schulen beraten und unterstützen.