Protocol of the Session on June 29, 2011

Eine andere Erklärung für die hohen Kosten ist häufig, dass die Bahn Einnahmeausfälle dadurch habe, dass sie investiert habe. Es gab jedoch vor einigen Jahren schon einmal einen schleichenden Baustopp, der nicht etwa von den Grünen oder einer Bürgerbewegung verursacht worden war, sondern dar aus resultierte, dass die Bahn selbst nicht so richtig wollte und damals auch Debatten um die Fragen geführt wurden: Kann man schieben? Muss man schieben? Wie geht das denn?

Die Rechnungen, die damals angestellt wurden, haben erge ben, dass es für die Bahn kostenneutral ist, wenn die Baumaß nahmen zeitlich verschoben werden. Denn dieses Projekt ist für die Bahn so hart an der Wirtschaftlichkeitsgrenze, dass sich die Summen, die investiert werden, mit den Beträgen, die dadurch herauszuholen sind, allenfalls die Waage halten. Wenn die Bahn Investitionen nicht tätigt, hat sie sogar eher einen Vorteil als einen Nachteil.

Das sind zwei Beispiele, die zeigen: Diese Rechnung war nicht nachvollziehbar. Sie war grandios überzogen. Deswe gen konnten wir auch nicht einen Antrag stellen, der lautet: Baustopp, und wir zahlen. Das war sozusagen die klare An forderung: Wer den Baustopp will, muss bezahlen. Das haben

wir nicht getan. Ich hoffe, Sie konnten nachvollziehen, dass diese Entscheidung richtig war und dass es auch im Sinne die ses Landtags war, die Mittel nicht einfach hierfür auszugeben.

Natürlich stellt sich jetzt die Frage: Wie geht es weiter? Die Landesregierung erwartet natürlich, dass die Bahn auf den de mokratischen Prozess Rücksicht nimmt, der jetzt eingeleitet wurde, an dem sie selbst teilgenommen hat und der ihr wich tig war, nämlich das Schlichtungsverfahren. Wenn es nach dem Schlichtungsverfahren zu einer Volksabstimmung kommt, wird erwartet, dass die Bahn in der Zwischenzeit nicht so weiter baut, dass die Kosten für einen Ausstieg immer größer wer den. Andersherum gesagt: Die Summe der Fehlinvestitionen – wenn denn der Volksentscheid zu einer Ablehnung des Pro jekts führt – darf nicht immer größer werden.

Insofern können wir die Bahn auch nur davor warnen, lustig weiterzubauen. Sie trägt dann das hohe Risiko von Fehlinves titionen. Auch deswegen sagen wir: Baut nicht weiter.

(Zuruf des Abg. Dr. Reinhard Löffler CDU)

Haltet inne. Wartet ab, bis die Bevölkerung entschieden hat. Das wäre die richtige Grundlage.

Vielen Dank.

(Beifall bei den Grünen und des Abg. Claus Schmie del SPD)

Das Wort hat Herr Abg. Haußmann für die Fraktion der FDP/DVP.

Sehr geehrte Frau Prä sidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Selbstverständlich wissen auch wir, dass seit dem 14. Juni weitergebaut wird. Deshalb werden wir hier auf eine Beschlussfassung verzich ten. Wir möchten aber darum bitten, den Antrag an den Aus schuss zu verweisen, weil wir doch noch einige Fragen haben, die wir hier jetzt nicht weiter vertiefen wollen.

Im Umkehrschluss interpretiere ich Ihre Ausführungen, wenn ich Sie richtig verstanden habe, Herr Minister Hermann, so: Wenn die Bahn plausible Zahlen vorgelegt hätte,

(Abg. Claus Schmiedel SPD: Sattle nie ein totes Pferd, heißt das wohl!)

dann hätten Sie sich also durchaus bereit erklärt, für den Bau stopp finanziell mit aufzukommen. Insofern ist natürlich nach vollziehbar, dass es überhaupt nie plausibel werden kann. Denn sonst hätte man für die Kosten aufkommen müssen.

Diese Frage würden wir gern noch einmal vertiefen, um zu erfahren, inwiefern die Plausibilität vorhanden ist.

Für uns ist es auch ein Widerspruch, einerseits die Mitverant wortung der Deutschen Bahn zu fordern, andererseits aber zu sagen: „Jetzt warten wir einmal, bis die Volksabstimmung kommt“, ohne zu wissen, wann sie kommt.

Wir würden dies alles gern noch einmal vertiefen. Ich will die Sitzung heute aber nicht verlängern und bitte daher einfach um Überweisung an den zuständigen Ausschuss.

Danke schön.

Meine Damen und Her ren, mir liegen keine weiteren Wortmeldungen vor.

Dann kommen wir zur geschäftsordnungsmäßigen Behand lung des Antrags Drucksache 15/24. Abschnitt I des Antrags ist ein Berichtsteil und kann somit für erledigt erklärt werden. Bei Abschnitt II verzichten Sie jetzt auf eine Abstimmung und schlagen vor, diesen Abschnitt an den Ausschuss für Verkehr und Infrastruktur zu überweisen. Stimmen Sie der Überwei sung an den Ausschuss zu? – Das ist der Fall. Dann ist es so beschlossen.

Damit ist Tagesordnungspunkt 5 erledigt.

Wir sind damit am Ende der heutigen Plenarsitzung.

(Abg. Helmut Walter Rüeck CDU: Schade, Frau Prä sidentin! Jetzt hat es richtig Spaß gemacht!)

Die nächste Sitzung findet morgen um 9:30 Uhr statt.

Die Mitglieder der Geschäftsordnungskommission bitte ich jetzt im Anschluss an die Plenarsitzung zur konstituierenden Sitzung in den Josef-Schofer-Saal.

Ich danke Ihnen ganz herzlich, wünsche Ihnen einen angeneh men Abend und schließe die Sitzung.

Schluss: 17:40 Uhr

Anlage

Vorschlag

der Fraktion der CDU

Umbesetzung im Ausschuss für Finanzen und Wirtschaft

Ausschuss Funktion scheidet aus tritt ein

Ausschuss für Finanzen stellvertretendes Mitglied Rombach Wacker

und Wirtschaft

29. 06. 2011

Peter Hauk und Fraktion