Protocol of the Session on March 19, 2014

(Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE: Trotzdem haben wir es gemacht!)

Aber das ist schon fast alles, was wir dazu wissen. Wir wis sen noch, dass das Lehramtsstudium auf das System mit Ba chelor und Master umgestellt werden soll.

(Zuruf des Abg. Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr GRÜNE)

Es wird in diesem Bereich also kein Erstes Staatsexamen mehr geben. Aber mehr scheint die Regierung auch nicht zu wis sen.

Meine Damen und Herren, die jungen Menschen, die Lehre rinnen bzw. Lehrer werden wollen, werden derzeit völlig im Unklaren darüber gelassen, wie sich diese Ausbildung zukünf tig gestalten soll. Wer demnächst ein Studium in diesem Be reich aufnimmt, weil er Kinder unterrichten will, weiß nicht genau, wie dieses Studium ablaufen soll.

(Abg. Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr GRÜNE: Was?)

So werden nach den Schülerinnen und Schülern nun auch die Studierenden in diesem Land zu Versuchskaninchen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU und der FDP/ DVP – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Jawohl! Bra vo!)

Sie müssen ein Studium aufnehmen, ohne genau zu wissen, wie sich das abspielt.

(Abg. Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr GRÜNE: Das stimmt schlichtweg nicht! – Abg. Beate Böhlen GRÜNE: Sie kommen nicht in den Himmel! – Zuruf des Abg. Da niel Andreas Lede Abal GRÜNE)

Die Regierung will dann nach und nach einmal schauen, was sie wie verändern will. Der Ministerpräsident selbst hat bei der Pressekonferenz am 3. Dezember, bei der er die Eckpunk te zur Lehrerbildung vorgestellt hat, gesagt: Der Prozess soll jetzt erst einmal anlaufen. Wir arbeiten alles nacheinander ab, aber nicht parallel. Jetzt kommt erst einmal die Struktur. – Al so wieder einmal geht es Grün-Rot um Struktur

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: So ist es!)

und nicht um Inhalte.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU und der FDP/ DVP)

Das ist wirklich fatal.

Es soll einen sogenannten polyvalenten Bachelor geben, und erst im Masterstudium geht es darum, sich wirklich auf den eigentlichen Beruf als Lehrer vorzubereiten. Aber es ist noch völlig unklar, wie der Übergang vom Bachelor auf den Mas ter im Einzelnen gestaltet werden soll. Fehlanzeige – keine Ahnung. Gibt es da ein Nadelöhr, einen Flaschenhals? Wer darf eigentlich weiterstudieren?

Wie gelingt es uns – da waren wir uns alle einmal einig –, die Studierenden schon ganz früh und noch besser auf ihren Be ruf vorzubereiten? Wie bekommen wir mehr Didaktik, Päda gogik und Bildungswissenschaft in das Studium, und zwar von Anfang an? Auch dazu gibt es keine Aussagen.

Über die Frage: „Wie gewinnt man die Besten eines Jahrgangs für diesen Beruf?“ machen Sie sich anscheinend gar keine Ge danken. Die Regierung hat extra eine Reise nach Finnland un ternommen, um sich dort zu informieren. Sie wissen: Dort gibt es einen sehr aufwendigen Auswahlprozess zu Beginn des Stu diums, und nur die Besten werden Lehrerinnen und Lehrer. Bei uns macht man sich noch nicht einmal Gedanken darüber, so etwas einmal auszuprobieren.

Unklar bleibt auch völlig – neben dem Übergang vom Bache lor zum Master –, wie der Übergang vom Studium zum Refe rendariat gestaltet werden soll. Es gibt dann kein Staatsexa men mehr. Über die Dauer des Referendariats macht man sich ebenfalls keine Gedanken, ebenso wenig darüber, ob die 18 Monate dann noch reichen,

(Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE: Die Fra ge ist doch, ob die heutige reicht!)

all das im Referendariat unterzubringen, was man an Didak tik, Pädagogik und Bildungswissenschaft im Studium nicht machen kann. Auch das ist völlig unklar.

Die Referendare müssen dann verschiedene Schularten durch laufen, damit sie auf die Gemeinschaftsschule vorbereitet sind. Es wird keine Aussage darüber gemacht, wo das stattfinden soll und wie lange ein Referendar jeweils an einer Schule bleibt. Das sind wirklich ernsthafte Fragen, aber Sie lassen uns und auch die Öffentlichkeit dabei völlig im Dunkeln. Das Einzige, was Sie noch verraten haben, betrifft wieder die Strukturen: Die Studierenden sowohl von den Pädagogischen Hochschulen als auch von den Universitäten sollen im Mas terstudium zusammengefasst werden, sollen gemeinsam stu dieren – wie auch immer.

(Abg. Beate Böhlen GRÜNE: Gemeinsam ist doch nicht schlecht!)

Da ist die Rede von Schools of Education oder von anderen Formen der Kooperation. Aber wie sich das genau gestalten soll – keine Ahnung. Wer soll das entwickeln? Und eine wei tere sehr wichtige Frage: Wer soll das bezahlen? Sie schauen immer auf den Bund und erwarten Hilfe aus einem bundes weiten Programm „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“. Das ist sicherlich ein guter Ansatz; aber das sind keine dauerhaften Mittel, mit denen wir rechnen können.

Ich sage es ganz deutlich: Wir von der CDU halten es grund sätzlich für eine gute Idee, das, was an Kompetenz und Pro fil an den Pädagogischen Hochschulen und an den Universi täten vorhanden ist, zu bündeln, um es allen Studierenden zu gutekommen zu lassen. Denn wir brauchen einerseits eine wirklich fundierte fachwissenschaftliche Ausbildung der Leh rerinnen und Lehrer, aber wir brauchen andererseits auch das andere, nämlich das, was insbesondere an den Pädagogischen Hochschulen vorgehalten wird.

Schon heute gibt es Kooperationen zwischen den beiden Hochschultypen. Wenn man jedoch genau hinschaut, sind das meist Hochschulen, die in unmittelbarer Nachbarschaft lie gen. Da ist es kein Problem, dass entweder die Studierenden oder die Lehrenden pendeln.

Das gilt aber nicht für alle Hochschulen im Land. Wir haben eine breit gefächerte Hochschullandschaft, und wir sind sehr stolz darauf, dass wir auch Hochschulen im ländlichen Raum und abseits von Ballungsgebieten haben. Dort sind solche Ko operationen jedoch nicht möglich.

Man fragt sich schon: Wie stellen Sie sich das im gesamten Land vor? Haben wir dann Lehrerausbildung mit unterschied lichem Niveau? Haben wir dann in Baden-Württemberg eine Lehrerausbildung erster und zweiter Klasse? Soll es vielleicht

an einigen Standorten nur noch möglich sein, das Bachelor studium für das Lehramt zu absolvieren? All das ist völlig un klar, und Fragen dazu werden in der Stellungnahme zu unse rem jüngsten Antrag nicht beantwortet.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Die wissen es selbst nicht! – Zuruf des Abg. Daniel Andreas Lede Abal GRÜNE)

Die CDU war immer dagegen, dass es einen Flaschenhals gibt. Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, dass das Lehr amtsstudium ein einheitliches ist und auch das Referendariat mit umfasst. Aber jetzt wird es wohl diesen Flaschenhals, die ses Nadelöhr, an zwei Stellen geben. Das halten wir nicht für klug.

Sie entlassen die Lehramtsstudenten möglicherweise mit ei nem Bachelorabschluss auf einen Arbeitsmarkt, den es noch gar nicht gibt, oder nehmen in Kauf, dass sie andere Kräfte aus ihrem bisherigen Wirkungsfeld verdrängen.

(Zuruf des Abg. Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr GRÜNE)

Bisher finden wir das Konzept ganz und gar nicht rund und schlüssig. Frau Ministerin, Herr Minister, da liegt einfach sehr vieles im Vagen und ist völlig unausgegoren. Man hat den Ein druck, dass der Kultusminister sich ziemlich zurückhält. Bis her ist alles nur Sache der Wissenschaftsministerin. Dafür ha be ich kein Verständnis.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Der hat andere Sor gen!)

Ich finde, Sie haben auch für Ihre zukünftigen Beamten eine Art Fürsorgepflicht. Sie haben gestern bei der Vorstellung des IQB-Ländervergleichs selbst gesagt und auch bestätigt be kommen, dass der Lehrer für den Unterricht elementar wich tig ist. Es kommt also auf den Lehrer an. Denn nur der Leh rer bzw. die Lehrerin machen den guten Unterricht, den wir für die entsprechenden Ergebnisse brauchen. Aber Ihnen fällt nichts anderes ein, als sich nur zu Strukturfragen zu äußern. Der Inhalt bleibt wieder völlig außen vor.

Noch einmal: Wir sind froh, dass Sie sich vom Einheitslehrer verabschiedet haben und es das eigenständige Gymnasiallehr amt

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Das ist noch nicht sicher!)

und das Sonderschullehramt weiterhin geben wird. Da haben Sie klug entschieden und sind unseren Vorschlägen gefolgt. Auch mit der grundsätzlichen Umstellung auf Bachelor und Master können wir leben. Sie sind aber wieder auf halber Stre cke stecken geblieben. Auf jeden Fall lassen Sie die Öffent lichkeit völlig im Unklaren über Ihre Vorhaben. Vielleicht er fahren wir heute mehr. Das Thema steht auf der Tagesordnung, damit Sie die Gelegenheit haben, die staunende Öffentlichkeit über Ihre Vorhaben zu informieren.

Ansonsten machen wir uns wirklich große Sorgen über die Attraktivität des Lehrerberufs – und das in Zeiten, in denen sich alle Berufszweige Sorgen machen müssen, wie sie ihren Nachwuchs rekrutieren. Der Lehrerberuf muss attraktiv blei ben. Denn wir brauchen gute Lehrer für guten Unterricht für

bestens qualifizierte Schülerinnen und Schüler aus BadenWürttemberg.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP)

Für die Fraktion GRÜ NE erteile ich Herrn Abg. Lehmann das Wort.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Frau Kurtz, nehmen wir die Daueraufre gung der Opposition im Bildungsbereich,

(Abg. Matthias Pröfrock CDU: Nicht nur der Oppo sition! – Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Aller Leh rerverbände! – Zuruf der Abg. Sabine Kurtz CDU)

also das Grundrauschen, das seit fast drei Jahren mit den Schlagwörtern „Einheitsschule, Einheitslehrer, Gleichmache rei“ durchs Land geht, das alle bildungspolitischen Debatten überschattet

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Überlagert!)

wie ein Filter, weg und schauen uns an, was der CDU-Lan desvorstand letztes Jahr beschlossen hat. Ich zitiere:

Junge Lehrerinnen und Lehrer sehen sich aber häufig un zureichend auf ihren beruflichen Alltag vorbereitet. Trotz der Praxisanteile im Studium stellt sich die erste Erfah rung im Beruf für sie neu und anders dar. Die Universi täten orientieren sich zu wenig an den Anforderungen des späteren Berufs der Lehramtsstudierenden; die Pädago gischen Hochschulen sind dagegen fachwissenschaftlich nicht in dem Maße ausgewiesen. Eine Vorbereitung auf die wachsende Inklusion an den Regelschulen gibt es bis lang nicht.

(Abg. Sabine Kurtz CDU: Wo ist Ihre Antwort?)